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1884.

Dienstag den 19. August.

98.

Oberhessischer Anzeiger.

Wird hier und in Bad-Nauheim Montag, Mittwo und Freitag Abend ausgegeben.

0 Kreisblatt für den Kreis Friedberg.

Erscheint dreimal wöchentlich und zwar Dienstag, Donnerstag und Samstag.

Die einspaltige Petitzeile wird bei Annoncen mit 11 Pf. berechnet, bei größerem Tabellen- oder Ziffersatz mit 14 Pf., bei Reclamen mit 22 Pf.; ein Beleg kostet 9 Pf.

Annoncen von auswärtigen Einsendern(soweit Letztere nicht Jahresconto bei uns haben), welchen der Betrag nicht beigefügt ist, werden stets per Post nachgenommen.

Amtlicher Theil.

Betrefsend: Maßregeln gegen gesundheitsschädigende Mißstände.

Das Großherzogliche Kreisamt Friedberg an die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises.

Nach Art. 36 der allgemeinen Bauordnung sind neue oder bestehende Düngerstätten u. s. w. so zu verwahren, daß die Jauche oder andere Flüssigkeiten weder auf Straßen und öffentliche Plätze fließen, noch auf oder in nachbarliches Gebiet dringen, noch Brunnen verun

reinigen können.

n Sie wollen alsbald diese Vorschrift ortsüblich zur Keuntniß Ihrer Gemeindeangehörigen bringen und auf dieser Beziehung vorhandenen Mißstände hinwirken, erforderlichenfalls Strafanzeige auf Grund des Art. 80 der allgemeinen

Art. 112 des Polizeistrafgesetzbuchs) erheben lassen.

Friedberg den 16. August 1884.

Beseitigung, der in Bauordnung(oder

Dr. Braden.

Deutsches Reich.

Darmstadt. Der Kreisrath Hallwachs in Dieburg wurde zum Kreisrath in Offenbach, der Regierungsrath Heß in Mainz zum Kreis rath in Dieburg, der Regierungsrath v. Zangen in Gießen zum Rath bei der Provinzialdirection Rheinhessen, der Ministerialsecretär 1. Kl. Re gierungsrath v. Bechtold zum Rath bei der Pro vinzialdirection Oberhessen mit dem Amtstitel Regierungsrath, der Kreisassessor Dr. Linß zu Darmstadt zum Ministerialsecretär, der Kreis assessor Freih. Dr. v. Wedekind in Mainz zum Kreisassessor in Darmstadt und der Regierungs accessist Fey aus Altheim zum Kreisassessor in Mainz ernannt.

Berlin. Eine kaiserliche Ordre vom 12. d. ordnet die Bildung zweier Marineinspectionen (Kiel und Wilhelmshaven) an, welchen alle Be ziehungen der Marine-Stationscommandos der Ostsee resp. Nordsee unterstehen und denen eine Matrosendivision, eine Werftdivision, die Frei willigenschulschiffe, ein Maschinisten-Schulschiff, ein Wachtschiff und alle in der ersten Reserve stehenden oder mit reducirter Besatzung im Dienst befindlichen Schiffe unterstellt sind. Der Marine inspecteur hat die Rechte und die Pflichten eines Brigadecommandeurs der Armee. Die Stellung der zweiten Admirale geht ein. Contreadmiral Blanc wurde zum Inspecteur der ersten Marine inspection ernaunt und Kapitän Kall mit den Geschäften der zweiten Marineinspection betraut. Ferner wird eine Schiffsprüfungscommission mit dem Sitze in Kiel gebildet.

Gegenüber der Times, welche in ihrer Nummer vom 7. d. Mts.die Deutschen als übellaunig bezeichnete und die Hoffnung aus drückte, daß dieser Anfall bald vorübergehe, wobei hinzugefügt wurde, es sei schwierig, Leute zu befriedigen, welche den verachten, der ihnen nachgibt, und den anmaßend nennen, der es nicht thut, sagt die Nordd. Allg. Ztg., es gebe keinen ungerechteren Vorwurf gegen eine Politik, welche wie die deutsche Nichts erstrebe, als die Vertretung berechtigter Interessen ihrer Reichs angehörigen und die Wahrung der Rechte der deutschen Souveränetät auf dem Fuße der Gleich heit mit allen anderen Staaten, England nicht aus geschlossen. Wir wissen nicht, wo England jemals sich gegen uns nachgiebig gezeigt hatte, wissen aber wohl, daß Deutschland seit Jahren die englische Politik in uneigennütziger Weise unter stützte, ohne dafür etwas Anderes zu eruten, als übelwollende Behandlung seiner überseeischen

Interessen seitens Englands selbst und seiner

Colonialregierungen.

16. Aug. Schlözer ist gestern von Varzin zurückgekehrt.

München. Der dem Kriegsminister Mai linger neuerdings ertheilte mehrmonatliche Ur laub wird in den betheiligten Kreisen lebhaft

discutirt, da demselben der schon alljährlich statt findende Aufenthalt in Feldafing vorangegangen war und einige Blätter in Anknüpfung hieran von einer bevorstehenden Niederlegung des Kriegs ministerial-Portefeuilles sprechen.

Ausland.

Dänemark. Kopenhagen, 16. Aug. Die außerordentliche Session des Reichstags wurde heute geschlossen.

Frankreich. Paris, 15. Aug. Kammer. Passy(linkes Centrum) und Perin(Radicaler) sprachen gegen die Tonkin-Credite und warfen der Regierung vor, den Versprechungen Chinas zu leicht Glauben geschenkt zu haben. Dieselben sprachen den Gedanken aus, die chinesische Streit frage einem Schiedsgerichte zu unterbreiten. Die Kammer nahm die Creditforderungen mit 350 gegen 152 Stimmen an. Ferry erklärte auf eine Anfrage, die Nachricht desMatin, die Howas hätten Tamatave, die Hauptstadt von Madagaskar, genommen, als erfunden und ver las darauf eine Depesche des Admirals Miot, welche die vollständige Sicherheit und gute Lage auf Madagaskar constatirt. Der Ackerbauminister legte einen Gesetzentwurf vor, betr. die Erhöh ung des Eingaugszolls für fremdes Vieh. Gesetzentwurf schlägt vor, den Eingangszoll für Ochsen von 15 auf 25 Fres., für Stiere und Kühe von 8 auf 12, für Hämmel von 2 auf 3, für Lämmer von 0.50 auf 1 Fre., für Schweine von 3 auf 6 und für gesalzenes Fleisch von auf Fres. zu erhöhen.

16. Aug. Der Senat hat heute Vor mittag eine Sitzung zum Zwecke der Berathung des Credits für Tonkin abgehalten. Bei der Abstimmung über die Creditvorlage im Ganzen erfolgte deren Annahme mit 193 gegen 1 Stimme. Der Senat vertagte sich sodann bis Nachmittags, wo der Schluß der Session erfolgte.

16. Aug. Die der Regierung nahestehen den Journale erklären die heutigen eine Ver schärfung des französisch-chinesischen Conflicts betreffenden Meldungen der Times für unbe gründet. Die Nachricht, daß China das Aner bieten einer Entschaͤdigungsleistung zurückgezogen habe, wird vom Temps noch speziell dementirt. Die Nachricht der Times von einer Kriegser klärung Chinas an Frankreich wird allgemein als unrichtig bezeichnet. Nach einem Telegramm des Reuter'schen Bureaus aus Shanghai von heute lagen auch dort keine Nachrichten aus Peking vor, welche jene Meldung der Times irgendwie bestätigten.

Großbritannien. London. Wie Daily Telegraph wissen will, würde bei der Insel Hel goland ein euglisches Kanonenboot zum Schutze der Fischerei stationirt.

Rußland. Petersburg. Die russische Peters burger Zeitung erfährt, daß uach einer mit Oester⸗

Der

reich abgeschlossenen Convention der Verkehr der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft des Gerichtsbezirks Warschau mit den Gerichtsbe hörden der Krakauer und Lemberger Gerichts bezirke künftig in allen Civil- und Criminalsachen direct stattfinden soll.

Anläßlich der am 3. August in Rowno vorgekommenen Ausschreitungen gegen die Juden begab sich der Gouverneur von Wolhynien per sönlich nach Rowno.

Ju Betreff der Nachrichten auswärtiger Blätter über die Entdeckung eines Complotes in Warschau, theilt das Journal de St. Peters burg mit, es sei allerdings in Warschau eine Untersuchung gegen eine revolutionäre Zwecke ver folgende Gesellschaft eingeleitet. 32 Personen seien verhaftet worden, davon seien drei Orthodoxe, einundzwanzig Katholiken und sieben Ifrageliten. Bei den Haussuchungen seien weder Dynamit noch Waffenvorräthe, sondern lediglich Publikationen, Preklamationen und Schriftstücke aufrührerischen Inhalts gefunden worden, kurz das gewöhnliche Juventar revolutionärer Verbindungen.

Amerika. Washington, 15. Aug. neue deutsche Gesandte v. Alvensleben ist hier eingetroffen.

Asien. Peking. Die Behörden in Peking ergreifen Vorsichtsmaßregeln gegen öffentliche Demonstrationen. Das von dem französischen Gesandten Patenotre bewohnte Haus wird von Truppen beschützt.

Der verstorbene König von Annam wurde durch anti-französische Mandarinen vergiftet, und es entstanden infolge dessen bedenkliche Ruhe störungen. Die Schwarzflaggen von Laokai und auch(wie gerüchtweise verlautet) eine Anzahl chinesischer Truppen marschiren in südlicher Richt ung auf Tuyen Kwan, welches ein isolirter Posten ist. Die tonkinesischen Piraten machen den West fluß unsicher und verwüsten auch die Gegend nördlich von Haiphong. Unter den französischen Truppen nehmen die Krankheiten zu.

Aus Stadt und Land.

e. Friedberg. Der Wetterauer Zweigverein der Gustav⸗Adolf Stiftung hielt seine diesjährige Festversamm lung in Staden am 10. August ab. Die Gemeinde nahm an dem Feste den regsten Antheil und bereitete den Fest gästen, unter denen die Frauenvereins mitglieder, die Bewohner von Friedberg und Stammheim und die Geistlichkeit der Umgegend besonders zahlreich unter der Gunst des herrlichsten Wetters erschienen waren, eine freundliche Aufnahme. Die mit frischem Grün geschmückte Kirche war bis in die fernsten Winkel gefüllt. Die Festpredigt über Offenb. Joh. 3,11Halte was du hast, daß Niemand deine Krone raube, hielt Professor Dr. Köstlin von hier. Er führte dieses Wort als einen Weckruf der Mutterkirche an die Diaspora aus und als eine Bitte der Diaspora an die Muttergemeinde und machte durch seine ergreifende, warme und klare Predigt die Herzen zur binderurg der Noth in der Diaspora, für die er selbst thätig gewesen, empfänglich Leider war der Vereinsseeretär Prof. Dr. Weiffenbach durch einen Trauerfall am Erscheinen verhindert. Den von

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