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Donnerstag den 7. Lehrnar.
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Wird hier und in Bad-Nauheim Montag, Mittwoch und Freitag Abend ausgegeben.
Kreisblatt für den Kreis Friedberg.
Erscheint dreimal wöchentlich und zwar Dienstag, Donnerstag und Samstag.
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Deutsches Reich.
Darmstadt. Militärdienstnachrichten. Wei— denhammer, Unterarzt vom 1. Gr. Juf.-Regt. Nr. 115, wurde zum Ass.⸗Arzt 2. Kl., Dr. Oster, Unterarzt der Res. vom 1. Bat. 2. Gr. Landw.
stegts. Nr. 116, zum Ass.⸗Arzt 2. Kl. der Res. befördert; Arendt, Garnisons-Bauinsp. in Darm— stadt, nach Brandenburg a. d. H., Rettig, Garni— sons-Bauinsp. in Metz, nach Darmstadt versetzt.
— 5. Febr. Die Kammer nahm heute die Beantwortungen der verschtiedenen Jnterpella— tionen entgegen. Wir heben daraus nur die auf die kirchenpolitische Frage bezügliche hervor. Staatsminister v. Starck sagte unter Anderem: Der Hinweis auf Baden biete keine Analogie; in Baden sei die Anzeigepflicht stets erfüllt worden, dort sei die Examenpflicht in den Vorder— grund getreten. Die Staatsprüfung in Baden sei durch Gesetz vom März 1880 aufgehoben worden und an ihre Stelle die Vorlage von Zeugnissen über den Besuch von philosophischen Vorlesungen für genügend erachtet worden. Die größte Bedeutung habe die Regierung auf das preußische Gesetz vom 30. Juni 1883 gelegt und habe in Erwägung gezogeif, ob die hessische Regierung die Erfüllung der Anzeigepflicht noch läuger in Anspruch nehmen solle, nachdem dies in Preußen nicht mehr der Fall sei. Hiervon ausgehend, würde die Regierung in der Lage gewesen sein, eine Gesetzesvorlage zu machen, wenn das preußische Gesetz die Folge gehabt hätte, daß die katholische Geistlichkeit die Er— füllung der Anzeigepflicht bezüglich der kirchlichen Aemter ausübe. Bezüglich der Wiederbesetzung des bischöflichen Stuhles von Mainz könne von ihm die Initiative nicht ausgehen, da das Dom— kapitel von Rom aus die Weisung erhalten habe, eine Kanditatenliste nicht vorzulegen. Man müsse eine Anregung des Domcapitels in dieser Richtung erwarten. Ein neuer Kandidat müsse die Sicherheit geben, daß in Folge der Wieder— besetzung des bischöfl. Stuhles die Anzeigepflicht, soweit verlangt, erfüllt werde. Es hätten im Sommer 1882 directe Verhandlungen mit einem päpstlichen Diplomaten stattgefunden, zu einem Resultate jedoch nicht geführt; im Sommer 1883 sei von Rom aus angefragt worden, ob ein anderer päpstlicher Vertreter in Unterhandlungen mit dem Staate treten solle, der Staat habe seine Bereitwilligkeit hierzu erklärt, und sei auch jetzt noch zu jeder Verhandlung jederzeit bereit.
Berlin. Die Nordd. Allg. Ztg. druckt einen Artikel der Els. Lothr. Ztg. ab, worin die— selbe alle Mittheilungen der Blätter über Mein— ungsverschiedenheiten zwischen dem Statthalter v. Mauteuffel und dem Fürsten Bismarck für vollständig grundlos erklärt.
— 4. Febr. Im Abgeordnetenhause wird die Berathung des Cultusetats bei Titel„Uni— versitäten“ fortgesetzt und der Rest des Kapitels genehmigt. Es folgt sodann das Kapitel„höhere Lehranstalten“.
— 4. Febr. Zur Petition des Prinzen Friedrich Wilhelm von Hanau und der übrigen Allodialerben des letzten Kurfürsten von Hessen, betr. die Auszahlung des nicht verausgabten Theils der in der Sequestration vereinnahmten Revenüen, beschloß die Petitionscommission den Uebergang zur Tagesordnung.
— 5. Febr. Der gestrige Hofball war sehr glänzend. Der Kaiser blieb mehrere Stunden und
machte nach dem im Weißen Saale stattgefun— denen Cercle, welcher über eine Stunde dauerte, auch einen Umgang durch die übrigen Festgemächer und begrüßte die dort anwesenden Gäste.
Ges S n S.„Dale, e eee Comm. Corv.⸗ Cpt. von Seckendorff, ist am 14. Januar c. in der Grassy⸗Bucht(Bermudas) eingetroffen.— S. M. S.„Leipzig“, 12 Ge— schütze, Comm. Corv.-Cpt. Herbig, ist am 31. De— zember v. J. in Hongkong, S. M. Kanonen— boot„Wolf“, 4 Geschütze, Comm. Corv.⸗ Cpt. v. Raven, am 28. Dezember v. J. in Cauton eingetroffen.
Dresden, 5. Febr. Der Krankheits- zustand der Prinzessin Georg hat sich wesentlich verschlimmert, der Puls ist sehr frequent und kaum fühlbar, die Temperatur hat sich be— trächtlich erhöht, die Kräfte lassen nach.
Ausland.
Oesterreich-Ungarn. Wien, 3. Febr. Der Budgetausschuß nahm eine Resolution au, in welcher die Regierung aufgefordert wird, dem Afrikareisenden Holub eine ausgiebige Unter— stützung zu gewähren und nöthigenfalls einen Nachtragseredit zu beantragen. Auf eine An— frage erklärte der Ministerpräsident, er werde zur Beurtheilung der von der Regierung be— schlossenen Ausnahmemaßregelu in der nächsten Sitzung des Abgeordnetenhauses eine Erklärung abgeben. Im Plenum wolle er sich Reserve auferlegen, einem eventuellen Ausschusse gegen— über jedoch unter Voraussetzung der Diseretion nähere Mittheilungen machen. Er wünsche vor Allem Beruhigung der Bevölkerung, nicht aber die Beunruhigung derselben zu vernehmen.
— 4. Febr. Der Mörder des Detectiven Blöch gestand heute ein, der 30 Jahre alte Hermann Stellmacher aus Grottau zu sein. Derselbe wurde beim sächsischen 2. Grenadier— Regiment Nr. 101 fahnenflüchtig, schloß sich den schweizer Socialisten Most'scher Richtung an und wohnte 4 Monate lang unter falschem Namen in Wien.
— 5. Febr. Abgeordnetenhaus. Minister— präsident Graf Taaffe begründet die Ausnahme— Verfügungen hinreichend mit dem Treiben der Arnachisten, der Ermordung von Polizeibeamten und der Verbreitung aufrührerischer Schriften. Das Haus nahm mit allen gegen 3 Stimmen den Antrag auf Einsetzung eines aus 14 Mit⸗ gliedern bestehenden Ausschusses zur Berathung der Ausnahmeverfügungen an, lehnte dagegen
die von der Linken beantragte achttägige Be— richterstattungsfrist ab.
Belgien. Brüssel, 5. Febr. Die Kammer lehnte mit 68 gegen 41 Stimmen die Amende— ments, bezweckend die Herabsetzung der Gehälter der höheren katholischen Geistlichen, ab.
Frankreich. Paris, 4. Febr. Ju der Deputirtenkammer interpellirte Häntjens über die Conventionen mit den Eisenbahugesellschaften, beantragt Abschaffung der Steuer auf Courier— züge, welche den Conventionen zufolge die Herab— setzung der Tarife nach sich ziehen würde. Raynal erklärte die Aufhebung der Steuer für unmöglich, da sie einen Verlust von 24 Million für den Staat herbeiführen werde. Die Kammer nahm eine der Regierung günstige Tagesordnung an.
— 4. Febr. Ein Telegramm des Gouver— neurs von Cochinchina bezeichnet die Beziehungen
zum Hofe von Hüe als befriedigend. Letzterer scheine geneigt zu seiu, die neue Ordnung der Verhältnisse rückhaltlos anzuerkennen.
Großbritannien. London, 4. Febr. Die Times erfährt, in einem am Freitag im Kriegs— ministerium abgehaltenen Ministerrathe wäre be— schlossen worden, das Parlament um einen Credit von 2 Million Pfund Sterling anzugehen, um die Häfen des Julandes und der britischen Co— lonien in Vertheidigungszustand zu versetzen.
— 4. Febr. Zu Ballymont in der irischen Grafschaft Sligo fand gestern eine Kundgebung von Anhängern der Nationalliga statt. Bei der⸗ selben erschienen auch zahlreiche Orangisten und schossen auf die Nationalisten, wovon drei ver⸗ wundet wurden. Die Volksmenge griff darauf die Orangisten an und verwundete zwei derselben.
— Die Untersuchung über die, nach dem Fr. Journal, erwähnte angebliche Dynamitver— schwörung in den schottischen Hochlanden, welche, wie es hieß, den Zweck hatte, alle öffentlichen Gebäude in die Luft zu spreugen und die Mo— narchie zum Sturze zu bringen, hat ergeben, daß das Complot nur in dem Kopfe einiger muthwilligen Burschen des Dorfes Tobermory spukte, welche sich durch die Lectüre über die Dynamitexcesse in England und die Verhand— lungen in dem Prozesse gegen die Dynamitge— sellen in Glasgow erhitzt hatten. Die verhaf⸗ teten 6 Burschen sind in Folge dessen mit einer gutgemeinten Warnung wieder auf freien Fuß gesetzt worden. 2.
— 5. Febr. Die bei der heutigen Eröff— nung des Parlaments verlesene Thronrede sagt unter Anderem: Die Beziehungen zu allen Mächten sind freundschaftliche. Der Schrift⸗ wechsel mit dem Präsidenten der Republik be⸗ züglich Madagascars ist beendet und hat das Resultat gehabt, den cordialen Sinn zwischen beiden Ländern zu bestätigen. Zwecks Wieder— aufnahme der diplomatischen Beziehungen zu Mexico seien Vorkehrungen getroffen und zu diesem Zwecke Specialgesandte jeder Regierung abgereist. Im Weiteren sagt die Thronrede, in Folge der Niederlage der epyptischen Truppen im Sudan sind die im Herbste vorigen Jahres gegebenen Befehl bezüglich des Rückzuges der egyptischen Occupationsarmee anullirt worden; nichtsdestoweniger bleibt der Zweck der Occu⸗ pation unverändert. Die Thronrede erklärt ferner, in Irland bessere sich die Lage fort⸗ dauernd. Angekündigt werden Vorlagen über die Erweiterung des Wahlrechts, Ausdehnung der Reform der Localregierung auf die Pro— vinzen und Einrichtung einer Municipalregierung, welche die ganze Stadt London umfassen soll.
Spanien. Madrid. Wie die Nat.⸗Ztg. wissen will, glaubt sich in den Madrider Re— gierungskreisen der Gefahr eines neuen mili⸗ tärischen Aufstandes gegenüber, dessen Ausbreiten jeden Augenblick erwartet werden könne. Be⸗ kannt ist, daß eine ständige revolutionäre Ver⸗ schwörung durch die Armee verzweigt ist; nach bestimmt vorliegenden Anzeichen bereitet sich dieselbe zum Losschlagen vor.
Serbien. Belgrad, 3. Febr. Neuerdings sind zahlreiche Beamte und Lehrer wegen unbe⸗ fugter Wahlagitation gemaßregelt worden.— Die von verschiedenen Blättern gebrachten Nach⸗ richten über die Zeit des Zusammentrittes der Skupschtina sind verfrüht.


