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1882. Dienstag den 3. October. M116.
berhessischer Anzeiger.
Wird hier und in Nauheim Montag, Mittwoch und Freitag Abend ausgegeben.
Erscheint dreimal wöchentlich und zwar Dienstag, Donnerstag und Samstag.
Kreisblatt für den Kreis Friedberg.
Die einspaltige Petitzeile wird bei Annoncen mit 11 Pf. berechnet, bei größerem Tabellen- oder Ziffersatz mit 14 Pf., bei Reelamen mit 22 Pf.; ein Beleg kostet 9 Pf. Anoncen von auswärtigen Einsendern(soweit Letztere nicht Jahres⸗Conto bei uns haben), welchen der Betrag nicht beigefügt ist, werden stets per Post nachgenommen.
Amtlicher Theil.
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ketreffend: Das Auswanderungswesen. Friedberg am 30. September 1882.
Das Gr. Kreisamt Friedberg an die Gr. Bürgermeistereien des Kreises und das Gr. Polizeicommissariat Wickstadt. Wir wollen binnen 8 Tagen unfehlbar Ihrem Berichte darüber entgegen sehen, ob während der Jahre 1877, 1878, 1879, 1880 und 1881 und 1. wieviele mit oder ohne Auswanderungserlaubniß(getrennt anzugeben) ausgewanderte Personen Dienst- und Arbeitsverhältnisse vor lem Ablauf der bestandenen Contrakte aufgegeben haben, und 2. wieviele mit oder ohne Auswanderungserlaubniß(getrennt anzugeben) ausgewanderte Personen verpflegungsbedürftige Angehörige ihne Sicherung ihrer Existenz zurückgelassen haben. Dr. Braden.
Dienstnachrichten aus dem Kreise Friedberg.
idwig Schuld wurde als Nachtwächter, sowie Conrad Junghenn und Dietrich Daubert als Beiwächter der Gemeinde Staden ernannt und verpflichtet.
Ausgewiesen aus dem Großherzogthum auf Grund des F. 3 Absatz 2 des Freizügigkeitsgesetzes: Wilhelm Methner aus Lüben, Kreis üben, Regierungsbezirk Liegnitz.— Wegen Bettels bestraft: Heinrich Dritscheidt aus Sudderwich, Kreis Recklinghausen, Regierungsbezirk Münster; Louis Hermann Weichler aus Quedlinburg, Kreis Aschersleben; Philipp Höhn aus Flomborn, Kreis Alzey, Rheinhessen; Adam beinrich Gunkler aus Langenschwarz, Kreis Hünfeld, Regierungsbezirk Kassel; Friedrich Karl Ludwig Fischer aus Meurs, Provinz Brandenburg; zouis Wilhelm Heinrich Fischer aus Hamburg; Karl Battenfeld aus Battenfeld, Amt Battenfeld; Wilhelm Methner aus Lüben, Regierungs⸗
lezirk Liegnitz; Ferdinand Steinberger aus Dippertz, Kreis Fulda; Elisabethe König von Homberg, Regierungsbezirk Kassel.
An die Großherzoglichen Bürgermeistereien in den Großherzoglichen Districts-Einnehmereien Friedberg und Nieder-Wöllstadt. Wir ersuchen Sie, in Ihren Gemeinden durch die Schelle bekannt machen zu lassen, daß die Berichtigung der Forst- und Feldstrafen für die IV. Periode 1882 bm 1. bis 25. October dieses Jahres an den Zahltagen Dienstags und Donnerstags ohne Mahnung anher geschehen kann. Großherzogliche Distrikts-Einnehmereien Friedberg und Nieder-Wöͤllstadt.
Friedberg am 30. September 1882.
Weigel.
Nieß.
Deutsches Reich.
Darmstadt. Militärdienstnachrichten. Mache, Major vom 2. Gr. Inf.-Regt. Nr. 116, zum tatsmäßigen Stabsoffizier ernannt; v. Mar⸗ lowski, Hauptm. und Comp.⸗Chef der Haupt⸗ adettenanstalt, unter Beförderung zum über— hligen Major, in das 2. Gr. Inf.-Regt. Nr. 116 hersetzt; Westerweller v. Anthony, Generalmajor id Flügeladjutant, zum Generaladjutanten Sr. . H. des Großherzogs ernannt; Prinz v. Batten— rg, Sec.⸗Lt. vom Königs-Hus.⸗Regt. Nr. 7, in des Regt. der Garde-du⸗Corps versetzt; Krieß, Najor vom 2. Gr. Inf.⸗ Regt. Nr. 116, der Fschied bewilligt.
— Der prov. Lehrer an der Vorschule der Jealschule zu Darmstadt Reinhardt wurde zum hrer an der Realschule daselbst, der Lehrer an r Realschule zu Alzey Kaßlick und die Schul— rwalter an der Vorschule der Realschule zu Tarmstadt Bender, Guyot, Reuß von Nauheim und Stumpf zu Lehrern an der Realschule zu Darmstadt ernannt.
— Das Regierungsblatt, Beilage Nr. 22, uthält:
1. Bekanntmachung, die zur Ausfertigung und Erle⸗ zung von Uebergangsscheinen ermächtigten Stellen betr.
11. Verzeichniß der Vorlesungen ꝛc. im Wintersemester 682/88 an der technischen Hochschule zu Darmstadt.
111. Bekanntmachung, die Erhebung der Umlage in len Gemeinden Stockstadt und Trebur pro 1882/83 betr.
IV. Ordensverleihungen.
V. Namensveränderungen.
VI. Dienstnachrichten. Es wurde: dem Schullehrer backes zu Ober⸗Eschbach und dem Schulamtsasp. Stern
Heppenheim Lehrerstellen an der Volksschule zu Darm⸗ 2 übertragen; H. Rill aus Habitzheim zum Aufseher n dem Gefängniß zu Mainz, der Bauaufseher Berg zu kein⸗Winternheim, der Pfandmeister-Viear Walter zu bädingen, sowie der Steueraufseher-Viear Seibert zu Tarmstadt zu Steueraufsehern ernannt; dem Schul⸗ aalgasp. Hoffmann aus Eschollbrücken die Lehrerstelle zu Elsterbach übertragen; der Landgestütsbeiknecht Weinehl uus Vendersheim zum Landgestütsdiener ernannt; dem Schullehrer Gleg zu Frei-Laubersheim die Lehrerstelle zu Lachenheim, dem Schullehrer Stumpf zu Zell die Lehrer⸗ Ile zu Harpertshausen übertragen; der auf die 4. Lehrer⸗ ele zu Büdingen präs. Schullehrer Becker zu Nidda lerätigt; dem Schullehrer Reidel zu Bermersheim eine lerrerstelle zu Gundersheim übertragen; dem Schul— in tsasp. Zilles aus Hofheim die Lehrerstelle zu Jugen— em Übertragen; der auf die 1. Lehrerstelle zu Unter—
Mossau präs. Schulamtsasp. Ehrhard aus Nieder-Kains bach bestätigt; der Schutzmann Eise zu Darmstadt zum Steueraufseher ernannt; der auf die Lehrerstelle zu Stein— bach präs. Schulamtsasp. Olt aus Breitenbrunn bestätigt; dem Schulamtsasp. Dessoi aus Hackenheim eine Lehrer— stelle zu Worms übertragen; dem Schulamtsasp. Kloster aus Abenheim eine Lehrerstelle zu Jügesheim übertragen; der prov. Pedell Deppert aus Bensheim zum Pedellen an dem Gymnasium zu Bensheim ernannt; dem Schul— lehrer Nicolai zu Hechtsheim eine Lehrerstelle zu Mainz, dem Schullehrer Metzger zu Neckar⸗Steinach eine Lehrer stelle zu Bretzenheim übertragen.
VII. Charakterertheilungen.
VIII. Dienstentlassung. Der Schullehrer Schmidt zu Offenbach wurde auf Nachsuchen entlassen.
IX. Dienstenthebung.
X. Ruhestandsversetzungen.
XI. Coneurrenzeröffnungen. Erledigt sind: Die ev. Pfarrstelle zu Goddelau, Gehalt 2852 M. Die Lehrer— stelle zu Haisterbach, Gehalt 900 M.
— Das Regierungsblatt Nr. 21 enthalt: Bekanntmachung, die Besetzung der Subaltern— und Unterbeamtenstellen bei den Reichs- und Staatsbehörden mit Militäranwärtern betr.
Stuttgart, 29. Sept. Das griechische Königspaar ist heute hier eingetroffen.
Ausland.
Oesterreich-Ungarn. Wien, 28. Sept. Auf der Rückreise aus Rußland ist Fürst Nico— laus von Montenegro gestern hier eingetroffen und wird Ende dieser oder Anfangs nächster Woche nach seiner Heimath zurückreisen. Der Empfang, der dem Fürsten hier bereitet wurde, entspricht ganz demjenigen, den er bei seiner Reise nach Rußland in Wien gefunden, aber lange nicht dem, der ihm in Petersburg und Moskau zu Theil geworden. Verwundern darf darf sich freilich Niemand darüber; dort hat man
Grund genug, ihn zu fetiren, hier desto weniger.
Lemberg. Der Kaiser hat anläßlich der in diesem Jahre in Galizien durch Ueberschwemm ungen und Regengüsse angerichteten Verwüst— ungen 10,000 Gulden aus dem Staatsschatze zur Ertheilung unverzinslicher Vorschüsse an ge— schädigte Gemeinden oder an einzelne Hülfsbe— dürftige, in letzterem Falle jedoch nur unter Haftung der betreffenden Gemeinden, bewilligt.
Preßburg, 28. Sept. Von hier liegen Nach— richten über Judenkrawalle vor. Juden wurden
persönlich insultirt und jüdische Häuser ausge— plündert, darunter auch ein Brauhaus. Das Militär mußte einschreiten.— 29. Sept. Der Preßburger Stadtmagistrat hat sich heute in Permanenz erklärt und erläßt einen Aufruf, welcher die Bevölkerung zur Ruhe ermahnt. Das Militär ist in allen Kasernen consignirt, kleinere Patrouillen durchziehen die Stadt wäh— rend des ganzen Tages; circa 40 Individuen wurden verhaftet, einige von diesen geben an, daß für morgen ein noch weit heftigerer Angriff gegen die Juden bevorstehe.— 30. Sept. Gestern dauerten die ganze Nacht hindurch die Straßen— tumulte fort. Gierig nach Beute durchzogen die Pöbelmassen und Slovaken die Stadt, gehetzt von wenigen Führern, darunter Mitglieder der höheren Rechtsakademie! 1800 Mann Militär, darunter Artillerie, blieben consignirt, so daß die Volksmenge es nicht wagte, in die Juden— gasse einzudringen. Das Gewölbe eines Ge— würzkrämers Kohn wurde vollständig ausgeplün— dert. Bei einer Begegnung des Militärs mit den Tumultuanten wurde ein Civilist durch einen Bajonnetstich, ein Soldat durch einen Steinwurf verwundet. Um halb zwei Uhr fand eine starke Ansammlung der einzelnen Haufen statt. Die Patrouillen wurden, wo immer sie durch die Menge schritten, mit dem Gebrüll:„Eljen Istoczy“ empfangen. Es wurde die Parole ausgegeben, die Villen der jüdischen Besitzer zu plündern. Es sind zwei starke Abtheilungen Militaͤr nach Preßburg unterwegs, um den Poͤbel zu fassen. Bei deren Eintreffen wird das Standrecht pro— clamirt werden. Dank den energischen Maß— regeln der Regierung verlief der heutige Abend ohne besondere Vorgänge. Der von der Re— gierung entsendete außerordentliche Commissär hatte das Militär verstärken lassen und an die Spitze der Truppen gewiegte Beamte gestellt, welche bewaffnet wurden. Um 7 Uhr Abends wurden die Straßen bereits abgesperrt und da— durch jede Ansammlung verhindert. Man er— wartet noch drei Bataillone aus Pest und miß— traut der momentanen Ruhe. Die Postwagen werden auch zur Bahn vom Militär begleitet, da eine Plünderung derselben befürchtet wird.


