Ausgabe 
17.6.1882
 
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wie unser Bericht sagt,es bey diesem Aetu gegangen, d wie das gemein Sprichwort laut, wo unser Herrgott ein 0 Kirch baut, da baut der Teufel ein Kapellen darneben. d

(Fortsetzung folgt.) d

zeichnung des Kurfürsten und seines Gefolges ist auf uns 0 gekommen. Es trägt folgende Namen und Sprüche:

R. M. H. N. D. W. 1) Friedrich Pf. Churfürst 1

Ludwig Philips 0 Pfalzgraff spt.

S Sat amico te mihi felix. Wolffgang Ernst vonn Bsenburgkh. Graue zu Büdingen mp. en Dieu mon esperance

Sage en conseil et vaillant au combat Johan Ernst Graue zu Nassau Cazenelenbogen Alles von Gott Friedrich des H. R. R. Erbtruchses Fraiher b zu Waltpurgk. En Dieu mon esperance Peter Ernnst Freyherr zu Trichingen. wp. 1600 . Caspar M. Schenk zu Schweins burgk. 16 W. 00 Plus penser que dire. Bleikartt von Helmstatt der Churfürst. pfaltz under marschalk mp. 16 A. S. 00 Assa ben balla à chi la fortuona suona Eberhardt von Dalburg. mp. 16 D. 00 Y. S.. Rudolph Wilhelm Raw z. Holtzhausen, F. Hessischer Rath und Hauptmann zu Gießen spst.

1) etwa: Richte Mich Herr Nach Deinem Wort. 2) etwa: Wie Gott Will So Ist Mein Ziel.

Mancherlei.

Die Eindrücke einer Sonnenfinsterniß. Am 17. Mai fand bei uns eine Sonnenfinsterniß statt, die jedoch für Deutschrand nur die Größe von etwa einem Drittel des Sonnendurchmessers erreichte, während sie für Ober⸗Guinea(Westafrika), den östlichen Theil der Sahara, Egypten, Arabien, Persien, das Hochplateau von Inner⸗Asien, China und den großen Ocean südlich von Jeddo eine totale war. Auf der ganzen Aus dehnung dieser Zone ging der Mittelpunkt des Mondes genau vor dem Mittelpunkt der Sonne vorüber, sodaß, da der scheinbare Durchmesser des Ersteren den der Letzteren um etwas übertrifft, das Sonnenlicht auf kurze Zeit ganz verdunkelt wurde. Die größte Dauer der

Burg, so daß der Tag nicht zum Besten endete und, Sonne verfinstert sehen. Den gewaltigen Eindruck, den

le totale Sonnenfinsterniß auf uns ausübt, hatten wir ier in Deutschland zu beobachten diesmal also nicht ie Gelegenheit. Derselbe ist jedoch ein so eigenartiger, es unsere Leser nichts destoweniger interessiren dürfte,

8. N leine Schilderung desselben von dem berühmten Astro⸗ Oben erwähntes Blatt mit der handschriftlichen Ein- nomen Secchi 5 hören, der wiederholt Zeuge eines

olchen Schauspieles war, indem er auf dem Gipfel des

über 3000 Fuß hohen Desierto de los Palmas in 1600 Spanien die totale Sonnenfinsterniß von 1860 und in Sieilien die Finsterniß von 1870 beobachtete. Dieselbe

autet:Eine Finsterniß gewinnt erst von dem Augen⸗

W. G. W. S. J. M. 2.2) blicke an ein lebhaftes Interesse, wo die dunkle Mond⸗

cheibe den Mittelpunkt der Sonne erreicht hat. Erst

von da an nimmt das Licht der Sonne in bemerkbarer 1600 Weise ab und diese Abnahme erfolgt, wenn der Augen⸗ blick der gänzlichen Verfinsterung herannaht, so schnell, daß sie für den Beobachter etwas Erschreckendes hat. Alle Gegenstände nehmen eine andere Färbung an und die ganze Natur gewährt einen traurigen, dunklen, fast drohenden Anblick; das schönste Grün der Landschaft N 5 S n verwandelt sich in Grau; in den höheren Regionen, in n VE der Nähe der Sonne, erscheint der Himmel bleifarben,

(a

während der Horizont von einem grünlichen Gelb um⸗

säumt ist. Das Antlitz des Menschen überziebt sich mit einer Leichenfarbe, ähnlich wie es im Lichte einer mit Kochsalz gesättigten Weingeist- Flamme erscheint; diese gelbliche Flamme und besonders die eintretende Tempe⸗ ratur⸗ Erniedrigung machen den Eindruck, als ob die gesammte Lebenskraft der Natur im Sinken begriffen sei. Ein allgemeines Schweigen herrscht nun in der Natur, die kleineren Vögel flattern ängstlich umher und suchen das bergende Nest; die Insekten verkriechen sich; Alles sch int ein entsetzenerregendes und furchtbares Unglück anzukünden. Man begreift recht wohl, daß die unwissende Menge von einer großen Furcht ergriffen wird, wenn sie das Tagesgestirn erbleichen sieht, und sich ein bildet, nun werde eine immerwährende Nacht hereinbrechen. Oft tragen ganz untergeordnete und zufällige Erscheinungen, welche an und fuͤr sich nicht die geringste Bedeutung haben, ganz besonders dazu bei, einen großen Eindruck auf die Menge hervorzurufen. So machte im Jahre 1842 eine Wolke, welche ganz nahe an der Sonne vorbeizog, auf den Astronomen Airy den Eindruck, als ob eine gewaltige Masse mit entsetzenerregender Geschwindigkeit auf die Erde herabstürze.(Schluß folgt.)

3 Eine Frage. Welches ist zugleich die leichteste und' die schwerste von allen Beschäftigungen? Antwort: die des Musikanten, denn er spielt, wenn er arbeitet, und arbeitet, wenn er spielt!

% Gewinn und Verlust. Ein geistreicher Mann hat einmal mit vielem Recht gesagt:Derjenige, welcher einen guten Schwiegersohn findet, gewinnt einen Sohn, und Derjenige, welcher einen schlechten findet, verliert eine Tochter

Logogriph. Im Fabelreich haus' ich, in finsteren Klüften, Mit mächtigen Flügeln mich schwingend in Lüften; Doch wenn ihr den Kopf mir entreißt, So sinn' ich nach Plänen, um Unheil zu stiften, Die Ruhe der Seele, den Leib zu vergiften, Bis daß ihr gesättigt mich heißt.

gänzlichen Verfinsterung fand in Persien statt, betrug aber noch nicht 2 Minuten. Da die erwähnte Zone nur eine geringe Breite(im Maximum 10 Meilen) hat, so ist klar, daß, wenn wir unseren Standpunkt etwas nördlicher nehmen, bei der Verfinsterung der obere Rand der Sonne frei bleiben muß und dieser unbedeckte Theil um so größer sein wird, je weiter wir uns von der Totalitätszone nördlich entfernen. Daher kommt es, daß wir in Deutschland nur den untersten Theil der

Auflösung des Räthsels in Nr. 23: C

Nr. 24.

a. Anterhaltungsblatt 8.

zum

berhessischen

Anzeiger.

A

Verantw. Red.: Carl Bindernagel. Druck und Verlag von Carl Bindernagel.

Die alte Linde.

Schau, wie mit ihrer grünen Kraft Die alte Linde sptelet, Von Frühlings winden wogenhaft Durchrauschet und durchwühlet. Sie sah schon oft das weite Thal Am Morgen sich verschönen, Und hört im letzten Abendstrahl Dle letzten Lieder tönen.

So sollst Du auch in stiller Kraft, O Herz, die Welt beschauen Und nach des Winters öder Haft Dem Frühlingslicht vertrauen. Es bluͤh'n auch Dir, sie blühen all, In Duft die Knospen wieder, Und durch die Brust mit Klang und Schall Zieh'n tausend neue Lieder.

Otto Roquette.

Sechzehn Ahnen. Novelle von Ludovika Hesekiel. (Fortsetzung und Schluß.)

9

War Rauden schon tief bewegt gewesen durch das Erscheinen des Freiherrn beim Be gräbnisse seiner Mutter, so rechnete er ihm diese zweite Aufmerksamkeit noch höher an, und die sichtbare Zerstreutheit seines vornehmen Freun des entging ihm in der Freude über dessen Besuch. Egbert aber war zerstreut, weil er an das Bild Philipp Jakobs dachte, und an die sonderbare Uebereinstimmung der Namen; er wollte Fragen thun und wußte nicht recht, wo er einsetzen sollte, ohne zudringlich und indiskret zu erscheinen. Endlich aber platzte er doch ge radezu mit der Frage heraus:Wissen Sie, Herr Bahnmeister, daß ich in meinem Schlosse immer an Sie habe denken müssen?

Wie so, Herr Baron!

Einer meiner Ahnen mütterlicherseits saß auf einem Gute, das Ihren Namen fuͤhrt, oben⸗ ein trägt er die Vornamen Ihres Vaters, und vor allen Dingen sieht er Ihnen ähnlich. Ist das nicht seltsam?

Sehr seltsam, entegnete der Alte; seine Stimme klaug gepreßt und unsicher. Lomnitz beobachtete ihn scharf, er sah, daß der alte Mann bleich geworden war.

was Sie scheinen; stehen Sie in irgend einer Verbindung mit der angeblich ausgestorbenen Familie von Daubenthon? Halten Sie mich nicht für indiskret, Sie ahnen nicht, was für mich davon abhaͤngt!

Daubenthon, stammelte der Alte, dann erhob er sich, und die Hand auf den Tisch legend, als brauche er eine Stütze, sagte er plötzlich:Herr Baron, können Sie sich denken, wie einem Manne zu Muthe ist, der zum ersten⸗ mal seinen Namen von fremden Lippen aus gesprochen hört?

Sie wären, Sie hießen

Franz Emanuel von Daubenthon, sprach der alte Mann feierlich, und eine große Thräne rollte ihm in den weißen Bart.

Auch Lomnitz hatte sich erhoben; schweigend standen sich die beiden Männer eine Weile gegen⸗ über, dann sagte der Alte:Vielleicht thut es mir gut, einmal davon zu Jemand zu sprechen, vielleicht hilft es auch meinem Kinde Etwas, daß sie nach meinem Tode wenigstens zu der Stellung gelangt, für die ich nicht mehr passe. Setzen Sie sich, Herr Baron, und hren Sie mir wenige Augeyblicke zu!

Lomnitz gehorchte; sein Herz schlug laut, was würde er hören?Mein Großvater, be⸗ gann der Bahnmeister ruhiger,Eugen Louis von Daubenthon, war der Letzte einer ehemals begüterten, aber seit dem dreißigjährigen Kriege mehr und mehr herabgekommenen Familie; sehr jung hatte er sich mit einer Dame aus alt⸗ adligem Hause vermählt, die für eine reiche Erbin galt, sich auch selbst dafür gehalten hatte. Als sie mündig wurde, zeigte es sich, daß un⸗ getreue Vormünder sie um Alles gebracht hatten, worauf sie hätte Auspruch machen konnen. Was half der Selbstmord des einen, und die schwere Strafe, die den andern traf; meine Großeltern sahen sich doch dem bittersten Elend preisgegeben, um so mehr, als Beide, in der sicheren Hoffnung auf die Erbschaft, während der sechs Jahre ihrer Ehe sorglos ins Blaue hinein gewirthschaftet hatten. Jene Vormünder waren Edelleute ge wesen, und mein Vater, ein glühender Verehrer von Rousseau und Voltaire, ein Schwärmer für die damals eben ausgebrochene franzssische Re⸗

Herr Rauden, nahm er wieder das Wort, und auch seine Stimme zitterte,Sie sind nicht,

volution, warf einen bitteren Haß auf seinen