Marschalls-Uniform mit dem Großkreuz des Takowo-Ordens und beyleitet vom Flügel— Adjutanten Grafen Rosenberg, dem König von Serbien einen halbstündigen Besuch, welchen Letzterer kurz darauf erwiederte.
— 21. Aug. Minister Bedekovich und Banus Pyacsevics sind gestern Abend, die Minister Tisza und Szapary heute eingetroffen. Nachmittags findet ein Ministerrath unter Vorsitz des Kaisers und unter Theilnahme der Genannten in der Angelegenheit der Agramer Tumulte statt.
Frohsdorf, 21. Aug. Gestern Nachmittag nahm Graf Chambord von seiner Familie und Umgebung Abschied. Auf seinen Wunsch sind alle Verwandten des Hauses hierher beschieden worden. Graf Chambord befindet sich im Zu— stande vollständiger Atrophie.
Triest, 20. Aug. Vergangene Nacht haben wieder Excesse von etwa 150 italien. Turnern in Ostria, gegenüber der Turnhalle, stattgefunden. Die Polizei war sofort erschienen und confiscirte die Stöcke und einen Revolver. Die Excedenten sammelten sich nochmals am Café Ferrari und miß— handelten mehrere Veteranen. Sie zerstreuten sich, nachdem das Cafs polizeilich geschlossen worden. Die Bevölkerung verhielt sich vollständig unbethei— ligt, ebenso wie Nachts zuvor, wo die Excedenten den Triester Tagblattredacteur Brehmer gemiß— handelt hatten. Ein Wachtmann wurde verwundet.
Agram, 20. Aug. Hier herrscht vollkom— menste Ruhe, dagegen werden von Karlstadt und Zengg gleichfalls wegen der Amtsschilder Unruhen gemeldet. Für Zengg wurde Militär requirirt. Der Agramer Polizeichef wurde de— finitiv von seinem Posten enthoben, sein Nach— folger ist unmittelbar dem Regierungscommissär unterstellt.
Frankreich. Paris, 20. Aug. Bisher
149 Generalraths-Stichwahlen-Resultate bekannt, davon sind 115 Republikaner. Die— selben gewannen 9 Sitze.— 21. Aug. Die Session der Generalräthe wurde heute eröffnet.
— Wie der National meldet, hätten zahl— reiche nach Frankreich geflüchtete spauische Sol— daten das Verlangen ausgesprochen, in die Frem— denlegion einzutreten und würde deshalb in Er— wägung gezogen, ein neues Bataillon zu bilden, in welches dieselben eingereiht werden sollten.
Großbritannien. London, 21. August. Im auswaͤrtigen Amte fand heute unter dem Vorsitze Lord Granville's eine Versammlung der Mitglieder der Donauconferenz behufs Ratifi— cation des Donauvertrags statt. Der türkische Delegirte und ein anderer Delegirter hatten die Vollmachten zur Unterzeichnung des Vertrags noch nicht erhalten, die übrigen Delegirten unterzeichneten den Vertrag.
— 21. Aug. Das Oberhaus nahm in dritter Lesung die Erfindungspatentbill an und lehnte in zweiter Lesung mit 52 gegen 32 Stim— men die Bill in Betreff der irischen Wähler— listen und mit 46 gegen 31 Stimmen die Bill, betreffend die Creirung eines schottischen Mini— steriums ab.
Spanien. Madrid, 20. Aug. Der König wohnte gestern in Valencia den Uebungen der Artillerie bei und empfing zahlreiche Deputa— tionen aus der Provinz. Die Bevölkerung brachte dem König Abends im Theater enthusiastische Ovationen dar. Er reiste heute früh nach Bar— celona weiter.
— 21. August. Der König ist gestern in
Barcelona angekommen und von der Bevölker— 8 1
sind
ung enthusiastisch empfangen worden. Der König wird auf der Reise nach Deutschland
nach den bis jetzt getroffenen Dispositionen vom Minister Marquis Veja de Armigo, den Gene— ralen Oryan und Goyochera, dem Oberst Mirasol
und dem Oberhofmeister Herzog Sesto begleitet sein, am 19. Septbr. in Frankfurt a. M. ein-
Kaisers sich nach Homburg begeben um bis zum
treffen und am 20. September zum Besuch des
26. Septbr. den Kaisermanövern beizuwohnen.
— 19. Aug. Da die Ruhe in ganz Spa— nien wieder hergestellt scheint, so hat die Gen— darmerie wieder ihre früheren Cantonnements
bezogen. In Catalonien ist keine Bande Auf— ständischer mehr vorhanden. Nach hier einge— gangenen Nachrichten haben in Cherbourg ge— landete spanische Jusurgenten vor den französischen Behörden protestirt gegen ihre durch die portugie— sische Regierung willkürlich erfolgte Einschiffung.
Türkei. Constantinopel, 20. Aug. Der Fürst von Montenegro ist gestern bier gelandet. Derselbe fuhr direct nach dem Bildiz-Kiosk— Palast und wurde daselbst am Eingang vom Minister des Aeußern und sodann im Thronu— saale vom Sultan empfangen. Der Empfang war sehr herzlich. Der Sultan überreichte dem Fürsten Nikita den Großcordon des Osmanieordens in Brillanten. Nikita empfing später im Flamour— Kiosk den Gegenbesuch des Sultans und begab sich sodann nach dem Süßwasser-Palais, wo abgestiegen wurde. Der Fuͤrst wird morgen im Bildiz-Kiosk und am Mittwoch in der russischen Botschaft speisen.
Serbien. Belgrad, 19. Aug. Der König von Serbien ist nach Wien abgereist. Während seiner Abwesenheit wird die Regierung von dem Ministerrath geführt.
Rumänien. Bukarest. Die Reise des Königs Carol und des Minister-Präsidenten Bratiano nach Berlin und Wien wird als ein Symptom dafür angesehen, daß Rumänien einen engeren Auschluß an Deutschland und Oester— reich Ungarn anstrebe.
Bulgarien. Sofia. Wie der Pol. Corr. gemeldet wird, hält man in hiesigen politischen Kreisen eine Begegnung des Fürsten Nikolaus von Montenegro mit dem Fürsten Alexander von Bulgarien für nahe bevorstehend. Die Ge— legenheit hierzu dürfte sich bei der Rückreise des Fürsten Nikolaus von Konstantinopel bieten.— Der Guadenact des Fürsten Alexander, durch welchen dem verbannt gewesenen ehemaligen Minister Zankoff die Rückkehr nach Bulgarien gestattet wurde, hat im Lande allenthalben einen sehr guten Eindruck gemacht. Zankoff, der bald nach seiner Ankunft in Sofia vom Fürsten in Audienz empfangen wurde, hat denselben seines Dankes und seiner Ergebenheit versichert.
Rußland. Petersburg. Der Kaiser und die Kaiserin gedenken, wie in Hofkreisen ver— lautet, nach Schluß der Manöver sich nach Kopenhagen zu begeben. Vor einiger Zeit schon war das Gerücht verbreitet, die Kaiserin werde dorthin reisen, jetzt aber scheint sich der Kaiser entschlossen zu haben, seine Gemahlin zu be— gleiten. Vorläufig indessen wird selbst in der nächsten Umgebung des Kaisers die Sache noch als ein Geheimniß behandelt.
— Es werden zur Zeit an der preußischen Grenze russische Kavallerie-Truppenmassen zu Uebungs-Zwecken zusammengezogen, zu welch letztern vorzugsweise Kosaken und Kalmücken verwandt werden.
Egypten. Alexandrien, 21. Aug. Morgen sollen 300 Gendarmen nach Suakin gehen, um die Ruhe unter den aufständischen Beduinen, welche Anhänger des falschen Propheten sind, wiederherzustellen.
Afrika. Durban, 19. Aug. Von Cete— wayo abgeordnete officielle Abgesandte weilen jetzt in Maritzburg. Der Zulukönig meldet, daß er von seinen Wunden genesen sei und bittet die Königin und das Parlamet, eine er— schöpfende Untersuchung über die ihm wider— fahrene Behandlung einzuleiten.
Aus Stadt und Land.
ck. Stammheim. Vergangenen Sonntag feierte der Militär- und Veteranen-Verein dahier unter Be— theiligung der Kriegervereine aus Altenstadt, Assenheim, Vönstadt, Leydhecken, Nieder Florstadt, Nieder-Mockstadt, einer Deputation von Ortenberg, sowie der Gesang⸗ vereine von Nieder-Mockstadt und Stammheim sein zehn⸗ jähriges Stiftungsfest, verbunden mit einer Fahnen⸗ weihe. Eine festliche Stimmung war trotz der dringenden
Erntearbeiten im Laufe der voraus gehenden Woche im
S
rte schon bemerkbar und kam am Vorabend des Festes durch Schmücken und Beflaggen der Häuser allgemein zum sichtbaren Ausdruck. Die Festlichkeit des Tages
wurde durch Böllerschüsse und Reveille eingeleitet. Trotz
dem der Himmel in der Frühe ein etwas unfreundliches 1
Gesicht zeigte, hellte er sich zur Freude Aller später auf.
In der üblichen Weise wurden die fremden Vereine, die sich gegen Mittag von allen Seiten einstellten, durch
Vorreiter an den Eingängen des Dorfes, die durch ein
fache, aber sinnig bergerichtete Ehrenpforten geschmückt
waren, empfangen und auf einem schön decorirten Platze inmitten des Dorfes durch den Verein und eine Anzahl Ehrendamen begrüßt. Gegen 2 Uhr fand am Ein⸗ gange von Staden her die Aufstellung des Festzugs statt, und bewegte sich dann dieser, unter Vorangehen der Schuljugend, auf den oben bezeichneten Platz, woselbst die Eathüllung der neuen Fahne vorgenommen wurde. Nach den Begrüßungsworten des hiesigen Vereinspräsi⸗ denten und dem unter Theilnahme aller Anwesenden ab— gesungenen Liede:„Deutschland, Deutschland über Alles“, bestieg der Ortsgeistliche, der bereitwilligst die Weihrede übernommen hatte, die Tribüne und weihte die jetzt enthüllte Fahne durch eine zündende Rede ein. Die Rede gipfelte in einem Toast auf Kaiser und Groß— herzog. Nachdem der Gesang verein„Germania“ dahier ein wohlgelungenes Weibelied gesungen hatte, setzte fich der imponirende Zug in seiner alten Ordnung wieder in Bewegung und gelangte auf den im naben Walde gelegenen Festplatz. Jeder suchte sich hier unter dem grünen, schattigen Laubdache ein gemüthliches Plätzchen, um in aller Ruhe und Behaglichkeit seine durstige Kehle durch einen erfrischenden Trunk zu erquicken. Tanz, Gesangs vorträge, verschiedene patriotische Ansprachen wechselten hier in angenehmer Weise und trugen dazu bei, daß das Fest bei Allen in freudiger Erinnerung bleibt.
Allerlei.
Berlin, 16. Aug. Joseph Scharf ist mit zwei er⸗ wachsenen Töchtern und seinem Sohne Moritz, dem Haupt— angeber in dem bekannten Prozeß, hierher unterwegs, um sich nach Amerika zu begeben, da in seiner Heimath seines Bleibens nicht mehr sein kann. Wo Scharf's Frau gegenwärtig ist, darüber fehlen ihm selbst alle Nachrichten.
London. In der Kohlengrube Treorky(Südwales) hat heute eine Explosion, durch welche 30 Personen getödtet wurden, stattgefunden.
Madrid, 19. Aug Heute Vormittag wurde ein Theil des hiesigen Südbahnhofs durch eine Feuersbrunst zerstört.
Handel und Verkehr.
Friedberg, 22. Aug. Wochenmarkt. Butter kostete der Pfd. M. 1.10—1 20, Eier 1 St. 6, 2 St. gr. 13 Pf.
Frtedberg, 21. Aug. Fruchtbericht. Watzen M. 20.00, NRorn M. 16.50, Gerste M. 16.— 18., Hafer M. 13.— 14. Alle Preise verstehen sich auf 100 Kilo= 200 Zollpfund.
Grünberg, 18. Aug. Fruchtpreise. Welzen M. 20.90, Korn M. 18.90, Gerste M. 14.70, Hafer M. 15.50 Samen M. 00.00.
Gießen, 21. August. Auf dem heutigen Markt kostete Butter per Pfd. M. 1.00— 1.08, Eier 1 St. 5-6 Pf., Käse per St. 5—8 Pf., Tauben per Paar M. 0.60 0.75. Hühner per Stück M. 0.85- 1.00, Hahnen per Stück M. 0.45 1.00, Enten per Stück M. 1.40 1.70, Ochsen⸗ fleisch per Pfd. 70 Pf., Kuh- und Rindfleisch 56- 60 Pf., Kalbfleisch 50-54 Pf., Schweinefleisch 62—64 Pf., Hammelfleisch 62— 70 Pf., Kartoffeln per 100 Kilo M. 4.80—7, Gänse per Stück M. 3.50 4, Zwiebeln per Centner M. 6- 6.50. g
Frankfurt, 20. Aug. Frankfurter Produktenbörse. (Offietelle Notirungen.) Walzen behauptet, eff. hiesig er und Wetterauer M. 20.75, fremder M. 19., per dlesen Monat M. 19. Roggen behauptet, eff. hiesiger M. 17.25, fremder M. 16.50— 17.75, per diesen Monat M. 16.75. Gerste eff. hiesige und Wetterauer M. 00., fremde M. 00. Hafer unverändert, eff. hiesiger M. 13.50, fremder M. 13.50- 14., per diesen Monat M. 13.50. Rüböl unverändert, eff. ohne Faß hiesiges in Parthien von 50 Ctr. M. 39. Branntwein unverändert, eff. ohne Faß M. 46. Mehl Nr. M. 93. Nr. 2 WM Nr. 3 M. 32., Nr. 4 M. 27., Nr. 5 M. 24. Roggen⸗ mehl 0/(Berliner Marke) M. 24.50—25, J.(Berliner Marke) M. 22., II. do. M. 18.
Frakfurt, 20. Aug. Viehmarkt. Der Zutrleb in Ochsen betrug eireca 265 Stück, Passauer, Schwaben und etwas Norddeutsche, und wurde bezahlt für 1. Qual— per Ctr. Schlachtgewicht M. 75.— 76., für 2. Qual. M. 68.— 70. Kühe und Rinder ca. 300 Stück, 1. Qual. M. 63.— 64., 2. Qual. 55.— 58. Bullen waren eireg 20 Stück angetrieben und wurde bezahlt je nach Qual,. M. 50- 55. Der Kälbermarkt war besser betrieben und wurde auch zu niedrigeren Preisen verkauft, für 1. Oual— wurde 65 Pf., für 2. Qual. 57—58 Pf. per Pfd. be⸗ zahlt. Auch mit Hämmeln war der Markt gut betrieben, es standen eirea 300 Stück am Platze und wurde für 1. Qual. 71—72 Pf. per Pfd. bezablt. In Schweinen war der Antrieb in der verflossenen Woche an 1000 Stück- Bezahlt wurde heute für prima Hannoveraner 68 Pf., für Landschweine 66 Pf. per Pfund.
Frankfurt, 21. Aug. Buttermarkt. Die Butter kostete im Engrospreis M. 9) per Ctr., im Detailverkauf M. 1.10— 1.20 per Pfd.— Heu- und Strohmarkt. Für Heu wurde je nach Qual. M. 2.80 3.50, für Stroh M. 2.20— 2.70 per Ctr. bezahlt.
D. Frankfurt a. M., 21. Abend publieirte Semestralbilanz der österr. Cteditanstalt machte im Ganzen einen günstigen Eindruck, ohne jedoch ein größeres Animo zu erwecken. Anfangs war die Tendenz heute eine recht feste und es hatte den Anschein, als wolle sich ein nicht unerheblicher Aufschwung voll⸗ ziehen. Doch bald trat Abschwächung ein, und die Contremine, unterstützt von den ungünstigen Nachrichten über die Situation der New-Porker Böͤrse, ging mit Abgaben vor. Von den auswärtigen Plätzen hakte Wlen
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