Ausgabe 
17.1.1884
 
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Amerika. New- Vork. Aus Lima wird vom 11. Jan. gemeldet: Die Opinion Nacional berichtet, daß zwischen Chili und Bolivia ein Waffenstillstand abgeschlossen worden sei, durch dessen Bedingungen aber die Beilegung der perua nischen Frage in keiner Weise berührt wird.

Washington, 14. Jan. Der Senat wählte heute Edmunds wieder zum Präsidenten.

Asien. Hongkong, 13. Jan. Die Behör den der Provinz Kwantuang treffen ernstliche Kriegs vorbereitungen. Zwischen Kanton und der Grenze Tonkins wird eine telegraphische Ver bindung hergestellt und nach Hainan beträchtliche Truppenverstärkungen geschickt. Eine Proklama tion des Vicekönigs fordert die Bevölkerung auf, sich auf den Krieg vorzubereiten und einen An griff der Franzosen zurückzuweisen.

Aus Stadt und Land.

DD. Friedberg. Der Ziehungstermin der Loose des Vereins für Kinderheilstätten an den deutschen See . ist auf den 15. März a. c. verlegt worden. Um e gemeinnützigen Bestrebungen des genannten Vereins zu unterstützen, hat der hiesige Vorschuß- und Credit Verein noch eine Anzahl Loose kommen lassen, welche

a M. 1. per Stück zu haben sind.

? Friedberg, 14. Januar. Heute fand in der Rosenau in Frankfurt eine Versammlung von ca. 100 Personen aus dem Großherzogthum Hessen uud der Pro vinz Hessen⸗Nassau(darunter Vertreter der betheiligten Regierungen), zu der bekanntlich durch Extrabellage zu diesen Blättern eingeladen war, statt, um die projeetirte Errichtung von Arbeiter Colonieen zu besprechen. Als Redner traten auf Präsident Dr. Goldmann(Darmstadt), Pfarrer Stromberger(Zwingenberg), Landrath v. Broich (Hersfeld), Pol.-Präsident Hergenhahn(Frankfurt), Landesdirector Sartortus(Wiesbaden), Ministerialrath Weber(Darmstadt), Frhr. v. Rabenau(Friedelhausen), Kreisrath Dr. Braden, v. Wambold(Darmstadt), Ober bürgermeister Miquel(Frankfurt), Oberbürgermeister Ohly(Darmstadt), Graf Laubach u. A. Es wurde be schlossen, den Verein im Verbande mit dem Regierungs- bezirk Wiesbaden als constitutrt zu betrachten. In den Vorstand, der das Recht hat, sich bis auf 30 Mitglieder zu verstärken, wurden gewählt a. aus Starkenburg: Dr. Goldmann, v. Marquard, Ohly, Rothe; b. aus Oberhessen: Boekmann, Fürst Solms-Lich, v. Rabenau, Dr. Braden, Walz; c. aus Rheinhessen: Küchler, Heyl, Hirsch, Thomas, Spamer, Römheld, Pauli, Walter; d. aus Nassau: Stamm, Dr. Miquel, v. Hergenhahn, Ladenburg, Heller-Gölzenleuchter.

r. Bad Nauheim. Unter zahlreicher Betheiligung der Mitglieder fand am 9. d. Mis. die 23. Generalver sammlung des hiesigen Turnvereins statt. Nach Be grüßung der Anwesenden durch den Vereinspräsidenten, Lehrer Wagner, und vor Eintritt in die Tagesordnung gedachte derselbe mit warmen Worten des verstorbenen Bürgermeisters Seriba von Friedberg, des eigentlichen Gründers des Usgauverbandes und ehrten die Anwesen den das Andenken des Verstorbenen durch Erheben von ihren Sitzen. Sodann wurde der Rechenschaftsbericht verlesen. Die Mitgliederzahl hat in sehr erfreulicher Weise gegen das Vorjahr zugenommen. Dieselbe betrug am 1. Januar 1883 80 Mitglieder und erhielt einen Zuwachs von 28 Mitgliedern, so daß der Bestand am 1. Januar 1884 108 Mitglieder war. Entsprechend der Zunahme der Mitgliederzahl war auch der Turnstunden besuch in dem vergangenen Jahre ein bedeutend stärkerer wie im Vorjahre. An 110 Turnabenden turnten zu⸗ sammen 3300 Mann, also durchschnittlich 33 Mann. Der Verein betheiligte sich außer dem dahier abgehaltenen Volksturnfeste, an dem mittelrh. Turnfest in Gießen und an dem Abturnen des 5. Bezirks in Friedberg. Ferner nahm derselbe Theil an der Feiee von Kaisers Geburts tag und dem Sedanfeste. Abendunterhaltungen wurden zwei, Bälle dagegen einer und zwar in Gemeinschaft mit dem GesangvereinFrohsinn abgehalten. Versamm lungen fanden 24 statt. Von sonstigen Vereinsvorkomm nissen, soweit sie ein allgemeines Interesse haben, sei er wähnt, daß der Verein in diesem Jahre in den Besitz eines eigenen Turnplatzes gekommen ist, dessen Herstell ung jedoch 310 M. 57 Pf. kostete und wodurch der Verein genöthigt war, einen Theil des ersparten Napitals in Anspruch zu nehmen. Ferner wurde noch in dem Bericht dankend des Ehrenmitgliedes, Ing. Hauptmann Henning, in Berlin gedacht, welcher dem Verein zur würdigen Ausstattung seines neuen Heims 50 M. Unter stützung zu Theil werden ließ. Das finanzielle Gesammt resultat der von dem seitherigen Rechner Heinr. Pfeffer vorgelegten Rechnung beziffert sich auf eine Einnahme von 877 M. 64 Pf. und eine Ausgabe von 861 M. 9 Pf.; mithin beträgt der Baarbestand 16 M. 55 PF aus dem Vereinsvermögen mußten jedoch zu den Aus gaben 200 M. zugeschossen werden, so daß dasselbe von 450 sich auf 250 Mark verringert hat. Bei der darauf vorgenommenen Vorstandswahl wurde Lehrer Wagner einstimmig als Präsident wiedergewählt, ein Zeichen, daß derselbe das Vertrauen sämmtlicher Mitglieder genießt, als Vlee⸗Präsidenten wählte man Heinrich Pfeffer. Den ausscheidenden Vorstandsmitgliedern, besonders dem schon 13 Jahre das Rechneramt mit Treue und Gewissenhaf tigkeit führenden Rechner Pfeffer wurde von dem Vor sizenden die Anerkennung des Vereins ausgesprochen.

Die Discussion bei den daraufgestellten Anträgen be handelte lediglich interne Angelegenheiten. Schließlich wurde noch der von Gastwirth Fritz gestellte Antrag, wonach die Rechnung in Zukunft vor der Abhaltung der Generalversammlung geprüft und dann der Abschluß der Versammlung vorgelegt werden soll, einstimmig an genommen.

Gießen, 14. Jan. Ueber einen in der Nacht vom Freitag zum Samstag auf dem Seltersberg stattgehabten Naubanfall erfährt der Gießener Anzeiger: Ein Bewohner des Seltersbergs begab sich Uhr Nachts, von einer kleinen Feler heimkebrend, nach seiner Wohnung. In der Nähe des Dr. Dieffenbach'schen Hauses erhielt der ruhig seines Wegs gehende Mann plötzlich von einer vor ihm auftauchenden Gestalt einen Faustschlag in das Ge sicht, worauf ihm ein Strolch Geld abforderte. Nach Erhalt von 2 Fünfmarkstücken, erklärte letzterer:es schickt naut. Nun überkam den Angefallenen der Zorn und er packte seinen Gegner an der Halsbinde, dseser des gleichen, beide sich würgend, der Angefallene laut um Hülfe rufend. Diese wurde ihm denn auch in Person eines eben heimkehrenden jungen Mannes, welcher in ber Nachbarschaft wohnt. Der Strolch entwand sich den Händen seines doch stärkeren Partners und sprang durch den Hof des Rheinischen Hofs nach der Hollergasse zu. Nach sofort am andern Morgen eingeleiteten Recherchen konnte der Strolch in der Person eines seither bei einem hiesigen Kohlenhändler beschäftigten Arbeiters mit Namen Martin Wagner, aus Geilshausen gebürtig, ermittelt und am Samstag-Abend zur Haft gebracht werden.

Allerlei.

* Pfaffenwiesbach, 11. Jan. Heute fand die Bürgermeisterwahl statt; zweimal theilten sich gleichmäßig die Stimmen zwischen dem früheren Bürgermeister Erker und dem neuen Kandidaten Becker. Das Loos entschied für Erker.

Frankfurt, 15. Jan. Der Attentäter, welcher im Polizeigebäude im Clesern-Hof mittelst Dynamit eine Explosion verursachte, ist in Hamburg verhaftet worden.

Straßburg. Der frühere Director der Tabak manufactur, Roller, wurde vom hiesigen Landgericht mit einer Klage gegen den Fiseus auf volle Gehaltszahlung während seiner Dispositionsstellung unter Verurtheilung in die Kosten abgewiesen.

Wien, 14. Jan. Der ermordete Sohn des Geld wechslers Eisert, Rudolf Elsert, ist heute unter sehr großer Theilnahme der Bevölkerung beerdigt worden; der Zustand des Geldwechslers Eisert und seines zweiten Sohnes Heinxichs hat sich gebessert, so daß die Genesung Beider nicht ausgeschlossen erscheint. Der wegen Theil nahme an den Schenk'schen Mordthaten verhaftete Schlosser geselle Schlossarek ist bedenklich erkrankt.

Wien, 14. Januar. Die Beweise und Anzeichen, welche dafür sprechen, daß die beiden verhafteten Per sonen, Pongratz und sein Genosse Dürschner, den Raub mord in der Eisert'schen Wechselstube verübt, haben sich derart gehäuft, daß an der Schuld dieser Männer nicht mehr zu zweifeln ist. Viele Personen, welche die Ver brecher zur Zeit der Unthat von der Wechselstube weg fliehen saben, erkannten in den beiden die Mörder. Ver schiedene Versuche, ihre Alibi nachzuweisen, mißlangen. Vom geraubten Gelde ist Nichts vorgefunden worden.

Aussee, 15. Jan. Nach anhaltendem Schneesturm stürzten vom Sarstein bedeutende Lawinen ins Thal. Der Bahnverkehr zwischen Obertraun und Aussee wurde eingestellt.

Neapel, 13. Jan. Seit einigen Tagen ist der Vesuv wieder thätig. Im Nordwesten hat sich ein neuer Krater gebildet. Die Lava hat bereits Atrio erreicht und aus dem Innern des Verges wälzen sich unter Donnern fort während ungeheuere Wolken empor. Professor Palmieri hat schon 6 Tage vorher, auf Grund der Anzeichen des Seismographen den Ausbruch verkündet.

Kurze Nachricht des ErziehungsvereinsMathilden-Stiftung zu Friedberg an seine Freunde.

Wir können unseren Freunden mittbeilen, daß wir bis jetzt 293 Kinder in unsere Stift ung aufgenommen haben. In 1883 wurden 14 Pfleglinge aufgenommen und 14 entlassen. Die Entlassenen sind soweit von uns gefördert wor den, daß sie als Gesellen oder Dienstmädchen ihren Unterhalt verdienen. Gegenwärtig wer den 74 Kinder in Familien und 28 in Anstalten erzogen, 17 Lehrlinge und 5 Dienstmädchen aus gebildet. 12 Kinder warten auf ihre Aufnahme, weil uns die Mittel zur Bestreitung der Er ziehungskosten fehlen. Ueber besondere Ver gehen einzelner Pfleglinge sind keine Klagen in 1883 laut geworden; auch sind die meisten Kin der vollkommen gesund geblieben. Einzelne Kin der zeichnen sich durch den Eifer, dem Vorstand durch ihr Verhalten Freude zu machen, aus. Viele Eltern sehen die Wohlthat, welche wir ihren Kindern durch die Aufnahme in unsere Stiftung bereitet haben, gerne ein. Es ist vorgekommen, daß uns ein Vater 100 M. gebracht hat, damit wir sein Kind, das er nicht beaufsichtigen konnte, in unsere Erziehung nehmen möchten. Dem

Verein sind 26 neue Mitglieder beigetreten und die Zahl derselben beläuft sich nach dem Aus tritt bezw. Wegzug von 12 älteren, auf 239 Mitglieder. Eine größere Zahl von Mitglie dern wäre uns sehr erwünscht, und wir bitten Alle, die es noch nicht sind und 1 M für unsere Kinder noch übrig haben, es zu werden. Wenn wir uns die Vagabundennoth, das Anwachsen der Gefängnisse, der Zucht- und Irrenhäuser vergegenwärtigen und an die vielen Bettelkinder denken, die auf der Bettelfahrt nichts Gut s lernen, da müssen wir es als eine nationale Aufgabe ausehen, daß die armen der Verwahr losung preisgegebenen Kinder zur Gottesfurcht, Vaterlandsliebe, Selbstbeherrschung und Selbst hülfe erzogen, daß sie an Ordnung, Fleiß und Sparsamkeit und tägliche Reinigung von Leib und Seele gewöhnt werden, und sittliche Energie in ihrer Brust erweckt wird. An der Lösung dieser Aufgabe sollten sich Alle betheiligen und namentlich sollten Eltern den Dank für die herrliche Gottesgabe gesunder und wohzerathe ner Kinder auch dadurch abtragen, daß sie sich der elenden Kinder annehmen, welche keine braven Eltern haben.

Die Drei-Zehntel.

Eine volkswirthschaftliche Errungenschaft der Neuzeit!

Nach den Bestimmungen des seit 1. Januar d. J in Kraft getretenen Reichsgesetzes über die Bezeichnung des Rauminhaltes der Schankgefäße kamen unter Anderem auch die namentlich beim Bierverzapf üblichen/ Gläser, sogenannte Töpfchen, in Wegfall, und dürfen jetzt nur noch solche Gläser, welche auf Zehntheile des Liters, also 1/10, 2/10, 3/10 u. s. w. und ausnahmsweise auch ½ Liter Inhalt geaicht sind, geführt werden. Unsere Brauer und Wirthe haben es trefflich verstanden, diese Neuerung zu ihrem Vortheil auszunutzen; sie haben mit deren Einführung nicht bis zum neuen Jahre gewartet, sondern dieselbe sofort nach erschienener Verordnung ins Werk gesetzt, und warum? Zu Anfang des vorigen Jahres noch kosteie das Töpfchen, 3/8 Liter, 9 Pfennig, das ganze Liter also 24 Pfennig; später wurde dleser Preis erhöht auf 10 Pfennig pro Töpfchen, das Liter also auf 26 Pfennig, ein Aufschlag, gegen den, der Abrundung halber, Niemand etwas einzuwenden hatte. Nun sind aber an Stelle der bisherigen 3ù8-Gläser die neuen nur ½1R0 Liter haltenden eingeführt, der Preis von 10 Pfennig aber beibehalten worden, wonach das Liter, welches bis dahin 26 Pfennig kostete, sich nunmehr auf 33½ Pfg. berechnet, ein ganz ungerechtfertigter Aufschlag von nicht weniger als 25%, gegen den das ganze biertrinkende Publikum entschieden Front machen sollte. Ein Ausweg, dieser Uebertheuerung des Bieres zu entgehen und zu gleich ein Mittel, die Herren Brauer zur Richtigstellung des Preises der ¾1o Gläser, welcher im Verhältniß zum 3) Töpfchen nicht mehr wie 8 Pfennig betragen dürfte, zu veranlassen, möchte darin zu finden und allgemein zu empfehlen sein, daß jeder Biertrinker nur ½ Liter(halben Schoppen) verlangen sollte; dieser kostet 7 Pfennig, das ganze Liter also 28 Pfennig, während dasselbe in 3/02 Glas, wie oben berechnet, 33¼ Pfennig kostet. Das Richtige und den früheren Preisen entsprechende wäre die Einführung von ¼10 Litergläsern zum Preise von 10 Pf.; hiernach würde sich das ganze Liter auf 25 Pf. berechnen, was immerhin noch einen kleinen Aufschlag gegen den früheren Preis der /- Töpfchen bedeuten würde, und womit die Herren Brauer sich hätten begnügen, nicht aber, wie geschehen, die Ausbeutung des Publikums übertreiben sollen. th.

Handel und Verkehr.

Friedberg, 16. Jan Wochenmarkt. Butter kostete per Pfd. M. 0.70 0.80, Eier 1 St. 6, 2 St. gr. 13 Pf.

Frtedberg, 15. Jan. Fruchtber. Watzen M. 19 00, Kron M. 16.50, Gerste M. 16, Hafer M. 1314. Alle Preise verstehen sich auf 100 Kilo S 200 Zollpfund.

Grünberg, 12. Jan. Fruchtpreise. Welzen M. 18.90, Korn M. 16.30, Gerste M. 14.60, Hafer M. 14.20, Erbsen M. 16.90, Samen M. 32.00.

Homburg v. d. H., 15. Januar. Wochenmarkt. Kartoffeln per Malter M. 3.504, per Gescheid von 7 bis 8 Pf., Eier per Stück 8, 9 und 00 Pf., Butter per Pfund 1. Qual. M. 0.90, 2. Qual. M. 0.80.

Gießen, 15. Jan. Auf dem heutigen Markt kostete Butter per Pfd. M. 0.80 0.90, Eier per St. 68 Pf., 2 Stück 00 Pf., Käse per Stück 58 Pf., Tauben per Paar M. 0.75 1.00, Hühner per Stück M. 1.00 1.70, Hahnen per Stück M. 1.00- 1.80, Enten per Stück M. 1.80 2.20, Ochsenfleisch per Pfd. 7000 Pf., Kuh⸗ und Rindfleisch 54 60 Pf., Kalbfleisch 5051 Vf., Schweinefleisch 6000 Pf., Hammelfleisch 60 70 Pf., Kartoffeln per 100 Kilo M. 3.50 4.00, Gänse per Pfd. 5062 Pf., Zwiebeln per Centner M. 9.00., Weiß⸗ kraut per Hundert M. 5.8.

Frankfurt, 14. Jan. Frankfurter Produktenbörse. (Offieielle Notirungen.) Wekzen still, eff. hiesiger und Wetterauer M. 19 19.75. fremder M. 1919.50., per diesen Monat M. 19.25. Roggen stlll, eff. hiesiger M. 16. 16.25, fremder M. 16. 16.50, per diesen Monat

M. 16.00. Gerste still, eff. hiesige und Wetterauer

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