Ausgabe 
3.10.1882
 
Einzelbild herunterladen

Im Post⸗ und Telegraphenamt ist ein Soldaten piket consignirt. Aus verschiedenen Berichten geht klar hervor, daß die ganze Judenbetze von auswärtigen Agitatoren eingeleitet und mit großen Geldmitteln erfolgreich betrieben wurde. Simonyi, welcher den Dresdener Antisemiten-Congreß be suchte, hetzte das Volk auf und sammelte zu diesem Zwecke Geld. 1. Oct. Von heute Nacht werden keine neuen Ruhestörungen gemeldet. Gestern hatte es den Auschein, als wäre eine Revolution bevorstehend. Der Anführer der Judenhetze, Ab geordneter Simonyi, wird sein Mandat nieder legen müssen.

Pest.Egyetertes erhält aus Triest Tele⸗ gramme, welche beweisen wollen, daß die Irredentisten mit den Nihilisten in Verbindung stünden. Die Telegramme wurden in Divizza aufgegeben. In Triest wurde deren Beförder ung verweigert.

Großbritannien. London. Wie die Times erfährt, ist beschlossen worden, 12,000 Mann Truppen in Egypten zu belassen. Von maßgebender Seite wurde befürwortet, das Occu pationscorps theilweise aus indischen Truppen muhamedanischen Glaubens zu bilden.

Gleich der griechischen erhebt auch die niederländische Regierung Ansprüche auf Sitz und Stimme in der in Alexandrien zu etabliren den internationalen Entschädigungs-Commission. Man glaubt in diplomatischen Kreisen ähnlichen Reclamationen auch von anderer Seite entgegen sehen zu sollen und halt eine rasche Beendigung der auf den Zusammentritt der Commission bezüg⸗ lichen Unterhandlungen für kaum wahrscheinlich.

Türkei. Constantinopel, 30. Sept. Das russische PacketbootOdessa ist gestern aus Egypten mit 110 von den Engländern für Egypten gedungenen Arbeitern hier angelangt. Der Capitän hatte sich geweigert, dieselben in den Dardanellen auszuschiffen. In Folge dessen wollen die Arbeiter das Schiff hier nicht ver lassen. Lord Dufferin ordnete hierauf an, daß die Arbeiter bis auf weiteres an Bord zu be halten seien.

Serbien. Belgrad. Die serbische Regierung hat den ehemaligen Ministerpräsidenten Nikola Christic mit unbegrenzter Vollmacht zur Ausrott⸗ ung des Räuberunwesens nach Valjewo entsendet.

Bulgarien. Sofia. Eine ständige bul garische Grenzwache zur Ueberwachung der Grenze gegen die Dobrudscha wird mit einem Kostenaufwande von 30,000 Francs noch im laufenden Jahre in's Leben gerufen.

Rußland. Petersburg. Die Neue Zeit meldet, daß sich die Commission bei dem Finanz⸗ ministerium für die Prüfung des Zolls auf den Import von Rohkupfer und Kupferwaaren gegen eine Erhöhung des Zolles ausgesprochen habe, da der bisherige Zoll zur Entwickelung der Kupferindustrie im Inlande ausreichend sei.

Egypten. Kairo, 30. Sept. Die Special⸗ Commission zur Prüfung der Anklagen wider die Rebellen beginnt heute ihre Arbeiten. Die Rückkehr der Gardebrigade ist auf den 30. Oct. festgesetzt. Das Occupationscorps soll 10,000 Mann zählen. Die Eisenbahnverbindung mit Alexandrien ist wiederhergestellt.

1. Oct. Die gestrige Truppenrevue vor dem Khedive dauerte zwei Stunden und verlief trotz der ungünstigen Witterung glänzend. Eine große Anzahl Eingeborener wohnte der Revue bei.

Aus Stadt und Land.

a. König i. O. Die Enthüllung und feierliche Ein⸗ weihung des Grabdenkmals, welches dem leider so früh verstorbenen Deean und Landtagsabgeordneten Groh von seinen zahlreichen Freunden und Bekannten in Stadt und Land auf dem hiesigen Friedhofe errichtet ist, wird dem Vernehmen nach am Jahrestage der Beerdigung 6. Oet. also künftigen Freitag dahier stattfinden und soll dazu Seitens des Comites noch öffentliche und speelelle Einladung erfolgen. Bei der allgemeinen Beliebtheit, dessen sich der Verstorbene zu erfreuen hatte, bei seinem ausgezeichneten Verdienste um die Hebung des Volks⸗ wohls darf man erwarten, daß Viele der Einladung folgen werden, um das Andenken an den Heimgegangenen

Allerlei. Dortmund, 28. Sept. Heute fand auf der Zeche Colonia(Mansfelder Bergbau) bet Langendreer ein Grubenunglück durch schlagende Wetter statt. Wahr⸗ scheinlich sind bis jetzt 18 verletzt, einer ist todt. Ladenburg, 30. Sept. Bei einem Güͤterzuge sind heute Nacht einige Wagen entgleist, wodurch auch der übrige Verkehr auf der Durchgangsstrecke nach Stutt⸗ gart einige Stunden unterbrochen worden ist. Ein weiterer Unfall ist nicht zu beklagen. München, 1. Oet. In der Elektrieitätsausstellung entstand heute ein unbedeutendes Feuer, welches sofort bemerkt und beseitigt wurde. Triest, 1. Oek. Das gestrige Seefest vor der Aus⸗ stellung verlief glänzend. Die Volkshymne und patriotische Weisen wurden vorgetragen und lebhaft applaudirt, auch wiederholt. Beim Abbrennen des Feuerwerks platzte auf einer beleuchteten Barke ein zum Leuchtkugelwerfen be⸗ stimmter Mörser, wodurch zwei Personen schwer verletzt wurden. Sebastopol, 30. Sept. Heute Vormittag explo dirte auf dem PopopkaschiffNowgorod eine Seemine, wodurch dem Vernehmen nach 2 Offieiere, 4 Matrosen, 1 Beamter und 8 Soldaten verwundet wurden. New⸗Nork, 30. Sept. Der DampferRobert Lee ist in der vergangenen Nacht auf dem Mississippi dreißig Meilen unter Vicksburg vollständig verbrannt. Der Verlust an Menschenleben ist ein sehr großer. Die genaue Zahl der Verunglückten, unter welchen sich viele Frauen befinden, ist noch unbekannt. Kairo, 29. Sept. Die Explosion des ersten Zuges erfolgte wegen Mangels an Vorsicht beim Einladen der Munstion, zwei weitere Züge fingen Feuer und dann wurden zwei weitere mit Heu beladene Waggons von Brandstiftern angezündet. 200 Waggons wurden zer

stört. Nach der ersten Explosion wurden zwei Araber in dem Moment festgenommen, als sie an einige Wagen Feuer legen wollten, ein dritter entkam. 1. October.

Acht Personen wurden verhaftet, welche die Weiterver⸗ breitung des Bahnhofbrandes förderten. Gerüchtweise verlautet, daß ein Heubündel, welches auf dem Bahn hof lagerte, mit Dynamit gefüllt gefunden worden. Eine

Bestätigung ist noch nicht da.

Gerichtssaal.

Butzbach, 30. Sept. Das gestrige Schöffengericht erkannte 1) gegen Val. Skibinsky von Butzbach, wegen Mißhandlung des Gerber Strudel von hier, auf 21 Tage Gefängniß und Tragung der Kosten; 2) gegen Wilhelm Rübsamen von Butzbach, angeklagt wegen Uebertretung, auf Freisprechung von Strafe und Kosten, da nicht nach⸗ gewiesen werden konnte, daß der Hund des ꝛc. Rüb⸗ samen, welcher ohne Maulkorb frei herumlief, bösartig sel; 3) gegen Ad. Spangenberg von Rockenberg und 4) gegen Ludw. Suppes von Kirchgöns, Beide wegen Beleidigung, auf je 3 Tage Gefängniß und Tragung der Kosten; 5) gegen Ed. Jac. Petri von Wiesbaden, wegen Bettels, auf 8 Tage Haft, Tragung der Kosten und Ueberweisung an die Landespolizeibehörde. 6) die Be⸗ leidigungssache gegen Jae. Klotz Eheleute von Ostheim endigte mit einem Vergleich, indem die Beklagten die entstandenen Kosten zu zahlen sich bereit erklärten. Altenstadt. Donnerstag den 5. October findet dahier eine Schöffengerichtssitzung statt, wobei folgende Sachen zur Verhandlung kommen werden: 1) Strafsache gegen Adam Hensel von Rommelhausen, wegen Körperverletzung; 2) Strafsache gegen Bernhard Fuchs von Heegheim, wegen Uebertretung baupolizeilicher Vorschriften; 3) Straf⸗ sache gegen Wilhelm Fries von Langenbergheim, wegen Diebstahls; 4) Strafsache gegen Johannes Fischer IV. von Bönstadt, wegen Sachbeschädigung und Ruhestörung.

Gießen. Schwurgerichtsverhandlung am 28. Sept. gegen Peter Grünewald von Brauerschwend und Heinr. Grenzer von Reimenrod wegen betrüglichen Bankerutts und Beihülfe. Die Geschworenen bejahten die Schuld⸗ frage und wurden demgemäß Grünewald in eine Ge⸗ fängnißstrafe vo 6 Monat und Glenzer in eine solche von 5 Monat verurtheilt. Verhandlung am 29. Sept. gegen Wilh. Röhrig V. von Homberg wegen Meineids. Roͤhrig wurde für schuldig erachtet und in eine Zucht⸗ hausstrafe von zwei Jahr und drei Monat, sowie zur Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von drei Jahr verurtheilt, ihm auch die Befugniß ab⸗ gesprochen, je wieder als Zeuge oder Sachverständiger eidlich vernommen werden zu können.

Zur Unterdrückung des Vaganten⸗Wesens.

In derMagdeb. Ztg. finden wir eine sehr beachtenswerthe Nachricht über einen in Westfalen gemachten Versuch, Landstreicher zur Arbeit heranzuziehen. Immer allgemeiner, schreibt dieses Blatt, scheint es begriffen zu werden, daß auf dem Vereinswege allein dem Uebel der landstreichenden Bettelei ebenso wenig ganz ab⸗ zuhelfen ist, wie mit Strafen; daß vielmehr die Organe der Selbstverwaltung dagegen aufgeboten werden müssen. So ist es zuerst im Königreich

Sachsen und mit besonders gutem, raschem Er⸗ folge in Württemberg geschehen; so hat es nun der größere Theil von Sachsen-Weimar an⸗ gebahnt, mit dem Vorsatz, anderen benachbarten

halten. Das Verfahren ist aber wohl

einer Ergänzung bedürftig und diese hat man ihm in Westfalen, in der Gegend um Bielefeld herum, durch die Gründung einer landwirth⸗ schaftlichen Arbeitskolonie zu geben versucht. In der Senne, einem wenig fruchtbaren Haide striche, der aber durch Aufpflügung des eisen⸗ schüssigen Bodens namhaft verbessert werden kann, sind drei Bauernhöfe von fünfhundert Morgen Gesammtfläche angekauft und Wilhelms⸗ dorf getauft worden. Dorthin weist man nun diejenigen wandernden Bettler oder bettelnden Wanderburschen, welche anderweit weder durch sich selbst, noch mit Hilfe der dafür organisirten Herbergen Veschäftigung zu finden vermögen. Sie müssen bei ihrem Eintritt die Arbeits- und Hausordnung unterzeichnen, nöthigenfalls neu oder vollständig bekleidet und dann zur Arbeit geführt. Die ersten vierzehn Tage wird umsonst gearbeitet; dann ihnen für weitere vierzehn Tage je 25, später

Baares Geld wird während des

bleibt, nach Bezahlung der ihm gelieferten Kleidungsstücke und des Handwerkszeuges. Er wird aber auch nicht länger behalten, als bis er dies abverdient hat und bis ihm neue Be⸗ schäftigung nachgewiesen werden kann, zu welchem Ende die Kolonieleitung in fortlaufender Ver⸗ bindung mit Bau⸗Unternehmern, und Arbeitgebern aller Art steht. nach, sagt der Vorstand in seinem Aufruf,wird ein fleißiger Mann sein Ziel in drei bis vier Monaten erreicht haben, so daß er die Kolonie wieder verlassen kann, um neuen Ankömmlingen Platz zu machen. In dieser Weise ist seit einem halben Jahre verfahren worden. Unter 118 Aufgenommenen die doppelte Zahl meldete sich, fand aber noch keinen Raum sind nur vier als Betrüger oder Faul⸗ lenzer erfunden worden.Die Uebrigen haben bei Frost, Nässe und Hitze treulich bei der(Ur⸗ barmachungs- und sonstigen) Arbeit ausgehalten, ohne einen Pfennig Geld, ohne einen Tropfen Schnaps und der größte Theil hat bereits anderweitig in selbstverdienten Kleidern neue Arbeit erlangt. Nicht blos die Besseren unter den unglücklichen Landstreichern, auch das an⸗ sässige Publikum hat von der Sache klaren handgreiflichen Nutzen, dennzu gleicher Zeit hat die Vagabundage in denjenigen Kreisen, welche sich dem Unternehmen angeschlossen haben, einen Todesstoß empfangen. Auf das Viel⸗ seitigste wird bezeugt von Bauernhöfen und großen Gütern, die sonst üͤberschwemmt wurden, daß sich kein einziger Vagabund mehr blicken lasse und Vagabundenwirthe sind bereits darum eingekommen, daß sie ihre Wirthschaft nieder, legen wollen, weil sie ihre Rechnung nicht meht finden. Es liegt auf der Hand, daß eine Organisation für unmittelbaren und mittelbaren Beschäftigungsnachweis, wie diese Kolonie, dem von Bettlern angesprochenen Publikum eine noch ganz andere Beruhigung hinsichtlich der ge währten öffentlichen Hilfe gewährt, als die her gebrachten Gaben-Comptoire der Vereine gegen Bettelei. Eben deßwegen wirkt sie kräftigen

Der Regel neuesten

oder sentimentalen unverantwortlichen Geben al nichtbekannte Bettler hin. Im Uebrigen ist die Einrichtung in der Bielefelder Gegend wie ii Württemberg, daß nur alle 2 bis 3 Stunde eine Gabestation ist und nur Naturalgaben ge reicht werden, kein Geld. Allerdings haben noch nicht, wie in Württemberg, Kreise, Aemtel und Gemeinden die Centralistrung des Geben in die Hand genommen, sondern Vereine, aber das wird wohl, da schon die Provinz mit Zu schüssen eingetreten ist, nur noch für eine kurze Frist sein. Nach dem Aufruf des Kolonievorstandes um Geldunterstützung bedarf derselbe bis zu einen ersten Erndte im Herbst 1883 noch mindesten 80,000 Mark Kapital.

zu ehren.

Theilen von Thüringen den Beitritt offen zu

werden gebadet,

werden 40 Pfennig täglich in's Lohubuch gutgeschrieben. Aufenthaltes

in Wilhelmsdorf keinem Kolonisten ausgezahlt. Bei seinem Abgang empfängt er, was übrig

898 Handwerkern

auf allgemeine Enthaltung von dem leichtsinnigen

S 2

*

S=-- f

S D S

Seri Jablu 27 11002 IId 105 238 257 315 375 405

5

S& S g 3

5

2 2

genf

2