den übelen Eindruck gemacht, als wolle die Pforte die mit dieser Ordensverleihung verbundene Demonstration noch mehr hervorkehren.
Juli. Das Arsenal zu Woolwich erhielt gestern den Befehl, innerhalb vierund— zwanzig Stunden den vollständigen Artillerie— park, darunter 30 schwere Belagerungsgeschütze und 42 Geschütze geringeren Kalibers, bereit zu stellen.
— l. Juli. Die gestern Nachmittag er— öffnete Unterhaussitzung dauerte bis heute Vor— mittag 10 Uhr ununterbrochen fort. Parnell und 15 andere irische Deputirte wurden vom Sprecher im Laufe der Sitzung wegen Obstruc— tion suspendirt.
— 2. Juli. In Folge erneuerter Obstruc— tion durch die Irländer wurden gestern Abend gegen 7 Uhr neun andere Homeruler auf An— trag Gladstone's unter großer Bewegung des Hauses suspendirt. Sodann nahm das Haus sämmtliche Artikel der Zwangsbill bis zum Ar— tikel 30 an. Die Annahme des letzteren Ar— tikels, welche die Dauer der Bill betrifft, er— folgte mit 59 gegen 6 Stimmen. Abends 8 Uhr vertagte sich das Unterhaus nach 30stündiger Sitzung.
Dublin, 30. Juni. Der Agent und Guts— verwalter Lord Clarincardes, Blake, und Kiane, welche heute früh von Naas nach ihrem Wohn— sitze zurückkehrten, wurden ermordet.
Türkei. Constantinopel, 30. Juni. Einer Meldung der„Agence Havas“ zufolge soll die Conferenz gestern den Vorschlag Englands, be— treffs einer bewaffneten Intervention der Pforte, geprüft haben und dabei der Ansicht gewesen sein, daß eine solche Intervention an Beding— ungen zu knüpfen sei, welche verhindern, daß sie keinesfalls in eine Occupation Egyptens aus— arten werde, welche die Stellung des Landes irgendwie ändern könne.
— 2. Juli. Der halbofficielle Vakit schreibt: Ungeachtet des einmüthigen Bedauerns der Bot— schafter über das Fernbleiben der Pforte von der Conferenz und trotz der formellen Versicher— ungen, daß die Conferenz die Interessen der Türkei nicht präjudiciren werde, müsse die Pforte dabei bleiben, das zu thun, was ihre Interessen gebieten, und werde keinen Moment zögern, dementsprechend zu handeln.— Es ist daher nicht unwahrscheinlich, daß die Botschafter, wenn es nicht gelingt, die Pforte bezüglich ihres Ver— hältnisses zur Conferenz zu einer Aenderung ihrer Haltung zu bewegen, den Mächten empfehlen werden, die Verhandlungen über die egyptische Frage von Cabinet zu Cabinet fortzusetzen.
Serbien. Belgrad, 29. Juni. Die Skupsch—⸗ tina nahm mit allen gegen drei Stimmen die Bahnconvention an.
Rußland. Petersburg. Wie die„Novosti“ erfahren, hat sich die Zahl der unteren Militärs der russischen Armee in der Friedensstärke seit der letzten Feststellung des neuen Etats für die Feldreserve und Ersatz-Infanterie um 65,443 Mann verringert.
— Im Gatschina-Palais wurde nach der Uebersiedelung des Hofes nach Peterhof eine angelegte Mine entdeckt, welche der Sohn des Schloßaufsehers hergestellt hat. Diese anfangs bezweifelte Meldung ist nach eingezogenen In— formationen authentisch. Ebenso richtig ist, daß ein zweites Verschwörerquartier entdeckt wurde, in welchem ein Mann und eine Frau wohnten; letztere entkam, der Mann wurde verhaftet. In der Wohnung fanden sich Handpressen und Pro— klamationen. Als zuverlässig verlautet ferner, daß die in der Peter-Pauls-Festung in Haft befindlichen politischen Verbrecher mit Vorwissen der Wache und eines Offiziers die Abende im geselligen Verkehre zusammen verbrachten und aller Wahrscheinlichkeit nach auch mit der Außen⸗ welt Beziehungen unterhielten. Das ist Thatsache.
Egypten. Alexandrien, 1. Juli. Derwisch Pascha hat im Namen des Sultans eine Pro— klamation erlassen, in welcher er erklärt, daß die Ordnung gesichert sei und in der er Gehor— sam für die Befehle des Khedive fordert. Nichts—
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destoweniger bleiben die Besorgnisse der Euro— päer bestehen und verlassen dieselben noch immer in Schaaren die Stadt. Die Post wird wahr— scheinlich auf den Dampfer des Khedive verlegt werden. Arabi begab sich nach Ismailia, aus welchem Grunde, ist unbekannt. Die Nach— richten über den Suezkanal lauten beruhigender, doch bleibt die Nähe der Beduinen immer noch verdächtig. Das in Paris umlaufende Gerücht, daß der Khedive sich an Bord eines Schiffes geflüchtet, ist unbegründet.— Die brodlosen Egypter sollen der Armee einverleibt werden. Arabi Pascha leugnet, Torpedos in den Suez— canal gelegt zu haben. Die Rüstungen dauern fort, die Citadelle von Kairo wird verprovian— tirt, die Reserven werden aufgeboten.
— Die Berichte der Consuln constatiren, daß die Polizei an dem Blutbade theilgenommen hat. Die von der Commission, welche das Ministerium eingesetzt hat, eingeleitete Unter— suchung ist reiner Kinderspott.
Amerika. Washington, 30. Juni. Der Präsidentenmörder Guiteau wurde heute endlich hingerichtet. Der Tod erfolgte sofort.
Aus Stadt und Land.
X Friedberg, 1. Juli 1882. Am 27. und 28. Juni l. J. fand dahier der 20. Verbandstag des hessischen Unterverbands der deutschen Erwerbs- und Wirthschafts— Genossenschaften unter zahlreicher Betheiligung statt. Am 27. traf die Mehrzahl der Vertreter hier ein und ver— sammelte sich am Vorabend im Steinhäußer'schen Garten, wo die hiesige Feuerwehrkapelle auf Wunsch des hiesigen Vorschuß- und Credit-Vereins in dankenswerther Weise ein Concert veranstaltet hatte. In der darauf im Hötel Trapp abgehaltenen Vorversammlung wurde die Tages— ordnung für den folgenden Tag festgestellt. Die Haupt⸗ Versammlung begann am 28. Morgens 9 Uhr und dauerte bis Nachmittags 3 Uhr. Den Vorsitz führte Verbands— director Diehls aus Cassel, zum Stellvertreter wurde Bürgermeister Seriba, zum Schriftführer C. Trapp dahier gewählt. Nachdem Bürgermeister Seriba die Versamm—⸗ lung begrüßt hatte, legte der Verbandsdireetor den Ge— schäftsbericht für 1881 ab, in welchem er eingehend die Vorgänge innerhalb des Verbandes, sowie des Genossen— schaftswesens überhaupt darlegte. Die darauffolgende Berichterstattung der Abgeordneten der einzelnen Vereine gab Gelegenheit, eine Reihe von Fragen, welche das Genossenschaftswesen berühren, zu erörtern, und bot gerade dieser Theil der Verhandlungen viel Belehrendes und Anregendes. Der weitere Gegenstand der Tages- ordnung, die Anstellung eines Verbandsrevisors, veran⸗ laßte den Vertreter der Anwaltschaft, Reichstagsabgeord— neten Parisius und den Bankdireetor Thorwart aus Frankfurt zu eingehenden Vorträgen; die daran sich knüpfende Debatte zeigte jedoch, daß dieser Gegenstand noch zu wenig vorbereitet ist, und namentlich der Kosten⸗ punkt erhebliche Bedenken bietet. Die Versammlung nahm deßhalb einen von Bürgermeister Seriba gestellten Antrag, wonach die Anstellung eines Verbands direktors im Prinzip gebilligt, die zur Ausführung der Maßregel erforderlichen Schritte dem Verbandsdirector übertragen werde, einstimmig an. Als Vorort wurde wieder Cassel und als Verbandsdireetor Diehls gewählt; die nächst— jährige Versammlung wird in Hersfeld stattfinden, als Abgeordneter des Verbandes wird Rechner Schäfer aus Grünberg an dem allgemeinen Vereinstag in Darmstadt theilnehmen.— Nach den Verhandlungen hielt ein zahl⸗ reich besuchtes, durch Toaste und Tischreden belebtes, gemeinschaftliches Mittagsessen die Genossenschafter noch einige Stunden zusammen. Leider konnten durch das an beiden Tagen herrschende Regenwetter die weiteren projeetirten Veranstaltungen nicht statt haben. Außer den dem Verband bereits angehörigen Vereinen hatten sich eine Anzahl weiterer an der Versammlung betheiligt, von denen die in Butzbach und Bad-Nauheim ihren Beitritt zu dem Verbande erklärten.— Wir dürfen wohl zufügen, daß seitens des Verbandsdirectors der seitens des Vorstandes des Friedberger Vereins ver⸗ öffentlichte Geschäftsbericht als allen Anforderungen ent⸗ sprechend, besonders anerkennend hervorgehoben wurde.
Pfungstadt, 30. Juni. Ein gräßlicher Unglücks⸗ fall fand gestern Morgen in der hiesigen Zündwaaren⸗ fabrik statt. Eine größere Quantität Zündmasse explo⸗ dirte und zerriß einen damit beschäftigten älteren ver⸗ heiratheten Mann buchstäblich in Stücke. Ein anderer wurde leicht verwundet. Der Getödtete hinterläßt seine Familie in den dürftigsten Verhältnissen.
Raibach, 29. Juni. Das von hier verschwundene Zjährige Kind ist im Eisenbacher Walde lebend aufge— funden worden, nachdem es volle 48 Stunden daselbst zugebracht.
Mainz, 30. Juni. Heute Nacht wurden hier mehrere Faschmünzer verhaftet; nähere Mittheilungen fehlen noch.
Allerlei.
Frankfurt. Die„N. Z.“ schreibt: Wie verlautet, hätte Paul Wallot auf die an ihn geschehene Aufforder— ung, zur Revidirung seines preisgekrönten Entwurfes nach Berlin zu kommen, seine Geneigtheit dazu zu erkennen gegeben. Seine Hauptaufgabe würde darin bestehen,
den von deen parlamentarischen Mitgliedern der Jurg geäußerten peraktischen Wünschen nachzukommen; ein Ein⸗ greifen in die maßgebenden Motive des Planes llegt aber ganz außerhalb der obwaltenden Absichten. Die entscheidende Stimme wird demnächst dem versammelten
Reichstag zustehen und handelt es sich darum, das als
das hervorragendste anerkannte Projekt so zu gestalten, daß seiner praktischen Ausführung Nichts im Wege steht. Die Ausarbeitung der Detailpläne zu dem großen Werke wird mindestes ein Jahr in Anspruch nehmen. Wallot hat keine Verpflichtungen, die ihn an der Uebernahme dieser Arbeit verhindern werden, 5 Mannheim, 28. Juni. Gestern Vormittag wurde von einem Soldaten der Mannheimer Garnison im Neckar bei Seckenheim die Leiche eines jungen Mädchens auf— gefunden. Dieselbe trug noch ihre fast vollständige Kleidung, hatte aber im Gesicht einige Hautabschürfungen und war ihr das Haar vom Kopfe fast ganz gelöst. In unmittelbarer Nähe auf einem Fruchtacker befand sich eine Stelle, welche einem Kampfplatz glich, so daß
die Vermuthung nahe liegt, daß ein Mord verübt worden
ist. Zur Feststellung des Sachverhalts verfügte sich das Gericht an Ort und Stelle.
Qpladen, 26. Juni. Am vergangenen Samstag Nachmittag flog, wie der„Rh. Merk.“ meldet, die hiesige Rheinische Dynamitfabrik in die Luft. Wodurch dieses Unglück entstanden, und ob Menschenleben dabei zu Grunde gegangen sind, ist noch unbekannt. Die Deto— nation war eine so starke, daß man dieselbe deutlich in Mühlheim hören konnte.
Straßburg. Die 28 höheren Lehr-Anstalten in Elsaß⸗Lothringen waren am 1. Mat 1882 besucht von 6001 Schülern, von denen 5781 Söhne einheimischer (altelsässischer und eingewanderter) Eltern, 220 Aus⸗ wärtige waren. Der Confession nach waren 2336 katho— lisch, 2993 protestantisch, 672 israelitisch.
Gerichtssaal.
Gießen. Schwurgerichtssitzung am 29. Juni 1. gegen Karl Hepper's Ehefrau von Ober-Mörlen und 2. Johann Philipp Rack II. von Dorn-Assenheim wegen betrüglichen Bankerutts und Beihülfe dazu. Die Geschworenen ver⸗ neinten die Schuldfragen, in Folge dessen beide Ange— schuldigte von Strafe und Kosten freigesprochen wurden.
Verloosungen.
Karlsruhe, 30. Juni. Gewinnziehung der badischen 35 fl.⸗Loose vom Jahre 1845. Je 1000 fl. fielen auf Nr. 76682 111326 156120 156123 210426 236519 291362 320020 337202 387843.
Kassel, 1. Juli. Gewinnziehung der Kurhessischen 40⸗Thaler-Loose. Der Hauptgewinn von 36,000 Thaler fiel auf Nr. 27736. 8000 Thaler auf Nr. 95135. 4000 Thlr. auf Nr. 131533. 2000 Thlr. auf Nr. 118398. Je 1500 Thlr. auf Nr. 69581 und 20665. Je 1000 Thlr. auf Nr. 143525 107060 und 158148. 400 Thlr. auf Nr. 157790 121813 104231 103557 und 71636. Je 200 Thlr. auf Nr. 158058 84624 98021 95242 153240 108788 136623 105784 143485 6339. Je 140 Thlr. auf Nr. 144747 165959 156193 74520 143513 58306 133913 25965 25192 111322 105462 127498 114915 120411 25975 34144 148276 4740 5293 157552. Je 100 Thlr. auf Nr. 9146 95133 74504 73316 142203 3381171847 105460 23834 6333 124418 145215 141756 156716 111304 145216 161030 165970 111777 5287 139321 163719 144919 33810 148279 71613 107059 23140 161584 38486 138369 71839 22698 138367 73636 73531 23139 145202 144749 133318 73637 9135 30597 98003 143220 11223 34147 43690 64248 33674 106223 131543 51051 744487 163718 140142 71608 131547 69598 147862 118385 71992 98016 3899 112874 126759 94499 111787 30587 124109 28832 39108 90209 139322 122972 94481 139464 31835 71367 30042 148289 102186 63114 90205 94494 120827 90210 161324 157969 150973 25178 19002 160633 132935 133116 116497 74518 157967 131531 131526 129599 121816 157865 153233 133301 124108.
Meiningen, 1. Juli. Serienziehung der 7⸗Gulden⸗ Loose. 82 328 343 600 704 844 1206 1447 2040 2556 2583 2843 3151 3756 3830 3834 3913 3985 4040 4187 4711 4736 5113 5198 5513 5663 5683 5742 5804 5993 6456 6877 7128 7410 7644 7983 8 18 8463 8486 8490 8642 9109 9268 9380 9551 9536 9610 9879 9886 9914.
Braunschweig, 1. Juli. Ziehung der 20⸗Thaler⸗ Loose. Serie 146 151 680 917 1086 1117 1259 1451 1678 1694 9017 2031 2251 2572 2621 2810 3038 3051 3069 3277 4012 4324 4364 4493 4614 4776 4814 5051 5184 5505 5660 5734 6045 6170 6518 6519 6522 6525 6555 6847 6997 7043 7087 7317 7554 7641 8214 8680 8871 8872 8966 9040 9166 9477 9592.
Wien, 1. Juli. Ziehung der 1854er Loose. Serien: 1 15 93 190 418 653 696 720 1207 1213 1618 1664 1828 1990 2168 2264 2458 2524 2554 2555 2582 2603 2636 2688 2771 2890 2909 3035 3053 3055 3107 3155 3231 3334 3410 3434 3572 3897 3903 3920.
Handel und Verkehr. Friedberg, 1. Juli. Wochenmarkt. Butter kostete per Pfd. M. 0.80.—0.90, Eier 1 St. 5 Pf, 2 St. gr. 11 Pf. Gießen, 1. Juli. Wochenmarkt. Butter per Pfd.
M. 0.80 0.86, Eier 1 St. 5 Pf., 2 St. gr. 11 Pf., Käse per St. 5—7 Pf., Tauben das Paar 65—80 Pf., Hühner per Stück M. 1.00— 1.20, Hahnen per Stück M. 0.65— 1.10, Enten per Stück M. 1.50— 1.70, Ochsenfleisch per Pfund 64-66 Pf., Kuh⸗ und Rindfleisch 54-56 Pf., Kalb⸗
fleisch 44 50 Pf., Schweinefleisch 62—64 Pf., Hammel⸗
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