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Betreffend: Die Ausführung der allgemeinen Bauordnung, hier die Revision genehmigter Bauten und

Feuerungsanlagen.

Friedberg den 4. April 1884.

Das Großherzogliche Kreisamt Friedberg an die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises.

Nach Artikel 77 der allgemeinen Bauordnung und§. 101 der Ausführungsverordnung dazu, ist bei den genehmigungspflichtigen Bau

wesen, für welche der Baubescheid von uns ertheilt wurde, von der erfolgten Rauhbaurevision Anzeige an uns durch Sie zu erstatten.

Ju

dieser Anzeige haben Sie zu bemerken, ob die Ausführung des Baues vorschriftsmäßig erfolgt ist, oder ob und welche Anstände sich bei der Revision ergeben haben und binnen welcher Frist der Bauherr diese Anstände beseitigen will.

der Revisionsberichte über die in der Zeit vom 1.

Rückstande sind, werden an Einsendung erinnert.

Diejenigen von Ihnen, welche mit Einsendung

October v. J. bis 1. April d. J. vollendeten, genehmigungspflichtigen Bauwesen noch im

Dr. Braden.

Deutsches Reich.

Darmstadt, 16. April. Der Großherzog, der Erbgroßherzog und die Prinzessinnen, nebst dem Großfürsten Sergius haben sich heute zum Besuch der Blumen- und Pflanzenausstellung nach Mainz begeben.

17. April. Die Königin Viktoria und Prinzessin Beatrice sind heute Vormittag mit Extrazug von Vliessingen via Mainz hier einge troffen. Dieselben wurden von dem Großherzog und den Prinzessinnen Viktoria und Elisabeth, sowie dem Prinzen Heinrich begrüßt und nach dem Neuen Palais geleitet, wo dieselben für die Dauer ihres hiesigen Aufenthaltes residiren werden.

Der Steueraufseher Vigelius in Mainz wurde auf Nachsuchen, unter Anerkennung seiner Dienste, der Reallehrer Simon zu Mainz auf Nachsuchen, unter Anerkennung seiner Dienst führung, in den Ruhestand versetzt und demselben das Ritterkreuz 1. Kl. des Philipps-Ordens ver liehen, sowie der Obersteuercalcul. 1. Kl. Dr. Knell in Darmstadt zum Steuercontroleur ernannt.

Berlin, 16. April. Dem Kaiser ist die gestrige und heutige Ausfahrt im geschlossenen Wagen recht gut bekommen. Das Befinden der Kaiserin ist heute etwas besser.

17. April. Der Kaiser wohnte heute Abend, zum ersten Mal seit seiner Genesung, der Vorstellung derWalküre im Opernhause bei. Das Befinden der Kaiserin hat sich er heblich gebessert. Dieselbe konnte heute mehrere Stunden außer Bett zubringen. Die Abreise des Kaisers nach Wiesbaden ist der ungünstigen Witterung wegen vorläufig verschoben.

Die Stellung des Reichskanzlers inner halb des preußischen Ministeriums bleibt nach der K. Z. vorläufig wie bisher. Das Blatt hört mit Bestimmtheit, daß der Kaiser zunächst seine völlige Wiederherstellung abwarten will, bevor er eine Entscheidung trifft, zu welcher der Monarch sich lieber nicht herbeilassen möchte.

Cultusmivister v. Goßler hat beschlossen, dem Beispiele Sachsens folgend, in einem Lehrer Seminar versuchsweise den Handfertigkeitsunter richt als Lehrgegenstand für Knaben einzuführen.

Posen. DerKuryer widerspricht nach einer ihm von Rom zugegangenen Meldung der Nachricht der Schles. Volksztg. von der Resignation Ledochowski's. Die Germania be merkt dem gegenüber: Die Nachricht über den Verzicht stammt aus einer so zuverlässigen Quelle, daß wir das Dementi desKuryer nicht ver stehen. Hierzu bemerkt der Moniteur de Rome: Die Nachricht, daß Ledochowski resignirte, und daß der Papst die Resignation angenommen habe, ist zum Theil verfrüht. Die Schles. Volksztg. berichtigt die verschiedenen Meldungen dahin, daß die Resignation eingereicht, vom Papste je doch nicht angenommen worden sei.

Frankfurt, 16. April. Gestern und heute wurden von hiesigen Geheimschutzleuten Haussuch ungen bei in Rödelheim wohnenden Socialdemokra ten vorgenommen, die zu 2 Verhaftungen führten.

Straßburg. In Altkirch im Oberelsaß beschlagnahmte die Polizei am 11. d. eine 84 Kilo schwere Kiste, welche socialdemokratische Schriften enthielt. Dieselben sind aus der Schweiz von Frauenspersonen in kleinen Packeten über die Grenze geschmuggelt; die Kiste sollte nach Mann heim gesandt und von dort nach verschiedenen Städten expedirt werden.

Ausland. Frankreich. Paris, 16. April. Der Botschafter Mohrenheim überreichte dem Präsi denten am Sonnabend seine Creditive.

Was die Gesellschaft von Anzin mit Sicherheit erwartet ist hier eingetroffen: Die Strikenden haben alle ihnen zu Gebote stehen den Geldmittel erschöpft und können nicht länger die Arbeit einstellen. Da die 7000 Franken täglich, deren sie bedürfen, um nicht Hungers zu sterben, ausbleiben, werden sie heute oder morgen nach H56tägigem Widerstande wieder in die Gruben hinuntersteigen.

Großbritannien. London. Der Secre tär des fenischen Bruderbundes, Patrick Joyce, erließ ein Manifest an die Irländer des In halts, der Bruderbund sei entschlossen, den Krieg gegen England mit den wissenschaftlichen Mitteln, die sich so wirksam bewiesen hätten, fortzusetzen. Er fordert deßhalb die Irländer auf, dem Bruderbunde beizustehen, um die Freiheit und Neugeburt Irlands herbeizuführen.

Portugal. Lissabon. Das portugiesische Blatt Comercio erklärt die in Madrid ver breitete Nachricht, der Kronprinz von Portugal werde daselbst erscheinen, um sich um die Hand der Infantin Eulalia, der jüngsten Schwester des Königs Alfons, zu bewerben, für unbegründet.

Türkei. Konstantinopel, 16. April. Einer Meldung des Bureau Reuter zufolge hätte der Minister des Aeußeren, Arifi Pascha, demissionirt und wäre durch Assym Pascha ersetzt worden.

17. April. Die NachtMiramar mit dem österreichischen Kronprinzenpaar lief in Begleit ung der BachtenIzzedin undTaurus heute Morgen bei prachtvollem Wetter in den Bos porus ein. An der Mündung der Meerenge wurde das kronprinzliche Paar von mehreren tausend Personen aller Nationalitäten, vorwiegend Oesterreichern, Ungarn und Belgiern, an Bord sehr glänzend beflaggter Lloydschiffe, stürmisch

begrüßt. In einem Hofgalawagen erfolgte so fort die Fahrt nach Vildis-Kiosk. Alle im Hafen ankernden fremden Schiffe waren be

flaggt. Das Kronprinzenpaar wurde am Perron Vildis-Kiosk vom Großvezier und den Kämme rern empfangen und zum Thronsaal geleitet. Der Sultan ging ihnen entgegen. Nach einem viertelstündigen Aufenthalte verabschiedete sich das Kronprinzenpaar. Der Sultan bot der Prinzessin Stephanie den Arm und begleitete die Gäste bis zum Perron. Einige Minuten da rauf erwiederte der Sultan den Besuch in dem den Gästen zur Verfügung gestellten Kiosk.

Rußland. Petersburg, 16. April. Die Königin von Griechenland ist gestern hier ein getroffen.

Der verhaftete Mörder Sudejkins ist von Moskau hier eingebracht; welche näheren Aussagen er gemacht, ist jedoch noch nicht bekannt.

Egypten. Kairo, 17. April. Zehber Pascha hat die von Gordon ihm übersandte Ernennung zum Gouverneur-Adjutanten des Sudan abgelehnt.

Amerika. Washington, 15. April. Das Repräsentantenhaus beschloß mit 140 gegen 138 Stimmen, in die Berathung der Artikel der Bill über die Abänderung des Zolltarifs einzutreten.

Aus Stadt und Land.

u. Friedberg. Das Gr. Ober Consistorium hat eine neuebiblische Geschichte zur allmäligen Einführ ung in allen evang. Schulen des Landes erscheinen lassen. Darum ist es zeitgemäß, auf§. 107 der evang. Kirchen verfassung hinzuweisen. Derselbe lautet:Insbesondere dürfen nur mit Zustimmung der Landessynode neue Religionsbücher, Gesangbücher und Agenden eingeführt werden, vorbehältlich jedoch des Ablehnungs⸗ rechts der Gemeinden. Es hängt danach von dem Beschluß des Schul- und Kirchenvorstandes einer jeden

einzelnen Gemeinde ab, ob sie die neuebiblische Ge- getrotzt.

schichte einführen will, oder nicht einführen will. Bei Einführung des neuen Gesangbuchs hat man dies Ab

lehnungsrecht der Gemeinde respectirt, bei der neuen biblischen Geschichte muß es ebenfalls berücksichtigt werden.

Friedberg. Denjenigen, welche s. Z. die Eingabe an Kaiserl. Vostamt wegen Anstellung eines 3. Brief⸗ trägers unterzeichneten, zur gefl. Nachricht, daß die Antwort katserl. Oberpostdirektion in Darmstadt ablehnend ausfiel. Die Antwort selbst kann auf dem Bureau des Oberh. Anzeigers eingesehen werden.

Mainz, 15, April. Die Einbrecher scheinen es in unserer Stadt auf die Kirchen abgesehen zu haben, denn in der Nacht von Sonntag auf Montag wurde auch in der Peterskirche der Versuch gemacht, die Thüren der selben gewaltsam mittelst Nachschlüssel zu öffnen. Die Schlüssel waren aber so leicht gearbeitet, daß die Bärte derselben abbrachen und in den Thürschlössern stecken

blieben. Wie man hört, soll man den Thätern auf der Spur sein. Mainz, 16. April. In Zornheim hat eine Frau

ihren Mann, mit dem sie schon seit längerer Zeit nicht auf gutem Fuße lebte, mittelst Phosphor verglftet. Dle Thäterin ist bereits von der dortigen Ortsbehörde verhaftet worden und hat sich heute Vormittag die Staatsanwaltschaft von hier und das Untersuchungs gericht nach dort begeben, um den Fall festzustellen.

Allerlei.

München, 17. April. Der deutsche Geographentag wurde heute in Gegenwart der Minister v. Lutz, v. Crails heim und v. Feilitzsch eröffnet. Prinz Ludwig übernahm das Ehrenpräsidium.

Wien, 14. April. Der oberste Gerichtshof hat seine Entscheidung in Sachen der drei zum Tode verurtheilten Verbrecher Karl Schenk, Hugo Schenk und Schlossarek, von welchen Ersterer vom Kaiser begnadigt worden ist, abgegeben. Dasselbe lautet, entsprechend den Anträgen des eisten Gerichtshofes, auf Begnadigung des Karl Schenk und Hinrichtung des Hugo Schenk und des Karl Schlossarek. Die Hinrichtung dürfte in den letzten Tagen des April vollzogen werden.

Reval, 17. April. Ein gestern Abend ausgebrochener Schneesturm bedeckt Alles. Mächtige Schneemassen ver sperren die Straßen. Der Schnee reicht stellenweise bis an die Dächer der zweistöckigen Häuser. Der Elsenbahn verkehr ist eingestellt und zur Freimachung wurde Militär beordert. Nachts brach eine Feuersbrunst aus, mehrere Häuser sind niedergebrannt und viel Vieh ist umgekommen.

Gerichtssgal.

Bad⸗Nauheim. In der Donnerstag den 17. April l. J. dahier stattgehabten Schöffengerichtssitzung wurde in folgenden Fällen erlannt: 1) gegen Phtlipp Künstler von Nieder-Mörlen, wegen Hausfriedensbruchs, Sach beschädigung, Bedrohung und Beleidigung, auf eine Ge fängnißstrafe von 5 Wochen und die Kosten; 2) gegen Georg Reimer von Schwalhelm, wegen Beleidigung, auf eine Gefängnißstrafe von 5 Tagen und die Kosten; 3) gegen Kaspar Vogler auf dem Hof Hasselheck, wegen strafbaren Eigennutzes, auf eine Geldstrafe von 320 M. und die Kosten; 4) gegen Christian Fiedler von Bad Nauheim, wegen Uebertretung des Vahnpoltizei-Regle ments, auf eine Geldstrafe von 2 M. event. 1 Tag Haft und die Kosten; 5) gegen Christian Driller von Weckesheim, wegen Diebstahls, auf eine Gefängniß strafe von 3 Tagen und die Kosten; 6) gegen Heinrich Schilling von Wölfersheim, wegen Diebstahls, auf eine Gefängnißstrafe von 4 Wochen und die Kosten; 7) gegen Heinrich Michel von Schwalhelm, wegen Hundesteuer Unterschlagung, auf eine Geldstrafe von 10 m. und die Kosten; 8) gegen Heinrich Fisch und Valentin Sprengel, beide von Bad Nauheim, wegen Diebstahls, bezw. Be⸗ günstigung, gegen Ersteren auf eine Gefängnißstrafe von 6 Wochen und gegen Letzteren auf eine solche von 5 Tagen und auf je die Hälfte der Kosten; 9) in der Privat klagesache der Bernhard Stoll Wittwe von Bad⸗Nauheim gegen Wilhelm Zinthöfer Wittwe von da, wegen Be leidigung, wurde die Angeklagte in eine Geldstrafe von 36 M und in die Kosten verurtheilt, die Wiederbeklagte Stoll Wittwe jedoch von Strafe und Kosten freigesprochen.

Das Eckhaus an der Schirngasse.

Durch den Umbau des jetzt von Metzger G. Hanstein erworbenen Hauses on der Ecke der Schirngasse wird wiederum eines jener mittelalterlichen Häuser mit ihren Ueberbängen und gewaltigen Giebeldächern verschwinden, welche unserer Kaiserstraße ihren alterthümlichen und eigenthümlichen Reiz verleihen. Welt hinauf in's vier zehnte Jahrhundert, wohl nahe an das 13., ist seine Grundsteinlegung zu setzen. Hierfür zeugt die frühere Spitzbogenthüre und die noch zum Theil erhaltenen, gothischen Fenster. Seine gewaltigen, meterdicken Mauern baben den verheerenden Bränden des 14. Jahrhunderts Das später darauf errichtete, bis jetzt noch

stehende Fachwerk ist wenigstens in das 15. Jahrhundert

zu setzen, da schon ganz zu Anfang des 16. Jahrhunderts

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