Deutsches Reich.
Darmstadt, 27. Juni. Der Großherzog hat sich gestern zu einem 8tägigen Aufenthalte nach Schloß Fischbach in Schlesien begeben. Im Gefolge besindet sich Hofjägermeister v. Werner.
— Das Regierungsblatt Nr. 12 enthält: Gesetz, die Hinterlegung von Depositen, Cautionen und Privatkapitalien bei der Hauptstaatskasse betr.
Berlin. Graf Herbert Bismarck kommt von London hierher um einige Zeit im auswär— tigen Amte thätig zu sein.
— Bitter's Entlassung wurde vom Kaiser genehmigt, ist aber noch nicht publicirt. Sein Nachfolger wird Staatssecretär Scholz, den der Director im Reichsschatzamt, Burchardt, als Staatssecretär ersetzen wird. Bitter zieht sich ins Privatleben zurück.
— Der Steuerplan des Kanzlers soll sich jetzt in der That auf Procentualerhöhung der Börsensteuer und einer Getränkesteuer aufbauen. Es sollen schon Entwürfe in dieser Hinsicht vorläufig ausgearbeitet werden.— Es scheint sich zu bestätigen, daß die Regierung beabsich⸗ tigt, dem Reichstage in der nächsten Session sowohl den Etat pro 1883/84 als 1884/85 vorzulegen, um den Nachweis zu führen, daß die Vorlegung von zwei Jahres-Etats, also die Einführung zweijähriger Budgetperioden practisch recht wohl möglich ist.
— In Gemäßheit des Preisausschreibens, betr. die Errichtung des Reichstagsgebäudes, werden die eingegangenen Concurrenzentwürfe, nachdem die Jury nunmehr ihre Entscheidung getroffen hat, in dem Kunstausstellungsgebäude ausgestellt. Preisgekrönt ist der von dem Archi— tekten P. Wallot aus Frankfurt a. M. einge— reichte Entwurf. Es heißt, daß dieser Entwurf jedoch nicht vollständig, so wie er ist, durchge⸗ führt werden wird, sondern nur als Grundlage für den entgültig festzustellenden Plan dienen soll.
Kiel. S. M. Kanonenboot„Albatroß“, 4 Geschütze, Comm. Corv.-Cap. v. Pawelsz, ist am 11. Juni in Funchal(Madeira) eingetroffen. — S. M. Kanonenboot„Möve“, 5 Geschütze, Comm. Corv.⸗Cap. v. Kyckbusch, ist am 23. Juni in Aden eingetroffen.
Straßburg. Der kaufmännische Director der kaiserlichen Tabakmanufactur, Dr. Hagmaier, hat seinen Vertrag gekündigt und wird schon am 1. August aus der Verwaltung ausscheiden.
Ausland.
Oesterreich-Ungarn. Pest, 26. Juni Das Ende der Tisza-Eszlaer Angelegenheit ist unabsehbar. Der Rabbiner Rosenberg wurde deshalb verhaftet, weil er sich bei Herbeischaff— ung der Leiche betheiligte; bei dem Vertheidiger Heumann fand eine Haussuchung statt; es ver⸗ lautet, der Ober-Staatsanwalt habe sich nach Nyiregyhaza begeben und die Untersuchung sei erneuert. An der ungarisch-galizischen Grenze wurde Dobranszky's Enkel verhaftet; man fand bei ihm russische Schriften, welche Verdacht erregen.
— 27. Juni. In der Tisza⸗Eßlaer Ange⸗ legenheit wurden noch zwei Rabiner verhaftet. Die Blätter bringen Berichte über Judenhetzen, die zumeist unbegründet sind. Nur in Preßburg kam eine Ausschreitung vor.
Frankreich. Paris. Die Nachricht, daß Gambetta sein Mandat als Deputirter nieder— legen wolle, wird bestätigt. Unrichtig ist jedoch, daß Gambetta auf längere Zeit sich von der Politik gänzlich fernhalten werde.
Großbritannien. London, 26. Juni. Die britische Regierung machte der indischen Regierung eine Mittheilung betreffs einer Trup— pensendung von Indien nach Egypten für ge— wisse Eventualitäten.— Die Nachricht von der Verleihung des Medschidje-Ordens an Arabi Pascha(s. u.) hat hier die größte Entrüstung her⸗ vorgerufen, da man in derselben eine absicht— liche Provocation erblickt.
Dublin Aus Armagh wird berichtet, daß
am Sonnabend Morgen mehrere 100 Personen in militärischer Ordnung durch die Stadt mar— schirten, revolutionäre Lieder sangen und riefen:
„Zur Hölle mit der Königin!“ und„Gott schütze Irland!“ Der Haufe wurde immer stärker und ließ sich zuletzt Ausschreitungen zu Schulden kommen.— Die Feldarbeiter in Irland haben eine Agitation begonnen, welche den Zweck hat, von den Pächtern die Gewährung eines Fleckens Land und einer Wohnhütte zu erlangen.
Türkei. Constantinopel, 25. Juni. Die Conferenz hielt heute ihre zweite Sitzung ab. Wie es heißt, habe dieselbe die Souveränetäts— rechte des Sultans über Egypten berathen und neuerdings bestätigt.
— Es herrscht Besorgniß, die englischfran— zösische Landung würde einen Kampf unvermeid— lich machen. Es scheinen die Symptome für eine versöhnlichere Haltung des Sultans sich zu mehren, nachdem Derwisch Pascha ihm tele— graphisch die unerschütterliche Treue der egyp— tischen Armee mittheilte.
— 27. Juni. Ein neuerliches telegraphisches Rundschreiben der Pforte an ihre Vertreter im Auslande weist auf das dem Khedive von Raghib Pascha unterbreitete Programm hin und deducirt daraus die Nutzlosigkeit der Conferenz.— Die Couferenz tritt heute wieder zusammen. Dufferin's Instructionen zufolge fordert England, daß ihm gestattet werde, den Canal mit indischen Truppen zu besetzen.
Serbien. Belgrad, 27. Juni. In der Skupschtina wurde heute eine Regierungsvorlage eingebracht, wonach diejenigen Abgeordneten, welche muthwillig demissioniren, um die Arbeiten der Skupschtina zu unterbrechen, mit 1000 Dinars bestraft werden sollen.
Griechenland. Athen. Griechenland macht starke Kriegsrüstungen. Mehrere griechische Juden wurden in Kairo ermordet.
Rußland. Petersburg. Die sechs polit⸗ ischen Verbrecher,(worunter Lukowski, bekannter als Ingenieur Sascha, vom Einbruche in der Chersoneser Reichsrentei,) sind wieder eingefangen. Zwei von ihnen waren in Wladiwostok bei Marine-Officieren verborgen und warteten auf Gelegenheit, mit Fischerbarken fortzukommen.
— Die erwartete Ernennung Lobanoff's zum Botschafter in Wien, Mohrenheim's zum Bot⸗ schafter in London und Nelidoff's zum Botschafter in Constantinopel ist nunmehr erfolgt.
„Nowoje Wremja“ sucht die Affaire Meiling abzuschwächen. Meiling nehme eine zu inferiore Stellung ein zum Verrath wichtiger Geheimnisse, welche auch von den diesseitigen Gouverneuren nicht bezahlt werden könnten.
Egypten. Alexandrien. Der Sultan hat Arabi Pascha den Medschidjeorden erster Klasse verliehen und ließ gleichzeitig dem Khedive ein Souvenir in Diamanten überweisen.
— 26. Juni. In einem Schreiben an den Ministerpräsidenten Raghib Pascha beklagt der Khedive die Unterbrechung der Handelsbezieh— ungen, das Schwinden des Credits und die Zurückziehung von Kapitalien, wodurch dem Lande selbst große Verluste erwachsen. Der Khedive verlangt strenge Untersuchung und sagt, die Un⸗ ruhen vom 11. hätten einen so ernsten Charakter nicht angenommen, wenn von vornherein, die— selben zu verhindern, versucht worden sei. Der Khedive rechnet auf die Entschlossenheit Rhagib's, zur Beendigung der gegenwärtigen beispiellosen Situation Egyptens möglichst beizutragen.
— In den Kreisen der Nationalpartei wird ernstlich befürchtet, daß man englischerseits, un— beschadet der Conferenz, am Suezkanal zu einer militärischen oder maritimen Aetion schreiten könne, um bezüglich der Feststellung der eng⸗ lischen Machtstellung eine vollendete Thatsache zu schaffen. Die Gerüchte, es seien Torpedos vorbereitet, um die Passage durch den Suezkanal abzuschneiden, erwiesen sich als unbegründet.
— Arabi und Derwisch Pascha bereiten im Einvernehmen mit dem Sultan die Vertheidigung Egypteus gegen irgend welche fremde Einmischung vor. Die Zahl der längs des Suezcanals sich an⸗ sammelnden Beduinenhorden wird immer größer und es kann kaum ein Zweifel unterliegen, daß ihr
Erscheinen dem Kriegsministerium nicht fremd ist.
Aus Stadt und Land.
b. Friedberg. Alle Freunde des Gesangs werden mit Vergnügen vernehmen, daß Concertsänger A. Ruff aus Mainz, der durch frühere Concerte auch hier im besten Andenken steht, am nächsten Sonntag im Casino⸗ saale ein Concert geben wird, Das Programm wird in nächster Nummer bekannt gemacht werden.
J. Nleder⸗Mörlen. Am vergangenen Sonntage wurde die Leiche einer hiesigen Frau im Nauheimer Teich gefunden. Nahrungssorgen sollen das Motiv für den vorliegenden Selbstmord gewesen sein. g
Allerlei.
Frankfurt, 25. Juni. Joachim Raff ist heute in Folge eines Schlaganfalles gestorben. Die musikalische
Welt verliert an ihm einen der bedeutendsten Komponisten,
das Hoch'sche Konservatorium seinen verdienten Direktor.
Frankfurt, 26. Junl. Im Bahnhof der Ludwigs⸗
bahn machte gestern Abend ein armer Teufel auf gräßliche Art seinem Leben ein Ende, indem er sich beim Rangiren eines Zugs plötzlich zwischen die Puffer zweier Wagen stellte und so zerdrückt ward. Er soll schon längere Zeit schwermüthig gewesen sein.
Otterberg(Baiern), 25. Juni. Ein furchtbares Hagelwetter hat die hiesige Gegend heute Abend heim— gesucht und die Ernte vollständig vernichtet.
Riga, 26. Juni. Im hiesigen Theater brach heute morgen Feuer aus. Dasselbe blieb auf das Theater⸗ gebäude beschränkt, dessen Inneres fast vollständig aus⸗ gebrannt ist. Menschenleben sind nicht zu beklagen. Die Entstehungsursache ist noch unbekannt.
Stockholm, 24. Juni. Aus den nördlichst belegenen Städten Schwedens Haparanda, Pitea und Lulea läuft die Nachricht von einem gestern stattgehabten stärkeren Erdbeben ein. Die Erschütterung war eine so starke, daß man nicht ohne Mühe still zu stehen vermochte und nur dem Umstande, daß die Städte fast ausschließlich aus Holzhäusern bestehen, hat man es anscheinend zu verdanken, daß Unglücksfälle nicht zu verzeichnen sind.
Gerichtssaal.
Gießen. Schwurgerichtssitzung am 24. Juni gegen Kaspar Winter's Ehefrau von Effolderbach wegen Mein⸗ eids. Dieselbe ist beschuldigt: daß sie in der Privat⸗ klagesache des Heinrich Sellheim von Effolderbach gegen die Ehefrau des Heinrich Hahn daselbst wegen Verläumd⸗ ung den vor ihrer Vernehmung geleisteten Eid wissent⸗ lich durch ein falsches Zeugniß verletzt habe. Die Ge⸗ schworenen bejahten die Schuldfrage und wurde daher die Angeschuldigte in eine Zuchthausstrafe von 1½ Jahr verurtheilt.
Verloosung.
Ansbach-Gunzenhausener 7 fl.⸗Loose von 1857. Gewinnziehung vom 15. Juni 1882.— Heim⸗ zahlung am 15. Dez. 1882. Außer den in Nr. 72 auf⸗ geführten Gewinnen wurden noch weiter gezogen: S. 213 Nr. 30, S. 912 Nr. 34, S. 1118 Nr. 27 41, S. 1125 Nr. 14 42, S. 2039 Nr. 24, S. 2130 Nr. 38, S. 2396 Nr. 25, S. 2680 Nr. 17, S. 2825 Nr. 15 18, S. 3292 Nr. 5 6, S. 3488 Nr. 30, S. 3861 Nr. 24 26 42, S. 4405 Nr. 35, S. 4930 Nr. 20 à fl. 20. S. 539 Nr. 43, S. 894 Nr. 31 44, S. 912 Nr. 12 20, S. 1118 Nr. 6 33, S. 1125 Nr. 15, S. 1842 Nr. 39, S. 1971 Nr. 24, S. 1992 Nr. 49, S. 2039 Nr. 1, S. 2130 Nr. 11, S. 2171 Nr. 7, S. 2825 Nr. 37 43, S. 2937 Nr. 3 18, S. 3043 Nr. 37 44, S. 3292 Nr. 24, S. 3488 Nr. 3 8 18, S. 3861 Nr. 30, S. 4077 Nr. 37, S. 4619 Nr. 39, S. 4720 Nr. 8, S. 4755 Nr. 31, S. 4864 Nr. 18 40, S. 4930 Nr. 36 a fl. 20. Auf alle übrigen in den am 15. Dezember 1882 gezogenen Serien: 213 539 681 894 912 1118 1125 1263 1465 1477 1751 1842 1971 1992 2039 2130 2171 2185 2337 2396 2680 2825 2937 3043 3292 3352 3488 3861 4077 4110 4405 4619 4663 4720 4755 4791 4864 4930 entfällt der geringste Gewinn von fl. 10.
Handel und Verkehr.
Friedberg, 28. Juni. Wochenmarkt. Butter kostete per Pfd. M. O. 80.—0.95, Eier 1 St. 5 Pf, 2 St. gr. 11 Pf. Friedberg, 27. Juni. Fruchtbericht. Walzen Me. 26.00, Korn M. 19., Gerste M. 18., Hafer M. 16. Alle Preise verstehen sich auf 100 Kilo= 200 Zollpfund.
Gießen, 27. Juni. Wochenmarkt. Butter per Pfd. M. 0.80 0.95, Eier 1 St. 5 Pf., 2 St. gr. 11 Pf., Käse per St. 5—8 Pf., Tauben das Paar 65—80 Pf., Hühner per Stück M. 0 90— 1.20, Hahnen per Stück M. 0.70— 1.00, Enten per Stück M. 1.50— 2.00, Ochsenfleisch per Pfund
64—66 Pf., Kuh⸗ und Rindfleisch 54—56 Pf., Kalb⸗
fleisch 44— 50 Pf., Schweinefleisch 6264 Pf., Hammel⸗ fleisch 60— 70 Pf., Kartoffeln 100 Kilo M. 5.50— 7.00, Zwiebeln der Ctr. M. 15— 00, Kirschen das Pfd. 40 Pf.
Grünberg. Fruchtpreise vom 24. Juni. Walzen M. 25.74, Korn M. 18.64, Gerste M. 16.36, Hafer M. 16.14, Erbsen M. 00.00, Lein M. 00.00, Samen M. 00.00, Kartoffeln M. 4.50.
Frankfurt, 26. Juni. Frankfurter Produktenbörse. (Offizielle Notirungen.) Walzen unverändert, eff. hlef. und Wetterauer M. 26.7500, fremder M. 248/—25½, per diesen Monat M. 24⅝. Roggen unver. effeetiv hies. M. 19.00—00, fremder M. 16./— 19.00, per diesen Monat M. 165¼. Gerste unver., eff, hies. und Wetterauer M. 17.00—18, fremde M. 18.— 19. Hafer unver., eff. hiesiger M. 161½—17., fremder M. 15/ 17.00, per diesen Monat M. 15½. Rüböl unver., eff. ohne Faß hies. in Parthien von 50 Ctr. M. 33. Branntwein eff. ohne Faß M. 41. Mehl Nr. 1 M. 39., Nr. 2 M. 37.
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