Ausgabe 
27.4.1882
 
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piritus⸗

fle. Saumtifit

Donnerstag den 27. April.

19

berhessischer Anzeige

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Wird hier und in Nauheim Montag, Mittwoch und Freitag Abend ausgegeben.

Kreisblatt für den Kreis Friedberg.

Erscheint dreimal wöchentlich und zwar Dienstag, Donnerstag und Samstag.

Die einspaltige

Petitzeile wird bei Annoncen mit 11 Pf. berechnet, bel größerem Tabellen- oder Ziffersatz mit 14 Pf., bei Reclamen mit 22 Pf.; ein Beleg kostet 9 Pf.

Annoncen von auswärtigen Einsendern(soweit Letztere nicht Jahres-Conko bei uns haben), welchen der Betrag nicht beigefügt ist, werden stets per Post nachgenommen

Deutsches Reich.

Darmstadt. Das Regierungsblatt, Bei lage Nr. 7, enthält:

1. Bekanntmachung, die Bestätigung von Stiftungen und Vermächtnissen betr.

11. Bekanntmachung, den achten Nachtrag zu den Statuten der Hessischen Ludwigs⸗Eisenbahngesellschaft betr.

111. Bekanntmachung, die Aufbringung des Bedürfnisses der Großh. Landes⸗Brandversicherungsanstalt für 1881 betr.

IV. Abwesenheitserklärung.

V. Ordensverleihungen.

I. Ermächtigung zur Annahme und zum Tragen eines fremden Ordens.

VII. Zulassung zur Rechtsanwaltschaft. Der Gerichts accessist Bodmann aus Osthofen wurde zur Rechtsan waltschaft bei dem Amtsgerichte Bingen zugelassen.

VIII. Dienstnachrichten.

IX. Ruhestandsversetzungen.

X. Coneurrenzeröffnungen. Erledigt sind: die Lehrer⸗ stelle zu Hesselbach, Gehalt 900 M.; dem Grafen zu Erbach⸗Fürstenau steht das Präsentationsrecht zu. Die 4. Lehrerstelle zu Büdingen, Gehalt 1000 bis 1500 M.; dem Fürsten zu Psenburg und Büdingen steht das Prä sentationsrecht zu. Eine Lehrerstelle zu Wald-Michelbach, Gehalt 1000 bis 1500 M.; eine Lehrerstelle zu Gießen, 1200 bis 2400 M.

Darmstadt, 23. April. Der Großherzog und Prinzessin Victoria reisten heute via Cöln, Vlissingen nach London. Im Gefolge befinden sich Frl. v. Senarclens-Grancy, Hofmarschall Oberst v. Westerweller und Major Wernher.

Berlin, 24. April. Der Bundesrath nahm mit 36 gegen 22 Stimmen den Tabakmonopol⸗ Gesetzentwurf au. Die Anträge Bremens und Hamburgs wurden abgelehnt. Dagegen stimmten: Bayern, Baden, Sachsen, Hessen, Oldenburg, Hausestädte, Mecklenburg ⸗Strelitz und Reuß ä. L. Die 36 Stimmen für das Monopol wurden abgegeben von Preußen(17), Württemberg(4), Mecklenburg-Schwerin und Braunschweig(je 2), Meiningen, Altenburg, Coburg-Gotha, Anhalt, Rudolstadt⸗Sondershausen, Waldeck, Reuß j. L., Schaumburg-Lippe und Lippe(je 1). Der Bundes rath hat ferner die Anträge der Aus schüsse auf Erhöhung der Entschädigungen an die Tabakinteressenten abgelehnt.

24. April. Im Abgeordnetenhaus fand die zweite Berathung des Gesetzes, betreffend die Errichtung von Bezirks-Eisenbahnräthen des Landeseisenbahnrathes statt und wird§. 1 mit ziemlicher Mehrheit angenommen. 25. April. Heute fand die dritte Lesung der Secundärbahn vorlage statt. Der Gesetzentwurf wird nach kurzer Debatte unverändert nach den Beschlüssen der zweiten Lesung angenommen, ebenso die Landgüterordnung für Westphalen. Das Gesetz, betreffend den lauenburgischen Communalverband, wird in dritter Lesung nach den Beschlüssen der zweiten Lesung genehmigt.

Ein Strike der Vergolder hat begonnen. Nur wenige Akkordarbeiter sind noch in einzelnen Fabriken beschäftigt, die bereits begonnenen Ar beiten zu vollenden, um dann gleichfalls zu feiern.

München. Ueber eine beim Landgericht München anhängige Untersuchung wegen Landes verraths verlautet, daß es sich um versuchte Mit theilung von Festungsplänen handelt, weshalb ein französischer Offizier, Baron Graillier, ein ehemaliger baierischer Offizier Baron Kreittmayr und ein Münchener Kaufmann verhaftet sind. Der hiesige Landwehr-Lieutenant Fleischmann ging scheinbar, auf die gebotene Belohnung von 30,000 M., darauf ein, den Genannten zu den Festungsplänen zu verhelfen, informirte aber sofort die Polizei und so gelang es, das Beweis

material beizubringen, worauf die Verhaftung der Genannten erfolgte.

24. April. Der König ist in der ver gangenen Nacht von Hohenschwangau hierher zurückgekehrt.

Karlsruhe, 24. April. Das Finanggesetz ist in der heutigen Kammersitzung einstimmig angenommen worden.

Aus Freiburg wird gemeldet, daß im dortigen erzbischöflichen Palais sehr umfangreiche Renovirungen vorgenommen werden. Man schließt hieraus auf die baldige Creirung eines Erzbischofs.

Ausland.

Oesterreich-Ungarn. Wien, 24. April. Der englische Correspondent Evans wurde gestern in Catarro auf ministerielle Anordnung hin ver haftet, wurde jedoch wieder freigelassen, muß aber im Laufe des heutigen Tages die öster reichischen Staaten verlassen.

In Betreff der Eisenbahnzuschüsse erklärte der Finanzminister, er gedenke die Kosten der projectirten Bahnbauten durch eine Creditope ration zu bedecken. Die österreichische Delegation beschloß gegenüber dem Abstrich von 2 Mill., den die ungarische Delegation vorgenommen, auf Bewilligung des vollen von der Regierung verlangten Credites zu beharren, nachdem der Referent und der Kriegsminister die Genehmigung der vollen Summe eingehend befürwortet hatten. Die ungarische Delegation beharrt gleichfalls auf dem Abstrich.

Frankreich. Paris, 24. April. Nach richten aus Tripolis signalisiren die Ankunft neuer türkischer Truppen.

Großbritannien. London, 24. April. Unterhaus. Dilke erklärte das Gerücht über Wiederaufnahme der Handels-Vertragsunterhand lungen mit Frankreich für unbegründet. Glad stone entwickelte das Budget. Seit drei Jahren seien die Ausgaben zunehmend, die Einnahmen schleppend, obwohl der allgemeine Handelsstand nicht unbefriedigend sei. Der Ueberschuß des verflossenen Finanzjahres betrage 352,000 Lstr, die Staatsschuld sei reducirt um 7,159,000 Kstr. Im Voranschlag des laufenden Jahres betragen die Ausgaben 84,630,000 Lstr., die Einnahmen 84,935,000 Lstr.

Es ist dem englischen Botschafter, Lord Dufferin, in Konstantinopel gelungen, dem Sultan das Zugeständniß abzuringen, er werde nur nach der erfolgten Verstaͤndigung Englands und Frankreichs zu einer eventuellen militärischen Intervention in Egypten schreiten.

Dublin. Parnell ist am 24. April Abends in das Gefängniß zu Kilmainham zurückgekehrt.

Italien. Rom, 24. April. Schlözer wurde heute in feierlicher Audienz vom Papste, welcher unter dem Baldachin saß, von seinem ganzen Hofstaate und der Nobelgarde der Palastwache umgeben, empfangen.

Spanien. Madrid, 25. April. Die Kam mer lehnte das Tadelsvotum gegen den Finanz minister ab. 0

Türkei. Konstantinopel. Ein Besuch des Sultans an den Höfen von Wien und Berlin iu Sommer ist wahrscheinlich. 1

Die Pforte ermächtigte den Kriegsminister, den griechischen Behörden alle streitigen Grenz punkte, ausgenommen Analypsis, zu übergeben.

Griechenland. Athen, 25. April. Die Kammer votirte ein Tadelsvotum gegen das frühere Cabinet Communduros wegen der Unter zeichnung der türkisch-griechischen Convention.

Rußland. Petersburg, 25. April. Lon⸗ doner Blätter melden, daß der Czar die De mission Ignatieff's angenommen habe, Nachfolger desselben würde Abasa oder Pobedonoszeff sein. Großfürst Wladimir habe dem Kaiser Wil helm in Wiesbaden den Vorschlag einer Drei kaiser⸗Entrevue unterbreitet, Kaiser Wilhelm habe für seine Person abgelehnt, aber zugesagt, sich durch den Kronprinzen vertreten zu lassen.

Egypten. Kairo. Falls der Khedive sich nicht behaupten kann, candidirt Halim Pascha, der Onkel Ismails und Sohn Mehemed Ali's.

Aus Stabt und Land.

w. Bad⸗ Nauheim. Nächsten Samstag, den 29. April, Nachmittags 3 Uhr, hält der Bezirkslehrer⸗ verein Bad-Nauheim eine Versammlung bei Gastwirth J. Burck in Friedberg ab. Auf der Tagesordnung stehen: 1) Abstimmung über die Abänderungen der Statuten, wonach jedes Mitglied des Bezirksvereins zugleich Mit⸗ glied des Lehrerwaisenstiftes ist. 2) Wahl eines Dele⸗

gierten. 3) Anträge für die Delegierten- und General⸗ versammlung. 4) Referat über die Wittwen-Pensions⸗

kasse. 5) Fortsetzung des Referates über die Fortbild⸗ ungsschule. Wir machen die Mitglieder darauf aufmerk sam, daß der Obmann des L.⸗L. Vereins der Versamm⸗ lung beiwohnen wird.

Ober⸗Erlen bach. Ein hier in Diensten stehen⸗ der Knecht aus Rüdingshausen, welcher häufig einen zu Exeessen geneigten Charakter zeigte, wurde in der Nacht vom 23. auf den 24. er. um 2 Uhr bei einer unserem Orte am nächsten gelegenen Mühle von anderen männ⸗ lichen Dienstboten, mit welchen er vermuthlich wegen eines Liebesverhältnisses in Wortwechsel kam, mit einer Mistgabel derart mißhandelt, daß diese in mehrere Stücke brach. Nach den Blutspuren zu schließen, wurde der Bewußtlose auf die sogenannte Pfarrwiese geschleift, wo man ihn des anderen Morgens noch in diesem Zustande fand. Man zweifelt an dem Aufkommen des Mißhan⸗ delten. Untersuchung ist, wie man vernimmt, eingeleitet und soll einer der Haupt-Attentäter bereits flüchtig ge gangen sein.

Allerlei.

Fulda. Der Magistrat hat das großartige Resi⸗ denzschloß mit Hofgarten, Stallgebäuden, Orangerie ze. zu dem mäßigen Preise von 400,000 M. vom Landgrafen Friedrich angekauft. Dem Vernehmen nach soll das Schloß für die projeetirte Landblindenanstalt für Hessen-Nassau bestimmt sein.

Wiesbaden, 23. April. Der Frankfurter Zug, der um 1 Uhr Mittags hier eintrifft, ist gestern im hie sigen Taunusbahnhof auf einen Güterzug aufgefahren, infolge dessen 3 Wagen des letzteren zertrümmert wurden; Menschen wurden zum Glücke nicht verletzt.

Wien, 24. April. Der Ringtheaterprozeß hat heute begonnen. Der Staatsanwalt entwickelte die bekannte Anklage. Director Jauner haͤuft bei selner Vernehmung Anschuldigungen wegen Fahrlässigkeit auf seine Unter⸗ gebenen. Er habe die strengsten Aufträge gegeben, könne aber nicht hinter jedem Werkmann stehen. Oellampen habe er bestellen lassen und annehmen muͤssen, daß seine Befehle streng ausgeführt wurden. Uebrigens seien vor her in keinem Theater Nothlampen gewesen. Maschinist Nitsche verantwortet sich ziemlich unsicher, muß aber zu geben, daß die Oellampen bereits am 6. Dezember fertig und nur, weil er angeblich keine Zeit hatte, nicht sofort angebracht wurden. Darauf wurde die heutige Sitzung geschlossen. 25. April. Theaterinspeetor Breithofer sagt aus, er hätte mittels eines Regulators die Bühnen beleuchtung zu regeln gehabt, sei aber nicht eontrolirt worden und sei auch ohne nähere Instruetion gewesen. Als er die Feuerrufe horte, sei er zum Wechsel geeilt, der aber versagte Ein Fremder habe ihm den Gas schluͤssel gegeben und ihn beauftragt, den Gasometer ab zudrehen, was er(Breithofer) that. Feuerwehreomman dant Geringer sagte: Er habe die Handhabung des Wasser wechsels nicht gekannt. Bei Ausbruch des Brandes avi sirte er blos das Personal in den Garderoben und schlug

zwei Noththüren ein. Da hernach die Feuerwehr kam,