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Eberhard, füher in Bremen, seit Kurzem in Frankfurt ansässig, geht der Ruf eines tüchtigen Geigers voraus; von ihm wie von den Gesangssolisten steht eine Aus⸗ wahl gediegener Einzelvorträge auf dem Programm. Sagen wir zum Schlusse, daß auch bei diesem Coneerte Seminarlehrer Link die Güte haben wird, die Chöre wie Einzelnummern auf dem Klavier zu begleiten, so glauben wir gerade genug bemerkt zu haben, um allen Musikfreunden von Friedberg und Umgegend den Besuch des nächsten Musikvereins-Concerts zu empfehlen.

H. V. Friedberg. 14 Köpfe stark,(die des Vor⸗ standes inbegriffen), war jüngst die Versammlung des Vereins für Handels- und gemeinnützige Zwecke. Regel- rechte zweimalige Einladung mit Bekanntmachung der Tagesordnung war an die Mitglieder und Freunde des Vereins ergangen und dennoch ein Besuch so unbefriedi⸗ gend wie das Wetter des Jahres 82. Vereine haben wir Friedberger die Menge, nur zu viele; ein frisches, fröhliches Vereinsleben, rege Antheilnahme der Mehrzahl der Mitglieder an demselben sind unbekannte Dinge. Ist der betreffende Vorstand, gewöhnlich unter erschweren den Umständen, gewählt, so ist damit das höchste Maaß der Leistungsfäbigkeit der Mitglieder in Vereins-Ange legenheiten erreicht und der Findigkeit des vorständlichen Verstandes bleibt es überlassen, den Vereinszwecken Bahn zu brechen. Dieses nach eigener, nicht ein- sondern ver⸗ schiedenseitiger Erfahrung gezeichnete Bild könnte noch mit einigen Strichen schärfer markirt werden; es ist in der vorstehenden Gestalt schon ähnlich genug, um den jetzigen Vorstands⸗Leidensgefährten einen Begriff des Schicksals, das ihrer als Auserwählter harret, zu geben. Nach dieser etwas länglichen Einleitung sei noch der Verhandlungen des Abends gedacht. Vorsitzender Carl Trapp gab einen kurzen Bericht über das, was von dem im Frübjabre neu gewählten Vorstande in den ver schiedenen Richtungen, welchen der Verein dienen will (Handels- und gemeinnützige Zwecke) geschehen ist, bezüg lich der Einzelbeiten auf die verschiedenen Mittheilungen, die der Oberhess. Anzeiger hierüber gebracht hat, ver weisend. Die Kasse 4(für Handelszwecke, 60 Mitgl. Beiträge à M. 1.) weist einen Bestand von M. 133.44 aus; die Kasse B(gemeinnützige Zwecke) verfügt z. Zt. über M 704.78. Ueber das von dem Vereine ange regte, durch Gemeinderathsbeschluß gut geheißene Pro jeet eines unterhalb des Vier-Eichenplatzes anzulegenden größeren Kinderspielplatzes verbreitete sich das Vorstands mitglied C. Heyland, nachdem vorher von dem Vor sitzenden aus der Verfügung des preuß. Unterrichtsmini sters v. Goßlerüber Turn- und Jugendspiele, ihre hohe Bedeutung für Volk und Vaterland, einige Haupt stellen vorgelesen worden waren. Voraussichtlich wird vor Beginn nächsten Frühjahrs mit den Plantrungsar beiten begonnen werden; größere Betheiligung, reichlicher fließende Mittel sind für den Bestand der Kasse B dringend erwünscht, da die Gesammtherstellungskosten des Spiel platzes den jetzigen Inhalt ziemlich aufzehren werden. Eine Eingabe, den Hausirhandel betreffend, führte zu einer längeren Debatte. Man einigte sich dahin, ein Gesuch an die zweite Kammer in Darmstadt zu richten, dahingehend, eine Prüfung der verschiedenen Besteuer ungsarten und der Höhe derselben, welchen das Hausir gewerbe in den Hessen benachbarten Ländern unterliegt, eintreten zu lassen und je nach dem Ergebniß dieser Untersuchung eine Gleichstellung Hessens mit den Nach barländern hinsichtlich der Besteuerung des Hausirge⸗ werbes auf dem Wege der Gesetzgebung herbeizuführen. Als letzter Punkt der Tagesordnung standen Mittheil⸗ ungen über den Verein zum Schutze gegen schädliches Creditgeben. Hierüber ausführlich in einem besonderen Artikel zu berichten, behält sich Einsender vor.

f. Bad⸗Nauherm, 14. Nov. Gestern Abend 8 Uhr brannte ein Strohhaufen an, der in der Nähe des Schweizerhauses am Waldrande saß. Nachdem das Feuer durch aufgeworfene Erde erstickt war, entzündete sich um 10 Ubr ein zweiter, dicht an dem ersteren sitzender Haufen und brannte ab. Es war nur ein Theil des Strohes versichert.

Nieder⸗Erlenbach, 13. Nov. In dem Spital bof dahier brach heute Morgen um 3 Uhr in einer großen Doppel- Scheuer, welche bis unters Dach gefüllt war, Feuer aus, welches trotz der angestrengtesten Thätigkeit der Einwohnerschaft nicht bewältigt werden konnte. Die Scheuern brannten sammt ihrem werthvollen Inhalte vollständig nieder.

Ober⸗ Flörsheim. Der Ertrag der hier gebauten Zuckerrüben beläuft sich weit höher als man Anfangs glaubte. Einzelne Grundstücke lieferten über 300 Ctr. pro hess. Morgen. Sämmtliche hier gebauten Zucker⸗ rüben gingen an die Fabrik Friedensau ab,

Allerlei.

London, 14. Nov. Gestern, Montag frü ieß i der tiefen Finsterniß und bei schwerem She M der Nähe des Caps Beachy Head der Hamburger Dampfer Westfalia mit einem anderen Dampfer zusammen, welch' letzterer sofort sank. DieWestfalia, selbst dem Sinken nahe, weil sie ein großes Loch im Buch davongetragen ließ trotzdem sofort ein Boot mit 6 Mann herab um die Ertrinkenden des anderen Schiffes zu retten, allein im Sturm verschwand dieses Boot und dieWestfalta mußte wegen eigener dringender Gefahr eiligst nach dem ungefähr fünfzig englische Seemeilen westwärts gelegenen Portsmouth zurückdampfen. Alle Passagiere, die Post und das Gepäck an Bord derWestfalta wurden gerettet.

Verloosungen.

Finnländische 10 Thlr.⸗Loose vom Jahre 1868. Ziehung am 2. Nov. 1882. Ae

1. Febr. 1883. Hauptpreise: S. 8896 Nr. 10 15000 Thlr. S. 3769 Nr. 17 1500 Thlr. S. 5058 Nr. 2, S. 2266 Nr. 20, N. 3259 Nr. 3 je 1000 Thlr. S. 6295 Nr. 18, S. 3519 Nr. 12, S. 9291 Nr. 6, S. 11878 Nie. 8, S. 182 Nr. 20, S. 4860 Nr. 14, S. 3519 Nr. 6 je 300 Thlr.

Schwedische 10 Thlr.⸗Loose vom Jahr 1860. Ziehung am 1. November 1882. Hauptpreise: Nr. 76920 a 10000 Thlr. Nr. 10087& 1000 Thlr. Nr. 19573 à 500 Thlr. Nr. 93722 140476& 150 Thlr. Nr. 27338 36664 53980 174027 200559 à 60 Thlr. Nr. 7325 24431 81220 87445 148825 170299 229296 237904 à 35 Thlr. Nr. 16319 20656 21572 37554 42903 77747 81831 85968 100138 126003 138200 138951 163900 165294 180091 187897 214420 237851 à 25 Thlr.

Die Pflanzenwelt im Dienste der Industrie.

Jeder kennt das wonnige Gefühl, das uns beseelt und unsere Brust freier und freudiger hebt, wenn wir an einem sonnigen Sommertage durch die grünen Hallen eines im üppigen Farbenschmuck praugenden Waldes wandeln. Es ist der Sauerstoff, der unsere Lungen schwellt, die Brust erweitert und das Herz erhebt, daß es einstimmt in all die Freude und den Jubel, der aus den Zweigen der Bäume ertönt, hoch in den Lüften schmettert und tausendstimmig um uns her summt. Woher kommt aber dieser Freudenwecker? Die Pflanzen sind es, die ihn uns liefern, indem sie die fixe Luft, die Kohlen säure binden und den Sauerstoff frei machen, wodurch die atmosphärische Luft ihre Zusammen setzung behauptet, welche aus 21 Theilen Sauer stoff und 49 Theilen Stickstoff besteht. Sind auf diese Weise die Pflanzen Erzeugerinnen des Lebens, so sind sie auch Erhalterinnen desselben und jedes Kind weiß, wie absolut unentbehrlich für unser leibliches Dasein die Pflanzenwelt ist. Von fast ebenso großer Bedeutung aber ist der Einfluß, den die Pflanzenwelt auf Industrie, Handel und Verkehr und den Riesenaufschwung, den dieselben in unserer Zeit gewonnen haben, ausgeübt hat und ausübt. Wer gedenkt dabei nicht in erster Linie der Baumwolle? Eine be deutende, ja fast die Hauptrolle unter allen Handelsproducten spielt die Baumwolle. Sie beherrscht von einem Pol zum andern ein großes Handelsgebiet, bekleidet die Mehrzahl der Menschen und greift tief ins Völkerleben ein. Derjenige Baumwollenstoff, der so vielen Men schen die Kleider liefert, wird aus der Frucht- kapsel eines zur Malvenfamilie gehörigen Pflan zengeschlechtes(gossypium) gewonnen. Der Baumwollenbaum(bombax), der in Ost- und West⸗Indien wächst und dessen Fruchtkapseln ebenfalls Wolle enthalten, die aber ihrer Kurze wegen nur zu groben Zeugen verwendet wird, ist von dem Baumwollenstrauch wohl zu unter scheiden. Der Boden für die Baumwollenkultur dehnt sich bis zum 450 nördlicher und südlicher Breite aus und besitzt daher letztere ein weites Gebiet zu ihrem Gedeihen. In Ostindien, China, Japan, Persien, Kleinasien, Syrien, Cypern, Egypten, Palästina, an den Küsten und in der Mitte Afrikas, in Griechenland, sogar in der Krim, auf Sizilien, Calabrien und an der Süd- und Ostküste Spaniens wächst die Baumwolle. In Amerika ist sie sehr verbreitet und erfreut sich einer besonderen Pflege. In dieser Pflanze bietet die Natur dem Menschen die Mittel, einen Theil seiner Bedürfnisse da mit zu decken und erspart ihm manche Arbeit, die die Bearbeitung der Theirwolle verursacht. Der Wollenreichthum, den die Fruchtkapsel der Baumwollstaude bietet, braucht auch nicht erst die mühsame Arbeit des Röstens und Schlagens, durch welche erst die Hanf- und Flachsfaser zum Spinnen tauglich wird. Bei der Baum wolle geht dem Spinnen nur die Entfernung der ölreichen Samenkörner voran, die von der Wolle umhüllt sind. Der ungeheure Absatz,

für den die Baumwolle geschaffen ist, bedingt aber eine großartigere, schnellere Fabrikation, rief den spekulativen Geist der Mechanik, die rege Denkthätigkeit erleuchteter Menschen wach, um ein Mittel zu finden, das die Arbeit der Hand überflügeln und die Baumwoll ⸗Industrie Dieses

auf die gewünschte Höhe heben sollte.

Mittel ist die Spinnmaschine, die Erfindun eines armen Barbiers, (gest. 1792 zu Crumford in seinem fürstlich eingerichteten Schlosse), die durch Dampfkraft Hunderte von Spindeln dreht, emsig schnurrend die gleichmäßig feinen Faden spinnt und an der in 1 Tage ein Mann mehr zu Wege bringt, als bisher ein fleißiger Inder das ganze Jahr hindurch an einer Spindel spinnen konnte. Die Triebfeder der Erfindung der Spinnmaschine war also die Baumwolle, welche der Industrie nach dieser Richtung hin einen neuen Impuls gab und tief in das sociale Leben der Menschen eingriff. Aber die Möglichkeit der Dienstbar⸗ machung der Maschine in der jetzigen kolossalen Ausdehnung verdanken wir wieder der Pflanzen⸗ welt. Sie liefert hierzu dem Menschen das Be triebsmaterial, das Holz und aus der Pflan⸗ zenvorwelt die Kohle. Wie in fast allen Zweigen der Judustrie wußten auch hier die Engländer ihrem spekulativen Geiste eine reiche Erwerbs⸗ quelle abzugewinnen. Auf die in ihrem Lande vorkommenden ungeheuren Massen von Stein⸗ kohlen angewiesen, wurde jener speculative Geist immer mehr geweckt, der Betrieb aller Fabriken erleichtert, der Erfindungsgeist angeregt und die Folge davon war, daß zahllose Fabriken ent⸗ standen, der Dampf seine großen Triumphe feierte, Dampfschiffe und Eisenbahnen erschienen und die englische Industrie denjenigen Grad von Vollkommenheit erreichte, der sie heute noch über die der andern Völker stellt. Aber nicht nur in England, auch in andern Ländern hat die Steinkohle der Industrie, dem Handel und Verkehr einen ungeheuren Aufschwung ver liehen. Das Verhältniß aber, in dem die Pflanze zur Kohle steht, ist folgendes: Die Kohlen erstehen aus den Gräbern verkohlter Riesenwaldungen der Vorzeit. Es waren Ur⸗ wälder von riesenhaften Schachtelhalmen und Farrenkräutern. Wie ungeheuer diese vormensch lichen Waldungen gewesen sein müssen und wie lange Zeit zur Anhäufung dieser Kohlenmassen erforderlich war, erhellt aus der Berechnung, daß der dichteste Hochwald bei seiner Umwand⸗ lung in Steinkohle kaum eine Schichte von ein Centimeter Dicke bei gleichem Flächengehalt zu bilden vermag. Seit der Zeit, als noch diese riesenhafte Pflanzenwelt die Erde bedeckte, sind Millionen von Jahren in den Strom der Zeit hinabgerollt, in denen sich jene Pflanzen ver⸗ kohlend aufspeicherten. Aber nicht nur jene verkohlten Urwälder einer untergegangen Schöpf⸗ ung sind jetzt nach Jahrtausenden dem Menschen dienstbar geworden, sondern auch in den ver⸗ kohlten Pflanzen der Urmeere entstand den Menschen ein unentbehrliches Material, der Graphit und Anthracit, aus dem unsere Blei⸗ stifte gefertigt werden und das auch noch zu Kochgeschirren, Schmelztiegeln u. s. f. verwendet wird. Die Verwendung der Hanf und Flachs⸗ faser ist wohl hinlänglich bekannt, jener Pflanzen⸗ faser, die, nachdem sie den Menschen bekleidet und zu den Abfällen der Haushaltungen ge⸗ worfen worden ist, noch eine Metamorphose durchlauft, aus der sie als Papier ersteht und so abermals dem Menschen nützlich wird. Die älteste bekannte Art des Papiers ward aus der egyptischen Papyrusstaude bereitet, woher auch der Name Papier stammt. Es war jene Staude eine in stehenden Gewässern wachsende Gras⸗ gattung. Die Chinesen erfanden die Herstellung des Baumwollpapiers, das ums Jahr 800 in Deutschland bekannt wurde und im 12. Jahr⸗ hundert kam das Papier aus den Fasern alter Tücher auf, welches man von der Stadt Pergamus in Kleinasien Pergament aus Tuch nannte. Bekanntlich ist in neuester Zeit die Fabrikation des Papiers in eine neue Sphäre eingetreten durch die Erfindung eines Württem⸗ bergers, des Fabrikanten Völter in Heidenheim, der unmittelbar aus Holz alle Arten von Papier herstellt. Auch die Herstellung des Celluloids und seine ausgedehnte Anwendung dürfte hier erwähnt werden.(Schluß folgt.)

Richard Arkwrights

Ver