Ausgabe 
21.11.1882
 
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verlassen darf. Krapotkin, das Haupt der Nihilisten in der Schweiz, ist in Thonon ge fährlich erkrankt.

Egypten. Kairo, 18. Nov. Nach einer Havasmeldung wird der Prozeß Arabi's sus pendirt, bis die Regierung über die Absichten Englands unterrichtet ist. Dieselbe würde vor ziehen, auf die Fortführung des Prozesses zu verzichten, falls der Urtheilsspruch angefochten werden sollte. Gerüchtweise verlautet, die egyptischen Truppen in Suez, welche nach Suakin abgehen sollten, hätten eine Meuterei angestiftet und sich geweigert, sich einzuschiffen.

Aus Stadt und Land.

Friedberg, 18. Nov. Gestern Abend nach ½6 Uhr stand am nordwestlichen Himmel ein prachtvolles blut⸗ rothes Nordlicht. Der Schein wechselte an Stärke und blieb bis gegen 6 Uhr sichtbar. Leider war die Er scheinung durch den bewölkten Himmel beeinträchtigt. Noch nach 7 Uhr war an der betr. Stelle ein mattleuch tendes weißes Licht sichtbar.

? Burg⸗Gräfenrode. Am vergangenen Samstag etwa gegen 6⅛æ br Morgens, brach hier in einer mit Stroh u. Heu angefüllten, ziemlich isolirt stehenden Scheune Feuer aus, welches dieselbe, trotzdem von hier, Groß Karben, Kaichen und Klein-Karben sehr rasche Hülfe herbeieilte, in einigen Stunden in Asche legte. Die Scheune, sowie das dazu gehörige Wohnhaus sind ein zeln vermiethet und hatte der Miether der ersteren Tags zuvor noch seine Früchte mit der Maschine dreschen lassen. Dieselben waren bei dem deutschen Phönix versichert. Das Amtsgericht zu Friedberg traf auf Bericht der hiesigen Bürgermeisterei schon am Nachmittage hier ein unb ordnete nach längerem Verhör die Verhaftung des im oben erwähnten Wohnhause wohnenden Miethers an. Derselbe sollte, wie ihm Tags zuvor schriftlich ange kündigt worden war, am Samstag exmittirt werden. Man vermuthet deßhalb, daß man es hier mit einem Akt der Rache zu tbun hat.

r. Groß Karben. Am vergangenen Samstag fand hier in der Brucker'schen Angelegenheit Zeugen-Verbör durch den Untersuchungs-Richter statt. Das Gerücht, Brucker sei inhaftirt, bestätigt sich bis jetzt nicht. Brucker ist noch bettlägerig.

Mainz, 18. Nov. Dank dem Umschlag der Witter⸗ ung begann heute Nacht das Wasser wieder rasch zu fallen; sein höchster Stand betrug gestern Abend Mtr. 4 48 und heute Mittag zeigt das Pegel schon 4.32. Nach einer hier eingelaufenen Nachricht wäre heute Nacht in der Nähe von Gernsheim der Damm gebrochen und sei die ganze Gegend dadurch unter Wasser gesetzt warden.

Gerichtssaal.

Gießen. Für daß 4. Quartal der Schwurgerichts Sitzung der Provinz Oberhessen sind zu Geschworenen bestimmt: 1) W. Noos, von Lauterbach. 2) H. Zorn, in Hochweisel. 3) Carl Schudt, Muller in Dorheim. 4) W. Goldstrom, in Borsdorf. 5) J. W. Schmidt, in Massenheim. 6) Joh. Wettzel II., in Renzendorf. 7) K. Schmidt, in Groß-Buseck. 8) L. Dern, Bürger⸗ meister in Hausen. 9) Fr. Huber I., Muller in Wissels⸗ heim. 10) A Pommer III., in Pohl⸗Göns. 11) Fr. Möller, in Eichelsachsen. 12) E. Meyer, in Münzenberg 13) Fr. Nieß, in Bobenhausen. 14) J. Korell, Kammerrath in Schlitz. 15) H. Bender I., in Dorf Gill. 16) J. Sandner, Gastw. in Gießen. 17) J. Geiß, von Windhausen. 18) Jonas Ritter, Rentner in Grünberg. 19) O. Schmitt, Rentner in Gießen. 20) W. Bechstein II., Färber in Friedberg. 21) Fr. Koch, in Stockheim. 22) W. Jacobi III., von Rodheim v. d. H. 23) G. Ph. Neuhardt, Pachter in Bingenheim. 24) H. Wagner II., in Gettenau. 25) Rasch, Bürgerm. in Freiensteinau. 26) C. Sehrt, in Engelrod. 27) G. K. Philipp II., Landw. in Watzenborn. 28) J. Schön, Gastw. in Lollar. 29) Chr. Rühl, Kaufm. in Gießen. 30) H. Kreutzer II., Landw. in Frischborn.

Handel und Verkehr.

Friedberg, 18. Nov Wochenmarkt. Butter kostete per Pfd. M. 1.001 10, Eier 1 St. 8 Pf., 2 St. 00 Pf.

Gießen, 18. Nov. Wochenmarkt. Butter per Pfd. M. 1.20 0.00, Eier per St. 78 Pf., Käse pr. St. 5 bis 8 Pf., Tauben das Paar 60-65 Pf., Hühner pr. St. M. 0.80 1.00, Hahnen per St. M. 0.65 0.90, Enten per St. M. 1.70 1.90, Ochsenfleisch per Pfd. 6670 Pf., Kuh⸗ und Rindfleisch 5660 Pf., Kalbfleisch 54 56 Pf., Schweinefleisch 62 64 Pf., Hammelfleisch 6066 Pf., Kartoffeln 100 Kilo M. 5.00 9.00, Zwiebeln per Ctr. M. 4.00, Gänse per Pfd. 46 58 Pf., Weißkraut 100 Stück M. 36.00.

Frankfurt, 18. Nov. Wochenmarkt. Es werden jetzt durchschnittlich per Woche 3500 Gänse an den Markt gebracht und verkauft. Weißkraut standen 25 Fuhren am Markt; es wurde das Hundert Gerauer zu M. 9 bis 10, Griesheimer zu M. 78 verkauft. Blumenkohl per Haupt je nach Größe 1060 Pf., die anderen Ge müsesorten zeigen nicht nennenswerthe Preisveränderung. Zwiebeln per Ctr. M. 4.255, kleine Sorte 25 Pf., per Gescheid, Knoblauch im Ctr. M. 13 14, im Viertel⸗ centner per Pfund 20 Pf., 1 Pfund 30 Pf., Nüsse per Centner M. 40. Butter, Engrospreis per Ctr. M. 103, Detailpreis per Pfd. M. 1.201.35, Eier, deutsche, per

1 p kr. M. 3 3.50, Früh⸗ kartoffeln M. 3.50 8.75, per Gescheid 12 16 Pf., Amerikaner per Ctr. M. 3.75, feine Salatkartoffeln (Mäuschen), gelbe, per Ctr. M. 8, rothe M. 7, per Gescheid 25 Pf., Honig, ausgelassener per Pfund M. 1, Rosenhonig M. 1.40. Rindfleisch per Pfund 55 Pf., Lenden M. 1.30, Hammelfleisch 50 Pf., Kalbfleisch 55 Pf., Schweinefleisch 80 Pf., ausgel. Rindsfett 60 Pf., Hahn eben sehr rar und theuer M. 1.702, Gans per Pfd. 55 70 Pf., Taube junge 70 Pf., alte 50 Pf., Capaun M. 3 3.50, Poularde M. 2 2.50, Ente M. 1.80 bis 2.50. Haas M. 4, Hasenziemer M. 3.50, Rehkeule M. 6 bis 8, Rehziemer M. 9 12, Feldhuhn altes M. 1.40, junges M. 1.80. Heu- und Strohmarkt. Die Zu fuhr bestand in 102 Wagen und wurden verkauft je nach Qualität, Heu der Doppeleentner M. 78, Stroh zu M. 4.40. Auf den Viehmarkt waren ca. 500 Stück Spansäue zugeführt und stellt sich das Pfd. auf 50 Pf.

Mainz, 17. Nov. Markt ⸗Preise. Kartoffeln per 100 Kilo M. 8.50 9.50, Heu per Ctr. M. 3.00 3.50, Stroh p. Ctr. M. 2.00 2.25, Butter ½ K. 95000 Pf., Butter in Parthien M. 0.70 0.80. Eier ½ Hundert M. 1.40 1.50, Handkäse 4 6 Pf., Rothkraut 25 35 Pf., Weißkraut M. 5.6.00, Blumenkohl 25 40 Pf., Wirsing 24 Pf., Zwiebel ½ Kilo 45 Pf., 1 Ente M. 2. 2.25, Hahn M. 1.00- 1.55, 1 Huhn M. 1.00 1.25, 1 junge Taube 3040 Pf., 1 Feldhuhn M. 1.25 1.50, 1 Hase M. 3 25 3.75. Frucht⸗Markt. Waizen hiesiger und fremder M. 18.00 21.00, ungar. M. 21.50 22.50, Roggen hies. M. 15.00 16.20, franz. M. 15.75 16.25, Gerste hiesige M. 15 16.20, Franken M. 15 16, ungar. M. 19.00 21.50, Hafer M. 12.25 14.75, Reps M. 30.75 31.50, Rüböl M. 33 8033.80, eff. ohne Faß M. 34.20 34.40, per Mai mit dito M. 34.15 34.25. Viehmarkt vom 10. bis 16. November. Zugetrieben waren: 20 Farren, per 50 Kgr. M. 53., 92 Ochsen 1. Qual. M. 73, 2. Qual. M. 68, 264 Kuͤhe 1. Oual. 65, 2. Qual. M. 54 64, 180 Kälber M. 60-65. 362 Schweine M. 5864 per 50 Kgr.

Repertoir⸗Entwurf der vereinigten Stadt⸗ Theater in Frankfurt. Opernhaus.

Dienstag den 21. Nov. Fidelio.

Mittwoch den 22. Nov. geschlossen.

Donnerstag den 23. Nov. zum erstenmale: Alona. Ro mantische Oper in 3 Akten von Wilhelm Hill. Text von Otto Prechther.

Freitag den 24. Nov. geschlossen.

Samstag den 25. Nov. zum ersten Male wiederholt: Alona.

Sonntag den 26. Nov. Königin von Saba.

Montag den 27. Nov. Volksvorstellung bei ermäßigten Preisen: Der fliegende Holländer.

Schauspielh aus.

Dienstag den 21. Nov. Der Veilchenfresser.

Mitwoch den 22. Nov. zum ersten Male wiederholt: Die Rantzau.

Donnerstag den 23. Nov. geschlossen.

Freitag den 24. Nov. Die Rantzau.

Samstag den 25. Nov. zum ersten Male: Opfer um Opfer. Schausptel in 4 Akten von C. Wildenbruch.

Sonntag den 26. Nov. zum ersten Male wiederholt: Opfer um Opfer.

Haämorrhoidalanlagen des Menschen.

Die verworrenen und irrthümlichen Ansichten über die Hämorrhoiden zu klären und zu berichtigen, war der neueren Zeit vorbehalten. Nach dem heutigen Stande der Wissenschaft kann man die Hämorrhoiden nur als eine Blutentmischungskrankheit ansehen, die ihrem Wesen nach in einem Uebermass, von Kohlen- stoff im Blute besteht. Eine erbliche Anlage kann nicht geleugnet werden, ebenso bestimmt ist aber auch, dass die Lebens weisse einen bedeutenden, wir möchten sagen einen selbst noch entschiedeneren Einfluss auf die Ausbildung der Krankheit ausübt. In dieser Be- ziehung sind insbesondere sitzende Arbeit mit zusam- mengepresstem Unterleib und vorgebeugtem Oberkörper, Mangel an Bewegung in freier Luft, Aufenthalt in schlechter, dumpfer Stubenluft, schwer verdauliche Nahrung, angestrengte geistige Arbeit, niederdrückende Gemüthsbewegungen, Vernachlässigung einer geeigneten Pflege der Haut u. s. W. anzuführen und hierin findet denn auch das leider so häufige Vorkommen der Krank- heit eine genügende Erklärung. Gleich allen anderen Discrasien entwickeln sich auch die Hämorrhoiden in der Regel nur langsam. In ihrem Verlaufe lassen sich zwei sehr deutlich von einander unterscheidbare Stadien nach weissen, das Stadium der Vorboten und das der entwickelten Krankheit. Einer näheren Beschreibung der die bereits entwickelte Krankheit begleitenden Erscheinungen können wir uns wohl entheben, da die- selben allgemein bekannt sind. Dagegen dürfte es dem Zwecke unserer Abhandlung entsprechen, den in dem Stadium der Vorboten auftretenden Erscheinungen eine kurze Betrachtung zu widmen, da gerade dieser Zeitpunkt der geeignetste zur Heilung der Krankheit ist. Die ersten Erscheinungen sind immer solche einer gestörten Verdauung: Appetitlosigkeit mit momentaner Esslust, Magendruck, Säure- und Luftentwickelung, daher Aufstossen, Sodbrennen, stets belegte Zunge, unregelmässiger Stuhlgang, ein- bis zweitägige Ver- stopfung, dann wieder Durchfälle mit momentaner Er- leichterung, ein Gefühl von Druck, Brennen zwischen Magen und Nabel, Spannung und Auftreibung des

bei heissen Händen, Blutandrang nach Kopf und Bru Gemüthsverstimmung, Neigung zu Aerger, Zorn un Hypochondrie. Treten diese Erscheinungen auf, süume man nicht, ihnen zu begegnen; je frühzeitige die Heilung angestrebt wird, desto sicherer ist der Br folg, desto rascher ist die Heilung zu erwarten und hierzu ist in der auf langjährige, reiche Hospitalthätig keit beruhenden Regenerationskur nach Dr. Liebaut welche in einer Broschüre gleichen Titels ausführlich niedergelegt ist, Jedem das zuverlässigste Mittel ge.

boten. Die Broschüre ist in der W. Erras'schen

Buchhandlung in Frankfurt a. M. 4 50 Pfennig 20

beziehen. 3808 Für die

Ueberschwemmten in Tirol und Kärnthen sind welter eingegangen: Von Professor Dr. Diegel 5 M. Berginspector Müller in Weckesheim 5 M., Taubst. Lehrer Rühl 3 M., J. C. 50 Pf., J. Diener, Ockstadt 2 M., H. S. 10 M.

Pfennig ⸗Sparkasse.

Sammelstellen. Einlagen. Betrag. M Yf.

Bestand am 1. Juni 1882 sammt Zinsen 16388 Ot Uebertrag vom 11. Nov. 14006 90410 35 1. C. Bindernagel. 66 43 10 W Bernie 187 115 50 8.) Ph Bills. 149 86 20 4. Th. Kranz; 100 68 35 5. H. Flaschenträger 112 711 ä 14590 25814 20

Uebertrag am 1. Juni 1882 Einleger 978. Uebertrag vom 11. Nov. neue Einleger 127. Neue Einsege?: Gesammt⸗Einleger 1110. Friedberg den 18. November 1882. Haupt⸗Sammelstelle: Vorschuß und Credit⸗Verein, e. G.

Bekanntmachung,

die Wahl eines Mitgliedes des Vorstandes

der israel. Religionsgemeinde zu Friedberg

betreffend.

3819 Die Abstimmung zur Wahl eines Mitgliedes des Vorstandes der israel. Religtonsgemeinde zu Friedberg an Stelle des austretenden Herrn Ludwig Grödel soll nach Maßgabe der Wahl-Ordnung vom 14. Juni 1872 Freitag den 24. l. Mts., Vormittags von 9 bis 12 Uhr und

Nachmittags von 2 bis A4 Ühr, in dem Rathhause zu Friedberg stattfinden.

Alle Diejenigen, welche zur Theilnahme an dieser Wahl berechtigt und in die von dem Vorstande unterm 2. l. Mts. aufgestellte Liste aufgenommen sind, werden hiermit eingeladen, sich zur Ausübung ihres Wahlrechts um dle vorbemerkte Zeit in dem Wahllocale einzufinden. Die in dieser Liste als Steuerrestanten bezeichneten Per⸗ sonen können jedoch zur Wahl nur dann zugelassen werden, wenn ste durch Vorlage ihrer quittirten Steuerzettel nachweisen, daß sie das letzte fällig gewesene Ziel der tsraelitischen Gemeindesteuer bezahlt haben.

Bemerkt wird noch, daß gemäß§ 8 der Wahl⸗Ord⸗ nung nur solche Stimmzettel angenommen werden können,

im Wahllocale geschrieben worden sind. Außerhalb des Locals geschriebene Stimmzettel werden nicht berücksichtigt. Fried berg den 18. November 1882.

Der Wahl⸗Commissär

Mahr, 3819 Kreisamtsgehülfe.

Oeffentliche Aufforderung.

Ansprüche an die in der Gemarkung Ober- Wöllstadt gelegenen, auf den Namen des Jacob Ulrich stehenden Immobilien, Flur 1. Nr. 51. 52. 497, sind sogewiß binnen 4 Wochen dahler geltend zu machen, gegenfalls dem Antrage auf Löschung der Vormerkungbeschränkt bei diesen Parzellen stattgegeben werden wird. Friedberg am 7. November 1882. Großherzogliches Amtsgericht Friedberg. Sellheim.

Hohenstein 5 Hülfsgerichtsschrelber.

Ankauf eines Faselochsen.

Die Gemeinde Stammheim beabsichtigt einen eireg Jahre alten Faselochsen, Berner Race, anzukaufen. Besitzer solcher Thiere werden ersucht, portofreie Mit⸗ theilungen uns darüber zukommen zu lassen. Stammheim am 18. November 1882.

Großherzogliche Bürgermeisterei Stammheim, 3816 Becht.

Haarzöpfe

Unterleibs, unbehagliches Gefühl zu beiden Seiten des

werden dauerhaft angefertigt be! Simon Ruppel, 3835 Usagasse.

welche von den vorbereiteten Stimmzetteln gezogen und