Ausgabe 
9.5.1882
 
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treffend die Verlängerung der Handelsverträge mit der Schweiz, Belgien, England, Deutschlaud und Spanien.

Die pessimistischen Gerüchte über den Gesundheitszustand des Papstes werden der Pol. Corr. aus bester Quelle als unbegründet bezeichnet. Der Papst leide zwar seit einigen Tagen an einem der in Rom in dieser Jahres zeit haufigen nervös-gastrischen Zustände, an Appetitlosigkeit und leichten Fleberschauern, ohne daß aber dieses Unwohlsein den Kranken auch nur nöthigen würde, das Bett zu hüten.

Rußland. Petersburg, 5. Mai. Der Kaiser und die Kaiserin empfingen vorgestern den Fürsten von Bulgarien in Gatschina und luden ihn zum Frühstück ein. Der Fürst siedelte aus dem Hotel Demuth nach dem Winter palais über.

Der Rußkij Jewrej meldet, daß die im Kubangebiet wohnenden Juden deu Befehl er halten haben, auszuwandern. Kein Einspruch hat geholfen. In den letzten vierzehn Tagen haben über achttausend Juden Rußland verlassen.

Warschau, 3. Mai. Symptome einer Gähr ung in den unteren Volksklassen machen sich bemerkbar, welche auf die Absicht einer Wieder holung der bekannten Excesse gegen die Juden hindeuten.

Amerika. New-Pork. Ueber den ver eitelten Höllenmaschinen-Anschlag auf das Leben Vanderbilt's und Cyrus Field's wird aus New Vork des Weiteren gemeldet, daß muthmaßlich deutsche Socialisten die Absender der Höllen maschinen waren.

Egypten. Kairo. Man sieht nicht ohne Besorgnisse der Entwicklung der Dinge in Egypten entgegen. Die Verurtheilung der in die letzte Verschwörung verwickelt gewesenen 40 Offiziere und die mit dem Urtheil verbundene offene Anklage gegen den Ex-Khedive erweckt Befürchtungen, daß es über Kurz oder Lang zu einer neuen Eruption der durch die erwähnten Verurtheilungen verstärkten Unzufriedenheit der Gegner Arabi Bey's kommen könnte. Der Pseudoprophet Molidi schlug neuerdings die egyptischen Truppen und bemächtigte sich Sennaars. Er marschirt gegen Kartum(Hauptstadt des Sudan), welches ohne Vertheidigung ist. Darfur und Kordofan befinden sich in vollem Aufstande.

Aus Stadt und Lanz.

Friedberg. Am letzten Samstag feierte das Schuh macher Johs. Schmidt'sche Ehepaar seine goldene Hochzeit. Während der Jubilar sich noch der größten Rüstigkeit erfreut, ist seine Frau, eine geborene Kräuter, leider schon seit einiger Zeit leidend. Schmidt war 15 Jahre lang im Kirchenvorstand, welches Amt er mit Gewissen haftigkeit bekleidete. Vielfach waren die Beweise der Achtung und Liebe, die dem Jubelpaare am Festtage dargebracht wurden. Am Abend ehrte unser Gesang verein Liederkranz die Jubilare durch ein Ständchen.

Friedberg. An unserer Bade-Anstalt wird wacker gearbeitet, um dieselbe wieder in Dienst zu stellen. Mit großem Vergnügen namentlich können wir constatiren, daß die beiden Schwimmbassins wesentlich tiefer aus gebaggert werden.

Friedberg. Die Arbeiten an dem Platze, auf welchem der Wasserthurm zu stehen kommt, nehmen einen raschen Fortgang. Bereits ist ein tiefer Schacht aus gegraben, um den Untergrund bezüglich der Tragfähig keit für das Fundament zu untersuchen. 5

Friedberg. An unserer Notiz bezüglich der Sonnen finsterniß ist zu berichtigen, daß dieselbe im südlichen Europa und Afrika eine totale sein wird. Bei uns ist sie nur partiell. Bei klarem Wetter wird sie gut beobachtet werden können. Dieselbe beginnt Morgens um 6 Uhr 30 Minuten und dauert bis 8 Uhr. Die Verfinsterung beginnt auf der Mitte des Sonnenrandes an der rechten Seite und endigt am unteren Rande. Der Komet steht in den kommenden Tagen im Sternbilde des Cepheus; sein Ort ist leicht zu finden, wenn man von den zwei Sternen des großen Bären, die mit dem Polarstern in gerader Linie stehen, eine Linie zu diesem und über ihn hinaus sich denkt; der Komet steht dann nahe auf dieser Linte halb so weit vom Polarstern, als der große Bär.

Gießen. Bei dem Gewitter am Abend des 4. d. M. schlug der Blitz in der Scheuer des G. Faber III. zu Leih⸗ gestern ein, ohne indessen erheblichen Schaden anzurichten.

Darmstadt. Die diesjährigen Herbstübungen der Großherzoglichen 25. Division finden in den Provinzen Starkenburg und Rheinhessen statt.

Groß-Gerau, 5. Mai. Das gestern Abend um 8 Uhr über unsere Stadt und Gegend dahinbrausende Ge witter war von schwerem Regen, mit Hagel vermischt, be gleitet, ohne glücklicherweise großen Schaden zu verursachen.

Allerlei.

Wien, 4. Mai. Ringtheaterprozeß. Der dienst thuende Commissär Freund war auf dem Theater beim Brandaus bruch und versuchte vergebens vorzudringen, rief aber den Herabkommenden zu: hier ist ein Ausgang. Dieser Zeuge, sowie alle Polizeibeamte wurden, wiewohl der Staatsanwalt auf deren Beeidigung verzichtete, beeidet. Der Commissär Rohaczek erzählt ebenfalls von einem mißglückten Versuch, vorzudringen; er hielt es für zweifellos, daß noch Leute im Theater seien, da Hülfe rufe vernehmbar wurden; er sagte dasselbe auch zu Landsteiner, was letzterer auch zugibt, doch will er gleich zeitig von der Feuerwehr gehört haben, daß Niemand mehr im Theater sei. Inspeetor Salomon wird gefragt: Sahen Sie, daß Landsteiner Leute wegschaffte? Zeuge: Er drängte sie nur hinaus. Staatsanwalt: Das ist etwas mehr. Deteetiv Schuster: Ich vernahm von Wessely, daß Landsteiner die Wegschaffung der Leute anbefohlen habe. Landsteiner(auffahrend): Das ist eine Erfindung Wessely's. Sensation macht die Deposition des Detectiv Lenz, der unter Eid sagt:Landsteiner war schon 5 Minuten vor 7 Uhr auf dem Brandplatz. Landsteiner behauptet bekanntlich, erst nach 7 Uhr ge kommen zu sein. 5. Mai. Hofkapellmeister Hellmers

berger sagte zu Landsteiner: Licht hinauf! Es ist total

finster, Alles noch oben. Landsteiner erwiederte: Es wird Alles gerettet. Ich sagte: Es kommt Niemand und schrie in größter Aufregung: Bitte sofort Licht, es muß alles zu Grunde gehen und erhob flehentlich meine Hände. Landsteiner umfaßte sie, die Beruhigung wiederholend, es wird Alles gerettet. Das war bestimmt vor sieben Uhr. Landsteiner behauptet, Hellmersberger weder ge sehen noch gesprochen zu haben. Hofrath Klaps rief den Wachtleuten zu: Licht! Sie entfernten sich, ohne jedoch wiederzukommen. Hellmersberger junior: Im Vestibule herrschte ein Jammern, das herzzerreißend war; mich wies man zurück, trotzdem ich im Theater Kapellmeister bin; ich bedauere, daß Jauner allein, nicht auch der Seeretär und Regisseur angeklagt sind. Frau Hellmers berger ersuchte den Wachmann, die Thüren zu öffnen, sonst erstickten die Leute; er sagte roh: Ah, was!; sie be⸗ stätigt die Unterredung Hellmersbergers und Landsteiners. Journalist Frischauer bestätigt, Landsteiner sagte bei der Meldung, es seien Todte aufgefunden, zu dem meldenden Polizisten:Sagen's nix. Ebenso habe der Erzherzog Albrecht auf Landsteiner's Meldung: Alles gerettet, ge sagt, das ist nicht möglich, ich werde mich selbst über zeugen. 6. Mai. Heute fand die hochinteressante Ver nehmung des früheren Staatsanwaltes, jetzigen Gerichts präsidenten Grafen Lamezan, eines Dutzfreundes von Jauner, statt. Lamezan erzählt sein bereits in allen Details bekannt gewordenes Vordringen in das brennende Haus zum Zwecke der Rettung von Menschenleben.

Gerichtssaal.

Bad⸗ Nauheim. In der Donnerstag den 11. Mai . J. Morgens 8 Uhr stattfindenden Schöffengerichtssitzung kommen folgende Sachen zur Verhandlung: 1) Straf⸗ sache gegen Heinrich Mörschel von Dorheim wegen Führ⸗ ung falschen Gewichts. 2) Strafsache gegen Joh. Roth und Wilhelm Mal, Beide von Wisselsheim, wegen Körper⸗ verletzung. 3) Strafsache gegen Julius Böing von Bad Nauheim wegen Beleidigung des Bürgermeisters Schutt daselbst. 4) Strafsache gegen Wilhelm Dreßler und Georg Döring, Beide von Steinfurth, wegen Wider⸗ stands. 5) Strafsache gegen Georg Geiß und Bern hard Stamm, Beide von Bad⸗Nauheim, wegen Körper⸗ verletzung und Ruhestörung. 6) Strafsache gegen Chr. Krauch von Rödgen wegen Ruhestörung. 7) Strafsache gegen Jacob Dinges von Rödgen wegen Thierquälerei. 8) Strafsache gegen Heinrich Mörschel's Ehefrau zu Dorheim wegen Beleidigung des Feldschützen. 9) Straf sache gegen Kaufmann Karl Jost in Frankfurt a. M. wegen Widerstands. 10) Strafsache gegen Konrad Ewald Ehefrau wegen Beleidigung des Polizeldieners Fisch. 11) Strafsache gegen Simon Strauß von Niederweisel, zur Zeit in Bad Nauheim, wegen Uebertretung des Polizei⸗Reglements, betreffend das Fahren mit Hunden. 12) Privatklagesache der Jakob Wagners Ehefrau zu Nieder-Mörlen gegen Heinrich Morschel daselbst wegen Beleidigung. 13) Privatklagesache des Nachtwächters Heinrich Hellwig von Derheim gegen Christian Mörch's Ehefrau wegen Beleidigung.

Altenstadt, 4. Mai. In der heute dahier abge haltenen Schöffengerichts-Sitzung wurde in folgenden Sachen erkannt: 1) In der Strafsache gegen Karl Lehmer und Friedrich Lehmer von Staden, wegen Hausfriedens bruchs und Ruhestörung, wurde Ersterer in eine Ge fängnißstrafe von 2 Wochen, fünfzehn M. Geldstrafe und zur Tragung von zwei Drittel der Kosten, sowie Letzterer in eine Gefängnißstrafe von 1 Woche, 10 M. Geldstrafe und in ein Drittheil der Kosten verurtheilt. 2) In der Strafsache gegen Joh. Kropp III. in Hainchen, wegen Diebstahls, wurde Angeklagter in eine Gefängnißstrafe von 5 Tagen und zur Kostentragung verurtheilt. 3) In der Privatklagesache des Georg Gering in Altenstadt gegen Heinrich Schäfer von da, wegen Körperverletzung, wurde Angeklagter in eine Geldstrafe von 50 M., ev. 14 Tage Haft, sowie zur Tragung der Kosten verur⸗ theilt. 4) Die Privatklagesache der Marta Grießmer von Staden gegen Joh. Grießmer Ehefrau von da und 5) des Feldschützen Johannes Klehm VI. von Heegheim gegen Philipp Hebbel und Heinrich Stöhr III. daselbst, wegen Beleidigung, haben durch Vergleich ihre Erledig⸗ ung gefunden..

Verloosungen.

4 pCt. Bayerische Thlr. 100 Loose von 1866. Gewinn⸗Ziehung vom 1. Mat 1882. Heimzahlung 1. Juni 1882. Nr. 75089 M. 120,000. Nr. 75057 M. 36,000. Nr. 48012 M. 18,000. Nr. 24336 M. 4,800. Nr. 75078 80097 111868 126148 K M. 2,400. Nr. 5201 5210 18283 18805 18816 21367 21385 21396 24384 42484 48008 58958 63975 63982 64008 64032 64037 66097 74474 74965 74987 75063 75093 108306 108344 111885 142724 116805 116828 119002 119036 121902 121930 121949 123521126111 126139 126143 128991 130438 138044 140265 140289 151518 151571 152965 155565 157201 à M. 600. Auf alle übrigen Nummern in den am 1. März 1882 gezogenen Serien entfällt der geringste Gewinn von M. 300.

Oesterreichische Credit fl. 100 Loose von 1858. Serien- und Gewinnziehung vom(. Mai 1882. Heimzahlung am 1. November 1882. Serien: Nr. 120 191 572 674 829 1122 1461 1898 2084 2132 2184 2330 2337 2707 2793 3219 3350 3562 4063. Gewinne: Serie 2337 Nr. 5 fl. 150,000. S. 829 Nr. 18 fl. 30.000. S. 572 Nr. 25 fl. 15,000. S. 829 Nr. 24, S. 2793 Nr. 17 fl. 5000. S. 2337 Nr. 38, S. 4063 Nr. 3 à fl. 2000. S. 829 Nr. 34, S. 1461 Nr. 99 5 fl. 1500. iner 28, S 2387 rr a S. 120 Nr. 38 49, S. r, S. 572 Nr. 20 26 71 81, S. 674 Nr. 30 100, S. 1132 49 87, S. 1461 Nr. 4 9 38 80 87, S. 1898 Nr. 5 34 72, S. 2084 Nr. 14 98 S. 2132 Nr. 28, S. 2330 Nr. 83, S. 2337 Nr. 25, S. 2707 Nr. 71 78, S. 2793 Nr. 77 80, S. 3219 Nr. 8 30, S. 3350 Nr. 18 69, S. 3562 Nr. 9 64, S. 4063 Nr. 63 75 a fl. 400. Auf alle übrigen in vorstehenden Serien ent⸗ haltenen und hier nicht angeführten Nummern entfällt der geringste Gewinn von fl. 200.

K. k. österr. Staats⸗Lotterie-Anlehen von 1860. Gewinn-Ziehung am 1. Mai 1882. Heim⸗ zahlung am 1. August 1882. Serie 7672 Nr. 3 fl. 300,000. S. 6673 Nr. 18 fl. 50,000. S. 12715 Nr. 20 fl. 25,000. 1045 Nr. 13, S. 14356 Nr. 4 à fl. 10,000. S. 265 6, S. 4955 Nr. 16, S. 6116 Nr. 15, S. 6362 r. 4 17, S. 7913 Nr. 19, S. 8431 Nr. 3, S. 10248 Nr. 3, S. 11648 Nr. 3, S. 13293 Nr. 5 9, S. 13926 10, S. 15875 Nr. 12, S. 16622 Nr. 9, S. 17129 Nr. 1 à fl. 5000. S. 626 Nr. 8, S. 1045 Nr. 14, 1756 Nr. 11, S. 3315 Nr. 1, S. 3990 Nr. 5, 4260 Nr. 5 19, S. 4293 Nr. 5, S. 4614 Nr. 18, 4959 Nr. 14, S. 6185 Nr. 6, S. 7086 Nr. 20, 7526 Nr. 3, S. 8309 Nr. 3 17 18, S. 8643 Nr. 7, 8948 Nr. 6, S. 9901 Nr. 20, S. 10323 Nr. 14, 10894 Nr. 2, S. 11157 Nr. 4, S. 11648 Nr. 5, 12044 Nr. 1, S. 13342 Nr. 5, S. 15384 Nr. 15, 15875 Nr. 6 13, S. 16286 Nr. 12, S. 17097 Nr. 12 à fl. 1000. Auf alle übrigen Nummern in den am 1. Febr. 1882 gezogenen Serien entfällt der geringste Gewinn von fl. 600.

Repertoir⸗Entwurf der vereinigten Stadt-Theater in Frankfurt. Opernhaus. Dienstag den 9. Mai: Die Walküre.(Anfang ½7 Uhr). Mittwoch den 10. Mai: Geschlossen. Donnerstag den 11. Mai: Neu einstudirt: Das Glöck chen des Eremiten. Freitag den 12. Mai: Geschlossen. Samstag den 13. Mai: Undine. Sonntag den 14. Mak: Rienzi. Montag den 15. Mai: Geschlossen. Dienstag den 16. Mai: Rheingold. Mittwoch den 17. Mai: Geschlossen. Donnerstag den 17. Mai: Walküre.(Anfang ¼7 Uhr.

Schauspielh aus. Dienstag den 9. Mai: Hans Lange. Mittwoch den 10. Mai: Der lustige Krieg. Donnerstag den 11. Mai: Geschlossen. Freitag den 12. Mai: Reif⸗-Reiflingen. Samstag den 13. Mai: Hans Lange. Sonntag den 14. Mat: Don Carlos.

Gg

Bekanntmachung. In Ober-Florstadt wird am 7. Mai 1882 eine Post⸗ hülfstelle errichtet, deren Verwaltung dem Herrn Buͤrger meister Dauernheim daselbst übertragen worden ist. Darmstadt den 29. April 1882. Der Kaiserliche Ober-Postdirector. Hagemann.

Pfennig ⸗Sparkasse.

Summelstellen. Einlagen. Betrag. M. Pf.

Uebertrag vom 29. April 30656 16793 40

1. C. Bindernagel. 235 91 63 60 2. W. Bernbeck 193 113 95 3. Ph. Billau. 136 83 40 4. Th. Kranz 5 120 74 30 5. H. Flaschenträger. e 5 85 31319[17202 50

NB. Uebertrag Einleger 1092. Neue Einleger 10. Gesammt⸗Einleger 1102. Friedberg den 6. Mai 1882. Haupt⸗Sammelstelle: Vorschuß- und Credit-Verein, e. G.