Ausgabe 
26.10.1882
 
Einzelbild herunterladen

A

neuerdings beschlossen, zum Vertreter der deut schen Aussteller und den Ausstellungs-Organen gegenüber einen Reichscommissär zu ernennen. Die Gewährung einer finanziellen Beihülfe seitens des Reichs an die Aussteller durch die Ueber⸗ nahme gewisser Kosten sei auch jetzt nicht in Aussicht genommen.

Die Befestigungsarbeiten von Thorn, deren Wiederaufnahme wir im Sommer melden konnten, schreiten so rüstig vor, daß bereits eines der neuen Forts belegt werden kaun. Die Reise des Kriegsministers v. Kameke nach Thorn dürfte zu dem Zweck unternommen sein, die näheren Bestimmungen in dieser Hinsicht zu treffen. Da die Truppendislokationen sich auch im Etat darstellen, so wird man vielleicht schon durch das nächste Reichsbudget erfahren, eine wie starke Vermehrung für die Garnison jener wichtigen Grenzfestung in Aussicht genommen ist.

Kiel. S. M. S.Leipzig, 12 Geschütze, Comm. Corv.⸗Capt. Herbig, hat am 19. d. M. eine zweijährige Reise nach Ostindien angetreten. S. M. S.Moltke, 16 Geschütze, Comm. Capt. z. S. Pirner, welches am 23. Juli c. die Polarexpedition nach Süd⸗Georgien gebracht, ist auf seiner Station Valparaiso angekommen.

Wiesbaden. Die Exkaiserin Eugenie von Frankreich wird demW. B. zufolge ihren Winteraufenthalt dahier nehmen, um die Bäder zu gebrauchen. Die Kaiserin, die seit längerer Zeit halsleidend ist, hielt sich einige Tage in Paris auf, um Prof. Charcot, den berühmten Kliniker und Nervenarzt zu consultiren. Der selbe erklärte das Leiden für ein ausschließlich rheumatisches und sprach sich entschieden gegen ihren Winteraufenthalt in England aus. Seinem Rathe gemäß wird die Exkaiserin demnächst hier her kommen.

München. Wie verlautet, würde auch Baiern die Beförderung von Postkarten mit nicht baierischen Marken unter Vorbehalt der Gegenseitigkeit übernehmen.

Ausland.

Frankreich. Paris. Die Times meldet von hier, daß zwischen dem Bey von Tunis und Frankreich ein Vertrag geschlossen ist, wo⸗ nach Frankreich die Verantwortlichkeit für die tunesische Schuld übernimmt und ein neues fran zösisches Tribunal herstellt, welches alle Prozesse zu erledigen hat; ferner die Reorganisation der Verwaltung des Staatseigenthums, sowie die Ueberwachung und Einziehung der Steuern leitet. Der Vertrag bewilligt ferner dem Bey eine Civil liste von 700,000 Fres. und stellt die Apanagen der Prinzen auf 1,300,000 Fr. fest.

24. October. Seit 48 Stunden ist in Montceau⸗les⸗Mines Alles ruhig. Es heißt, man habe Beweise erlangt von dem Bestand eines internationalen Geheimbundes mit dem Sitz in Genf, der sich Zwecks Zerstörung alles Eigenthums gebildet. Zahlreiche aufgefundene Correspondenzen hätten die fortgesetzte Ver bindung der französischen Mitglieder mit dem Directionscomité in Genf, worunter sich mehrere russische Nihilisten befinden, dargelegt. Das Verdict in der Affaire Montceau wird Don⸗ nerstag gefällt werden. In Montceau sind Ver⸗ treter der deutschen Regierung eingetroffen, die sich über die Bewegung informiren sollen. Die Strikes in Paris nehmen einen sehr bedroh lichen Charakter an. Am Lyoner Bahnhof wurden Personen, die Dynamit mit sich führten, verhaftet.

Lyon, 23. Oct. Heute früh um 2 Uhr explodirten im Restaurant des Theaters Belle⸗ cour drei Bomben. Drei Personen wurden schwer, mehrere andere leicht verwundet. Nach den Schuldigen wird recherchirt. Die Affaire scheint mit der socialistischen Bewegung in der Hauptstadt in Verbindung zu stehen. Eine all⸗ gemeine Gährung beginnt auch bei der Arbeiter bevölkerung der Norddepartements sich bemerkbar zu machen. Im Faubourg Saint Antoine und in Belleville sieht man Massen strikender Arbeiter, die sich jedoch trefflich zu amüsiren scheinen.

Aus der Provinz liegen Nachrichten über neue zahlreiche Verhaftungen vor.

Italien. Rom. Der hiesige Advokat Riclardo Milla ist wegen des Verdachtes, mit den Urhebern der Triester Attentatsversuche in Ver⸗ bindung, gestanden zu haben, verhaftet worden.

Türkei. Konstantinopel. Laut Nachrichten von hier würde der Sultan das Programm Said Pascha's nach dem Bairamfeste ratificiren. Gerüͤchtweise verlautet, der Scheik- ul-Islam habe resignirt.

Rumänien. Bukarest. Daß eine Begeg⸗ nung des Königs Milan von Serbien mit dem Könige Karol unterblieben, hat hier einige Ver stimmung erzeugt und wird als ein Zeichen ge trübter serbisch-rumänischer Beziehungen bezeichnet.

Serbien. Belgrad, 23. Oct. Ein ru⸗ mänisches Blatt hatte die Nachricht gebracht, daß die Partei der Unzufriedenen in Serbien ein Attentat auf den Konig Milan bezw. auf das Schiff, welches er zur Weiterreise benutzen wollte, geplant hätte, und daß der König des halb seine Reiseroute abgeändert habe. Als nun der König nach seiner Rückkunft die Kathe⸗ drale besuchte und dieselbe heute Morgen 11 Uhr verließ, feuerte eine Frau Namens Helene Mar kovic einen Revolverschuß gegen ihn ab, der aber fehl ging; als sie einen zweiten Schuß abgeben wollte, fiel ihr der Adjutant in den Arm und sie wurde unter ungeheuerem Volks andrang festgenommen. Die Ruhe blieb sonst ungestört. Die Attentäterin ist die Wittwe des vom Kriegsgerichte zum Tode verurtheilten und hingerichteten Obersten Markovic. Im ersten Ver⸗ hör motivirte die Attentäterin den Mordversuch mit persönlichen Gründen. Der König und die Königin, von der Bevölkerung jubelnd begrüßt, begaben sich um 11 Uhr in die Metropolkirche, wo ein Tedeum für die Errettung des Königs abgehalten wurde.

Rußland. Petersburg. Das Journal de St. Petersbourg erklärt die Nachricht, der russische Kaiser habe den Fürsten von Montenegro mit einer Mission nach Rom betraut, für pure Erfindung.

Riga, 23. Oct. Gestern ist auf Baron Meyendorff-Kamkau in Wolmar ein Mordver⸗ such gemacht und derselbe durch einen Schuß am Arm verwundet worden; der Thäter blieb unermittelt.

Egypten. Kairo, 23. Oct. Die Vor⸗ untersuchung gegen die Gefangenen, ebenso wie das Zeugenverhör werden bei geschlossenen Thüren stattfinden. Nur Arabi, Tulba, Abdulal und Ali⸗Fehmy Pascha werden von englischen Advo⸗ katen vertheidigt. Heute wurde die gesammte zweijährige Correspondenz Arabi's beschlagnahmt und dem englischen Generalconsul Malet über geben. Sie enthält einen umfangreichen Brief wechsel mit Constantinopel und Verhandlungen der geheimen Sitzungen des Ministeriums unter Vorsitz Mahmud's

24. Oct. Hier läuft die Meldung ein, daß der falsche Prophet im Sudan neuerdings wieder den weißen Nil entlang vorgeht; er soll bereits, allen Widerstand siegreich niederwer fend, Kartum besetzt haben. Einem Gerücht zufolge soll der egyptische Gouverneur Abdul Kadar getödtet worden sein.

Aus Stadt und Land.

H. Friedberg, 24. Oet. Unsere allseitig und weithin bekannten Pferdemarkttage sind wieder einmal vorüber und ist der Verlauf derselben in Beruͤcksichtigung der Verhältnisse ein recht günstiger zu nennen. Wenn auch am Montag Vormittag das Wetter zur Freude Aller sich schön gestaltet hatte, so war dies doch nur von kurzer Dauer, denn schon am Mittag stellte sich unser alter GastRegen wieder ein, und dies konnte naturgemäß für den Markt nicht von Nutzen sein. Die Zahl der zu Markt gebrachten Fohlen war nicht unbedeutend und wurden ca. 70 bis 80 Verkäufe, besonders in besseren Fohlen, abgeschlossen. Die Preise stellten sich fuͤr jährige Fohlen bis zu 750 Mark und waren auch Saugfohlen nicht billig im Preise. Die Händler hatten sämmtlich nur gute Fohlen, zum größten Theile Prachtexemplare, wie noch niemals sonst gebracht. Es war eine wahre Lust, diese schönen Thiere in unseren neuen geräumigen städt⸗ ischen Stallungen zu sehen, welche das Comité und die Stadt mit bedeutenden Opfern geschaffen hat. Es wird

auch fernerhin das Bestreben Letzterer sein, für die Hebung

des Marktes alles Nothwendige aufzubringen. Bei der am Dienstag stattgehabten Prämsirung von selbstgezüchteten Fohlen, deren eirea 50 vorgeführt wurden, erhielten für 1½jährige und Saugfohlen Prämien: 1) Bürger⸗ meister Väth in Bauernheim. 2) Maier Blum auf dem Dorheimer Bergwerk. 3) Pachter Rullmann in Stamm⸗ heim. 4) Bürgermeister Veith in Ilbenstadt. 5) Wilh. Staßheim in Griedel. 6) Pachter Müller auf dem Löwen⸗ hof. 7) Hermann Bausch in Nieder-Wöllstadt. 8) Ph. Keller in Melbach. 9) Philipp Feuerbach in Ockstadt. 10) Friedrich Wiegand III. in Bruchenbrücken. 11) Ph. Best II. in Bruchenbrücken. 12) Dr. Gebb in Friedberg. 13) Oekonom Schreff in Bruchenbrücken. Ueber die Ver⸗ loosung sowie über den Verlauf des Faselmarkts folgt Bericht in der nächsten Nummer des Anzeigers.

n. Ober-Mörlen. Bei der am 21. October dahier abgehaltenen Wahl eines Kreistagsabgeordneten wurde für den seitherigen Vertreter, Bürgermeister Jeckel dahier, K. Scherer von hier mit 10 Stimmen gewählt. Bürger⸗ meister Rumpf von Ziegenberg erhielt 8 Stimmen.

H. Ober⸗ Erlenbach. Bei der hier stattgehabten Wahl eines Kreistagsmitgliedes wurde Pachter Grimm von Vilbel mit 11 Stimmen gewählt.

E. Heldenbergen. Wie äußerst vortheilhaft und von welch eminenter Bedeutung die Lebensversicherungen sind, erhellte aus dem Vortrage darüber, den den pen⸗ sionirte Lehrer Linck von Worms am verflossenen Sonn⸗ tag dahier hielt. Nachdem er über Wesen, Zweck und Art derselben sehr klar, faßlich und wahrhaft begeisternd sich ergangen, dabei offen und getreu die beklagenswerthe, ja Gefahr drohende Situation, in welche ein großer Theil der landwirthschaftlichen Bevölkerung sich verfahren, geschildert und zur Umkehr, zur Ergreifung praktischer, bewährter Hilfsmittel angeregt hatte, ließ er sich speciell in einige Tarife(Arten) der Lebensversicherungen ein und legte die verschieden Vortheile derselben an der Hand der Zahlen durchklärend und sehr verständlich dar. Weit⸗ aus die Mehrzahl der Zuhörer hatte noch nie Gelegen⸗ heit, solch klaren Einblick in Wesen und Zweck der Lebensversicherungen zu gewinnen, und steht zu erwarten, daß das Publikum nach weiterer ernster Erwägung und allmählicher Verarbeitung des vom Redner gespendeten geistigen Materials nicht länger mehr zögert, die in den Lebens versicherungen dargebotenen, unschätzbaren Wohl⸗ thaten sich anzueignen. Nach des Einsenders Dafür⸗ halten dürfte es eine würdige und lohnende Bethätigung des Lehrerstandes sein, wenn er sich mit dem Wesen der Lebensversicherungen vertraut machen, das Publikum zum Eintritt in dieselben durch eigenes Beispiel anregen und so zur Förderung des Volkswohls recht erheblich beltragen würde.

H. Vilbel. Am 23. er. fand dahier die Wahl eines Kreistagsmitgliedes statt, wobei Wilh. Seibold II. von hier mit 9 Stimmen gewählt wurde.

H. Vilbel. Die Kartoffelernte fällt dahier im Allgemeinen doch nicht so schlecht aus als man Anfangs glaubte; ebenso ist die Kraut⸗ und Dickwurzernte eine außerst zufriedenstellende. Oeconom ten Brink erntete eine Dickwurz, welche 15½ Kilogramm wog.

Büdingen, 21. Oet. Große Theilnahme erregt der dieser Tage eingetretene tragische Tod des Revierförsters Heinrich, der im Jägerthal durch die unglückliche zu⸗ fällige Entladung seines Gewehres, wobei ihn der Schuß in die Brust traf, sein Leben verlor.

Hechtsheim, 28. Oet. Gestern Abend ist in unserer Gemeinde ein schweres Verbrechen verübt worden. Der Thatbestand, wie wir denselben in aller Eile erfahren konnten, ist kurz folgender. Ein junger Mann von hier wollte sich von der Wohnung seiner Großeltern nach Hause begeben; in der Nähe seiner Wohnung wurde er von einem anderen jungen Manne der ihm aufgepaßt hatte mit einigen Worten angeredet, doch noch ehe er eine Antwort geben konnte, hatte der Aufpasser ein Messer gezogen und dasselbe seinem Gegner durch's Herz gestoßen. Der Thäter wurde noch am Abend verhaftet und heute Vormittag nach Mainz abgeliefert. Der Ver⸗ brecher ist ein unscheinbarer, kaum 20 Jahre alter, junger Mann mit blondem Haar. Es herrscht hier wegen dieses Falles eine große Aufregung, umsomehr, als es noch gar nicht so lange her ist, daß der Schweizer eines hiesigen Oeconomen durch einen brutalen Menschen todt getreten worden ist.

Allerlei.

Salzburg, 23. Oct. Oberhalb Bischofshofen im Salzthaler Tunnel rissen sich heute Morgen 20 Waggons los, welche mit ungeheuerer Geschwindigkeit über das Gefälle durch die Station Bischofshofen gegen St. Johann zurückrollten, woselbst mehrere Waggons in den Salza⸗ fluß stürzten. Ein Zugbegleiter wurde verwundet, der Bahnverkehr ist unterbrochen.

Wien, 19. Oct. In der vorgestrigen Nacht wurden gleich außerhalb der Station Dürnkrut in der Richtung gegen Hohenau, in unmittelbarer Nähe des Wechsels, kurz vor dem Eintreffen des von Ostrau kommenden Güterzuges, von verbrecherischer Hand Schwellen auf das Geleise gelegt. Der Locomotivführer erblickte noch rechtzeitig das Hinderniß und vermochte nur mit größter Anstrengung durch Bremsen und Contredampf den Zug zum Stehen zu bringen, ehe derselbe die gefährliche Stelle erreicht hatte, wodurch unberechenbares Unglück verhütet wurde.

Petersburg, 21. Oct. In Folge außerordent⸗ licher Schneestürme ist die telegraphische Verbindung mit den südlichen Gouvernements unterbrochen.

Manilla, 23. Oet. Der größte Theil von Manilla ist durch einen Typhon zerstört worden.

5 18S