Griechenlands und die Vorgänge an der thessa— lischen Grenze und weiter die jüngst telegraphisch signalisirten mehrfachen blutigen Zusammenstöße zwischen Montenegrinern und Albanesen, welche sogar schon einen montenegrinischen Protest an die Pforte und eine Anrufung der europäischen Intervention seitens Montenegros zur Folge ge— habt haben, so wird man zugeben müssen, daß es an Zündstoff wieder einmal nicht fehlt und daß es an verschiedenen Punkten der Balkan— halbinsel nichts weniger als friedlich aussieht.
— Der„Nordd. Allg. Ztg“ zufolge ist das Befinden der Kaiserin wesentlich unverändert. Die Kaiserin muß den größten Theil des Tages noch liegend zubringen; der Gypsverband konnte jedoch entfernt werden. Die Heilung der er⸗ littenen Contusionen nimmt nach Aussage der Aerzte einen vollkommen befriedigenden Verlauf.
— Die„Kreuzzeitung“ dementirt die Nach— richt, daß die Stellung des Ministers v. Putt— kamer erschüttert sei.
— Die Urtheile der offiziellen Welt über die neue Situation in Egypten lauten wesentlich verschieden von denjenigen der Mehrzahl der Blätter. Die deutsche Reichsregierung miß— gönnt England seinen Waffenerfolg umsoweniger, als sie denselben ja ganz bestimmt vorausgesehen hat. Auch über die weitere Gestaltung der Verhältnisse macht sich eine durchaus nüchterne Auffassung geltend. In diplomatischen Kreisen glaubt Niemand, daß England sich die Feind— schaft, oder auch uur Eifersucht anderer Mächte auf den Hals laden, sondern daß es trotz aller widersprechenden Auslassungen einzelner Londoner Blätter ehrlich seine Zusagen in Betreff der gemeinschaftlichen Entscheidung über das definitive Schicksal Egyptens einlösen werde.
Dresden, 14. Sept. Der Kaiser ist heute Nachmittag, vom König Albert empfangen, hier eingetroffen und hat seinen Einzug in die fest⸗ lich geschmückte Stadt unter Glockengeläute und enthusiastischen Begrüßungen seitens des Publi— kums gehalten.
Metz. Nachdem durch die Fertigstellung des Forts Eloy bei dem Dorfe Woippy der Ring der Außenseite von Metz geschlossen worden ist, hat der Kaiser diesem Fort den Namen „Fort Hindersin“ beigelegt, zum Andenken an den verstorbenen General v. Hindersin, welcher im Kriege 1870/71 General-Iuspecteur der Artillerie war.
Ausland.
Oesterreich-Ungarn. Wien. Die erste Aufregung über den großen Sieg der Eng⸗ länder in Egypten hat sich vollständig gelegt, namentlich in amtlichen Kreisen macht sich eine durchaus ruhige Auffassung der Lage geltend. Ob nun die englisch⸗türkische Militärconvention wirklich noch zum Abschluß gelangt oder nicht, jedenfalls meint man hier, die britische Regierung werde sich von den Einflüsterungen der„Times“ und der„Daily News“ nicht beirren lassen und ihre officiellen Erklärungen bezüglich der ge— meinsamen Lösung der egyptischen Frage ein— halten. Bisher hat man gar keinen Anlaß, daran zu zweifeln.
— Die Verhandlungen über das gemein— schaftliche Budget in Pest beginnen am 23. Sept.
Triest, 15. Sept. Heute früh hielt die Polizei Haussuchungen bei dem Redacteur des „Eco del Popolo“, Eugen Salvandor, bei Pro— fessor Gregor Draghuchio, Johann Marcovich und Angelo Donaggio und verhafteten hierauf dieselben.
— 17. Sept. Eine einem Reisenden ge— hörige Casette, welche unter verdächtigen Um⸗ ständen über die Grenze gebracht werden sollte, wurde von der Bezirksbehörde bei Ronchi be— schlagnahmt. In derselben wurden zwei Bomben vorgefunden. Der Reisende wurde verhaftet.
Frankreich. Paris. Die„France“ er⸗ klärt bestimmt, der Congreß werde bald in Rom stattfinden und sofort die Neutralität des Suezcanals discutiren.
Großbritannien. London.„Times“ meint, Arabi sei ein politischer Uebelthäter und
müsse als solcher behandelt werden, nicht als gemeiner Verbrecher. England könue jetzt groß— müthig handeln, doch dürfe es Arabi nicht gestattet werden, in Egypten zu bleiben oder sein Asyl in Constantinopel zu suchen.
Dublin, 14. Sept. In Kilbarron, bei Feakle, wurde gestern Abend auf den Pächter Michael Donnellan in der. Nähe von dessen Haus aus einem Graben heraus geschossen. Die Schüsse gingen jedoch fehl. Als der That verdächtig wurden Francis und Luke Delahunty verhaftet, da der Bruder des Pächters beide von dem Ort der That hatte wegschleichen sehen.
Türkei. Constantinopel, 15. Sept. Die Pforte ist zufolge der Ereignisse in Egypten entschlossen, sämmtliche Bedingungen Dufferins ohne Weiteres zu acceptiren, damit die Unterzeich— nung der Convention nicht länger verzögert werde.
Griechenland. Athen. Der griechisch— türkische Grenzeonflict dauert fort. Griechenland ist entschlossen, auf seinem Standpunkt zu beharren.
Montenegro. Cettinje, 12. Sept. Sämmt⸗
liche Montenegriner, welche bei den Befestig— ungsarbeiten in der Crivoscie beschäftigt waren, sind in Cattaro eingetroffen und haben sogleich ihre Reise nach Montenegro fortgesetzt. Mon— tenegro stellt einen Militärcordon an der Grenze gegen Albanien auf. Rußland. Petersburg, 17. Sept. Der Geheime Staatsrath Fürst Wolkonsky ist zum Gehülfen des Unterrichtsministers ernannt.— Der japanische Prinz Avissuga wurde gestern vom Kaiser in Peterhof in feierlicher Audienz empfangen. Der Prinz überreichte dem Thron⸗ folger den höchsten japanischen Orden.
Egypten. Alexandrien, 16. Sept. Arabi Pascha wurde bei seiner Ankunft in Kairo vom Polizeipräfekten arretirt und der englischen Ca— valerie, welche um sieben Uhr gestern Abend eintraf, überliefert. Die Infanterie erreichte Kairo heute Morgen. Die Pioniere repariren die Eisenbahn und den Telegraph nach Kairo bei Millaha. Ein bei Tel-el-Kebir gefangener egyptischer Arzt berichtete, daß während Arabi auf der Eisenbahn nach Zagazig entfloh, von einem seiner eigenen Offiziere auf ihn geschossen wurde; ein anderer Offizier, welcher zugegen war, sagte aus, Arabi sei verwundet. 10,000 Mann Egypter haben die Waffen gestreckt. Der Generalstab ist nach Kairo abgereist. Die Ein— geborenen haben überall den Engländern den besten Empfang bereitet und ihre Unterwürfig— keit betheuert. Kafr-el⸗Dowar ist von General Sir Evelyn Wood besetzt. Tulba und Arabi Pascha sind in schwerem Gewahrsam in Kairo. Die Garnison von Damiette hat die Uebergabe angeboten. N
— 17. Sept. Arabi ergab sich an General Macpherson mit den Worten: Ich bin Arabi Pascha, dies hier ist Tulba Pascha. Arabi richtete ein Schreiben an den Khedive, worin er bat ihm das Unglück zu verzeihen, das er über Egypten gebracht. Kurschid Pascha, Comman⸗ dant von Abukir, erklärt sich bereit, das Fort zu übergeben. Die Erdwerke bei Kafr-el— Dowar sollen geschleift werden. Die Besatzung besteht aus 9000 Mann, weitere 6000 Mann stehen bei Abukir und Mex. Es sind dies meistens alte gediente Mannschaften, während die Truppen bei Tel⸗el⸗Kebir fast ausschließlich aus Rekruten bestanden. Dem Khedive zu— gegangenen Nachrichten zufolge hat Abdelial, Commandant von Damiette, es abgelehnt, sich zu unterwerfen. Abdelial soll über 5000 Mann Schwarze verfügen.
— 17. Sept. Mahmud Bahrudi Pascha wurde gestern Abend verhaftet, als er sich mit einem Wagen nach Shubra begeben wollte. Ebenso sollen Hassan Pascha, Cheri, Minister der Wakufs unter Arabi, und der ehemalige Direktor des Octroi's in Alexandrien, Bartowley, verhaftet sein. Der Journalist Isaac Abid, Untersecretär der Notabelnkammer, ist verbannt und an Bord eines Schiffes gebracht worden.
— 17. Sept. Fort Aslam, eine halbe
Stunde von Kafr-el⸗Dowar entfernt, hat heute
sich ebenfalls dem General Wood übergeben, Alsbald nach Eintritt in das Fort frug General Wood, wo sich ein gewisser Porlucci, ehemaliger Offizier der italienischen Marine, befinde, der das Schiff„Kastelfidardo“ verlassen habe, um mit den Rebellen gemeinsame Sache zu machen. Nach einigem Zögern wurde Porlucci in der
Uniform eines egyptischen Offiziers vor General
Wood geführt, welcher denselben zu einem armirten Zuge schickte, der zum Schutze der behufs Aus⸗ besserung der Eisenbahn engagirten Arbeiter in einiger Entfenung von Kafr-el-Dowar aufgefahren war. Darauf nahm General Wood die Unter— werfung der egytischen Offiziere entgegen. a
Kairo, 17. Sept. Die Stadt ist ruhig; die Bevölkerung legt eine freundliche und willige Haltung an den Tag. Die Ciwilverwaltung wird durch egyptische Behörden geführt. Fast die gesammte englische Expeditionsarmee wird hierher kommen. Die Truppen werden in der Citadelle und den Kasernen, sowie in Kafreel⸗ Nil und Massich untergebracht werden. Mit dem General Wolseley hat auch der General— stab das Palais Abdin bezogen. Sofort nach
Ankunft des Khedive in Kairo folgt die Bildung
eines regelmäßig zusammengesetzten Gerichtshofs, um die Häpter der Aufständischen, die durch Anwälte vertheidigt werden dürfen, öffentlich abzuurtheilen.
Aus Stadt und Land.
R. S. Friedberg. Wir machen unsere Leser nochmals auf die am 21. d. Mts.(Donnerstag) im Hötel Trapp stattfindende Generalversammlung des historischen Vereins für das Großherzogthum aufmerksam und bemerken, daß es sehr erwünscht ist, wenn Besitzer von Alterthümern und sonstigen Gegenständen, die sich auf die Geschichte unserer Stadt beziehen, diese bei dieser Gelegenheit mit⸗ bringen und vorzeigen. Eine kleine Ausstellung derartiger Gegenstände, die im Saale veranstaltet wird, bietet hier⸗ zu die beste Gelegenheit. Betheiligung an dem Abends stattfindenden Essen ist ebenfalls sehr erwünscht.
Allerlei.
Frankfurt. Auf der landwirthschaftlichen Aus⸗ stellung in Waidhofen a. d. Thaya, Nieder⸗-Oesterreich, wurde den Maschinen⸗Fabrikanten Ph. Mayfarth u. Co. in Frankfurt und Wien für ihre vorzügliche Patent⸗Putz⸗ dreschmaschine die silberne Staatspreismedaille und außer⸗ dem für ihre Colleetiv-Ausstellung die silberne Verdienst⸗ medaile zuerkannt.
Dortmund, 16. Sept. In Zeche„Kaiserstuhl“ fand eine Explosion schlagender Wetter statt. 20 Berg⸗ leute wurden verletzt, die Belegschaft ist gerettet.
München. Der Magistrat hat einstimmig beschlossen, insolange die Schließung des Königlichen Residenztheaters zu verlangen, bis die vom Magistrate zur Feuersicherheit erlassenen Anordnungen in Vollzug gesetzt sind.
Warschau, 16. Sept. Eine Feuers brunst hat einen großen Theil der Vorstadt Praga vernichtet; die unweit gelegene Stadt Skiernewiee ist gleichfalls fast ganz ein Raub der Flammen geworden.
Toulon. Hier hat sich dieser Tage der immerhin seltene Fall ereignet, daß der Blitz in ein Schiff ge⸗ schlagen. Im hiesigen Hafen liegt die„Hermione“, ein französisches Schulschiff; der Blitz schlug in den Mast desselben, der Mast stand plötzlich— eine schlanke hohe Feuersäule— in Flammen und mit ihm flammte das Takelwerk auf. Sechs Mann auf Deck wurden unten am Mast nach allen Seiten hin auseinandergeschlagen. Dann fuhr der Blitz, ein tiefes Loch in die Wogen wühlend, in See.
London, 15. Sept. Einer Lloyddepesche aus Char⸗ lestown zufolge ist das britische Kriegsschiff„Phöntz“ bei den Prinz Edwards⸗Inseln gestrandet und voll Wasser; die Besatzung ist gerettet und damit beschäftigt, das Ma⸗ terial zu bergen.
Gerichtssaal.
Butzbach, 16. Sept. Das gestrige Schöffengericht erkannte 1) gegen Joh. Schaum von Kirchgöns, wegen Körperverletzung, 3 Monat Gefängniß; 2) gegen Joseph Mattheis von Cransberg, wegen Beleidigung, 8 Tage Gefängniß; außerdem wurden beiden Verurthellten die Kosten des Verfahres auferlegt; 3) gegen Jac. Scheibel von Nieder⸗Mörlen, angeklagt wegen Diebstahls, auf Freisprechung. Die Sache Skibinsky von Butzbach und Jac. Klotz von Ostheim wurde auf den 29. Sept. vertagt.
Handel und Verkehr.
Friedberg, 16. Sept. Wochenmarkt. Butter kostete per Pfd. M. 1.05—1.15, Eier 1 St. 6 Pf, 2 St. gr. 11 Pf.
Gießen, 16. Sept. Wochenmarkt. Butter per Vfd. M. 1.10 1.20, Eier 1 St. 6— 0 Pf., 2 St. 00 Pf., Käse per St. 5—9 Pf., Tauben das Paar 50—70 Pf., Hühner per Stück M. 0.85— 1.30, Hahnen per Stück M. 0.55 bis 1.00, Enten per Stuck M. 1.40— 1.70, Ochsenflelsch per Pfund 66—70 Pf., Kuh⸗ und Rindfleisch 5660 Pf., Kalbfleisch 5054 Pf., Schweinefleisch 62—64 Pf. Hammelsfteisch 60— 66 Pf., Kartoffeln 100 Kilo M. 5 bis 7.00, Zwiebeln per Ctr. 6—8 M., Gänse M. 4—5.
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