Ausgabe 
8.1.1884
 
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Art. 24 fand eine lebhafte Discussion statt. Die Abstimmung und Fortsetzung der Specialdebatte wurde vertagt.

Ausland.

Oesterreich-Ungarn. Pest. Dem Pester Lloyd zufolge bezweckt eine Reise Tisza's nach Wien die Unterbreitung einiger Reichstagsvor⸗ lagen der vorläufigen Sanction des Kaisers. Eine derselben, militärischen Charakters, erfordere die unmittelbare vorher gehende Verständigung mit den österreichischen und gemeinsamen Ministern.

Belgien. Brüssel. Wie verlautet, hat sich auf den Wunsch des Königs der englische General Gordon entschlossen, die Leitung der Geschäfte der Afrikanischen Internationalen Ge⸗ sellschaft zu übernehmen und wird bereits in der Kürze nach dem Congo abgehen.

Frankreich. Paris. Ein Gerücht von der Demission des Gesandten Campeaux in Hüe ist der Agence Havas zufolge unbegründet.

Madagassische Abgesandte, mit Vollmachten zum Friedensschlusse versehen, sind in Tamatave eingetroffen. Madagascar nimmt das Ultimatum Frankreichs an und tritt den nördlichen Theil der Insel vom Cap Ambre bis zum Cap Bellona an Frankreich ab.

Der Jubel über die Einnahme Songtay's ist rasch verstummt, seitdem Admiral Courbet auf seiner Siegeslaufbahn so plötzlich Halt ge⸗ macht hat und nach Hanoi zurückgekehrt ist. Um Songtay zu halten, soll Courbet 2400 Mann dort zurückgelassen haben, also fast die Hälfte seiner Combattanten. Natürlich kann da von Fortsetzung der militärischen Operationen und einem Marsch gegen Bacninh keine Rede sein, bevor General Millot mit den neuen Verstärk ungen angekommen ist. Darüber kann es Februar werden. Auch die diplomatischen Verhandlungen scheinen in's Stocken gerathen zu sein. Der National und die Patrie melden, der gegen wärtige Geschäftsträger in Peking, Semalle, kehre in Kurzem nach Frankreich zurück und Gesandter Patenotre gehe demuächst uach Peking. Der France zufolge würde eine weitere Credit⸗ forderung von 30 Million für die Expedition in Tonkin Mitte Februar in der Kammer ein⸗ geracht werden.

6. Jan. Dem Figaro zufolge wird sich der Graf von Paris am 10. Jan. nach Spanien begeben. Tonino Bey, der Ceremonienmeister des Khedive, ist hier angekommen und wäre derselbe, wie die Agence Havas wissen will, mit einer diplomatischen Specialmission beauftragt.

Großbritannien. London, 4. Jan. Die Aufregung in Leicester in Folge der Entdeckung eines Feniercomplots gegen die Midland-Eisen⸗ bahn hat besondere Vorsichtsmaßregeln auf der ganzen Bahnstrecke London⸗Leicester verursacht.

4. Jan. Nach einem Telegramm an Reuter's Bureau aus Kairo von heute wird gemeldet, die Beziehungen zwischen Egypten und England nahmen einen etwas gespannten Cha⸗ rakter an. Die egyptische Regierung stellte eine kräftige Note dem englischen Cabinet zu, worin sie erklärte, der dermalige Zustand könne nicht fortdauern und die endgiltige Entschließung be züglich der Sudanfrage von der englischen Re⸗ gierung verlangte. Wenn England dem Khedive seinen Beistand verweigere, ist das Ministerium fest entschlossen, den östlichen Theil des Sudan der Türkei zu überlassen, und den Tribut an die Pforte entsprechend zu ermäßigen. Die egyptischen Truppen würden so in Egypten con centrirt, daß die der egyptischen Regierung zu Gebote stehende Truppenmacht von 15,000 Mann auch ohne die Occupationsarmee ausreichend sei, die Ordnung aufrecht zu erhalten und die Grenze zu schützen. Es verlautet, daß Baring bei Uebermittelung der Note seine Meinung dahin ausdrückte, daß dazu 15,000 Mann nicht ausreichend wären.

5. Jan. Der heutige Cabinetsrath im auswärtigen Amte beschäftigte sich ausschließlich mit der egyptischen Angelegenheit. Das Reuter sche Büreau meldet, es gehe das Gerücht, eng lische Kriegsschiffe würden die Ordre erhalten,

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Positionen im Rothen Meere und im Suez⸗ canal einzunehmen.

Spanien. Madrid, 3. Jan. In der Kammer erklärte Robledo Namens der Conser⸗ vativen, er werde keinen Entwurf zur Thron reden-Adresse einbringen. Fabra fragte an, weßhalb an der Pyrenäengrenze Vorsichtsmaß⸗ regeln ergriffen seien. Der Minister des Innern erwiederte, dies sei wegen der in einem benach⸗ barten Grenzdorfe verbreiteten falschen Gerüchte.

Italien. Rom, 5. Jan. Um zwei Uhr Mittags fand heute die feierliche Ueberführung der Leiche Victor Emanuels nach dem Pantheon programmmäßig statt.

Rumänien. Bukarest. Der Handels minister Campineanu ist nach Hamburg abgereist, um die dortigen Docks- und Entrepot⸗Ein⸗ richtungen zu studiren.

Egypten. Kairo, 4. Jan. Die im egyp⸗ tischen Dienst befindlichen britischen Beamten willigten ebenfalls in eine Gehaltsreduction. Der englische Finanzrath ergriff die Initiative, und es heißt, auch die Minister würden in eine Gehalts reduction willigen. Die Gesammt⸗ reduction der Ausgaben würde in Folge dessen 430,000 egyptische Pfund betragen, und das Ausgabebudget hierdurch auf die im Liquidations⸗ gesetz normirte Summe herabgemindert werden.

Der Daily News wird gemeldet, daß die Lage von Khartum bedenklich sei. Die Araber schließen den Platz allmälig ein. Die eingeborene Bevölkerung wird streng überwacht, da ihr nicht getraut wird. Nach Einbruch der Dunkelheit darf Niemand die Stadt verlassen. Die Times meldet aus Khartum, ein Schwager des Mahdi habe dreißig Meilen von Khartum versucht, einen Aufstand zu organisiren.

Die den Eingang zum Rothen Meer sperrende Station Aden soll mit neuen Befestig⸗ ungen ausgestattet werden, deren Kosten auf 100,000 Lst. veranschlagt werden. Die jetzigen sind hinfällig und veraltet. Aden ist als Kohlen⸗ und Proviantstation von unschätzbarem Werthe für den Seeweg nach Indien, China und Australien, und vom Standpunkte der groß⸗ britischen Politik aus wären jene 100,000 Lst. sehr nützlich verwandt.

5. Jan. Die Garnisonen am Weißen Nil sind in Khartum angekommen, wodurch die Truppenmacht daselbst auf 6000 Mann erhöht worden ist.

6. Jan. Der englische Generalconsul Baring wurde heute Vormittag von dem Khedive in Audienz empfangen und theilte demselben die Antwort der englischen Regierung auf die Note der egyptischen Regierung vom 2. d. mit. Die englische Regierung besteht darauf, daß die Truppen von Khartum bis zum zweiten Nil⸗ kataract zurückgezogen werden.

Aus Stadt und Land.

. Nieder⸗Mörlen, 5. Dez. Von den bei dem hiesigen Orte lagernden Zigeunern ist vorgestern einer ge⸗ storben und heute auf dem hiesigen Friedhofe bestattet worden.

s. Södel, 5. Jan. Mit großer Befriedigung dürfen wir auf das nunmehr zurückgelegte erste Geschäftsjahr unserer Pfennigsparkasse zurückblicken. Bei der gestern Abend im Gemeindehause stattgehabten, sehr zahlreich be⸗ suchten Generalversammlung, ergab sich ein Jahresab- schluß von 235 Einlegern mit 3119 M. 95 Pf. Einlage. Hiervon sind bei dem Mathildenstift Friedberg verzins⸗ lch angelegt: 2910 M.; im Laufe des Jahres wurden zurückbezahlt: 192 M. 50 Pf.; der Verlust beträgt: 1 M. 10 Pf. und verbleiben in Cassa 16 M. 35 Pf. Die mit Erhebung der Einzahlungen betrauten Mit⸗ glieder unterzogen sich diesem mühsamen Geschäfte in völlig uneigennuͤtziger Weise und stattete die Versamm⸗ lung denselben hierfür herzlichsten Dank ab. Möge der Sinn für Sparsamkeit in unserer Gemeinde auch im laufenden Jahre sich in gleich eifriger Weise bethätigen und der nächste Abschluß ein ebenso befriedigendes Resul⸗ tat aufzuweisen haben.

g. Rockenberg, 4. Jan. Aus dem Landeszuchthaus Marienschloß versuchte am Samstag ein Gefangener zu entspringen. Es gelang ihm, über das Dach in das Magazin zu kommen, wo er sich inCivil umkleidete und den Blitzableiter hinab zu klettern suchte. Hierbei wurde er aber bemerkt und, nach vergeblicher Aufforder⸗ ung zurückzukehren, wurde ein Schuß auf ihn abgefeuert. Hierauf trat er dann schleunigst den Rückzug an.

Hungen, 3. Jan. In der heute hier stattgehabten sehr stark besuchten Versammlung sprach man sich all⸗

seitig für die Errichtung einer Zuckerfabrik auf Aktien aus. Man betonte namentlich, daß das Reich einen Industriezweig, welcher jährlich über 44 Million Mark Steuer eintrage, gewiß fördern müsse und daß, wenn auch die seitherigen außerordentlich hohen Dividenden für die Folge nicht mehr erwartet werden könnten, ein solches Unternehmen immerhin auch jetzt noch Gelegen⸗ heit zu einer soliden Kapitalanlage mit gutem Gewinn bieten werde, das auch außerdem für die Entwickelung des ganzen landwirthschaftlichen Betriebs von größtem Vortheil sei. Es erfolgten hierauf namhafte weitere Zeichnungen, so daß jetzt im Ganzen 1725 Morgen zum Zuckerrübenbau angemeldet sind, ein Betrag, welcher zur Errichtung der Fabrik mehr wie genügt. Die General⸗ versammlung der Betheiligten zur Feststellung des Sta⸗ tuts und endgültigen Bildung der Gesellschaft soll in 8 Tagen stattfinden. Man hofft, die Fabrik noch bis November d. J. erbauen und in Betrieb setzen zu können. Weitere Thellnehmer sind jedoch keineswegs ausgeschlossen, da eine möglichste Ausdehnung des Unternehmens im allseitigen Interesse liegt, und ist hierbei bezuglich des Wohnortes, der Kreis- und Landesangehörigkeit keine Grenze gezogen. Weitere Anmeldungen beliebe man da⸗ her, jedoch schleunigst, an den Vorsitzenden des aus⸗ führenden Comités, Kammerrath Weber in Laubach, zu richten.

Fürstenau, 2. Jan. Hier wohnte bis vor einem halben Jahre ein reicher Bauer, der nacheinander drei Schwestern heirathete. Jede seiner Frauen war Wittwe und brachte ihm Kinder zu. Da aus jeder Ehe zwischen ihm und seinen Frauen Kinder hervorgingen, so hatte er das gewiß selteneGlück, Vater von 27 Kindern aus sechs verschiedenen Ehen zu sein. Mehrere Jahre hin⸗ durch waren nicht weniger als zehn seiner Kinder schul⸗ pflichtig. Trotz der vielen Esser waren die äußeren Ver⸗ hältnisse des Mannes recht günstig zu nennen, und er konnte es ermöglichen, jedem seiner Kinder zu einem an⸗ gemessenen Fortkommen zu verhelfen. Heute sind die vielen Vögel bereits ausgeflogen, während der kinder⸗ reiche Vater in einem kleinen Städtchen in Ruhe seinen Lebensabend verbringt. Das Wortviel Kinder, viel Segen ist hier zutreffend gewesen.

Allerlei.

st. Frankfurt. Es sei hier besonders darauf auf⸗ merksam gemacht, daß die am Mittwoch den 9. Jan. statt⸗ findende Aufführung des WeihnachtsmärchensStruwwel⸗ peter und König Nußknacker im Frankfurter Opernhause nicht wie seither um halb vier Uhr, sondern um drei Uhr beginnt.

Frankfurt, 5. Jan. Ein schwerer Eisenbahnunfall hat sich heute Nachmittag auf dem Bebraer Bahnhof in Sachsenhausen ereignet, dem leicht viele Menschenleben hätten zum Opfer fallen können. Der um 4 Uhr fällige Berliner resp. Leipziger Schnellzug, welcher sich im rich⸗ tigen Geleise befand, hatte bereits seine Geschwindigkeit gemäßigt, sonst wäre das Mittel, zu welchem der Bahn⸗ wärter Weißgerber griff, verhängnißvoll geworden. Der Bahnwärter, der in einem Ueberleitungs⸗Geleise einen Güterzug auf den Schnellzug herankommen sah, erkannte sofort die Gefahr, welche in der Streifung des Schnell⸗ zuges durch den Güterzug lag und warf voll Geistes⸗ gegenwart die Weiche herum. In Folge dessen fuhren die Züge gerade aufeinander. Andernfalls wäre der mit Personen dicht besetzte Schnellzug in die Flanke getroffen und die Wagen wären leicht die Böschung herabgeworfen worden. Der Umstand, daß sofort Contredampf gegeben und gebremst worden war, milderte die Wucht des Stoßes und es wurde daher nur ein Wagen des Güͤterzuges total zertrümmert. Die Maschinen erlitten allerdings schwere Beschädigungen. Ein Wagen des Schnellzuges entgleiste. Die Geleise waren nach etwa anderthalb⸗ stündiger Arbeit wieder fret gemacht. Der Heizer der Schnellzugslocomotive wurde vom Tender geschleudert und hat einige Hautabschürfungen erlitten. Der Bremser des zertrümmerten Wagens rektete sich, die Gefahr er⸗ kennend, durch einen Sprung.

Rumpenheim, 2. Jan. Es ist gelungen, den Urheber des letzten Brandes, bei welchem zwei Scheunnen eingeäschert worden, zu ermitteln. Es ist ein fruher auf dem Hofe bedienstet gewesener Knecht, der diese That aus Rache vollführt haben soll.

Heidelberg. Am Morgen des 2. Januar entgleiste bei Huttenheim der Frühzug Bruchsal-Germers heim durch Bruch einer Bandage. Trotzdem die gut besetzten Wagen übereinander geschoben, Waͤnde eingedrückt und Bänke zertrümmert wurden, sind die Reisenden glücklicher Weise mit dem Schrecken davongekommen. Ein Weichenwärter erhielt im Gesicht unerhebliche Verletzungen.

Boppard, 3. Jan. Gestern Abend brach hier in dem WirthshauseZum Rebstock Feuer aus, welches sich alsbald auf das daranstoßende Bürgermeistereigebäude und die anstoßenden Nebenhäuser verbreitete. Durch Vorrath von brennbaren Stoffen genährt, erreichte die Gluth einen so hohen Grad, daß das Dach und die Glockenthürme der nahen Pfarrkirche glühendheiß wurden und das Holzwerk des Thurmdaches Feuer fing. Nur der umsichtigen und aufopfernden Thätigkeit der frei⸗ willigen Feuerwehr, die mit großer Ordnung und Ruhe arbeitete, sowie der sehr anzuerkennenden Hilfeleistung der Zöglinge von St. Martin ist es zu verdanken, daß die schöne Pfarrkirche gerettet wurde, an deren Thur der greise Pfarrer zitternd vor Angst und Besorgniß stand.

Leipzig. Das Reichsgericht hob das Urtheil in dem Neustettiner Synagogen-Brand auf und überwies den Proceß an das Landgericht in Conitz.

Berlin, 4. Januar. Ein entsetzlicher Gattenmord wurde gestern in dem benachbarten Weißensee verübt, wo

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