1884.
Donnerstag den 13. Uovember.
M35.
Sberhessischer Anzeiger.
che
Wird hier und in Bad⸗Nauheim Montag, Mittwoch
Areisblatt für den Kreis Friedberg.
Erscheint dreimal wöchentlich und zwar Dienstag, Donnerstag und Samstag.
wi i 1 e oder Ziffersatz mit 14 Pf., bei Reclamen mit 22 Pf.; ein Beleg kostet 9 Pf. Annoncen von auswärtigen Einsendern(soweit Letztere nicht Jahresconto bei uns haben), welchen der Betrag nicht beigefügt ist, werden stets per Post nachgenommen.
der Marine wurden genehmigt. Hierauf begann die Debatte bezüglich des Extraordinariums des Kriegsministeriums und wurde der erste Posten desselben unverändert angenommen.
Schweiz. Genf, 10. Nov. Nach der nun— mehr vorliegenden amtlichen Feststellung wurden in den Großen Rath 51 Radicale und 49 Con— servative gewählt.
Dänemark. Kopenhagen. Die bisherige vereinigte Linke des Folkethings hat sich ge— spalten. Die Hälfte der Mitglieder unter der Führung Berg's, des Präsidenten des Folkethings, schloß sich den Gemäßigten an, die andere Hälfte bildete eine neue Partei unter der Führung Hoerup's.
Belgien. Brüssel, 11. Nov. Die Session der Kammer wurde heute ohne Thronrede er— öffnet, morgen erfolgt die Constituirung der
erish. und Freitag Abend ausgegeben.
he Die einspaltige Petitzeile wird bei Annoncen mit 11 ä
8 1 Deutsches Reich.
Darmstadt. Der Staatsminister i. P. wirkl. Geheimerath Freiherr von Starck, der Ministerial-Präsident i. P. wirkl. Geheimerath Schleiermacher, sowie der Kommerzienrath Michel zu Mainz wurden zu lebenslänglichen Mitgliedern der ersten Kammer ernannt; der Brückenwärter
ernbet. Heiles zu Offenbach wurde auf Nachsuchen, ir(Roch) unter Anerkennung seiner Dienste, in den Ruhe— üscwager stand und der Kreisbauaufseher Fischer von 0 5 Dieburg nach Bensheim versetzt; der Haupt— „ steueramtsassistent 2. Kl. Petry in Mainz wurde ieuß zum Steueramtskontroleur in Bensheim, der
Finanzaspirant Seitz aus Nidda zum Hauptisteuer—
amtsassistent 2. Kl. in Mainz ernannt; der Haupt—
steueramtsassistent 1. Kl. Schmidt in Offenbach 1 nach Mainz und der Hauptsteueramtsassistent 11 2. Kl. Spiegel in Mainz nach Offenbach versetzt. , Woll Berlin. Dem Vernehmen nach wird der
at. Reichskanzler persönlich die westafrikanische Con— hsackleinen ferenz eröffnen. Deutsche Vertreter auf dersel— dune ben werden außerdem noch sein: Staatssekretär
252 Graf Hatzfeldt, Unterstaatssekretär Busch, Geh. 5 Legationsrath Russerow. Das Bureau wird ge— Sticken bildet aus dem deutschen Viceconsul in Peters— burg, Schmidt, und dem französischen Botschafts—
e ß, rath Raindre. Der„Nordd. Allg. Ztg.“ zufolge ahne] wird auch die Türkei an der Congoconferenz Körbe theilnehmen. Vertreter derselben ist der hiesige 6e 400 Botschafter. g 5. 80.— Der„Reichsanzeiger“ publieirt die Ein— 3 berufung des Reichstags zum 20. November.
„— Nachdem Serbien von den Mächten im gen Jaht] Jahre 1882 als Königreich anerkannt worden
d Burtin. und durch Abschluß eines Handels- und Con— . sularvertrages zu Deutschland in engere Bezieh— ungen getreten ist, wird die deutsche Mission in „ Belgrad zum Range einer Gesandtschaft erhoben und den bei allen königlichen Höfen bestehenden bels N deutschen Missionen formell gleichgestellt. Heut. München, 10. Nov. Minister v. Crails—
heim ist behufs Theilnahme an den Verhandlungen des Bundesraths heute nach Berlin abgereist. ö Stuttgart, 11. Nov. Bischof Hefele wurde g heute zum König berufen und conferirte auch ö .
erlsh, mit dem Cultusminister. Die Abreise des Hofes nach Nizza ist auf den 18. November festgesetzt.
, N Der Landtag ist auf den 27. Nov. einberufen. „
11 1 1 1 Ausland.
leis, 10 Oesterreich⸗Ungarn. Pest, 11. Nov.
Bünder. Das rumänische Königspaar ist hier eingetroffen
1 und wurde am Bahnhofe vom Kaiser empfangen
chte und herzlich begrüßt.
bettet— 11. Nov. Der Budgetausschuß der öster—
reichischen Delegation genehmigte das Ordina— rium der Kriegsmarine unter Streichung von zusammen 23,000 fl. bei 3 Titeln. Bei Be— vathung des Extraordinariums beantragte Hausner die Streichung der für den zweiten Kreuzer als
5 6 i 330,000 fl. Beer bean— erste Rate eingestellten 330,000 fl. ö
705 1 11 1 diese Summe auf 250,000 zu reduciren.
4 Nach den Aufklärungen des Marine-Comman⸗
FJanten, welcher für die Streichung dieser Posi⸗ lion keine Verantwortung übernehmen wollte, purden beide Anträge zurückgezogen; die Po—
ische 10 tion, betreffend die Anschaffung e be, booten, wurde ebenfalls genehmigt, nachdem con⸗ 7 atirt worden war, daß dieselbe nicht als die
Bureaus. Der Senat wählte sein fruͤheres Bureau wieder. Danach ist Anethan zum Präsi— denten, Merodi-Kint zum Vicepräsidenten gewählt.
Frankreich. Paris, 10. Nov. Der Senat nahm das Gesetz, betr. die Senatswahlen nach Ablehnung sämmtlicher Amendements an.
— 11. Nov. Der Ministerrath genehmigte die Erhöhung der Eingangszölle auf auslän— dische Cerealien im Prinzipe. Die Ziffer für die Erhöhung soll derart festgesetzt werden, daß die Landwirthschaft den gleichen Schutz erhält, wie die andern Industriezweige.
— Mehrere Abendblätter, namentlich das Journal„Paris“, melden: Die Gerüchte über Friedensverhandlungen mit China haben an Be— stand gewonnen, die Unterhandlungen sollen in London durch Vermittelung Granville's mit Tseng lebhaft fortgesetzt werden.
— 11. Nov. In Mouceau les mines wur— den 39 Haussuchungen vorgenommen, wobei auf eine geheime Gesellschaft bezügliche Papiere mit Beschlag belegt wurden.
Großbritannien. London, 10. Nov. Das Unterhaus verwarf mit 194 gegen 109 Stimmen Stanley's Amendement, wonach die Reformbill erst in Kraft tritt, wenn die Bezirks— eintheilungsbill angenommen ist. Das Haus erledigte in Einzelberathung die Reformbill in ihrer ursprünglichen Fassung und setzte die dritte Lesung auf morgen fest. Ashley theilt mit, der britische Minister in Washington sei ange— wiesen worden, Unterhandlungen anzuknüpfen, damit Amerika den Zoll auf Zucker aus West— indien aufhebt, wenn Westindien den Zoll auf gewisse aus den Vereinigten Staaten eingeführte Waaren aufhebe.— 11. Nov. Das Haus nahm abstimmungslos in dritter Lesung die Reformbill an. —„Daily News“ erfährt, die Autisclaverei— Partei in England und andern Ländern werde bei der Congoconferenz die strengsten Maß— nahmen zur Abschaffung des Sclavenhandels, der sich für die Eingeborenen von Aequatorial— afrika so verhängnißvoll erwiesen, beantragen. — 11. Nov. Bei dem gestrigen Lordmayors— Banket äußerte Grauville: Frankreich und China waren zu gewissen Zeiten bereit, Englands gute Dienste behufs Herstellung des Friedens anzu— nehmen, aber niemals gleichzeitig. Die englische Regierung würde sich sehr freuen, wenn Nord— amerika oder Deutschland oder eine andere weniger als England interessirte Macht die Ver— mittelung übernehme. Die Congo-Conferenz an—
irste Rate einer größeren Anschaffung beantragt ist. Die übrigen Titel des Extraordinariums
langend, sei England nicht im mindesten eifer—
süchtig auf die deutsche Colonisation; es habe der Conferenz willig zugestimmt und sei froh, daß Deutschland und England sich in Ueberein— stimmung befinden, um so mehr, als Frankreich und England in dieser Beziehung einig sind. Italien. Rom. Der Minister des Aeußeren, Mancini, hat den Gesandten von Chile und Uruguay mitgetheilt, daß er ihre Regierungen für den Schaden verantwortlich mache, den Ita— lien durch das Zurückweisen von italienischen Auswandererschiffen erleide, und gedroht, Kriegs— schiffe nach den Häfen dieser Lander abzusenden. — Die Steuereingänge von 1884 überstiegen bisher diejenigen von 1883 um 5½ Mill. Lire.
Allerlei.
Bremen, 8. Nov. Wie segensreich die deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger wirkt und wle sehr sie die Unterstützung aller Menschenfreunde verdient, geht wieder aus dem Berichte hervor, welchen der Generalseeretär der Gesellschaft soeben versendet. Leider meldet der erste Bericht nichts Erfreuliches.„Aber wenn ein Wetter rast“, so steht in ihm zu lesen,„wie das am 26. Oetober zwischen 10 Uhr bis Mitternacht, ist menschliche Hülfe nur zu oft machtlos“. Es handelte sich um ein an der Insel Amrum gestrandetes Schiff, welches, ehe das Rettungsboot seine Mannschaft bergen konnte, durch Brechseen vom Strande ab in den tiefen Canal getrieben wurde, wo es sofort mit Mann und Maus versank. Das Schiff hieß nach den angetriebenen See— fahrtsbüchern„Gratina“, der Capitän war aus Großen⸗ fehn. Der zweite Bericht lautet günstiger. Durch die Station Wangeroog wurde am 27. Oetober die Mann⸗ schaft der Tjalk„Anna Margaretha“ nach vlelen Mühen gerettet. Gleich nach der Rettung versank die Tjalk. Aus Stolpmünde an der Ostsee meldet der dritte Bericht die Rettung der Mannschaft der Swinemünder Scha— luppe„Anna“. Die Mannschaft wurde, nachdem die Racketenleine glücklich über das Wrack geworfen worden war, mittelst der Hosenboje an Land geholt. Möchten diese Berichte über die heldenhaften Thaten der Rettungs- mannschaften an den deutschen Seeküsten jeden Leser zu einer kleinen Gabe in die bekannten Sammelbüchsen der Gesellschaft veranlassen.
Paris, 10. Nov. Im Laufe des Nachmittags, von Mittags bis 11 Uhr Abends, sollen 138 Cholera⸗Erkrank⸗ ungen und 51 Todesfälle an der Cholera vorgekommen sein; offizielles liegt noch nicht vor.— Aus Montreull werden 10 Cholerafälle gemeldet.— 11. Nov. Die officielle Ziffer der gestern in den Hospitälern vor— gekommenen Todesfälle an der Cholera ist 83. In die Hospitäler wurden gestern 119 Cholerakranke verbracht. Im Ganzen werden gegenwärtig 190 Cholerakranke in den Hospitälern behandelt. Heute von Mitternacht bis Mittag wurden 40 Erkrankungen und 13 Todesfälle an der Cholera in der Stadt Lonstatirt. Die Epidemie wüthet nur in den schmutzigen Quartieren, während die schönen Stadttheile verschont bleiben.
Paris. Das„Journal officiel“ veröffentlicht ein Deeret, wonach die Weltausstellung in Paris am 5. Mat 1889 eröffnet und bis zum 31. Oetober dauern wird. Ein weiteres Deeret wird die näheren Bedingungen, unter welchen die Ausstellung stattfindet, bekanntgeben. London, 10. Nov. Am Samstag Abend fand in der Kohlengrube Hochin bei Tredegar eine Explosion statt, während 15 Bergleute in der Grube sich befanden. Man befürchtet, daß Alle umgekommen sind. Bis jetzt
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wurden 4 Todte gefunden.
Gerichtssaal.
Altenstadt. In der Donnerstag den 6. d. Mts. dahier abgehaltenen Schöffengerichtssitzung wurde wle folgt erkannt: 1) in der Privatklagesache der Jacob Sellheim Ehefrau zu Höchst a. d. N. gegen Karl Seitz Ehefrau daselbst, wegen Beleidigung, erhielt Letztere eine Geldstrafe von zehn Mark, ev. zwei Tage Haft und die Kosten; 2) in der Privatklagesache des Konrad Lotz IV. in Glauberg, gegen Johannes Jüngling daselbst, wegen Beleidigung und Körperverletzung, wurde Letzterer wegen Beleidigung für straffrei erklärt, dagegen wegen Körper⸗ verletzung in eine Geldstrafe von fünfzehn Mark, ev. drei Tage Gefängniß, sowie zur Kostentragung ver⸗ urtheilt; 3) die Privatklagesache der Adam Elbrecht Ehefrau von Lindheim, gegen Philipp Finkernagel Ehe— frau und Anna Finkernagel daselbst, wegen Beleldigung,
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