Ausgabe 
18.11.1884
 
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Mainz, 14. Nov. Eingebracht wurde gestern ein Oekonom aus einem Orte in der Nähe von Alzey wegen Brudermordes. Der Angeschuldigte soll in den letzten Tagen demNeuen zu sehr zugesprochen und der Bruder ihm darüber Vorwürfe gemacht baben; vorgestern kam es nun zwischen den beiden Brüdern zu einem Wort wechsel; in der Aufregung ergriff der Eingezogene eine Hacke und schlug dieselbe seinem Bruder derart auf den Kopf, daß der Getroffene mit einem lauten Aufschrei todt zu Boden stürzte.

Allerlei.

Hanau, 14. Nov. Heute Mittag 12 Uhr stieß der von Bebra kommende Personenzug Nr. 26 vor dem Bahnhof dahier auf einen vorausgegangenen und noch vor dem Bahnhof haltenden Güterzug, während gleich zeitig ein Güterzug, der soeben den Bahnhof verlassen hatte, auf dem parallel laufenden Nebengeleise angedampft kam. Der Personenzug traf mit voller Kraft von hinten den stillstehenden Guͤterzug In Folge dessen entgleisten die Locomotive und eine Anzahl Wagen, bie zum Theil auf das Nebengeleis stürzten. In diese fuhr der auf diesem Geleise von Hanau kommende Güterzug hinein und vollendete das Werk der Zerstörung. Getödter, resp. nach⸗ träglich gestorben sind 22 Personen und ca. 20 verwundet, zum Theil sehr schwer. Zertrümmert respective beschädigt wurden eine Locomotive und 14 Personen⸗ und Güter⸗ wagen aus allen drei Zügen. Das Unglück ist darauf zurückzuführen, daß dem von Bebra kommenden Zug vor der Blockstation von der Station Hanau aus irrthümlich das Zeichen gegeben wurde, das Geleise, auf dem der Güterzug hielt, sei frei. Der Locomotivführer des Bebraer Zuges konnte den Güterzug nicht sehen, weil hinter dem Block das Geleise durch eine Ueberführung der Friedberger Bahn verdeckt wird und fuhr natürlich vorwärts. Am schlimmsten sind die gleich hinter dem Tender folgenden Wagen vierter Classe zugerichtet worden. Dieselben waren dicht besetzt mit Weibern und Männern vom Lande, meist arme Butterbändler und Händlerinnen. Unter diesen Leuten hat der Tod eine furchtbare Ernte gehalten und unter ihnen finden sich die fürchterlichsten Verstümmelungen. Einem Mann ist der Leib vollständig aufgerissen, eine Frau wurde mitten durch in zwei Theile zerschnitten, mehreren Personen sind die Köpfe abgefahren, andere so zerquetscht worden, daß sie völlig unkenntlich sind. Einer alten Frau drang der Puffer eines Waggons so tief in die Brusthöhle, daß sie an demselben bängen blieb und ihr Körper nur mit Mühe von dem Puffer losgemacht werden konnte. Die Unglückliche lebte noch, als man das grausige Werk ihrer Loslösung beendet hatte. Einem Manne wurde von einem Eisentheil die Brust durchbohrt; das Ende desselben sah aus dem Rücken beraus und trotzdem lebte der so fürchterlich Ver wundete noch. Andererseits hört man von einzelnen wunderbaren Rettungen. Einen Leinwandbändler aus Biedenkopf rettete sein über die Schulter gehängtes dickes

Götz. Hinze Bös-Gesäß 16 Bruchenbrücken 126 9 Burgbracht 2⁴ 9 Burg- Gräfenrode 78 13 Butzbach 318 138 Büches 16 19 Büdes heim 59 1 Büdingen 160 270 Cal bach 30 18 Diebach a. Haag 53 Dorn⸗Assenheim 6 151 Dorheim 129 38 Dortelweil 78 21 Dudenrod 7 13 Düdels heim 92 98 Eckartshausen 3 68 Fauerbach b. Fr. 7600 37 Fauer bach v. d. H. 59 48 Friedberg 526 337 Gambach 110 142 Glauberg 66 13 Griedel 67 112 Groß Karben 128 68 Hainchen 29 48 Hain-Gründau 96 11 Harheim 1 141 Hausen 10 6 Heegheim 36 10 Heldenbergen 26 206 Himbach 62 30 Hitzkirchen 38 16 Hoch-⸗Weisel 70 54 Holzhausen 48 87 Höchst a. d. N. 40 15 Ilbenstadt 23 124 Ilnhausen 9 11 Kalchen 105 14 Kefenrod 28 54 Kirch-Göns 87 27 Klein-Karben 95 59 Kloppenheim 2 37 Langenbergheim 93 12 Langenhain mit Ziegenberg 72 20 Lindheim 44 69 Lorbach 55 9 Maibach 27 6 Massenheim 25 39 Melbach 79 24 Merkenfritz 30 18 Michelnau 5 24 Mittel⸗Gründau 82 34 Münster 17 23 Münzenberg 88 45 Nieder-Erlenbach 80 69 Nieder-Eschbach 87 24 Nieder-Florstadt 109 124 Nieder-Mockstadt 155 13 Nieder-Mörlen 4 146 Nieder-Rosbach 12 18 Nieder-Weisel 117 121 Nieder-Wöllstadt 168 12 Oberau 13 20 Over-Erlenbach 4 131 Ober-Eschbach 29 73 Ober-Florstadt 29 20 Ober⸗Mockstadt 112 13 Over-Mörlen 31 347 Ober Rosbach 65 216 Ober Wöllstadt 4 116 Okarben 97 28 Ockstadt 14 249 Oppershofen 135 Orleshausen 10 41 Ossenheim 40 7 Ostheim 18 64 Pelterweil 51 127 Pobl-Gons 104 10 Reichelsheim 38 132 Rendel 68 106 Ninderbügen 42 30 Rockenberg 35 146 Rodenbach 9 44 Rodheim 82 146 Rohrbach 10 54 Rommelhausen 19 70 Rödgen 16 25 Schwalheim 36 51 Sodel 111 22 Staden 36 34 Stammheim 53 58 Steinbach 39 36 Steinfurth 118 42 Stockheim 83 23 Trais Münzenberg 68 1 Vilbel 61 548 Vonhausen 46 9 Weckesheim 54 19 Wenings 128 25 Wisselsheim 38. Wohnbach 74 51 Wolf 17 42 Wölfersheim 25 144 7284 7338

r. Friedberg. Das nächste Musikverein-Concert wird am 30. November stattfinden. Das Programm bleibt das bereits angekündigte, Haydn's Oratorium die Schöpfung.

Packet. Er hatte dasselbe, sehr zu seinem Mißvergnügen, nicht neben sich legen können, weil der Wagen überfüllt war, und schützte es ihm Brust und Rücken vor den zer⸗ splitterten Holztheilen, welche zwar Löcher in die Lein wand bohrten, aber sie nicht durchdringen konnten. Bom Beamtenpersonal sind der Packmeister Fischer und der Schaffner Hildebrandt schwer verwundet, die Bremser Wambach und Clauß todt. Die genannten Bahnbe diensteten sind sämmtlich aus Bebra. Der Loecomotiv führer Krämer sowie der Heizer retteten sich durch einen Seitensprung von der Locomotive herab. Wer die Schuld an dem angerichteten Unheil trägt, hat eine fürchterliche Verantwortung, eine schwere Schuld auf sich geladen, die um so drückender wird, als eine Entschuldigung des gemachten Fehlers kaum möglich erscheint. Der Güter⸗ zug vermochte, weil ein zweiter Güterzug aus dem Bahn⸗ hof rangirte, nicht in letzteren einzulaufen und wartete deshalb vor dem Babnhofe. Entweder durfte der aus laufende Güterzug nicht abgelassen, resp. er mußte zurück rangirt werden, um dem einlaufenden Güterzug, der ganz außerordentlich lang war, das Geleise frei zu machen, oder aber dem nachfolgenden Personenzug durfte nicht das Signal gegeben werden, welches das Geleise als frei bezeichnete. Telegraphist Gutberlet von hier, dem die Hauptschuld an dem Unglück beigemessen wird, wurde verhaftet. In dem Zuge befand sich auch eine verhei rathete Frau aus Friedberg, die mit zerissenen Kleidern aus einem Coupse dritter Klasse herausgeschleudert wurde, ohne daß sie glücklicherweise nennenswerthe Verletzungen erlitt.

Hanau, 16. Aug. Noch ist der Schrecken über das vorgestrige Eisenbahnunglück nicht überwunden und schon müssen wir über ein neues berichten. Gestern Abend wurde der fahrplanmäßig 9 Uhr 4 Min. hier eintreffende gemischte Zug der Hanau Friedberger Bahn kurz vor der Haltestelle am Ostbahnhof durch falsche Weichenstellung auf einen links stehenden Güterzug der Hessischen Lut wigsbahn überführt. Es erfolgte in Folge dessen ein furchtbarer Zusammenstoß. Zwei Wagen des Güterzuges wurden sofort zertrümmert und ein dritter stark beschädigt. Von dem Friedberger Zug wurde die Locomotive stark beschädigt, ein Kohlenwagen in einen glücklicherweise leeren Personenwagen erster und zweiter Klasse ganz hineinge

rannt; ferner wurde ein Wagen dritter und vierter Klasse durch den von hinten wirkenden Druck der schweren

Güterwagen aus dem Geleise in die Höbe gehoben und

zur linken Seite der Böschung hinabgestürzt. Beide Wagen sind total zertrümmert. In dem hinabstürzenden Wagen

dritter Klasse befand sich nur ein Passagier, der im Mo⸗ ment des Sturzes herausgesprungen ist. Er ist nur leicht contusionirt worden. Außer ihm wurde nur noch ein Schaffner und der Locomotivführer leicht verletzt. Alle

gestiegen, sonst hätte es wieder ein namenloses Unglück gegeben.

Gera, 13. Nov. Der berühmte Zoologe und Reisende Alfred Brehm, weltbekannt durch sein ausgezeichnetes Lebenswerk, das kurzweg den Tite:Brehm's Thier⸗ leben führt, ist heute in Renthendorf bei Gera gestorben. Der als Mensch, wie als Gelebrter gleich hoch geachtete Naturforscher stand noch im besten Mannesalter und wohl nur die Anstrengungen und Strapazen, die er sich auf verschiedenen Forschungsreisen zugemuthet, machen das frühe Ableben des kräftigen Mannes begreiflich. Hagen in Westphalen, 14. Nov. Unweit der Block⸗ station Hengstel fand heute ein Zusommenstoß zweier Güter⸗ züge statt. Die Maschinen beider Züge sind stark beschädigt, ein Packwagen wurde zertrümmert, mehrere andere Wagen

beschädigt. Das Geleise war längere Zeit gesperrt; Niemand ist verletzt. Bremen, 4. Nov. Die Rettungsstation Borkum

der deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger telegraphirt heute, daß von der deutschen TjalkHoff⸗ mann, Capitain Heidhoff, welche am Nordstrande Bor kums gestrandet ist, drei Personen durch das Rettungsboot Timmel der Nordstation gerettet worden ist.

Bremerhaven, 16. Nov. Der SchoonerMinna, Capftän Nijahr, mit 800 Barrel Petroleum nach Stral⸗ sund bestimmt, ist gestern Abend auf der Rhede in Brand gerathen, die Mannschaft wurde gerettet, das Schiff brennt noch.

Paris, 14. Nov. sitzung constatirte der Seinepräfeet: todesfälle erreichte Montag mit ging allmählig Dienstag auf 89, Mittwoch auf 86 und gestern auf 75 herab. Man dürfe annehmen, daß die energischen Maßregeln der Behörden wesentlich hierzu beigetragen. 15. Nov. Von Mitternacht bis heute Abend 6 Uhr kamen 45 Choleratodesfälle vor, davon in der Stadt 18, in den Hospitälern 27. In Oran starbern gestern 6, in Toulon 1 Person an der Cholera. Brüssel, 14. Nov. Von amtlicher Seite wird die Nachricht derTimes und anderer Blätter, es seien in Brüssel 60 Cholerafälle constatirt worden, als durch⸗ aus unbegründet erklärt mit dem Bemerken, daß in Brüssel nicht ein einziger Cholerafall constatirt wurde. Der Gesundheitszustand der Stadt sei überhaupt ein durchaus befriedigender. Reval, 15. Nov. Der DampferSirius, welcher am 3. November mit Waaxen und Passagieren von Lübeck nach hier abgegangen, ist bis jetzt nicht angekommen, auch von später abgegangenen Schiffen nicht bemerkt worden, ebensowenig in anderen Häfen eingelaufen. Der Capitän des SchiffesAnna in Stockholm theilt mit, er habe in der Nacht auf den 6. d. Mts. bei beftigem Sturme ein brennendes Schiff unweit Gothland geseben, welches eine Viertelstunde später gesunken sei. Der Capitän meint, das Schiff sei derSirius gewesen.

Handel und Verkehr.

Friedberg, 15. Nov. Buttermarkt. Butter kostete per Pfd. M. 0.850.95, Eier 2 St. 17 Pf. Gießen, 15. Nov. Auf dem heutigen Markt kostete Butter per Pfd. M. 1.00 0.00, Eier 1 Stück 7-8 Pf., Käse per Stück 48 Pf., Tauben per Paar M. 9.40 bis M. 0 55, Hühner ver Stück M. 1.00 1.50, Hahnen per Stück M 0.85 1.00, Enten per Stück M. 1.40 1.70, Gänse per Pfd. 4050 Pf., Welsche M. 0.000.00, Ochsenfleisch per Pfd. 6870 Pf., Kuh⸗ und Rind⸗ fleisch 56 60 Pf., Schweinefleisch 5460 Pf., Hammel⸗ fleisch 60 70 Pf., Kalbfleisch 5660 Pf., Kartoffeln per 100 Kilo M. 3.00 4.40, Zwiebeln per Ctr. M. 4

In der beutigen Munieipalraths⸗ Die Zahl der Cholera⸗ 98 ihren Höhepunkt,

bis 5, Weißkraut per Stück 3-7 Pf. Gießen, 12 Nov. Auf dem heute und gestem dahier abgehaltenen Viehmarkt waren aufgetrteben

890 Stück Rindvieh und 844 Stück Schweine. Am zweiten Tage war der Handel lebhaft, jedoch zeigte sicz keine Preiserhöhung. Nächster Markt Dienstag den 25, d. Mts.

Frankfurt, 15. Nov. Wochenmarkt. war in den schönsten Exemplaren einzeln zu 30-35 Nf. per Stück erhälttich, Weißkraut per Hundert M. 57 Rartoffeln per Malter(200 Pfd.) M. 3.50 4.50, ft Gescheid 8 10 Pf., Zwiebeln per Ctr. M. 5, per 6 scheid 20 Pf. Obstsorten wie zuletzt notirt. Gäu stellten sich auf 50 Pf. im Pfund, das übrige Geflüg! gleichfalls recht billig.

Getreideverschiffungen aus den Vereinigten Staaten nach Europa Wie aus Newyork telegraphis gemeldet wird, umfassen die letztwöchentlichen Verschsf⸗ ungen 1,100,000 Buschels Wetzen und 330,000 B. Mals Die sichlbaren Vorräthe bestehen gegenwärtig aus 35,6 M. B. Weizen, ca. 5,1 Mill. B. Mais gegen 34,3 resi 5,5 Mill. B. in voriger Woche.

Blumenkohl

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Verlsosung.

Sachsen-Meininger 7 fl.⸗Loos Um allfälligen Anfragen zuvorzukommen, darauf aufmerksam, daß im November wegfällt, da laut Spielplan jährlich n mehr 2 Serienziehungen und zwar: am 1. Januar u! 1. Juli jeden Jahres und je einen Monat später 7. betreffenden Gewinnziehungen stattfinden.

Literarisches. Daheim Nr. 7 enthält: Verrechnet.(Forts.) Aus dem Leben eines transvaalischen Burensohnes. 0

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Niemann. Mit Illustr. Der alte Fölsch. S. humoreske von R. Werner. Maxtini und der Marti! mann. Von E. Beyer. Am Familientisch: Bild

übrigen Passagiere waren zuvor am Nordbahnhof aus

In treuer Pflege. In Gedanken. Die Heimkehr

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von nun an die Serienziehun