Ausgabe 
24.8.1882
 
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lebhafter Schriftenwechsel bezüglich der Streitig keiten der Grenzwachen beider Staaten anläßlich der Ruͤckkehr der Juden aus Galizien und Rußland.

Egypten. Alexandrien, 21. Aug. Das Gefecht zwischen den Engländern und Arabi's Truppen am Samstag am Mahmudie-Canal wurde durch letztere begonnen, welche das Ge schützfeuer auf die englische Stellung eröffneten. Das Gefecht endete nach ziemlich lebhafter Kano nade gegen Sonnenuntergang. Die Engländer hatten keine Verluste. Am Sonntag Nachmit⸗ tag führten vier englische Regimenter eine Re⸗ cognoscirung am rechten Ufer des Mahmudie Canals aus. Eine beiderseitige lebhafte Kano nade verlief resultatlos. Arabi's Truppen hatten Millahac besetzt. Die Recognoscirungen am Samstag und Sonntag ergaben, daß die Schanzen bei Kafr⸗el⸗Dowar mit schwerem Geschütz, theil weise 7zölligen Krupp-Kanonen armirt sind. Vor der egyptischen Position sind tiefe Gräben aus⸗ geworfen; die Artillerie ist gut bedient. Einige Granaten fielen in nächste Nähe des gepanzerten Eisenbahnzuges, dessen Heizer durch ein Spreng stück verwundet wurde.

21. Aug. Eine von der Admiralität publicirte Depesche sagt: General Edwards be setzte wahrend der Nacht den Canal und Kan tara; Oberst Fairfax besetzte Port-Said und Oberst Fitzrey Ismailia. Alles geschah ohne die geringsten Schwierigkeiten. Fitzrey vertrieb den Feind aus Nefishe durch Bombardement. Der Commandeur Kane wurde leicht verwundet. Die Truppen des Feindes legten die Waffen nieder. In Port-Said wurde ein neuer, dem Khedive ergebener Gouverneur eingesetzt. Die Telegraphenverbindung mit Kantara und Ismai lia ist wieder hergestellt. Ueberall herrscht Ruhe. Admiral Hoskins beorderte 340 Seesoldaten auf die KriegsschiffeDee undReady zur Verstärkung Fitzrey's. Im Canal strandete ein Schiff; die Passage für andere Schiffe wird dadurch aber nicht gestört. Die Truppen Arabi's räumten Ghemileh und retirirten nach Damiette.

21. Aug. Eine Nachmittags eingetroffene Depesche Wolseley's aus Kantara meldet ein Scharmützel mit den Egyptern bei Ismailia und das Bombardement von Nefishe durch Kriegsschiffe. Ueberläufer aus Arabi's Lager stellen die dortige Lage als sehr mißlich dar; es mangelt an Aerzten. Es sind Uunterhand lungen für den Uebertritt von 2000 Beduinen zu dem Khedive im Gange. Abends wird durch eine Depesche der Admiralität gemeldet, die Besetzung Nefishe's ist ohne Widerstand er⸗ folgt, die Egypter flohen.

22. Aug. Ein neues Decret des Khedive befiehlt den egyptischen Behörden, dem General Wolseley zu gehorchen, welcher gekommen sei, Ordnung und Ruhe in Egypten wieder herzu stellen.

Suez, 21. Aug. Nach Berichten von hier griff Capitän Hastings mit Matrosen und schot⸗ tischen Seesoldaten in der Stärke von 200 Mann 600 Egypter bei Kalnif an und schlug sie in die Flucht. Der Verlust der Egypter betrug 100 Todte und Verwundete, sowie 46 Ge fangene, auch wurde eine Kanone genommen. Der Süßwassercanal wurde reparirt, wobei 2 Engländer ertranken.

Afrika. Tripolis. Einer Meldung von hier zufolge, soll sich der Stamm der Ouled⸗ Sliman in Ben Gnazi befinden und sich rüsten, um Arabi Hülfe zu bringen. Der einflußreiche Führer Muhamed⸗es⸗Snussi soll die Bewegung begünstigen.

Asien. Bombay. Der Vertrags-Entwurf zwischen der indischen Regierung und Birma wurde vom Könige von Birma abgelehnt; letz terer wollte die Aufhebung der Monopole und den bewaffneten Schutz für die englische Resi⸗ denz in Mandalay, wie im Vertrage stipulirt, nicht acceptiren. Die Bevollmächtigten Birma's kehren in einigen Tagen nach Mandalay zurück.

Aus Stadt und Land.

st. Friedberg. Die Aufforderung Großh. Kreis⸗ amtes Friedberg an die Bürgermeistereien,Vertilgung der Blutlaus betr., in Nr. 97 des Anzeigers, ist gewiß geeignet, jeden Besitzer von Apfelbänmen zur genauesten Untersuchung seiner Bäume zu veranlassen. Die Schwierig⸗ keit des Auffindens und die große Gefährlichkeit dieses Insectes veranlassen Einsender dieses zu einer besonderen Bitte an die Lehrer des Kreises. Noch besser als die Feldschützen und Feldgeschworenen, durch die größeren Schüler als geeignete Hilfstruppen unterstützt, könnten dieselben diesen Feind der Apfelbäume aufspüren. Eine Erklärung der gefährlichen Eigenschaften dieses Inseetes und hierauf eine Exeursion in die Baumstücke, die jetzt wegen der Aberntung überall zugänglich sind, könnten hier wesentliche Dienste leisten. Besonders hat Ein sender dieses es abgesehen auf diejenigen Lehrer, welche die größeren Schulknaben unterrichten, da diese mit Leichtigkeit nöthigenfalls die Bäume besteigen und mit ihren gesunden, jungen Augen leichter das heimtückische Insekt entdecken können. Moͤchten alle Lehrer diese Bitte, die sich auf ihre Intelligenz und ihre Opferwilligkeit für das allgemeine landwirthschaftliche Interesse stützt, be herzigen und bethätigen.

Allerlei.

Beiseförth, 20. August. Dem am verwichenen Dienstag hier niedergegangenen Wolkenbruch folgte heute früh gegen 4 Uhr ein zweiter, und zwar wiederum am Wildsberg, und schädigte hauptsächlich das Hainger Feld. Auch wurde die Eisenbahnstrecke zwischen hier und Morschen in Folge dessen wieder so arg verschüttet, daß der Be⸗ trieb seit heute Morgen gestört ist und die Passagiere an derselben Stelle von einem Zug zum andern wandern müssen.

Lemberg, 21. Aug. Ueberschwemmungen verur⸗ sachten in Galizien vielseitig große Schäden. Die Albrecht bahn und die Lemberg-Czernowitzer Bahn mußten auf einzelnen Strecken den Personen und Waarenverkehr ein⸗ stellen. Dle Amtszeitung dementirt das Gerücht über den Ausbruch der asiatischen Cholera im angrenzenden Gouvernement Kaminiec.

B. Die Wasserversorgung der Stadt Friebberg.

Die Arbeiten an der neuen Wasserwerks Anlage sind in stetigem, nur durch die zeitweise ungünstige Witterung mitunter etwas gehemmtem Fortschreiten begriffen; das Maschinenhaus an der Pumpstation ist unter Dach und wird eben zur Montirung der Dampfpumpen und Kessel anlagen im Innern hergerichtet, während gleich zeitig der riesige Schornstein von Tag zu Tag mehr in die Höhe wächst. Nicht minder fleißig wird an dem in dem hinteren Theile der Burg in Ausführung begriffenen massiven Reservoir Thurm gearbeitet und scheint derselbe, so viel sich aus dem bis jetzt Fertigen ersehen läßt, ein der Burg zur Zierde gereichendes, monumentales Bauwerk von kolossalen Dimensionen zu werden. Neben diesen Hochbauten ist nun auch die An lage des Rohrnetzes bereits seit mehreren Wochen in Angriff genommen und in der Burg sowohl als auch auf der Kaiserstraße zum größeren Theile vollendet und sieht man gleichzeitig mit Legung der Rohrstränge auch die Anlage der Hauszuleitungen herstellen. Auf der Kaiser straße, wo jetzt noch an dem Rohrnetz gearbeitet wird, scheint die Betheiligung eine ziemlich all gemeine zu sein und Haus für Haus mit wenigen Ausnahmen statt zu finden; in den großentheils von weniger Bemittelten oder ganz Unvermögen⸗ den bewohnten Seitenstraßen und Nebengassen aber möchte diese Betheiligung voraussichtlich eine weniger lebhafte werden, als zu wünschen wäre, wenn nicht auch dem weniger Bemittelten ermöglicht werden kann, sich an der Wohlthat des Wasserbezugs zu betheiligen, ohne ihm eine seine Kräfte übersteigende Last aufzubürden. Um dem entsprechend vielfach geäußerten Wünschen Rechnung zu tragen, dürfte sich vielleicht em pfehlen, dem Tarif für den Bezug des Wassers einen Nachtrag beizufügen, nach welchem den weniger Bemittelten ein Minimalpreis von etwa 12 Mark verwilligt würde, wofür bis zu 30 Kubikmeter Wasser im Jahr bezogen werden könnte; ein Mehrverbrauch wie 30 Kubikmeter wäre mit 40 Pf. per Kubikmeter zu berechnen bis zur Erreichung des Normal⸗Tarifs von 25 Mark, womit dieser von selbst in Kraft träte. Hierbei könnte die Stadt Nichts verlieren, sondern nur den Beitritt all' Derer gewinnen, die mit 30 Kubikmeter und weniger genug haben und denen 25 Mark für diesen geringen Bedarf zu viel ist.

Verloosungen, ö

Freiburger(Stadt) Fr. 10⸗Loose v. 1879. Serien Ziehun 865 917 1001 1358 1369 1402 1420 1545 1583 2252 2363 2485 2606 2912 2945 3149 3466 3485 3609 4372 4779 4971 4985 5945 6240 6280 6348 7038 7060 7371 7874 7929 7971 8223 9419 9652 10025 10638. Die Gewinnziehung findet am 15. Sept. 1882 statt.

Nassauisches öproc. Staats⸗Anlehen vom Jahre 1853. Ziehung am 5. August 1882. Heim⸗ zahlung am 1. Dezember 1882. Lit. A. Nr. 18 96 116 131 192 210 233 262 279 287 302343 à fl. 1000. Lit. B. Nr. 1 119 145 179 185 187 219 284 304 329 361 369 381 382 478 505 558 584 629 633 643 657 660 662 751 759 800 947 979 984 à fl. 500. Lit. C.

Nr. 24 46 68 92 106 187 197 219 294 320 353 358

414 438 447 471 512 533 562 609 629 651 759 867 907 934 945 990 994 999 a fl. 200. 61 68 84 96 119 132 133 202 268 273 280 298 307 353 376 426 485 509 602 652 682 687 693 719 720 736 737 à fl. 100.

Handel und Verkehr.

Friedberg, 23. Aug. Wochenmarkt. per Pfd. M. 1.151.30., Eier 1 St. 6 Pf, 2 St. gr. 11 Pf.

Friedberg, 22. Aug. Fruchtbericht. Watzen M. 20½, Korn M. 16., Gerste M. 00., Hafer M. 00. Alle Preise verstehen sich auf 100 Kilo= 200 Zollpfund.

Gießen, 22. August. Wochenmarkt. Butter per Pfd. M. 0.92 1.05, Eier 1 Stück 5 bis 6 Pf., Käse per St. 58 Pf., Tauben das Paar 7090 Pf., Hühner per Stück M. 1.00 1.20, Hahnen per Stück M. 0.55 bis 0.90, Enten per Stück M. 1.30 1.60, Ochsenfleisch per Pfund 66 70 Pf., Kuh⸗ und Rindfleisch 54 60 Pf., Kalbfleisch 5054 Pf., Schweinefleisch 62-64 Pf., Hammelfleisch 60- 66 Pf., Kartoffeln 100 Kilo M. 5 bis 6.00, Zwiebeln per Ctr. 68 M.

Grünberg. Fruchtpreise vom 19. August. Waizen 16.36, Gerste M. 14.70, Hafer

M. 21.94, Korn M. M. 13.76, Erbsen M. 00.00, Lein M. 00.00, Samen M. 26.44, Kartoffeln M. 0.00.

Franfurt, 21. Aug. Viehmarkt. Fettvieh war

sehr wenig am Platze, weßhalb für dasselbe ein be-

deutender Preisaufschlag stattfand. Es wurde bezahlt bei Antrieb von ca. 360 Ochsen für feine Wnare M. 72, secunda M. 64 66, Kühe 1. Qual. M. 60 62, 2. Qual. M. 5054, Kälber je nach Qualität M. 40 bis 5 Hämmel 1. Qual. M. 62-64, secunda M. 40 bis 50.

Frankfurt, 21. Aug.(Getreide⸗Preise.) Waizen eff. htesiger und Wetterauer M. 2122, fremder M. 00, Roggen effeetiv hies. M. 16½ 17, fremder M. 00, Gerste eff. hies. und Wetterauer M. 18. 19, fremde M. 18 20½, Hafer eff. hiesiger M. 1517, fremder M. 00, Rüböl eff. ohne Faß hies. in Parthien von 50 Ctr. M. 33 ½, Branntwein eff. ohne Faß M. 45.

Seitens der Postverwaltung wird auf den Mißbrauch

hingewiesen, Briefe mit frei zu bezeichnen, ohne sie mit Marken zu versehen, dafür aber den Portobetrag in den

Briefkasten zu werfen: Solche Beträge werden alsge

funden behandelt und der Polizei-Behörde übergeben, während für den unfrankirten Brief das doppelte Porto erhoben wird.

Die kleinen goldenen Fünfmarkstücke(halbe Kronen) dürften demnächst gänzlich aus dem Verkehr verschwinden. Die Reichs bankanstalten sind angewiesen worden, die ein⸗ gehenden halben Kronen anzuhalten und nicht von Neuem in Umlauf zu setzen. Es scheint demnach, daß sich die kleinen Goldstückchen für den Verkehr als ungeeignet er⸗ wiesen haben. 0

Lit. D. Nr. 20

Butter kostete ö

D. Frankfurt a. M., 22. Aug. Das Geschäft in Creditaettien war heute wieder ein sehr erregtes und unterlagen dieselben bedeutenden Schwankungen. Der Druck auf den Cours des Effeets, das ea. 4 fl. nach- gab, ging abermals von Wien aus, wo man muthmaß⸗ lich über den Ausfall der Semestralbilanz des Instituts, welche heute Abend veröffentlicht wird, sehr ungünstige Ansichten hat. Im Laufe des Verkehrs trat jedoch wleder eine bessere Tendenz für das Effect ein, da das von Wien hierher geworfene Material willig acceptirt wurde und Creditaetien konnten sich nachbörslich ea. 5 fl. über ihren niedrigsten Stand bessern. Im Uebrigen bewahrte die Börse ihre seitherige Festigkeit. Einzelne Werthe konnten bei lebhaftem Begehr sogar nicht unbeträchtliche Avancen, erringen. Lombarden waren auf Parlser Käufe bevor zugt. Egypter wurden in großen Posten aus dem Mut genommen und hielten sich sehr fest. Gotthard waren anfangs durch einen Zeitungsartikel gedrückt, erholten sich jedoch wieder nach Notizzeit. Staatsbahn waren gefragt in Folge des Wochenplus derselben von 138,000 fl, Creditactien, gestern Abend 269, heute 267 265 ½ bie 266½ und 2698. Staats bahnactien, gestern Abend 298½, heute 288- 0⁰ und 299½. Lombarden, gestert Abend 1268, heute 126½1265/. Galizier, gestern Abend 2755/, heute 275 274% und 275½. Oesterk, Bahnen meist in fester Haltung. Gotthardaetien be wegten sich zwischen 833/8.88 und 83 ¼. Schweiger Central sind 1 matter. Deutsche Bahnen theilweist schwächer. Egypter gingen zwischen 623/162 und 621 um. Oesterr.⸗ungarische Renten fest. Russen still. Banken eher nachgebend. Anlagewerthe unbelebt. Amerikanische Prioritäten anziehend. Von Industriewerthen gewannes Alkali Westerregeln 1¼0 6, Deutsche Verlagsanstalt 0e matter. Von Wechseln Wien und Amsterdam theuerel Schweiz und Italien billiger. Privatdisconto 35/ 000%

vom 14. August 1882. Serie 96 393

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