Ausgabe 
13.3.1884
 
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Frankreich. Paris. Millot telegraphirt: Der Vormarsch gegen Vacuinh hat am 7. d. begonnen. Das Kanonenboot Maresqueton hatte bei einer Recognoscirung einen Zusammen stoß mit dem Feinde und verlor einen Todten und zwei Verwundete.

9. März. Die heutigen Morgenblätter bringen Telegramme aus Lyon, welche melden, daß gestern in dem Bureau der Messagerie ein an den Grafen von Paris adressirtes Packet abgegeben wurde. Die Beamten schöpften Ver⸗ dacht, da der Aufgeber des Packets, wie sich alsbald herausstellte, nicht die Wohnung inne hatte, welche angegeben war. Das Packet wurde nach dem Arsenal geschafft, wo festgestellt wurde, daß dasselbe eine explodirbare Bombe enthielt, welche beim unvorsichtigen Oeffnen des Packets explodiren mußte. Wie der Soleil meldet, explodirte gestern in der Zoll wächterkaserne in Lyon eine Dynamitpatrone,

wodurch ein Unterofficier tödtlich verwundet wurde. In einer gestrigen Versammlung der hiesigen Anarchisten wurde beschlossen, strenges

Geheimniß über die Vorbereitungen zu einem nahe bevorstehenden großen Meeting zu be⸗

obachten. Man will wissen, daß dasselbe am 18. d. M. auf einem hiesigen Platze stattfinden werde.

Ferry ging ein Schreiben Brazza's vom 27. Dezember v. J. zu, wonach auf dem Alima flusse, 25 Stunden von Agoue, Nichts mangelte für die ausgezeichneten Beziehungen mit den Völkerschaften. Courbet depeschirte, er habe die Blokade des Hafens Quinhone errichtet, um die Kriegscontrebande zu verhindern.

Großbritannien. London. Einem fe⸗ nischen Blatte zufolge fanden kürzlich zwischen Eugland, Frankreich und Oesterreich Unter⸗ handlungen behufs gemeinsamer Maßregeln gegen die Dynamitverschworenen statt. Deutsch land stimmte ebenfalls bei. Das diesbezügliche Einvernehmen wird baldigst mit allen Groß mächten erwartet.

Der Voranschlag des Kriegsbudgets pro 1884/85 beträgt 17¼ Million Pfd. Sterling. Die Präsenzstärke ist auf 140,300 Mann gegen 137,600 Mann im Vorjahre festgesetzt.

11. März. Gladstone ist bettlägerig erkrankt.

11. März. Das britische Geschwader geht heute von Cauea nach Smyrna, wo das selbe bis zum 28. März verbleibt.

Italien. Rom, 10. März. In der Kammer weigerte sich der Präsident unter Be rufung auf die Geschäftsordnung, Farina das Wort zu ertheilen. Die hierüber befragte Kammer ertheilte Farina trotzdem das Wort.

11. März. In der heutigen Sitzung der Deputirtenkammer verlas der den Vorsitz führende Vicepräsident Spantigati ein Schreiben des Präsidenten Farini, in welchem derselbe seinen unwiderruflichen Entschluß mittheilt, in Folge des gestrigen Vorfalles das Präsidenten amt niederzulegen. Die Kammer nahm die Tagesordnung Grimaldi's an, welche das Ver trauen zu Farini bekräftigt und die Demission ablehnt.

Rußland. Petersburg. Das Journal de St. Petersbourg dementirt die Existenz des von

dem Londoner Standard behaupteten russisch deutschen Vertrages. Egypten. Kairo, 10. März. Nubar

Pascha wurde interimistisch mit dem Ministerium des Innern betraut; thatsächlich führt Clifford Lloyd die Geschäfte.

Suakin, 10. März. Geueral Gordon tele graphirte nach Kairo, er könne die Garnisonen nicht retten, ohne daß Truppen nach dem blauen und weißen Nil gesendet würden. Osman Digma lehnte die Aufforderung, sich zu ergeben, ab. marsch gegen Osman Digma übrigen Streitkräfte sollen

Amerika. Washington, 10. März.

begonnen,

tirt wurden.

Ein Regiment hat heute früh den Vor- die morgen aufbrechen. gerichtssitzung kamen die folgenden Fälle zur Verhand Der le Vodenrode,

des Fürsten Bismarck mit der zurückgesandten Nesolution. Präsident Arthur übersandte dem Repräsentantenhause eine bezügliche Mittheilung Freelinghuysen's mittelst Botschaft. Im Hause wurde eine Resolution eingebracht, welche das Bedauern über den Vorgang ausdrückt und wiederholt die Theilnahme des Hauses an dem Verluste des deutschen Reichstages durch den Tod Lasker's bekundet. Der Antrag wurde dem auswärtigen Ausschusse überwiesen. Von einem anderen Mitgliede wurde beantragt, Freeling huysen zur Mittheilung der Abschriften aller auf Sargent bezüglichen amtlichen Schriftstücke aufzufordern.

Amerika. Lima, 10. März. Die peruanische Nationalversammlung bestätigte gestern den Frie densvertrag zwischen Chili und Peru.

Aus Stadt und Land.

m. Friedberg. Im Monat Februar wurden in der Suppen⸗Anstalt 1133 Portionen verschenkt und 518 ver⸗ kauft, und vom 1. bis 8. März, an welchem Tage die Anstalt geschlossen wurde, 591 Portionen verschenkt und 132½ verkauft. Im Ganzen wurden vom 18. Dezbr. 1883 an 4254, täglich ca. 52 Portionen, ausgegeben. Die Anstalt sollte schon am 23. Febr. geschlossen werden; durch die besonders freundliche und reichliche Unterstütz⸗ ung einesFriedbergers wurde es aber möglich gemacht, sie noch bis zum 8. März fortzusetzen. An freiwilligen Gaben sind zur Unterhaltung außer den vielen und reichen Spenden an Naturalien 549 M. 46 Pf. eingegangen und als Erlös von der Suppe 135 M. 72 Pf. Die Anstalt hat sich als eine reiche Wohlthat für die ärmsten Be wohner unserer Stadt erwiesen, wie sich Jeder leicht über zeugen konnte, der am 8. März die dankbaren Armen gesehen hat, die von ihr Abschied genommen haben. Den vielen Wohlthätern, welche uns in den Stand gesetzt haben, eine so erwünschte Hilfe unserem Armen zu bringen, sagen wir bet dieser Gelegenheit nochmals unseren herz lichsten Dank und rufen ihnen ein aufrichtigesGott vergelt's zu.

r. Friedberg. An dem Artikel in dem Extrablatt zu Nr. 30 bezüglich der Feier des Bode'schen Jubiläums ist zur Steuer der Wahrheit zu berichtigen, daß Dr. Renner von hier nichtgelegentlich eonsultirt wurde, sondern von 183537 faktisch von der Regierung bestellter und be⸗ soldeter Badearzt in Nauheim war. Als ihm im Jahre 1837 jedoch zugemuthet wurde, nach Nauheim zu ziehen, zog er es vor, sein Amt als Badearzt niederzulegen, zu mal sein Gehalt aufganze 30 Thaler normirt war.

n. Hungen, 6. März. In der heutigen Versamm⸗ lung der Interessenten für Erbauung einer Zuckerfabrik bei Trais Horloff(Hungen) oder Echzell wurde einmüthig an dem geplanten Projeete festgehalten, dessen fernere Betreibung nach definitiver Erledigung der Eisenbahn vorlagen in den Kammern wieder aufgenommen werden soll, da man dann erst über die Platzfrage entscheiden kann. Wegen des Verkaufs der diesjährig anzubauenden

Zuckerrüben wurde die Offerte der Wachhäuseler Fabrik-

angenommen. Die Zeichner wollen sich daher an deren Agenten wenden.

Allerlei.

Frankfurt, 8. März. Zwischen Sangershausen und Riestadt ist der zwischen Berlin und Frankfurt a. M. via Nordhausen coursirende Nachtschnellzug in Folge eines Radreifenbruchs entgleist. Die Passagiere kamen mit dem Schrecken davon, da glücklicherweise nur der hintere Wagen mit etwa 26 Personen besetzt war.

Marburg, 8. März. Der des Nordecker Doppel⸗ mordes dringend verdächtige Schmied Hedderich von Roßberg wurde festgenommen und zur Untersuchungshaft hierher gebracht. Der angestrengtesten Thätigkeit des Kreisseetetärs Voß, des Polizeicommissärs Wohlrabe, der Gensdarmerle und des schließlich noch requtrirten Militärcommandos ist es zu danken, daß sowohl schwere Indieien entdeckt wurden, die in dem Verhafteten un zweifelhaft den Thäter erblicken lassen, als auch, daß dieser so bald seinem Richter zugeführt werden konnte.

Orb. Am letzten Samstag wurde bei Obersinn un weit Gemünden der Forsteleve Fay im Wald erschossen aufgefunden. Nach dem Seetionsbefund, und den Um ständen nach, unter welchen die Leiche aufgefunden wurde, kann die That nur von einem Wilderer ausgeführt worden sein. Ein des Mordes verdächtiger gewohnheits mäßiger Wilddieb wurde verhaftet. Im Spessart und im Orber Reisig ist überhaupt die Wilddieberei wieder sehr im Schwung.

Neustettin, 10. März. Nachdem am Samstag Abend, anläßlich der Rückkehr der in Konitz Freigefpro chenen, ein wenig erheblicher Auflauf stattgefunden hatte, fanden am Sonntag wieder Ruhestörungen statt, wobei Fenster eingeworfen und die jüdischen Einwohner insul Die Gendarmerie schritt mit blanker Waffe ein und stellte die Ruhe wieder her.

Gerichtssaal.

Friedberg, 11. März.

In der beutigen Schöffen

lung: 1) Ludwig Schneider und Karl Becker, beide von angeklagt wegen Körperverletzung, erhielten

ee* ii che Uherreie* 9 5. 8 8 deutsche Gesandte v. Eisendecher überreichte dem] Ersterer eine Gefängnißstrafe von 4 Wochen und Letzterer

8 das

Staats⸗Secretär Freelinghuysen

Schreiben eine solche von 6 Wochen,

unter Aufrechnung der seit

dem 10. Febr. d. J. erlittenen Detentienshaft;) Ferd. Gröninger von Ockstadt, angeklagt wegen Sachbeschädig⸗ ung, erhielt eine Gefängnißstrafe von 4 Wochen; 3) Joh. Schneider's Ehefrau von Ober-Rosbach, angeklagt wegen Diebstahls, ev. Hehlerei, und 4) Joseph Schaf von Ock⸗ stadt, angeklagt wegen Diebstahls, wurden freigesprochen und der Staatskasse die Kosten zur Last gesetzt.

Butz bach. In der Freitag den 14. März stattfin⸗ denden Schöffengerichtssitzung kommen folgende Sachen zur Verhandlung: 1) gegen Johs. Beckers Ehefrau von Ostheim, wegen Hausfriedensbruchs; 2) gegen Peter Ochs und Consorten von Kirch-Göns, wegen Ruhestör ung; 3) gegen Nathan Stern von Fauerbach v. d. H., wegen groben Unfugs; 4) gegen Katharina Langsdorf und Katharina Kollmar in Pobl⸗Göns, wegen Beleidig ung; 5) gegen Joh. Konr. Hanack von Kirch-Göns wegen Beleidigung.

Deutsches Lesebuch für die Schulen des Groß⸗ herzogthums Hessen.

(Wir entnehmen das Nachstehende einem imDarmst. Anz. erschienenen Artikel, weil wir wissen, daß damit vielen Eltern und Lehrern aus der Seele gesprochen ist. D. Red.)

Bei Durchführung des neuen Schulgesetzes und des von demselben vorgeschriebenen Lehrplanes wurde vor Jahren in Hessen das deutsche Lesebuch von Engelten wohl deßhalb zur Einführung empfohlen und wirklich eingeführt, weil augenblicklich kein anderes zur Stelle war, welches gleich inhaltreich gewesen wäre. Besonders für die Mittelklassen der Volksschulen reich an Sagen, Märchen und an für 8t0jährige Kinder passenden Er zählungen bot dieses mehrbändige Lesebuch auch noch den Vortheil dar, daß es von demselben Verfasser in gleicher Rechtschreibung verfaßt, sich an die Engelten sche Sprachlehre anschloß, welche in den Schulen eingeführt werden sollte. Auf die Schattenseiten des Buches wurde jedoch damals schon von zuständiger Seite aufmerksam gemacht, wenn schon ohne Erfolg. Erst nach der Ein⸗ führung machten sich beim Gebrauch diese Mängel auch Anderen mehr und mehr bemerklich, besonders auch seit es sich darum handelte, die Jugend genauer mit dem engeren Vaterland Hessen bekannt zu machen, um durch eingehendere Kenntniß von Land und Leuten und Ge schichte die Liebe zu unserem Hessenlande zu pflegen; denn von Schilderung hessischer Gegenden, von Dar stellung hessischer Geschichte ist, fast darf man sagen wunderbarer Weise im ganzen Lesebuch, selbst in der öbändigen Ausgabe, keine Spur zu finden. Es ist eben ein ausschließlich norddeutsches, d. h. preußtsches Lese buch, wie sich ein Jeder sofort überzeugen wird, der nur ein wenig mit Aufmerksamkeit darin blättert. So enthält der 4. Band(für die Oberklassen bestimmt) 9 längere Anekdoten aus dem Leben preußischer Fürsten und Helden, aber gar Nichts aus der uns doch zunächst angehenden Geschichte Hessens und seiner Fürsten. Eine andere sehr dunkele Schattenseite ist der Gebrauch der Fremdwörter, die in einem Lesebuch für Volksschulen doch möglichst zu vermeiden sind. Ein Humboldt würde gewiß lächeln, fände er seinen berühmten Aufsatz über dieGymnoten mit all den spantschen, lateinischen de. Wörtern, deren er sich seinen Lesern gegenüber bedienen durfte, hier abgedruckt, damit Knaben uud Meédchen der Volksschule davon Deutsch lernen möchten. In einem Aufsatz über den Harz(gekürzt nach Kohl) lesen wir mit Verwunderung vonObstplantagen, experimentirenden Förstern und interessanten Extremen; wie die Vegetation immer rarer wird, je höher die Station, je rauher das Klima wird ie. Verschieden wie die Felsformationen, sind auch die bescheidenen Kinder der Flora, die auf den verschiedenen Plateaus, je nach der besonderen Ge staltung des Terrains charakteristisch dominirend auf⸗ treten, so daß ein Wiesenthal wie ein See von Geranien, Euphrasien, Achileen, Anthyllen, Skabtosen, Cisten und Campanulla-Arten aussieht zc. Man glaube nicht, solches Sammelsurium von ganz unnöthigen Fremd⸗ wörtern sei doch nur ausnahmsweise zu sinden. Schlagen wir auf's grade Wohl den vorangehenden Band auf. Da steht ein sehr schöner und lesenswerther Aufsatz über die Kokospalme. Weßhalb jedoch in demselben, wenn er doch einmal in ein Lesebuch für die Volksschule auf genommen werden sollte, Ausdrücke stehen blieben wie: Tropische Insel, Substanz, Tropenzone, Temperatur, hydrostatische Presse, fabrizirt, Decennten, concentrirtes alkoholisches Getränke, Gährungsprozeß, Proviant, Nuß substanz ꝛc., oder weßhalb in einem anderen vesestück: Ein Tag unter dem Aequator von Karl von Martius, den Kindern zugemuthet werden soll, zu verstehendie göttliche Pragmatik im Stillleben der Natur, oder wie es kommt, daßrosenrothe Lichter und Reflexe um die Kuppeln der domartig gewölbten Caryocar-, Bertholletta⸗ und Symphoniasstämme spielen, während der Zenith dunkler ist; oder:die magische Dämmerung weicht; große Reflexe flüchten sich von Dunkel zu Dunkel ꝛc. ꝛc. Das Alles ist unbegreiflich, wenn wir nicht annehmen, daß Engelien in Norddeutschland eine hochgebildete halb⸗ wüchsige Jugend in den Volksschulen zu berücksichtigen hat, eine ganz andere als sie sonstwo, namentlich in der Wetterau, zu finden ist. Dazu kommt endlich eine nicht genug zu rügende Unsitte, die schon manchem sonst guten Schulbuche zum Verderben ausschlug. Jede neue Auflage bringt so viele Aenderungen im Texte, daß die früheren Ausgaben kaum mehr brauchbar erscheinen, wenigstens die Benutzung der alten Bücher neben den neuen kaum möglich ist. Dieses sind die Gründe, weßhalb seit Jahren in Hessen verschiedene Lehrbücher von hessischen Schulmännern verfaßt wurden,

von denen nun eines als das Ergebniß jahrelanger, sorgfältigster Arbeit wohlbekannter, tüchtiger Pädagogen

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