1884.
Dannerstag den 6. Nauembher.
M 32.
Oberhessischer Anzeiger.
Wird hier und in Bad⸗Nauheim Montag, Mittwoch
und Freitag Abend ausgegeben.
Areisblatt für den Kreis Friedberg.
Erscheint dreimal wöchentlich und zwar Dienstag, Donnerstag und Samstag.
Die einspaltige Petitzeile wird bei Annoncen mit 11 Pf. berechnet, bei größerem Tabellen⸗ Annoncen von auswärtigen Einsendern(soweit Letztere nicht Jahresconto bei uns haben),
—
oder Ziffersatz mit 14 Pf., bei Reclamen mit 22 Pf.; welchen der Betrag nicht beigefügt ist, werden slets per Post nachgenommen.
ein Beleg kostet 9 Pf.
Betreffend: Die Vertilgung der Feldmäuse.
Das Großherzogliche Kreisamt Friedberg
Mit Rücksicht darauf, daß die Feldmäuse in diesem Herbste wieder gro derselben in der vorgeschriebenen Weise alsbald vorzunehmen. statthaft erscheint, und unter allen Umständen nur unter den erforderlichen Maßnahmen zur V In dieser Beziehung ist es iunsbesondere nicht erlaubt, wurden, zu streuen, weil auf diese Weise Jagdvögel der Gef Vor der Durchführung der zur Vergiftung erforderlichen Maßret
nommen werden darf.
Schaden gewarnt ist, und Tauben und Hühner
Amtlicher Theil. an die Großherzoglichen Wir bemerken Ihnen hierbei,
einhalten kann. Das Gift ist für Rechnung der
ßen Schaden anrichten,
Friedberg den 24. October 1884. Bürgermeistereien des Kreises. empfehlen wir Ihnen, die Vertilgung
daß eine Vergiftung nur im aäußersten Nothfall erhütung einer Vergistung nützlicher Thiere vorge— vergiftete Getreidekörner, ohne daß dieselben vorher zermalen ahr der Vergiftung ausgesetzt sind und hierdurch großes Unheil entstehen kann. geln hat ortsübliche Bekanntmachung zu erfolgen, damit Jedermann vor etwaigem
Gemeinde zu beziehen und durch Ortsvorstands—
mitglieder oder von der Gemeinde angestellte Personen mit größter Sorgfalt möglichst tief in die Gänge zu streuen.
N
Betreffend: Ermittelung der landwirthschaftlichen Bodenbenutzung und des Ernteertrags im Jahre 1884.
Das Großherzogliche Kreisamt Friedberg an die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises.
Diejenigen von Ihnen, welche mit der Einsendung der rubrieirten Verzeichnisse noch im Rückstande sind, werden hieran erinnert, die— selben binnen 24 Stunden, bei Meidung der Zusendung von Wartboten, anher einzusenden.
Dr. v. Gemmingen, Kreisassessor.
Friedberg den 5. November 1884.
J. V. d. K.: Dr. v. Gemmingen, Kreisassessor.
Deutsches Reich.
d. Fridberg. Trotz der angestrengtesten Bemühungen der gegnerischen Parteien— die neue demokratisch-freisiunige Fraktion einge— rechnet— ist es der national-liberalen Partei in unserem Wahlkreise bereits im ersten Wahlgang gelungen, nahezu die er— forderliche absolute Majorität, 6051 Stimmen— also über 2000 Stimmen mehr als der deutsch-freisinnige Candidat Hinze er— halten hat— auf ihren Candidaten Görz zu vereinigen. Nur je eine einzige Stimme in 45 Ortschaften mehr und der national-liberale Candidat hätte schon jetzt gesiegt und die auf— regenden Kämpfe einer engeren Wahl wären dem Wahlkreis erspart geblieben. Die Wahl gibt ein glänzendes Zeugniß dafür, daß unser Wahlkreis trotz aller gegnerischen Agitation, dieses Mal, wie immer seit Bestehen des deutschen Reichstags, der nationalen und liberalen Sache treu geblieben ist und daß alles Berliner deutsch-freisinnige Blendwerk den gesunden Blick unserer hessischen Landsleute nicht zu trüben vermochte. Und wie im hiesigen Wahlkreis im Kleinen, so zeigt im ganzen deut— schen Vaterland im Großen die national— liberale Partei einen mächtigen Aufschwung und die deutsch-freisinnige Partei einen ebenso jähen Rückgang. Von den 106 Man— daten, welche die deutsch-freisinnige Partei im letzten Reichstag besessen, sind ihr bis jetzt nicht mehr als 30 geblieben; das Schick— sal, das ihr Candidat Major Hinze mit einer staunenswerthen Ausdauer seit vier Wochen auf sammtlichen Wahlversammlungen der national— liberalen Partei anzukündigen nicht müde wurde, es hat sie selbst erreicht, sie ist„zer— rieben“. Das deutsche Volk hat eben am 28. October kundgegeben, daß es müde ist der deutsch-freisinnigen Politik, einer Politik, die den bedeutenden sozialen Aufgaben unserer Zeit kühl und verneinend gegenübersteht und die großartigen Bestrebungen unseres Reichskanzlers nur zu hemmen trachtet, daß es überdrüssig ist, nur immer leere Versprechungen zu hören, die ebenso freigebig vor der Wahl ge⸗ geben, als leicht nach der Wahl vergessen wer— den. Der 1. und 3. Oberhessische Wahl— kreis haben bereits im ersten Wahlgang dieser Stimmung durch die Wahl von zwei entschieden national-liberalen Männern Ausdruck gegeben,
au unserem Wahlkreis ist es, ein Gleiches in der engeren Wahl zu thun. Was der erste Wahlgang begonnen, die zweite wird es vollenden: die vollständige Niederlage der deutsch— freisinnigen Partei in unserer Provinz.
t. Friedberg. Die landwirthschaftlichen Zölle beschäftigen eben in hohem Grade auch andere Länder und wird namentlich die Re— gierung der französischen Republik damit rechnen müssen, um so mehr, als diese Frage bei den bevorstehenden Wahlen voraussichtlich eine wich— tige Rolle spielen wird. So hat auch in der That das Ministerium Ferry aus freien Stücken eine Erhöhung der Eingangszölle auf Vieh vor— geschlagen und zwar für Ochsen von 15 auf 25 Frs., Kühe und Stiere von 8 auf 12 Frs., Schweine von 3 auf 6 Frs., Schafe von auf 3 Frs. Die französischen Agrarier sind jedoch mit dieser Erhöhung noch nicht zufrieden und verlangen namentlich auch Verstärkung des Mehl zolles von: Frs. 1.20 auf 9 Frs. pro 100 Kilo, des Weizenzolles von 60 Cts. auf 5 Frs. und einen Eingangszoll für alle anderen Getreide— arten von Frs. 3 pro 100 Kilo. Die Schweiz, welche einen großen Theil ihres Bedarfs an Getreide importiren muß, erhebt vom Januar 1885 an einen Eingangszoll von Frs. 1.25 pro 100 Kilo auf alle Cerealien. Ferner auf eingehendes Vieh: Kühe und Ochsen Frs. 5 Jungvieh Frs. 2, Schweine Frs. 2, Schafe und Ziegen Frs. ½. Wir ersehen hieraus, daß die beiden republikanischen Regier— ungen die landwirthschaftliche Zollfrage viel an— ders auffassen, wie unsere deutsch-freisinnige Partei und sich nicht wee letztere ablehnend da— gegen verhalten.
Darmstadt. Post-Personalnachrichten. Er— nannt ist der Ober-Postdirektionssekretär Drescher in Offenbach zum Postkassierer. Angestellt ist der Postanwärter Ritzel in Gießen als Postassistent. Uebertragen sind dem Postsekretär Blümel in Darmstadt eine Bureaubeamtenstelle 1. Kl. und dem Postassistenten Altvater ebendaselbst eine Bureaubeamtenstelle 2. Kl. bei der Ober-Post— direktion. Versetzt ist der Ober-Postdirektions— secretär Henriey von Darmstadt nach München— Gladbach behufs Uebernahme einer Postkassierer— stelle. Jn den Ruhestand getreten ist der Bureau—
assistent Kadoch in Darmstadt. — Der Ministerialrath Fink wurde auf Nachsuchen, unter Anerkennung seiner Dienste
und unter Verleihung des Charakters als Ge— heimerath, sowie unter Belassung in seiner Neben— stelle als Präsident der Centralstelle für die Ge— werbe und den Landesgewerbverein in den Ruhe— stand versetzt; ferner wurde der Oberbaurath Horst zum Ministerialrath und der Ministerial— kanzlist 1. Kl. Hecht zum Ministerial-Kanzlei— inspector ernaunt.
Berlin. Nachrichten von einer in Vorbe— reitung begriffenen Vorlage wegen Erhöhung der Getreidezölle sind, wie von bestunterrichteter Seite versichert wird, völlig aus der Luft gegriffen.
— Mehrere Journale melden, die Pforte habe in Berlin Vorstellungen gemacht wegen ihrer Ausschließung von der Congo-Conferenz, obgleich die Türkei in Afrika die größten In⸗ teressen habe. Die Zulassung der Pforte zur Conferenz sei deßhalb wahrscheinlich.
— 3. Nov. Der kaiserlich deutsche Bot— schafter in Paris, Fürst Hohenlohe, ist hier an— gekommen und hat für die Dauer seines Aufent— halts bei seinem Bruder, dem Herzoge von Ra— tibor, Wohnung genommen.
— Die„Nordd. Allg. Ztg.“ veröffentlicht eine Reihe von Briefen des verstorbenen letzten Königs von Hannover aus den Jahren 1866 und 1867 und bemerkt dazu: Es durfte von Interesse sein, diese Briefe, worin König Georg die Wege und Ziele der welfischen Politik dar— gelegt, sowie einige in gleicher Richtung charak— teristische Berichte seiner Agenten, weiteren Kreisen zugänglich zu machen. Der Herzog von Cum— berland habe sich in einem Schreiben vom Juli 1878, worin er dem Kaiser den Tod seines Vaters anzeigte, vollständig auf den Standpunkt des Königs Georg gestellt, so daß der Juhalt dieser Schriftstücke auch für ihn gelte.
— 4. Nov. Der Kaiser hat den Jagdaus— flug nach Wernigerode aufgegeben, da er sich durch Ausgleiten im Zimmer eine leichte An— schwellung an der Schulter zugezogen hat. Der Kaiser brachte die Mittagsstunden wie gewöhn— lich im Arbeitszimmer zu.
Braunschweig. Die„Weimarische Ztg.“ bezeichnet die Nachricht verschiedener Zeitungen, daß der großherzoglich weimarische Hofstallmeister, Graf Wedell, wegen der braunschweigischen An— gelegenheit am dänischen und schwedischen Hofe gewesen sei, für unbegründet.
Kiel, 4. Nov. An Stelle der gestrandeten Brigg„Undine“ wird morgen die Brigg„Rover“


