Ausgabe 
6.5.1884
 
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Posen. Als Nachfolger Ledochowski's wird Weihbischof Zybichowsky in Gnesen bezeichnet.

Karlsruhe, 2. Mai. Zu Ehren des Prinzen Heinrich von Preußen, der heute von Darmstadt kam und welchen der Großherzog und Prinz Ludwig am Bahnhof empfingen, fand Hoftafel im Schloß statt. Prinz Heinrich bleibt mehrere Tage hier.

3. Mai. Der Großherzog reist am Montag nach Kissingen zur Kur ab. Der russische Gesandte Staal überreichte heute dem Großherzog sein Abberufungsschreiben.

Ausland.

Oesterreich-Ungarn. Prag, 4. Mai. Die Kaiserin Maria Anna wurde auf ihren eigenen Wunsch mit den Sterbesacramenten ver sehen. Der Papst ertheilte der Kaiserin tele graphisch seinen Segen.

Schweiz. Bern. Die Landesgemeinde Glarus hat den Antrag auf Wiedereinführung der Todesstrafe mit großer Majorität abgelehnt.

Norwegen. Christiania, 3. Mai. Der Abgeordnete Konow(Linke) hat, dem Fr. Journ. nach, im Odelsthing folgenden Aufsehen er weckenden Antrag gestellt: Der Kriegsminister Dahll wird auf Grund des F. 75 der Ver fassung vor das Odelsthing geladen und ihm die Fragen vorgelegt, ob es wahr sei, daß, wie verlautet, die in den Abtheilungsdepots der Armee aufbewarten Schießwaffen vor Fällung des Reichsgerichtsurtheils gegen den Staats minister Selmer mittlerzeitig unbrauchbar ge macht und ob die Munition der Abtheilungs depots erst nach dem Hauptdepot, dann nach der Festung Akershus(bei Christiania) gebracht worden ist? Im bejahenden Falle, wodurch dies veranlaßt und auf wessen Befehl oder Beschluß dies geschehen? Der Antrag wurde zur weiteren Behandlung acceptirt.

Frankreich. Paris, 2. Mai. Wadding ton stellte heute Granville eine Mittheilung zu, durch welche die Gründe für das Verlangen, daß die Conferenz nicht auf den von England vorgeschlagenen Punkt beschränkt sei, dargelegt werden.

Bei Wiederbeginn der Session bringt der Marineminister bei der Kammer eine Credit forderung von 40 Million für Tonkin ein.

4. Mai. Den letzten Vorgängen im Pekinger Kaiserpalast und den Personalver änderungen im Großen Geheimen Rathe wird nach hier vorliegenden Meldungen jetzt auch chinesischerseits jede Bedeutung mit Bezug auf die äußere Politik Chinas abgesprochen. Fest steht, daß der Vicekönig Li-Hung-Tschang die Wiederaufnahme der Verhandlungen mit Frank reich betrieben hat und dieselben auch ferner beeinflussen wird.

Großbritannien. London, 2. Mai. Im Unterhaus kündigte Hicks-Beach einen An trag an, welcher das Bedauern des Hauses ausspricht, daß die Politik der Regierung den Erfolg Gordon's und seine Mission nicht ge fördert und die Regierung es noch aufgeschoben habe, Schritte zu Gordon's persöalicher Sicher heit zu unternehmen. Das Haus nahm ohne Abstimmung den Antrag auf Uebergang zur Einzelberathung der Reformbill an und vertagte hierauf die weitere Berathung. 3. Mai. Das Unterhaus beendigte die Einzelberathung der Vieheinfuhrbill in der Fassung des Oberhauses ohne weitere Aenderung und lehnte das Amen dement Arnold, das Gesetz auf zwei Jahre zu beschränken, mit 108 gegen 44 Stimmen ab.

3. Mai. Ein Gerücht von der Ent deckung eines Dynamitquantums am Strand ist übertrieben. Lediglich einige Patronen für Kinder flinten wurden gefunden. Gerüchtweise verlautet, daß auf dem seit einiger Zeit in Glasgow fälligen DampferState of Florida eine zu fällige Dynamit-Explosion stattgefunden. Es beißt, auf dem Schiffe hätten einige von New Vork kommende Dynamit-Verschwörer sich be funden. Die Geheimpolizei habe dieselben in Greenock erwartet, um sie bei ihrer Ankunft zu

verhaften. An Bord desState of Florida waren 120 Passagiere.

Spanien. Madrid, 3. Mai. Vorgestern wurde eine kleine Bande unter der Führung des früheren Carlisten, jetzigen Zorillaisten Estardus über die französische Grenze gedrängt und dort internirt. In Folge mehrfacher Be schädigungen an Eisenbahnen und Telegraphen ist die Militärbehörde angew'esen worden, gegen die Uebelthäter mit der Strenge des Kriegs gesetzes vorzugehen.

Italien. Rom, 4. Mai. Der König und der Prinz von Neapel sind von Turin hierher zurückgekehrt. Die Königin wird noch einige Tage in Turin verweilen.

Serbien. Belgrad. Die Skupschtina ist auf den 18. Mai nach Nish einberufen worden.

Rußland. Petersburg. Die Bevölkerung fühlt sich durch ein neues Verbrechen in Auf regung versetzt, welches die Wohnung des Polizeimeisters Obersten Jessipoff zum Schau⸗ platze hatte. Am russischen Osterdienstag drangen Räuber in die Wohnung des Polizeimeisters, ermordeten die Köchin, eine junge Soldaten frau Namens Anna Pechtiarewa, raubten an Geld, Pretiosen und Documenten Alles, was

sie zusammenraffen konnten und traten dann ungehindert den Rückzug an. Die Räuber

halten als Mordwerkzeug sich einer eisernen Stange bedient. Mau bezeichnet die Terroristen als die Urheber des Verbrechens und meint, daß der Polizeimeister nur durch Zufall einem Attentate entging, welches gegen seine Person gerichtet war.

Aus Stadt und Land.

Friedberg. Demnächst werden die neuen Steuer zettel zum Austrag kommen und dürften nachstehende Nottzen von allgemeinem Interesse sein. Der Steuer ausschlag an directen Steuern beträgt für die laufende Finanzperiode jährlich auf die Mark Gewerb⸗ und Ein⸗ kommensteuerkapital 19 Pf., auf die Mark Grundsteuer kapital 17½ Pf. Die einzelnen Steuerpflichtigen werden durch die gewöhnlichen Steuerzettel von der Größe ihrer Schuldigkeit für je ein Ziel in Kenntniß gesetzt. Sie haben also zunächst zu prüfen, ob die Steuer richtig berechnet ist und ob Steuerkapital und Steuerbetrag nach obigem Satze miteinander im Einklang stehen. Ist dem Steuerpflichtigen nicht klar, warum ihm das be rechnete Steuerkapftal angesetzt oder vielleicht gegen das letzte Mal erhöht wurde, so geht er zum Distriets einnehmer. Der ist verbunden, jedem Steuerpflichtigen die Einsicht des ibn betreffenden Hebregisters auf sein Ansuchen unentgeltlich zu gestatten und die nöthigen Erläuterungen zu geben. Weiß er nun, auf Grund welcher Details er eingeschätzt ist, so kann es ihm nicht schwer fallen, sich ein Urtheil darüber zu bilden, ob er wirklich richtig eingeschätzt ist, oder ob er zu viel Steuer bezahlt. Glaubt der Steuerpflichtige Letzteres mit Be⸗ stimmtheit annehmen und event. beweisen zu können, so reicht er bei dem betr. Steuercommissariat entweder schriftlich oder mündlich eine Reclamatton ein, doch muß dies vor dem 1. Juli geschehen. Das Steuercommissariat hat alle erforderlichen Aufklärungen zu ertheilen, ein Protokoll über die Reclamation unentgeltlich aufzunehmen und auf Verlangen eine Bescheinigung darüber aus zustellen. Am Besten ist es, wenn sich der geschädigt Glaubende ein Selbsteinschätzungsformular geben läßt und dieses ausfüllt. Nur muß er sicher sein, daß er auch in der That zu hoch und nicht am Ende zu nieder eingeschätzt ist. Wie diese Formulare ausgefüllt werden müssen, geht schon aus deren Inhalt hervor. Die Ge suche um Gewerbssteuernachlaß im Falle unfreiwilliger Niederlegung des Geschäfts im Laufe des Etatsjahres, sowie bei Todes- und Unglücksfällen müssen innerhalb der ersten drei Monate nach dem Eintritt des Ereignisses bei den betreffenden Steuercommissariaten abgegeben werden und sind auf dieselbe Weise zu behandeln, wie die übrigen Reclamationen.

w. Bad Nauheim, 3. Mai. Am 2. und 3. Mai trafen trotz des ungünstigen Wetters ca. 500 Lehrer in unserer Badestadt ein, um der Hess. Landes-Lehrer-Ver sammlung beizuwohnen. Dieselben fanden bei der hie sigen Einwohnerschaft eine über Erwarten freundliche Aufnahme. Nachdem am Abend vorher der Vorstand des Landes Lehrer Vereins eine Sitzung abgehalten, fand am 2. Mai die Delegirtenversammlung imDeutschen Hof statt. Von dem sehr umfangreichen Programm, meistens geschäftliche Angelegenheiten betreffend, heten wir hervor: Berathung und Beschlußfassung über den Entwurf der revidirten Statuten des Landes-Lehrer Vereins und des Lehrer-Waisenstifts sowie die Gründung eines Vereins provisorisch angestellter Lehrer zu gegen seitiger Unterstützung in Krankheitsfällen, welch sämmt liche Gegenstände mit einigen unwesentlichen Modifikationen die Genehmigung der Versammlung erhielten. Am Schlusse wurde noch beschlossen, die nächstjäbrige Generalversamm lung ausfallen zu lassen, da im nächsten Jahre die all⸗ gemeine deutsche Lehrerversammlung in Darmstadt stakt

findet, die Delegirtenversammlung dagegen beizubehalten. Abends 8 Uhr fand sodann eine gemüthliche Zusammen⸗ kunft imDeutschen Hofe statt. Im frohen Beisammen⸗ sein von Lehrern und Freunden der Schule brachte man bei Gesang- und Musikvorträgen, zwischen welchen viele Ansprachen gehalten wurden, den Abend hin und trennte sich erst in später Nachtstunde. Daß die hiesige Be⸗ völkerung den größten Antheil an dem Feste nahm, be⸗ weist, daß die Räumlichkeiten desDeutschen Hofes bis auf den letzten Platz besetzt waren. Am Samstag Morgen 10 Uhr fand alsdann im neuen Kursaale die General versammlung statt. Vor Eintritt in die Tages ordnung wurde ein Telegramm an dem Großherzog abgesandt. Der Vorsitzende, Obmann Backes von Darmstadt, er⸗ öffnete die Versammlung, begrüßte in längerer Rede die Anwesenden und dankte Allen, die zu dem Gelingen des Festes beigetragen. Geh. Oberschulrath Greim be grüßte die Versammlung Namens der Gr. Regierung und Bürgermeister Wörner Namens der Bürgerschaft von Bad- Nauheim. Der Vorsitzende theilte nun die Beschlüsse der Delegirtenversammlung, den Rechenschafts bericht, sowie die geprüfte Rechnung des Lehrer⸗Waisen⸗ stifts mit, worauf dann der von warmer Begeisterung für die Sache getragene Vortrag des als tüchtiger Redner bekannten Lehrers Funk von Marienschloßüber Kirche und Schule in ihren gegenseitigen Beziehungen zu den Aufgaben der Cultur folgte. Lehrer Schumacher von Worms sprach alsdann über das Thema:Was wir wollen, was wir sollen und was wir können, und allgemeiner Beifall lohnte beide Redner am Schlusse ihrer Vorträge. Wegen vorgerückter Zeit wurde auf eine Debatte verzichtet. Der Vorsitzende schloß hierauf mit Dank an Alle, welche zum Gelingen des Werkes bei⸗ getragen hatten, die Versammlung. An der nun folgenden Festmahlzeit beteiligten sich etwa 300 Personen und ver lief dieselbe in der schönsten Stimmung, wozu die Vor träge der Kurkapelle ihr Möglichstes beitrugen. Auch hier fehlte es in dem Hauptsaale an entsprechendem Schmucke nicht, ebensowenig wie an entsprechenden Toasten. Durch die leider eingetretene stürmische und regnerische Witterung konnten die projektirten Ausflüge nach dem Johannisberg und Teichhaus nicht in der pro grammmäßigen Weise ausgeführt werden. Die Abend züge entführten am Samstag den größten Theil der Gaͤste. Die hier verlebten Tage waren Tage der Arbeit, aber auch frohe Festtage. Die Betheiligung der Be völkerung in allen Schichten hat wieder gezeigt, daß hier Lehrerschaft und Bevölkerung auf einem gemeinsamen Boden stehen. Möge es auch ferner so bleiben.

Vilbel. Von den beiden in hiesiger evangelischen Kirche befindlichen Glocken ist in letzterer Zeit die eine defect geworden. Bei der Berathung über den Ersatz der unbrauchbaren Glocke einigte man sich dahin, zwei neue Glocken anzuschaffen, damtt das Geläute, ähnlich wie in hlesiger katholischen Kirche, aus drei Glocken be stehe. Die Mittel hierzu setzen sich zusammen aus dem Kassebestand von 610 M. des dahier aufgelösten Armen vereins, einem Zuschuß aus der evangellschen Kirchenkasse und einem Endzuschuß aus der Kasse der politischen Gemeinde. Außerdem haben zu besagtem Zwecke die Gebrüder von Erlanger zu Frankfurt a. M., welche Beständer des hiesigen links vor der Nidda gelegenen Jagdterrains sind, 1000 Mark verwilligt, wenn der Jagdpachtvertrag für den dermaligen Pachtpreis auf 3 weitere Jahre verlängert wird. Letzteres wurde natürlich von dem Gemeinderath bereitwilligst genehmigt.

Allerlei.

Newyork, 3. Mai. In den Staaten Newyork, Newjersey und Pennsylvanien haben zahlreiche Wald⸗ brände stattgefunden; der Kohlendistrict von Pennsylvanien wurde besonders heftig heimgesucht Die Stadt Brichin ist vollständig zerstört, gegen 3000 Personen find obdachlos und mehrere Menschen umgekommen.

Gerichtssaal.

Bad⸗-Nauheim. In der Donnerstag den 8. Mat l. J dahier stattfindenden Schöffengerichtssitzung kommen folgende Fälle zur Aburtheilung: 1) die Strafsache gegen Konrad Bernhard und Bernhard Bingel, beide von Bad⸗Nauheim, wegen Ruhestörung; 2) die Strafsache gegen Carl Greiff von Cronberg, wegen Abledern eines Hundes; 3) die Strafsache gegen Philipp Sprengel von Bad⸗Nauheim, wegen Ruhestörung; 4) die Straf⸗ sache gegen Heinrich Hahn II. von Nieder- Mörlen, wegen Diebstahls.

Altenstadt. In der Donnerstag den 1. Mai d. J. dahter stattgehabten Schöffengerichtssitzung wurde wie folgt erkannt: 1) in der Strafsache gegen Nicolaus Speh Wittwe von Altenstadt, wegen Dlebstahls, auf eine Ge fängnißstrafe von 14 Tagen und die Kosten; 2) in der Strafsache gegen Heinrich Kratz von Lindheim und dessen Dienstknecht Ernst Gerlach von Düdelsheim, wegen ge meingefährlichen Vergehens, auf Vertagung der Haupt⸗ verbandlung; 3) in der Strafsache gegen Friedrich Carl Kraft, Leo Altenheim und Conr. Blum III., sämmtlich von Höchst a. d. N., wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt und bezw. Mißhandlung, und gegen Leo Altenheim, wegen Uebertretung der Feterabendstunde, auf Freisprechung sämmtlicher Augeklagten, dagegen auf Tragung der Kosten ihrer Vertheitigung; 4) in der Strafsache gegen Johs. Sperling Ehefrau von Hainchen, wegen Pfandveräußerung, auf eine Gefängnißstrafe von drei Tagen und die Kosten.

Handel und Verkehr. Friedberg, 3. Mai. Wochenmarkt. Butter kostete per Pfd. 0.90 1.00, Eier 1 Stück 5, 2 Stück O0 Pf.