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den ist. Der Vertrag enthält folgende Bestimm⸗ ungen: Die Provinzen Binthuan und Hanghoa werden an Annam zurückgegeben. Die Schul⸗ den Annam's bleiben bestehen. Das Zollsystem Annam's wird wie dasjenige Cochinchina's ge— staltet. Die Franzosen besetzen alle geeignet er⸗ scheinenden Punkte Annam's und Tonkin's; ein Theil der Citadelle von Hüe erhält eine stän⸗ dige Garnison. Patenotre erhielt hinsichtlich der Eutschaͤdigung der katholischen Missionen die Zu⸗ sicherung China's. Die compromittirten Man⸗ darinen werden amnestirt.
Großbritannien. London. Granville hat an die Pforte eine Note gerichtet, worin er die Türkei auffordert, die egyptischen Häfen des rothen Meeres, sowie den Sudan mit ihren Truppen zu besetzen. Granville stützt sich bei dieser Aufforderung auf die Souveränetätsrechte des Sultans über Egypten und erklärt, der Sudan habe für Egypten keine Wichtigkeit. Eine Antwort der Pforte ist bisher noch nicht erfolgt.
— 8. Juni. Wie der Observer meldet, würde nunmehr zwischen England und Frank— reich noch über die Zusammensetzung der egyp— tischen Finanz-Controlbehörde verhandelt. In den Unterredungen mit dem französischen Bot— schafter Waddington sei übrigens englischerseits ausdrücklich hervorgehoben worden, daß jede Entscheidung der Billigung des Parlaments vor— behalten bleiben müsse.— Lord Guey, ein her— vorragender Whig Pair, tritt in der Times mit einem Vorschlag zur Lösung der egyptischen Finanzfrage vor die Oeffentlichkeit. Durchdrungen von der Ueberzeugung, daß das englische Volk niemals seine Einwilligung zur Herstellung einer internationalen Controle geben würde, empfiehlt er der Regierung, die Verwaltung Egyptens in eigene Hände zu nehmen und dem Khedive direct 10 Million Pfd. Sterl. zu leihen. Die euro- päischen Mächte, meint er, würden dem Plane ihre Zustimmung nicht verweigern, wenn stipu⸗ lirt würde, daß während der Dauer des bri— tischen Protectorats der britische Handel oder britische Unterthanen in Egypten keinen Vorzug vor anderen Nationen genießen sollen.
Dublin, 7. Juni. Die Orangisten sind über eine regierungsseitig verbotene Orangisten— Kundgebung in Newry sehr aufgebracht und entschlossen, das Meeting dennoch abzuhalten Sechshundert Polizisten sowie Militär trafen
in Newry welches im Belagerungszustande ist, ein. Spanien. Madrid. In den hiesigen Re—
gierungskreisen werden die der französischen Re— gierung bezüglich Marokkos beigelegten Absichten und Pläne für durchaus unglaubwürdig gehal— ten, da Frankreich die Erhaltung der Integrität des marokkanischen Reiches als in seinen Wün— schen liegend bezeichnete.
Barcelona, 5. Juni. In der Promenade Delarambla erfolgte gestern eine Dynamit-Ex⸗ plosion, wodurch ein Passant schwer verletzt und mehrere Gebäude beschädigt wurden.
Türkei. Constantinopel. Die Pforte be— schloß, die existirenden Tarife mit den Mächten, deren Handelsverträge abgelaufen sind, aufrecht zu erhalten, bis neue Arrangements getroffen sind.
Rumänien. Bukarest. Ein königliches Decret ordnet die Bildung von 32 Milizregi— mentern an.
Rußland. Petersburg, 6. Juni. Kaiserin ist Abends in Gatschina eingetroffen und wurde vom Kaiser auf dem Bahnhöfe empfangen und nach Peterhof geleitet. Der Großfürst Sergius reiste heute seiner Braut bis zur Grenze entgegen.
— Nowosti zufolge wäre der Importzoll auf Kohlen in den baltischen Häfen auf ½, in den Pontushäfen auf 2½ Goldkopeken per Pud end— giltig festgesetzt. Der Roheisenzoll sei zunäͤchst auf 9, nach einem Jahr auf 12, und nach einem weiteren Jahr auf 15 Goldkopeken per Pud erhöht. Die Bestimmungen würden in Kraft treten am 1. Juli 1884. Das Blatt will fer— ner wissen, Handel und Industrie solle außer einer dreiprocentigen Staatssteuer 0 pCt. Com— munalsteuer zahlen.
Die
Egypten. Kairo. Gerüchtweise verlautet, daß General Gordon von Khartum an Bord eines Dampfers auf dem oberen Nil entkommen sei. Die britische diplomatische Agentur bat je⸗ doch keine Meldung erhalten, welche dieses Ge— rücht bestätigt.
— 7. Juni. Nach Meldungen von gestern hatte Admiral Hewett am 27. Mai eine Unter⸗ redung mit dem Könige von Abyssinien und beabsichtigte am 1. Juni die Rückteise anzutreten. Die Mission des Admirals sei erfolgreich
gewesen. Port⸗Said, 7. Juni. Der Rest der hier
stationirten Marine-Infanterie ist nach Suakin beordert.
Amerika. Chicago, 6. Juni. In der heutigen Sitzung der Convention blieb die erste Abstimmung über den Präsidentschaftscandidaten erfolglos. Blaine erhielt 332, Arthur 278, Edmunds 93, Logan 63, John Sherman 30, Lincoln 4, General Sherman 2 Stimmen. Auch das zweite und dritte Ballotiren blieb erfolglos, beim dritten erhielt Blaine 375, Arthur 275 Stimmen. Die republikanische National-Con⸗ vention wählte endlich im vierten Wahlgange Blaine zum Präsidentschafts-Candidaten. Die Abstimmung dauerte den ganzen Tag. Beim vierten Wahlgang erhielten Blaine 574, Arthur 207, Edmunds 41, Hawley, 15, Logan 7, Lin⸗ coln 2 Stimmen. Zum Vice-Präsidentschafts— Candidaten wurde Logan ernannt.
Asien. Calcutta, 6. Juni. Der russische Jude Isaac Balaban, welcher mit Familie auf der Reise nach dem Norden hier ankam, ist als Spion unter polizeiliche Ueberwachung gestellt. Bei der Ankunft in Lahore wurde derselbe nebst seinen Familienangehörigen verhaftet und nach Keerachee abgeführt.
Aus Stadt und Land.
d. Friedberg. Am 27. v. Mts. fand auf dem Windecker'schen Felsenkeller die Generalversammlung des hiesigen Volksbildungs-Vereins statt. Der Vorsitzende, Reallehrer Blickhahn, gedachte zunächst in anerkennenden Worten der Thätigkeit zweier seitherkger Ausschußmit⸗ glieder, des verstorbenen Bürgermeisters Seriba und des nach seiner Versetzung in den Ruhestand von Friedberg weggezogenen Seminarlehrers Kirchner, und ertheilte hierauf dem Schriftführer, Seminarlehrer Dr. Heid, das Wort zur Verlesung des Jahresberichtes. Aus dem Inhalte desselben sei das Nachfolgende hier hervor gehoben: Im Laufe des letzten Winters wurden 6 Vor⸗ träge gehalten, die alle sehr stark besucht waren. Wenn die Zahl derselben im Laufe des letzten Winters etwas geringer ausfiel, als in früheren Jahren, so ist der Grund hierfür darin zu suchen, daß der Gewerbeverein im letzten Winter evenfalls eine Anzahl öffentlicher Vor— träge veranstaltete, die, um eine Häufung der Vortrags⸗ abende zu vermeiden, abwechselnd mit den Vorträgen des Volksbildungs Vereins gehalten wurden. Das mit Zeitungen, belehrenden und unterhaltenden Zeitschriften, Nachschlagebüchern, Karten und Atlanten reichhaltig aus⸗ gestattete Lesezimmer, das täglich von Vormittags 11 bis Abends 10 Uhr für Jedermann geöffnet war, wurde noch fleißiger besucht als früher, ja selbst Leute aus der Umgegend zählen zu den Besuchern desselben. Im An⸗ schluß an diesen Punkt wurde an die schöne Ordnung und den im Lesezimmer herrschenden guten Ton erinnert und dabei in warmen Worten der ersprießlichen Thätig— keit und des guten Einflusses der seitherigen Besitzerin des Hauses, der durch einen raschen Tod abgerufenen Frau Sieck gedacht. Die Benutzung der Vereins bibliothek hat im Vergleich mit früheren Jahren einen kleinen Rück⸗ gang erfahren. Die Zahl der Vereins mitglieder beträgt 112. Zu Prämien für Schüler der Fortbildungsschule, die sich durch gutes Betragen, Fleiß und Fortschritte einer Auszeichnung würdig gemacht haben, wurde auch dieses Jahr wiederum dem Schulvorstande die Summe von 20 Mark überwiesen. Auch im abgelaufenen Jahre hatte sich unser Verein einer Reihe von Zuwendungen an Geld sowohl, als auch der unentgeltlichen Ueber— lassung von Zeitschriften zu erfreuen, wodurch die Er⸗ reichung unserer Vereinszwecke wesentlich gefördert wurde. Ja selbst aus Amerika wurden uns Schenkungen zu Theil. Gerne sprechen wir an dieser Stelle allen den⸗ jenigen Corporationen und Personen, welche uns in Erreichung unserer Ziele mit Rath und That unter— stützten, unsern wärmsten Dank aus und geben uns der angenehmen Hoffnung hin, daß sie auch in den folgenden Jahren uns ihre Unterstützung nicht versagen werden. Nach Verlesung des Jahresberichtes wurde vom Rechner des Vereins, Seminarlehrer Wahl, die von 3 Mit— gliedern geprüfte und als vollständig richtig befundene Rechnung für 1883/84 vorgelesen und demselben von der Versammlung Decharge ertheilt. Der Voranschlag 1884/1885 wurde verlesen und genehmigt. Mit dem Ab⸗ schluß des letzten Jahres hat die 4. Wahlperiode ihr
Ende erreicht. Bei der hierauf stattfindenden Wahl wurde
Reallehrer Blickhabn als Vorsitzender wiedergewählt. 1 Ebenso fand eine Wiederwahl der seitherigen Ausschuß⸗
mitglieder: Lederhändler Heinrich Bechstein, Oberlehrer Bitsch, Seminarlehrer Dr. Heid, Seminarlehrer Wahl, statt; neugewählt wurden Medieinalrath Dr. Lorenz, Kreisschulinspektor Schmidt, Bürgermeister Steinhäußer und Reallehrer Wiesehahn.
C. T. Friedberg. Was kostet das Volks- bad und wie stellen sich die Einnahmen nach Abzug der Verwaltungskosten? Auf diese Fragen geben die nachstebenden Angaben, die als Ausweise der betreffenden Buchführung anzusehen sind, Antwort.
1879. Erste Anlage. Bau Conto M. 3063.42 1880. Zweite„ 7„ 3245.71 M. 6309.13 M. 459.98 128.58
Inventar-Conto 1879 15 5 1880„5 „ 618.56 M. 6927.69 Rein⸗ Einnahmen nach Abzug der Verwaltungskosten ꝛc.
1879 259.25 1880„ 553.88 1881„ 606.90 1882„ 240.74 1883„ 275.15 M. 1935.92 Hiervon ab „ 1122.40 für Zinsen, welche Netto-Ueberschuß M. 813.52
von 1879 bis Ende December 1883 an den hiesigen Vorschuß⸗ und Creditverein gezahlt wurden. Nach Ab⸗ zug des Netto-Ueberschusses von M. 813.52 von dem Anlagekapital von M. 6927.69 verringert fich dasselbe auf M. 6114.17. Auf einen 5jährigen Zeitraum ver⸗ theilt, ergibt dies eine jährliche Abschreibung von M. 162.70= 2½90/. Von den Besitzern des Volks: bads ist der Vorschlag gemacht worden, Bestand und Fortführung desselben dadurch zu sichern, daß der Schuld durch freiwillige Zeichnungen, ½ durch die jetzigen Besitzer M. Koch, G. Schwarz, C. Trapp und C. Walter, ½ durch Letztgenannten, als künftigem alleintgem Besitzer der Anstalt, gedeckt würden. Blleben die Zeichnungen hinter den Erwartungen zurück, so warte der Ausweg zu empfehlen, daß der an dem ersten Drittel fehlende Betrag von der Stadt übernommen und von dieser in Vertragsform ein Abkommen mit C. Walter getroffen würde, welches die Rechte der freiwilligen Zeichner und der Stadt im Hinblick auf die Erhaltung und den künftigen Betrieb des Volksbads sicher stellt. Doch wozu, denkt und sagt Mancher, überhaupt Etwas für eine Sache geben, die ja besteht und obendrein in „guten Händen“ ist. Das Bade⸗Quartett hat dem Publikum aufgespielt, nun ist es Pflicht der Bade⸗ Enthusiasten, die Mitglieder des Quartetts bel guter Laune zu erhalten. Diese Ansicht hätte ihre Berechtigung, wenn sie mit der sachlichen Darlegung der Geschichte des Volksbads, wie sie Nr. 67 des Oberh. Anz. enthlelt, in Einklag zu bringen, wenn sie daraus abzuleiten wäre. Aber das Gegentheil ist der Fall. Thatsächlich stellt das Volksbad ein vorlagsweise von 4 Männern im Auftrage einer Versammlung geschaffenes, gemeinnütziges Unternehmen dar, für dessen Bestehen ferner noch allein zu sorgen die Genannten ablehnen, nachdem sie es fünf Jahre lang gethan und es innerhalb dieser Zeit an Be⸗ mühungen, der Zukunft des Volksbads eine solide Grund⸗ lage zu geben, nicht haben fehlen lassen. Trägt heute Jemand seinen Namen mit M. 10, 20, 30 oder mehr in die Liste bei C. Walter ein, so thut er es gewiß nicht in der Absicht, den jetzigen Inhabern Walter, Koch, Schwarz und Trapp Etwas zu schenken. Er wird sich sagen, daß es nicht mehr wie wohlanständig und billig ist, 4 Mitbürger zu entlasten, die vor fünf Jahren das Volksbad, eine gemeinnützige Anstalt, im guten Glauben auf allseitige Unterstützung gegründet, es seither in gutem Stande erhalten und heute, um fernerer Verantwortlichkeit, zeitraubender Arbeit u. s. f. enthoben zu sein, entschlossen sind, ½ der Schuld zu übernehmen, in der Voraus setzung, daß ein weiteres Drittel durch die Einwohner, eventuell durch die Stadt gedeckt wird. Ebenso wenig wie 1881 um das„Stadtgeschenk“ von M. 50.—, ist es heute den Bade-Inhabern um Geschenke von Pri⸗ vaten zu thun. Darüber sollte doch keine Meinungs- verschledenheit unter uns bestehen. So undankbar es ist, für andere Leute seine Haut zu Markte zu tragen, s. wenig angebracht ist es, wenn Einzelne aus Ihrer Tasche einer größeren Zahl von„Mitbrüdern und Mit— schwestern“ eine Wohlthat erweisen, für welche diese in der glücklichen Lage sind, auch etwas opfern zu können. Das Vorhandensein einer öffentlichen Bade-Anstalt it eine Wohlthat für die Bewohner Friedberg's; soll sich vieselbe auch in Zukunft Jedermann verschaffen können, so muß der vorher erwähnte Vorschlag verwirklicht werden. Wir hoffen, daß dieser letzte Appell an die Bethätigung des gemeinnützigen Sinn! der Einwohnerschaft Friedberg's in Sachen„Volksbad“ nicht vergeblich gewesen sein wird.
b. Friedberg. In den Sängerkreisen Frankfurts vollzieht sich eine ebenso bedeutsame als erfreuliche Wand⸗ lung, man ist bestrebt, die vielen kleinen, als Gesang⸗ vereine kaum existenzberechtigten Vereine zu größeren zu vereinen und auf diese Weise dieselben zu befähigen, den jetzt an die Gesangvereine in musikalischer Hinsicht be⸗ deutend erhöhten Anforderungen besser zu genügen. Alle, welche ein ernstes und kunstgemäßes Bestreben innerhalb
der Gesangvereine zu würdigen wissen, werden gewiß
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