Ausgabe 
2.11.1882
 
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Sturm richtete

Madrid, 31. Oct. Ein heftiger zahlreiche See

an den Nord- und Südküsten Spaniens unfälle an.

Manilla, 21. Oet. Eine neue und schreckliche Katastrophe hat Manilla betroffen. Ein fürchterlicher Orkan hat die Stadt fast gänzlich zerstört. In weniger als einer Stunde waren die Häuser der Eingeborenen und auch die Blockhäuser vernichtet; auch solide Stein gebäude und solche mit Eisen-Construction wurden ab⸗ gedeckt und unbewohnbar gemacht. Mehr als 60,000 Familien sind obdachlos. Die Baracken, Spitäler, Aemter, Läden und Magazine sind zerstört. Mehrere Schiffe sind zu Grunde gegangen. Unter den Menschen sind ver- hältnißmäßig wenig Unglücksfälle vorgekommen.

Gemeinderathssitzung. S. Friedberg, 31. Oet. In der gestern stattgehabten Sitzung des Gemeinderathes wurde der Entwurf eines Ver⸗

trags zwischen der Stadt und der Firma Dreyer, Rosen⸗ kranz& Droop in Hannover bezl. Lieferung der Wasser messer vorgelegt und mit einigen Zusätzen und Abänderungen genehmigt. Ein Gesuch des G. Hanau auf Errichtung einer Petroleum⸗Laterne am Ende der Vorstadt zum Garten, wurde abgelehnt. Die Baucommission wurde beauftragt bezüglich der Ableitung des Küchenwassers aus der Wohnung des Dr. Schmid durch das Burg⸗ Pfarrhaus Einsicht zu nehmen und Vorschläge behufs Abhilfe zu machen. Ein Gesuch des Turnvorstandes auf Führung der Wasserleitung bis zur Turnhalle soll ge nehmigt werden, wenn sich ersterer dazu versteht, minde stens 35 Mark jährlich für den Wasserverbrauch zu ver⸗ güten. Als Maschinenführer für das städtische Wasser⸗ werk wurde Schlossermeister J. W. Faatz, als Heitzer J. Oberländer dahier mittelst schriftlicher Abstimmung gewählt. Mit denselben soll besonderer Vertrag abge schlossen werden. Die Rechnung der Gr. Realschule von 1881/82 wurde nach vorausgegangener Prüfung genehmigt. Ein Weltfahrer unter den Pflanzen. (Schluß des Artikels in Nr. 125.)

Parmentier legte Kartoffelsamen. Siehe, er ging auf und bald stand die weite Fläche voll) violetter Blüthen. Der König war entzückt, als er Brod wachsen sah. Er steckte die ersten Blüthen, die man ihm brachte, in's Knopfloch und durchfuhr mit diesem Schmuck die Straßen von Versailles. Die Königin Maria Antoinette erschien auf dem Hofballe mit einem Strauß Kartoffelblütben im Haare, als mit dem Kost⸗ barsten was Frankreich besaß. Nun beeilten sich alle Herzoginnen, Gräfinnen und Hofdamen, die Gunst Parmentier's zu gewinnen, damit er ihnen für Geld und gute Worte einen Kartoffelblütben strauß band. Ganz Paris sprach nur von Par⸗ mentier und seinem neuen Brod, lieber noch von seinen wunderbaren Blumen. Aehnliches wiederholte sich in Athen, als die erste Königin, die oldenburgische Prinzessin Amalie, 1836 ihren Einzug hielt, denn die vornehmsten Jungfrauen überreichten ihr einen Strauß von Kartoffel- blüthen, als das Schönste und Seltenste, was das junge Königreich besitze. Ja, auch Rußland versuchte Aehnliches, indem es 1844 hohe Preise als Belohnung für Diejenigen aussetzte, die Kar toffeln anpflanzten, wogegen Friedrich II. in Schlesien, Pommern und Preußen die Bauern durch Dragoner zwang, Kartoffeln anzubauen (1763). Die Volksnahrung fand bei den ab soluten Herrschern die kräftigste Unterstützung, der sich aber das Vorurtheil der Gewohnheit widersetzte. Die Kartoffel wanderte unterdessen nach Deutschland, um auch hier eine lange Lei densgeschichte durchzumachen, ehe die Bauern begriffen, welchen Vortheil ihnen der Kartoffel bau bringen kann. Während des dreißigjährigen Krieges unternahm ein niederländischer Offizier, in den Gärten böhmischer Edelleute die Kartoffel als Ziergewächs anzupflanzen, worauf andere Edelleute sie nach Bayreuth brachten. Sie blieb hier 100 Jahre lang nur Gartenfrucht, wie etwa unsere Gurken, Zwiebeln und Salat; bis die Regierung 1716 die Bauern zwang, ihren Zehnten an die Geistlichen und an die Regierung in Kartoffeln abzuliefern, so daß namentlich den Main entlang die Prediger die Verbreiter des Kartoffelbaues wurden. Im Murgthale führte sie auf rührende Weise der Holzbauer Rinden schwender ein(1740). Er hatte in Württem⸗ berg als Bauernknecht gedient, Kartoffel gepflanzt und gegessen und solchen Wohlgefallen an dieser Frucht gefunden, daß er sich öfter versucht füblte, sie zu stehlen, um sie in seinem Geburts ort Gaggenau anzupflanzen. Seine Gewissen

haftigkeit hielt ihn jedoch ab, ein Verbrechen zu begehen, dagegen bedang er sich von seinem Herrn austatt des Lohnes einen Sack voll Kartoffeln. Der ehrliche Knecht empfing neun Koͤrbe voll, eilte mit seinem Schatze hoch erfreut heim in sein stilles Geburtsthal und hatte die Freude, recht bald viel Kartoffelfelder in seiner Heimath grünen zu sehen. Er machte gute Geschäfte, erhielt den Titel Oekonomierath und hinterließ bei seinem Tode(1803) ein Vermögen von 300,000 Gulden. Nach Norddeutschland kam die Kartoffel etwas früher, da man sie am Wesergebirge, am Harz und an der sächsischen Saale bereits 1640 als Gartenfrucht anbaute. Lange dauerte es, ehe man Kartoffeln auf dem Felde anbaute, denn die Bauern zogen sie im Garten nur als Leckerei, die man an Sonn und Festtagen statt Butter oder Kaͤse zum Brode , was allerdings nicht recht mag gemundet haben. In Preußen mußte gar die Regierung die Bauern zwingen, Kartoffeln anzubauen. Wie in allen fürstlichen Gärten hatte man auch in dem kurfürstlichen zu Berlin 1699 Kartoffeln als Seltenheit und Leckerei angebaut, wie heut zu Tage etwa Ananas und Orangen; doch schon Friedrich Wilhelm J. wünschte, daß der Kartoffelbau als Nahrung für die Armen ge pflegt werde, und Friedrich II. erzwang ihn namentlich in Schlesien durch Militärexekutionen. Die Kriegsjahre 1700 1714 und 1751 64 bewiesen, wie weise diese strengen Verordnungen waren. Als nun 1770 große Hungersnoth ausbrach und 180,000 Menschen in Böhmen verhungerten, 200,000 in das Kartoffelland Schlesien auswanderten, wo nur 100,000 vor Hunger gestorben waren, begriff man die Thor⸗ heit, den Anbau der Kartoffel als Feldfrucht versäumt zu haben. Nach und nach verbreitete sich der Kartoffelbau über ganz Europa. Nach Mecklenburg brachte ihn ein Offizier aus Schottland mit(1771), in Bern baute man sie 1730, in Finnland und Schweden 1760, selbst in die Hochthäler von Röraas kam die Kartoffel, wo sie nur die Größe einer Haselnuß erreicht. In Rußland förderte man(1844) ihren Anbau durch Belohnungen; in der Türkei, namentlich in Illyrien und Montenegro, sowie in Griechenland beginnt erst der Kartoffelbau, dagegen hat er sich von Osteuropa über Asien bis Kamtschatka verbreitet. In Persien nennt man die Kartoffel nach dem englischen Gesandten Malcolmpflaumen, in China bildet sie als Hol⸗ länderyam das edelste Gericht auf den Tischen der Vornehmen. In den Thälern des Himalaja, in Sibirien wie in Australien und im Kaplande fehlt die Kartoffel nicht mehr. Sie hat ihre Weltfahrt vollbracht in 400 Spielarten, auf hohen Gebirgsthälern, zwischen eisigen Berg riesen und in fruchtbaren Niederungen aller Erdtheile hat sie ihr Heim gefunden, um den arbeitsamen Menschen vor Hungersnoth zu schützen. Die Kartoffel hat die Erde erobert, nährt Könige und Bettler, ist die Sorge des Landmannes wie die der Arbeiter und Regierungen. An Kartoffel, Mais und Lama knüpft sich die Cultur im alten Incareiche; auf die Benutzung des Landes zum Anbau der Knollenfrucht gründet sich zum Theil der Betrieb der gegenwärtigen Landwirthschaft mit ihren Brennereien und Vieh⸗ mast; ohne billige Volksnahrung konnte das Fabrikwesen nicht seine ungeheure Ausdehnung erhalten. Zwar hat sie die Ehre verloren, königliche Tafeln als Leckerei zu zieren, aber dafür ward sie die Ernährerin und Wohlthäterin von Millionen und unermüdlich thätig, Vorur⸗ theile zu beseitigen. Mit ihr beschäftigen sich Juristen, und noch sind Aerzte und Chemiker nicht darüber klar, wie viel Nabrungsstoff sie enthält und ob sie die Skropheln verursacht. Die Kartoffelfrage ist auch eine Weltfrage. Man beseitige sie und dann wird man emfinden, was sie warl

Handel und Verkehr. Friedberg, 31. Oet. Fruchtbericht. Waizen M. 19½, Korn M. 15½, Gerste M. 1416, Hafer M. 13. Alle Preise verstehen sich auf 100 Kilo= 200 Zollpfund.

Friedberg, 1. Nov. Wochenmarkt. Butter g per Pfd. M. 0.951.10, Ele 1 St. 8 Pf, 2 Sk. 15 ff Gießen, 31. Oct. Wochenmarkt. Butter per Pfd.

M. 1.20, Eier per St. 78 Pf., Käse pr. St. 48 Pf. Tauben das Paar 4055 Pf., Hühner pr. St. M. bis M. 1.50, Hahnen per St. M. 0.60 1.00, Enten 1 per St. M. 1.70 2.00, Ochsenfleisch per Pfd. 6670 Pf., Kuh⸗ und Rindfleisch 5660 Pf., Kalbfleisch 54 56 Pf.,

Schweinefleisch 6264 Pf., Hammelfleisch 60 66 Pf., Kartoffeln 100 Kilo M. 5.00 8.50, Zwiebeln per Etr. M. 4.00, Gänse per Pfd. 46 58 Pf., Weißkraut 100 Stück M. 2 5.00.

Grünberg, 28. Oct. Fruchtpreise. Weizen M. 18.80, Korn M. 15.68, Gerste M. 13.50, Hafer M. 12.20, Erbsen M. 16.40, Samen M. 256., Kartoffeln M. 6.08.

Frankfurt, 30. Oet. Frankfurter Produktenbörse, (Offielelle Nottirungen.) Weizen still, effeetiv hiesiger und Wetterauer M. 201½. /., fremder M. 22. 23., per diesen Monat M. 20½., Roggen still, eff. hies. M. 14½. bis 15., fremder M. 15. 17., per diesen Monat M. 15, Gerste still, effectiv hiesige und Wetterauer M. 18.19, fremde M. 1821., Hafer still, eff. hies. M. 13. 14,

fremder M. 13½. 14/., per diesen Monat M. 13½, Rüböl still, effectiv ohne Faß hiesiges in Parthien von

50 Centner M. 35., Branntwein still, effeetiv ohne Faß M. 45. Mehl Nr. 1 M. 38., Nr. 2 M. 36., Nr. M. 31., Nr. 4 M. 27., Nr. 5 M. 24., Roggenmehl 0/1(Berliner Marke) M. 231½., I.(Berliner Marke) M. 21½., II.(Berliner Marke) M. 19.

Frankfurt, 30. Oet. Viehm. Angetrieben waren ca. 320 Ochsen. Der Preis für 2. Qual. stellte sich auf M. 6365., 1. Qual. M. 6871. Die zugetriebenen eirea 250 Kühe und Rinder erzielten für 1. Qualitt M. 65., 2. Qualität M. 60. und 3. Qualität M. 55. Kälber waren zugetrieben eirea 230 Stück; 1. Qualität M. 70 72., 2. Qualität M. 60. Hämmel waxen zu⸗ getrieben eirea 750 Stück; die geringere Qualität ging zu M. 3840., bessere zu M. 50. ab, Primawaare war kaum oder gar nicht vertreten. Schweine waren in guter Landwaare(Hannoveraner) heute eirea 350 am Markt, welche zu M. 65. verkauft wurden. Von nächsten Montag an beginnt der Viehmarkt Morgens um 7 Uhr.

D. Frankfurt a. M., 31. October. Die Tendeng war heute anfangs wenig fest in Folge des in der Liqui⸗ dation noch hervorgetretenen Stückeüberffusses und übten deshalb die höheren Wiener Morgencourse nur einen ge⸗ ringen Einfluß aus. Später machte sich jedoch eine Besser⸗ ung geltend, die theilweise auf gestiegenen Pariser und Londoner Eoursen basirte. Egypter geriethen auf Lon doner Impulse in steigende Bewegung und auch daz! gegewärtige Favoritpapfer der Spekulation, Gotthard

actien, verkehrten wieder in sehr guter Haltung. De

Liquidation ging im Ganzen ohne erhebliche Schwien keiten vorüber. Creditactien, gestern Abend 2605/8, heulte 2605/ 59½ und 259½ pr. ept., 2613 260 26ll pr. ult. November. Staatsbahnactien, gestern Abend: 2927/8, heute 2935 17/ und pr. ept., 29334 20/8 und 292¼ pr. ult. November. Galizier, gestern Abend: 265, heute 264½/ iund 264. Lombarden, gesterm Abend 112 ¼, heute 1127/8/ und 1133/. Von österr⸗ Bahnen sind Rudolf, Siebenbürger, Alföld und Duzen matter. Bareser, Buschtiehrader, Böhmen, Nordwesl und Elbthal sind höher. Gotthardaetien stiegen von 99¼ bis 100. Ausländische Fonds fest. Oesterr. Gold rente matter. Egypter schlossen ½8ö0/0 höher. Russen matter, 1877er etwas besser. Banken still. Amerikanischg Prioritäten ruhig. Georgia Aid, 6 und 30% Nashyllle schwächer. Anlagewerthe preishaltend. Von Industrle⸗ werthen Alkali 3% höher. Von Wechseln Wien und! Holland billiger. Privatdisconto 47/0%.

Geld⸗Cours. Frankfurt am 31. Oet. 1882. 20 ⸗Frankenstü cke M. 16 1721 do. in 2 e ee, Englische Sovereigns. 20 3338 Russische Imperiales. 16 6974 Ducat enn: e eee Dollars in Gold

Jsraelitischer Gottesdienst in Friedberg. Sabbathfeier vom 4. November 1882. Beginn:

Freitag Abends 4 Uhr 15 Mim,

Samstag Morgens Uhr. Samstag Nachmittags Uhr. Sabbathausgang 5 Uhr 25 Min. Wochengottesdienst von Sonntag den 5. November ant Morgens 6 Uhr, Nachmittags 4 Uhr. Herr Johann Maria Farina gegenüber dem Jülichsplatz in Cöln hat uns den Debit des

allein ächten Cölnischen Wasserk

übertragen und empfehlen wir dasselbe

per Glas zu M. 1.50, / Dutzend de Dutzend e ee

Die Expedition des Anzeigers.

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