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vielversprechend war, gänzlich zu vernichten. Der heftige Regen, der mit kaum irgend einer Unterbrechung niedergefallen ist, hat viele blühende Felder verwustet. Die Wiesen sind in vielen Orten mit Wasser getränkt und werden, falls nicht bald ein Wechsel eintritt, hoffnungslos verloren sein. Die Kartoffeln, welche das Haupt⸗ nahrungsmittel der ackerbautreibenden Klasse in Irland bilden, haben stark gelitten und zeigen Spuren der Krankheit. Die Wiederkehr einer neuen schlechten Saison in dem gegenwärtigen demoralisirten und gesetzlosen Zustande vieler Theile des Landes würde bei weitem verhäng— nißvoller sein, als die revolutionäre Bewegung.
Dublin. Auf der Waterford-Limerick-Bahn wurde auf der Station Warterford ein Eisen— bahnwagen erbrochen. Der Inhalt, bestehend aus Militärgewehren und Munition, wurde geraubt und ist trotz sorgfältigster Nachforschungen spurlos verschwunden. Da es geheim gehalten worden war, was der Wagen enthielt, so war auch kein militärischer Sicherheitsposten dabei aufgestellt worden.
Italien. Rom. Der„Oss. Rom.“ be⸗ streitet, daß die Verhandlungen zwischen dem Vatican und der preußischen Regierung abge— brochen seien. Das Blatt gibt zu, daß man zu einem vollständigen und dauerhaften Frieden zwar noch nicht gekommen. Dennoch aber sei ein großer Schritt auf dem Wege zur Anbahn— ung desselben gethan, durch die Wiederherstell— ung der Gesandtschaft und die Wiederbesetzung mehrerer erledigten Bischofssitze. Man müsse die weiteren Resultate der Verhandlungen ab— warten und bedenken, daß sehr schwerwiegende und complicirte Fragen zu erledigen seien. Im Vatican wünsche man Nichts sehnlicher, als daß es zu einer entgültigen Verständigung kommen möge.
Spanien. Madrid. Der spanische Ge⸗ sandte in Constantinopel, Graf Rascon, soll die Botschafter benachrichtigt haben, daß Spanien an jedem Ende des Suezceanals drei Kanonen— boote zu stationiren beabsichtige, welche die spa⸗ nischen Postdampfer nach und von Manilla escortiren würden. Spanien werde auch vier Panzerschiffe nach Alexandrien senden.
Türkei. Konstantinopel, 20. Juli. Die Pforte dementirt, daß Derwisch Pascha nach Alexandrien zurückgekehrt sei.
— 20. Juli. Der von den Vertretern der beiden Westmächte gestern eingebrachte Antrag, demzufolge England und Frankreich zum Schutze des Suez⸗Canals selbst in Egypten einschreiten wollen, ist von den Vertretern der übrigen Mächte ad referendum genommen worden, da ihnen Instruktionen für den Fall eines solchen Antrags noch fehlten.
— 21. Juli. Die Pforte hat beschlossen, der Conferenz zu notificiren, daß sie die Absicht hat, Truppen nach Egypten zu schicken; sie schlägt gleichwohl der Confernz vor, die in der identischen Note proponirten Bedingungen einer Intervention zu modificiren. Gerüchtweise ver⸗ lautet, die Pforte wolle der Conferenz den Gegenvorschlag machen, daß entweder türkische Commissäre die englischen und französischen Truppen nach Egypten begleiten, oder daß europäische Truppen den Suez⸗Canal besetzen, während die Türken Alexandrien und Kairo besetzen.
— 22. Juli. An der heutigen Sitzung der Conferenz nahmen Assym Pascha und Said Pascha Theil. Der letztere führte den Vorsitz.
— 23. Juli. Derwisch Pascha ist hier ein⸗ getroffen. Die Pforte befürchtet eine Insurgir⸗ ung Syriens durch Arabi's Proklamation.
Serbien. Belgrad, 19. Juli. Der Finanz⸗ minister demissionirte. Der König soll den Ver⸗ tretern der fremden Mächte gegenüber geäußert haben, er beabsichtige nicht, die Demission an— zunehmen, er werde vielmehr dem Finanzminister nur einen mehrwöchentlichen Urlaub ertheilen.
— 19. Juli. Die Skupschtina hat bekannt— lich in ihrer letzten Sitzung beschlossen, daß gegen das Cabinet Ristic, beziehungsweise gegen den Chef des Cabinets, sowie gegen den gewesenen
Metropoliten Michael eine strafgerichtliche Unter— suchung eingeleitet werde, weil die, während der letzten Kriege gegen die Türkei, der da— maligen Regierung, sowie dem Chef der Kirchen— verwaltung vom Auslande zugekommenen, ver⸗ schiedenen Zwecken gewidmeten beträchtlichen Geldsummen nirgends verrechnet erscheinen. Das Cabinet Pirotschanac sieht sich nun veranlaßt, dem einstimmigen Beschluß der Skupschtina ge— bührende Rechnung zu tragen. Man darf daher einem interessanten, um nicht zu sagen sensa— tionellen Staats-Prozesse entgegensehen.
Griechenland. Athen, 15. Juli. Der Messager d'Athoͤnes bestätigt die Nachricht, daß die hellenische Regierung bereit sei, sich mit einem Corps von 7000 Mann der bewaffneten Intervention anzuschließen. Tricoupis hat die Vertreter der Westmächte in Kenntniß gesetzt, daß dieses Expeditionscorps 24 Stunden nach Erhalt des Befehls eingeschifft werden kann.
Rußland. Petersburg. Das Amtsblatt meldet, daß Oberst Filimonoff, Aufseher eines Ravelins der Peter-Paul-Festung, degradirt sei.
Moskau. Drei Sappeurabtheilungen durch— wühlen den Boden des ganzen Kreml, um Minen zu suchen. Im Personal der Hofbedienten des Kreml steht ein vollständiger Wechsel bevor. Kiewer Privatbriefe melden die Verhaftung eines Staatsanwalts, des Sohnes eines Kiewer Militär-Intendanten; derselbe wird der Ange— hörigkeit zum Nihilismus beschuldigt.
Amerika. Washington. Der Senat setzte die Tabaksteuer auf 12 Cents pro Pfund vom 1. Februar 1883 ab fest.
New⸗Nork, 20. Juli. Von Cherlon⸗Fork, Arizona, wird ein Zusammenstoß einer Abtheil— ung Truppen der Vereinigten Staaten mit auf⸗ rührerischen Indianern gemeldet.
— 21. Juli. Ein Privat⸗Telegramm aus Costa Rica meldet den Tod des Präsidenten der Republik, Generals Guardia, und die Er— wählung von Don Prosnaro Fernandez zu seinem Nachfolger.
Afrika. Algier. Der muselmänische Fanatismus, von Emissären, die aus verschiedenen Gegenden herbeigekommen waren, aufs Aeußerste gereizt, scheint im Begriff, neue Unruhen im Süden der Provinz Oran herbeizuführen. Si— Sliman unternimmt einen Vorstoß auf die Alfa— Pflanzungen von Kahrum. Die kleinen fran⸗ zösischen Beobachtungsposten haben Befehl er⸗ halten, sich zurückzuziehen. Ebenso cursiren hier beunruhigende Gerüchte bezüglich Tripolis. Man fürchtet, daß die Einwohner, durch die Vorgänge in Egypten angestachelt, den Europäern ein schlimmes Loos bereiten. Eine Anzahl der letzteren hat sich schon nach Malta und Tunis geflüchtet.
Egypten. Alexandrien, 21. Juli. Omar Lufti Pascha kehrte gestern von Kairo zurück und berichtete dem Khedive, daß Arabi eine Versammlung der Paschas, Ulemas und anderer Notabilitäten einberief, um zu entscheiden, ob man im Hinblick auf die intimen Beziehungen des Khedive zu den englischen militärischen Be— hörden dem Befehle, die Rüstungen einzustellen, gehorchen könne. Eine Proclamation Arabi Paschas an die Gouverneure der Provinzen erklärt, den Krieg gegen die Engländer bis zum Aeußersten führen zu wollen. Er droht allen Denen ernste Bestrafung an, welche das Vater— land dadurch verrathen, daß sie die Engländer unterstützen.— Es läuft hier die Nachricht ein, Arabi dämme den Süßwasser-Canal ab; es herrscht die Befürchtung, es werde dadurch Wassermangel eintreten. General Alison beab⸗ sichtigt deßhalb ein Detachement nach Achaflano abgehen zu lassen, um die Sperrung des Süß⸗ wasser⸗Canals zu verhindern oder zu sprengen. — 22. Juli. Es wurde ein aus 4 Egyptern bestehendes Tribunal zur Aburtheilung der Plünderer u. s. w. ernannt. Lord Beresford leitete die Anklage gegen die Missethäter, von denen dreißig die Bastonade erhielten. Die Situation fängt an durch den Mangel an Trink—
wasser bedenklich zu werden. Die Stadt wird
immer auf's Neue von dem wieder auftauchenden
Gerüchte allarmirt, daß Arabi einen Angriff beabsichtige. General Alison ist deßhalb mit
zwei Regimentern Infanterie und einer Abtheilung 5
Cavallerie gegen die verschanzte Stellung Arabi Pascha's vorgerückt. Sie begegneten einem Theil der Garde und Cavallerie Arabi's und gaben einige Schüsse auf dieselben ab. Die Egypter flohen. Die Jäger zerstörten die Eisenbahn und zogen sich dann wieder zurück.— 23. Juli. Ein Decret des Khedive setzt Arabi ab und erklärt ihn für einen Rebellen. Eine Procla— mation verbietet der Armee, den Befehlen Arabi's zu gehorchen und eine andere befiehlt dem Volke, die von Arabi verlangte Kriegssteuer nicht zu zahlen. Ein von Konstantinopel angekommenes Paquetboot wurde aufgegriffen und der Capitän verhaftet; man vermuthet, daß derselbe Briefe für Arabi überbringen wollte.
Kairo, 21. Juli. Eine Depesche von hier meldet, daß die Massacres im jüdischen Viertel begonnen hätten. Ebenso sollen zu Damiette, Tookh, Benta und Caliub Massacres statt— gefunden haben, bei denen ganze Familien aus den Waggons gerissen und unter die Räder des Zuges gelegt wurden. Das ganze Steuer- personal zu Tantah wurde getödtet.— 23. Juli. Arabi hat dem Vernehmen nach ein neues Ministerium mit Mahmud Pascha an der Spitze, gebildet und eine Proklamation erlassen. In Kairo ist wieder Alles ruhig. Die Polizei gibt sich alle Mühe, die Ordnung aufrecht zu er⸗ halten. Einer Privatmittheilung zufolge, wird Arabi's Armee auf 12,000 Mann geschätzt.
Port Said, 21. Juli. Von hier kommt die Meldung, daß ein deutsches Kriegsschiff viele Flüchtlinge aus den Provinzen aufgenommen und dorthin gebracht hat.— 22. Juli. Die Zustände im Umkreise von Port Said werden immer bedrohlicher. Die Consuln ersuchten den Contre-Admiral Hoskins, vorschützende Maß⸗ regeln zu treffen. Die aufständische Bewegung unter den Eingeborenen ist im Wachsen begriffen.
Asien. Simla, 18. Juli. Der Rajah von Puttiala hat seine Truppen der indischen Regierung behufs Verwendung in Egypten zur Verfügung gestellt.
— Bombey, 21. Juli. Zwei Transport⸗ dampfer mit Truppen sind nach Egypten ab⸗
gegangen.
Aus Stadt und Lond.
c. Bad⸗ Nauheim. Die Besucher des Johannis⸗ berges werden darauf aufmerksam gemacht, daß das von Lehrer Werner in Friedberg gestiftete ausgezeichnete Fernrohr auf der Terrasse der Restauration„König“ aufgestellt ist und von dem Publikum benutzt werden kann. An dem neugefertigten, zweckmäßig eingerichteten Stativ befindet sich eine kleine Sammelbüchse, welche zur Aufnahme kleiner Beiträge zum Besten des Taunuselubs Wetterau bestimmt ist.
Vilbel, 21. Juli. In vergangener Nacht fuhr ein kalter Schlag in die hiesige Mühle. Der Obermühl⸗ knecht, an welchem der Blitz vorüberging, hat die Sprache verloren.
Allerlei.
Stuttgart, 19. Juli. Der letzte Sonntag war für einen beträchtlichen Theil unseres Landes ein wahrer Schreckenstag. Ein entsetzliches Unwetter, das, von Süͤd⸗ westen nach Nordosten das Land durchziehend, seinen unheilvollen Weg von der Gegend von Tuttlingen an über Spaichingen, Balingen, Hechingen und das Stein⸗ lachthal, über Reutlingen, Plochingen, das Neckarthal und den Schurwald, endlich über das Remsthal, den Welzheimer Wald und die fränkische Gegend bis gegen die baierische Grenze nahm, hat durch Hagelschlag und Wolkenbruch auf den Gemarkungen der genannten, und zahlreicher denselben benachbarter Ortschaften wahrhaft entsetzliche Verheerungen angerichtet.
Gemeinderathssitzung.
S. Friedberg, 20. Juli. In der gestrigen Sitz⸗ ung des Gemeinderathes wurde beschlossen dem Pedellen der Realschule auf Nachsuchen den seitherigen Besoldungs⸗ zuschuß von 50 Mark auch für dieses Jahr zu bewilligen. Nach einer Mittheilung des Bürgermeisters steht eine Neuregulirung des staatlichen Beitrags zu den Real- schulen bevor und werde sich dann Gelegenheit finden, über die Besoldung des Pedellen eine Vereinbarung zu treffen. Eine Anfrage des Gerichtsvollziehers Kong, ob die Stadt das zum Pflastern vor seinem profektirten Wohnhaus erforderliche Material stellen wolle, wurde verneint, da die Stadt nach Art. 20 der Bauordnung
nicht verpflichtet erscheint, für außerhalb des Stadtbau
thätig eigent vorlö und
Haut sächl. werb
2 funde Sache Mörl.
nißsir


