Ausgabe 
21.9.1882
 
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vention irgend einer Macht acceptiren. Man glaubt, die Pforte werde in dieser Angelegenheit ein Memorandum an die Mächte richten.

Griechenland. Athen, 17. Sept. Der Austausch des Protokolles, betreffend den Ab schluß eines Waffenstillstandes zwischen den bei den letzten Grenzconflieten betheiligt gewesenen türkischen und griechischen Truppenkörpern ist endlich erfolgt. Die beiderseitigen Truppen wer den die streitigen Positionen räumen.

Egypten. Alexandrien, 18. Sept. Der Ministerrath ist mit der Vorbereitung des De crets, betreffend die Entlassung der egyptischen Armee beschäftigt. Zwanzig Personen, darunter Bifaat⸗Bey und Hassan Mussa-el-Akad, welche bei der Rebellion eine Hauptrolle spielten, wur den in Kairo verhaftet; mehrere andere Rädels führer befinden sich aber noch in Freiheit. 6000 Fellahs sowie die Mannschaften zweier Cavalerie Regimenter und mehrerer Batterien sind in Kafr el⸗Dowar entwaffnet worden. Am Dienstag geht der erste Zug mit Beamten verschiedener Verwaltungszweige nach Kairo ab. Tantah ist von den Engländern besetzt worden. Die Nach richt von der Plünderung der Stadt Mansurah bestätigt sich nicht. Die egyptischen Truppen in Salalieh haben sich auf Damiette zurückgezogen; Arabi's eigenes Regiment ist daselbst, von Abukir kommend, eingetroffen. Da nun die Panzerschiffe wegen ihres Tiefgangs nicht nahe genug an Damiette heran können, sollen Kanonenboote die Position blokiren und ein Landangriff gemacht werden. 19. Sept. Abdellal erklärt in einer heute hier eingegangenen Depesche, er hätte niemals die Absicht gehabt, den Befehlen des Khedive keinen Gehorsam zu leisten; er sei be reit, sich zu unterwerfen und erwarte dement sprechende Befehle. Die Besatzung der Stadt Abukir in der Stärke von 4000 Mann, hat die Waffen niedergelegt. Am Dienstag werden sich die Forts, welche von 6000 Mann besetzt sind, ergeben.

Aus Stadt und Land.

H. Vilbel. Dieser Tage gelang es dem hiesigen Gensdarmen Hinterland in Gemeinschaft mit dem in Bergen stationirten Gensdarmen Roex nach rastlosem Recherchiren den seit vorigem Jahre desertirten Uhlanen Schückling in Nieder⸗Dorfelden zu verhaften. Derselbe war bei dem in Bamberg garnisonirenden 1. baierischen Ulanenregiment eingezogen worden. Bei einer von ihm provocirten ausgedehnten Schlägerei brachte er einem Unteroffizier eine erhebliche Körperverletzung bei, die den Tod desselben zur Folge hatte. Aus Furcht vor der Strafe desertirte Schückling und trieb sich in der Um gegend von Hanau als Taglöhner ꝛc. unter dem Namen Schilling umher. Seine letzte Stelle war seit Ende! vorigen Jahres bei Pachter Hofmann in Nieder-Dorfelden. Hier fanden die genannten Gendarmen den Deserteur und verhafteten ihn.

H. Vilbel. Bei dem in Darmstadt veranstalteten Preissuchen von Hühnerhunden bekam Forstwart Lang dahier für seinen ausgezeichneten Hühnerhund in der vierten Suche den II. Preis mit 100 Mark.

H. Massenheim. Bei der neuen Bürgermeister wahl wurde H. W. Schmidt mit 33 Stimmen zum Bürgermeister gewählt. Der Gegencandidat erhielt 21 Stimmen. 7 Stimmberechtigte enthielten sich der Ab stimmung.

Darmstadt. Die landw. Landesausstellung wurde letzten Samstag Nachmittag in feierlicher Weise eröffnet und waren zu diesem Aet die ganze Großherzogliche Familie, die Spitzen der Behörden, sowie ein zahlreiches Publikum erschienen. Ministerpräsident v. Starck wies in einer kurzen Ansprache an den Großherzog, den Pro tector des Unternehmens, darauf hin, aus welch be scheidenen Anfängen vor 50 Jahren das Ganze ent⸗ standen, wie die heutige Ausstellung Dank der nunmehr reich gewährten Mittel ein vollendetes Bild der Leist ungen der Landwirthschaft, einschließlich des bei uns zu boher Blüthe gelangten landw. Genossenschafts- und Unterrichtswesens gewähre. Nachdem sodann der Groß herzog den Befehl zur Eröffnung gegeben, erklärte der Präsident der landw. Vereine, Gebeimerath Goldmann, die Ausstellung für eröffnet und brachte ein mit Be geisterung aufgenommenes Hoch auf ihren Protector aus. Die Großherzogliche Familie unternahm nun einen mehr als dreistündsgen Rundgang und besichtigte die einzelnen Ausstellungsobjekte auf's Eingehendste. Was die Aus stellung selbst anbelangt, so hat dieselbe die kühnsten Er wartungen weit übertroffen und wetteifert das decorative Arrangement mit dem reichhaltigen, alle Zweige und Gebiete der Landwirthschaft umfassenden und erschöpfenden Inhalt. Von den bis jetzt bekannt gewordenen Prämlir⸗ ungen entfallen auf Oberhessen J. Geflügel. Für Gänse: erster Preis: Bürgerm. Weber in Londorf. II. Schlacht⸗

vieh und zwar für Rindvieh: erster Preis: Gräflich

Görtz'sche Guts-Verwaltung in Schlitz. Für Schafe: zweiter Preis: Fürstl. Solms'sche Guts-Verwaltung in Lich. III. Forstwissenschaft. Ehrenpreis: Wimmenauer in Lich. IV. Bienenzucht. Ehrenpreis: H. Keck in Lich; erster Preis: v. Gehren in Gießen, J. Scheuner in Bruchen⸗ brücken. V. Seidenbau. Medaille: Kilian in Calbach. VI. Produkte des Pflanzenbaues. 1. Feld- und Wiesen⸗ bau. Erster Preis: Landwirthsch. Kränzchen in Alsfeld. Zweiter Preis: Landw. Kränzchen in Stockhausen und Freiherrl. Riedesel'sche Gutsverwaltung in Stockhausen. Vierter Preis: Landw. Bezirksverein in Büdingen und J. Weller in Maar. 2. Weidenbau. Zweiter Preis: Flechtschule in Alsfeld. 3. Obstbau. Zweiter Preis: Baumschule Herrnhaag b. Büdingen, Ch. Diehl in Bleichen bach. Achter Preis: Pomologischer Garten der Ackerbau schule in Friedberg. Abtheilung IX. Landwirthschaftl. Bauwesen. Landesculturtechnik. Medaille: Val. Greb in Friedberg, H. J. Hahn in Melbach, C. Höhler in Gießen, C Völzing in Friedberg. Landw. Unterrichts⸗ wesen inel. Lehrmittel. Geldpreis: 75 M. Fr. Fuende⸗ ling in Friedberg.

Allerlei.

H. Gronau. In der Nacht vom letzten Samstag auf Sonntag brannten hier ein Wohnhaus und zwei Scheunen ab.

Cannstatt, 19. Sept. Die hiesige Gegend ist von einer großen, noch nicht dagewesenen Ueberschwemmung heimgesucht. Der Neckar ist fortwährend im Steigen und weiteres Steigen wird noch von allen Seiten her telegraphisch gemeldet. Der angerichtete Schaden ist jetzt schon ein ungeheuerer. Heute Morgen ist ein Mann er⸗ trunken. Heute Mittag versuchte der an der Mllitär schwimmanstalt eommandirte Lieutenant v. Marstaller mit einem Boot überzusetzen, wobei der Nachen umschlug. Sein Begleiter wurde mit großer Anstrengung von einem Schiffer gerettet. Die Bemühungen, den Offizier zu retten, blieben jedoch fruchtlos.

Wien, 18. Sept. Depeschen aus Südtirol signali⸗ siren beträchtliche, bereits auf 2 Millionen bezifferte Schäden an Brücken, Bahndämmen, Straßen und Häusern in Folge des durch fortdauernde Regengüsse veranlaßten Austrittes der Flüsse und Wildbäche. a

Luzern. Der Verkehr der Gotthard-Bahn wird immer bedeutender, so daß jetzt schon im Tunnel zwischen Göschenen und Airolo ein zweites Geleise gelegt wird. Auch haben sich in Folge der Eröffnung des neuen Schienen weges in Brunnen am Vierwaldstädter See eine große Anzahl Viehhändler niedergelassen, welche den Export von italienischem Vieh nach Süd-Deutschland und Eng⸗ land vermitteln.

Rom, 18. Sept. In Folge von Wolkenbrüchen sind die Etsch, Brenta, Piave und andere Flüsse Lombardo Venetlens ausgetreten. In Verona wurden die Brücken weggeschwemmt. Die Stadt ist vollkommen überfluthet. Die Wasserhöhe vom Jahre 1868 ist bereits um 85 Centi⸗ meter überstiegen. Po, Arno und der Tiber haben bis⸗ her kein drohendes Steigen gezeigt.

Kiew, 18. Sept. In der städtischen Creditgesell⸗ schaft wurde ein Unterschleif von 322,000 Rubel entdeckt. Der Kassirer und der Vice-Direetor werden als Schuldige bezeichnet.

Gerichtssaal.

88. Attien⸗Zucker⸗Fabrik Wetterau zu Friedberg.

Nachdem nunmehr der Vorstand der Zucker⸗Fabrik Wetterau über die Abtretung des nöthigen Geländes zur Erbauung einer Zucker Fabrik bei Friedberg sich be⸗ züglich des Preises mit den betreffenden Besitzern geeinigt hat, erscheint es wohl angezeigt, einmal die Vorthetle und Nachtheile etwas näher zu beleuchten, welche das Project bei Friedberg und das nachträglich von einigen Herren empfohlene Projeet bei Groß Karben für und gegen sich hat.

Wäre die Fabrik nach Groß-Karben gebaut worden, dann hätte dieselbe allein, abzüglich der dem Projeete bei Groß⸗Karben durch die in der Nähe liegenden Orte zu Gute kommenden Frachten noch ea. M. 11,500. per Jahr mehr für Bahnfrachten auf Rüben und Kohlen bezahlen müssen, als wenn die Fabrik in die Nähe von Friedberg gebaut wird. Von den 1525 Morgen Rüben, welche bis jetzt auf Grund der Statuten definitiv ge⸗ baut werden, müssen nämlich ea. 415 Morgen ihre Rüben per Fuhre in die Friedberger Fabrik liefern, also andern⸗ falls die Fracht von hier bis Groß Karben mit M. 10. per Doppel-Waggon bezahlen, dagegen würden aber etwa von 84 Morgen die Rüben event. in die Groß⸗Karbener Fabrik per Fuhre geliefert werden, welche Frachterspar⸗ niß der letzteren Fabrik zu Gute käme. Nach Abzug

dieser 84 Morgen bleiben deßhalb zu Gunsten der Fried⸗ berger Fabrik noch 331 Morgen, welche bei einem Ertrag

*

von 150 Centner pro Morgen: 248 Doppel: Waggon, und deshalb eine Frachtersparniß gegen Groß Karben, à M. 10. per Waggon, die Summe von M. 2480.

ausmachen würden. Ferner müssen in die Friedberger Fabrik die Rüben von ca. 771 Morgen auf den ver schiedenen Stationen der Main-Weser- und Fried berg; Hanauer-Bahn eingeladen werden, dagegen event. für Groß-Karben der Ertrag von ca. 162 Morgen auf den Stationen Dortelweil, Vilbel und Bonames, und würden dann, nach Abzug dieser 162 Morgen, noch ea. 609 Morgen zu Gunsten der Fabrik bei Friedberg verbleiben, welche bei einem Ertrag von 150% per Morgen, ein Quantum von ca. 457 Doppel-⸗Waggon liefern würden. dabei in Betracht kommenden Tarifsätzen für durchgehen

den Verkehr betrüge die Frachtersparniß für die hiesige Fabrik nur ea. M. 4. per Doppel-Waggon, demnach

für fragliche 457 Waggon eine Summe von M. 1828.,

Da die ca. 400% betragenden Rückstände statutengemäß wieder franco an die Aufgabe-Station zurückgelieferl

Bei den

werden, würde die Fabrik hier weitere ca. M. 1728.

an Fracht dafür sparen.

Nimmt man nun an, daß im Lauf der nächsten Jahre

der Rübenbau der Actionäre inel. der sog. Kaufrüben sich nur um 500% steigert,(die Fabrik wird für den doppelten Betrieb gebaut), dann erhöht sich die Fracht ersparniß, wenn der Rübenbau in den verschiedenen Gegenden gleichmäßig zunimmt, zu Gunsten der Friedberger

Fabrik ebenfalls um 50%, also um ca. M. 3015. Zur Verarbeitung des Ertrags von 1525 Morgen Rüben

werden nach Angabe von Sachverständigen per Tag etwa 6 Doppel-Waggon Steinkohlen, also in der etwa 100 Tage dauernden Campagne 600 Doppel-Waggon

Kohlen gebraucht, wovon der Waggon je nach Ent⸗

fernung der betreffenden Zeche, eine Mehrfracht nach Groß-Karben durchschnittlich von M. 2.75 zu bezahlen hat, mithin die Differenz M. 1650. und eventuell bei 50% Mehrbau von Rüben die Summe von M. 2475. betragen würde.

Es würden also im Ganzen zu Gunsten der Fabrik in Friedberg gegen Groß-Karben allein an Bahnfrachten die schon angeführte Summe von circa M. 11,500. gespart werden.

Von den vielen anderen Ersparnissen und Annehm⸗ lichkeiten, welche für die hiesige Fabrik sprechen und die ziffermäßig nicht genau zu normiren sind, ist nicht zu vergessen, daß in Groß-Karben wohl eine größere Ar⸗ beiterwohnung gebaut werden müßte, welche hier jeden falls nicht nöthig wäre. Hospital, Aerzte, Apotheken und gute Schulen sind hier am Platze und bieten den Beamten und Arbeitern unverkennbare Vortheile, ebenso würde Friedberg in Betreff der Beleuchtungs- und Wagen⸗ rangirfrage gegenüber Groß-Karben zweifelsohne auch ersichtliche peeuniäre Vortheile bieten. Auf der anderen Seite ist freilich nicht zu leugnen, daß die Herbeischaffung des zur Fabrikation nöthigen Wassers(3 ebm pr. Min.) für die hiesige Fabrik(sollte sich dasselbe aus mehreren auf dem Fabrikterrain etwa zu erbauenden Brunnen für unzulänglich erweisen) theurer sein würde, als in Groß⸗ Karben. Da in Groß-Karben das nöthige Wasser, frei⸗ lich eine kürzere Strecke wie hier, von der Nidda in die Fabrik geleitet, und dann mit Dampfkraft gehoben werden müßte, so würde das Anlagekapital einer Pump⸗ station für Friedberg aus der Wetter nach ungefährer Berechnung von Sachverständigen, dasjenige einer Wasser⸗ leitung in Groß Karben um ca. M. 60,000. übersteigen. Rechnet man davon für Zinsen und Abschreibung auf das Maschinenhaus ꝛc. ca. M. 6000., ferner den Ver⸗ brauch von Steinkohlen für 100 Tage, per Tag M. 30., zu M. 3000. und endlich für Maschinist und Heizer für 100 Tage à 10 M. zu M. 1000., dann würden die ganzen Extraausgaben für die Pumpstation pro Jahr etwa rund M. 10,000., die Vortheile für die Anlage der Fabrik bei Friedberg dagegen, wie angegeben eg, M. 11,500. betragen, und konnte es nicht zweifelhaft sein, daß der Aufsichtsrath im Interesse der Aetien⸗ Gesellschaft die Vortheile einer Anlage bei Friedberg erkennen, und das aufgetauchte Projeet für Groß-Karben nicht weiter in Betracht ziehen würde.

So hat denn auch, wie uns mitgetheilt wird, der Vorstand der Aectien-Gesellschaft in richtiger Würdigung obwaltender Verhältnisse bereits am letzten Samstag das nöthige Terrain für die Fabrik bei Frledberg angekauft, und hoffen und wünschen wir, daß die Fabrik nunmehr baldigst in Angriff genommen und zum Segen für unsere ackerbautreibende Gegend prosperiren möge!

Handel und Verkehr.

Friedberg, 20. Sept. Wochenmarkt. Butter kostete per Pfd. M. 1.101.20, Eier 1 St. 6 Pf, 2 St. gr. 11 Pf.

Friedberg, 20. Sept. Fruchtbericht. Waizen M. 20, Korn M. 16., Gerste M. 00., Hafer M. 00. Alle Preise verstehen sich auf 100 Kilo= 200 Zollpfund.

Grünberg. Fruchtpreise vom 16. Sept. Walzen M. 19.02, Korn M. 15.62, Gerste M. 13.72, Hafer M. 11.34, Erbsen M. 00.00, Lein M. 00.00, Samen M. 27.28, Kartoffeln M. 6.70.

Gießen, 19. Sept. Wochenmarkt. Butter ver Pfd. M. 1.10 1.12, Eier 1 St. 6 0 Pf., 2 St. 00 Pf., Käse per St. 58 Pf., Tauben das Paar 4070 Pf., Hühner per Stück M. 1.00 1.50, Hahnen per Stuͤck M. 0.45 bis 0.80, Enten per Stück M. 0.00 0.00, Ochsenfleisch per Pfund 6670 Pf., Kuh- und Rindfleisch 56 60 Pf., Kalbfleisch 5054 Pf., Schweinefleisch 6264 Pf. Hammelfleisch 60 66 Pf., Kartoffeln 100 Kilo M. 6 bis 8.00, Zwiebeln per Ctr. 67 M., Gänse M. 00.

Frankfurt, 18. Sept. Frankfurter Produktenbörse. (Officielle Notirungen.) Waizen still, eff. biesiger und Wetterauer M. 20. ½ 3, fremder M. 21½. /, 5

1 pf 110 0