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Mahy, Landwirthschaft; Varroy, öffentliche Arbeiten; Cochery, Posten. Das„Journ. des Deb.“ theilt mit, daß das von Freyeinet, Leon Say und Ferry angenommene Finanzprogramm dahin geht, weder eine Rentenemission, noch eine Convertirung, noch Ankauf von Eisenbahnen vor— zunehmen. Im neuen Cabinet übernahm der Minister des Innern auch das Cultusministreium; das Landwirthschaftsministerium wurde vom Handelsministerium wieder getrennt. Als Unter⸗ staatssecretäre werden genannt: Develme, In— neres; Varambon, Justiz; Berlet, Marine; Rousseau, öffentliche Arbeiten.
— 31. Jan. In der Deputirtenkammer verliest Freyeinet eine Erklärung des Cabinets, in welcher er sagt: Bei der Erfüllung der Pflichten, die uns unser Amt auferlegt, beherrscht uns vor Allem ein Hauptgedanke, nämlich Frie— den zu bewahren, Frieden im Lande, Frieden in den Gemuͤthern wie im Verkehre, Frieden nach Außen ist erforderlich. Wir werden Nichts verabsäumen, diesen Gedanken zu verwirklichen. Wir werden in liberaler Weise die neuen Ge— setze über die Presse und das Versammlungsrecht in Anwendung bringen, wir werden Ihnen ein Specialgesetz vorlegen, wodurch das Associations— recht befestigt wird, ohne daß die Rechte des Staates beeinträchtigt werden. Die Frage der Verfassungsrevision soll verschoben werden bis nach Ablauf der gegenwärtigen Legislaturperiode. Angekündigt werden dagegen hierdurch die Re— form des Gerichtswesens, die Erweiterung der Competenz der Friedensrichter, die Verminderung der Zahl der Gerichtshöfe; ferner die Militär— reform, wodurch die Dienstzeit auf drei Jahre reducirt wird. Bezüglich des öffentlichen Unter— richts wird das begonnene Werk fortgesetzt wer— den. Die Bemühungen der Regierung werden darauf gerichtet bleiben, die Arbeit der Nation zu beleben. Von der Convertirung der Rente, dem Rückkauf der Eisenbahnen, Emission der Rente ist keine Rede. Wir werden die Mithilfe der Privatindustrie in Anspruch nehmen.— Die Kammer genehmigte im weiteren Sitzungs— verlaufe einen Credit von 6 Mill. für die Aus⸗ gaben der tunesischen Expedition im Februar und März. Die Kammer nahm ferner einen Gesetzentwurf an, wonach der Handelsminister ermächtigt wird, die Handelsverträge bis zum 31. März zu verlängern.
Italien. Rom, 29. Jan. Wie der„Mo— nitore“ erfährt, stand eine gestern in Rom statt— gehabte Haussuchung in Verbindung mit der angeblichen Verhaftung von 45 Italienern in Bern und von 12 Italienern in Genf.
— Die Commission für das Ausliefergesetz stimmte dem Entwurfe zu, mit Ausnahme der politischen Verbrechen. Sie beschloß, daß bei einem wegen Mordes verfolgten Verbrecher die Auslieferurg stattfinden solle, es sei denn, daß der Mord zu politischem Zweck, bei einem Auf— stand oder im Bürgerkrieg geschehen sei.
Rumänien. Bukarest, 30. Jan. In der heutigen Kammersitzung meldete der conservative Abgeordnete Lahorary eine Interpellation an, bezuͤglich der Auslieferung der Banater Fami— lien, welche ohne Auswanderungsconsens, ohne regelmäßigen Paß und ohne Mittel nach Ru— mänien gekommen, um sich in der Dobruͤdscha anzusiedeln und auf Verlangen der österreichisch— ungarischen Delegation zurückgeschickt wurden. Lahorary begründet seine Juterpellation damit, daß die Auslieferungsconvention mit Oesterreich— Ungarn aufgehoben sei.
Serbien. Belgrad, 30. Jan. In der Skupschtina wurde die Adresse diskutirt. Nach einer Rede des Führers der Radikalen hielt der Vicepräsident Kujundzik eine Rede, in der er die Verdienste der Regierung um das Land im Jahr 1881 hervorhob. Darauf wurde die Adresse mit 99 gegen 50 Stimmen angenommen. Nach dieser wurden zwei fürstliche Ukase ver— lesen, von denen der eine den Finanzminister zur Vorlage eines Gesetzes für eine Gewerbe— bank, der andere den Minister des Innern zur Vorlage einer Aenderung der Gemeinde-Gesetze
ermächtigt. Die Opposition verweigert die Adreßunterschrift. — 31. Jan. Die gesammte Skupschtina⸗
mehrheit übergab dem Fürsten die Adresse. Der Furst äußerte seine vollste Zufriedenheit über die Arbeiten der Majorität, mißbilligte das Verhalten der Opposition und drückte das größte Vertrauen in das jetzige Cabinet und das fernere erfolgreiche Mitwirken der Majori— tät aus.
— Der Finanzminister und der französische Delegirte Boranger sind nach Paris abgereist.
Griechenland. Athen, 30. Jau. Die Thronrede, welche anläßlich der Eröffnung der neuen Kammern gehalten wurde, hebt die An— nahme der modificirten griechisch-türkischen Grenz— linie, in Anerkennung der von den Mächten für die griechischen Interessen aufgebotenen Bemüh— ungen hervor und erhofft die Beilegung der noch schwebenden türkisch-griechischen Schwierig— keiten. Sie empfiehlt schließlich der Kammer die Approbirung außerordentlicher, finanzieller, militärischer Maßregeln.
Amerika. Washington. Die Hinrichtung Guiteau's wird am 30. Juni stattsinden.
Egypten. Kairo, 31. Jan. Gestern fand eine längere Unterredung Cherifs mit der sieben— gliedrigen Deputation der Notabelnversammlung statt und wurde über 48 von 52 Klauseln des neuen Reglementsentwurfs eine Einigung erzielt. Bezüglich der das Budget betreffenden Klauseln wurde Cherif von der Deputation ermächtigt, über ein Arrangement mit Frankreich und Eng— land zu verhandeln.
Allerlei.
Frankfurt a. M., 30. Jan. Die hiesige Straf— kammer sprach den Feuerwerker Dünges aus Koblenz nach langer und eingehender Verhandlung frei. Dunges war bekanntlich angeklagt, das Unglück, das auf dem Turnfestplatze durch Springen eines Mörsers entstanden war, verschuldet zu haben.
Biebrich, 31. Jan. Zwischen hier und Wiesbaden wurde vor einiger Zeit die Leiche eines Mannes aufge— funden, dem der Kopf vom Rumpfe getrennt worden war. Trotz eifriger Nachforschungen gelang es bis jetzt nicht, den Urheber dieses Verbrechens zu ermitteln; vor— gestern sind nun zwei Frauenzimmer verhaftet worden, welche im Verdacht sind, mit der That in Verbindung zu stehen. Die Frauenzimmer sind in das Gefängniß nach Wiesbaden verbracht worden.
Aschaffen burg. Wiederum hat die Unvorsichtig— keit, geladene Schußwaffen in Wohnräumen und an den Kindern zugänglichen Stellen aufzubewahren, ein Opfer gefordert. In dem nahen Stockstadt legte dieser Tage ein 13jähriger Knabe in der Behausung des Gemeinde— Jagdaufsehers ein geladenes Jagdgewehr auf sein 112 jähriges Schwesterchen an und tödtete dasselbe auf der Stelle. Das Mädchen wiegte gerade ein kleines Kind und es ist ein Glück zu nennen, daß nicht auch das Letztere getödtet oder verletzt wurde.
Wien, 30. Jan. Die strafgerichtliche Untersuchung wegen des Ringtheaterbrandes ist so gut wie abgeschlossen. Die Staatsanwaltschaft wird gegen acht Personen An— klage erheben. Als Hauptangeklagte bezeichnet man Direk— tor Jauner und Exbürgermeister Newald, welch letzterem die Mitschuld an der Nichteinführung der Oellampen zugeschrieben wird. Angeklagt werden ferner Polizeirath Landsteiner, der durch die Phrase:„Alles ist gerettet!“ die Rettungs-Mannschaft irre führte; dann Inspektor Nitsche wegen des Abdrehens der Gasuhr, der städtische Ingenieur Wilhelm wegen seines Verhaltens beim Rettungs- werk und einige Theaterarbeiter, welche nicht beim Wasser— wechsel waren.
Paris, 30. Jan. Aus Saint Pierre les Calais wird gemeldet: Gestern Abend barst der Wasserbehälter von Calats, welcher 15 Meter hoch und mit 150,000 Liter gefüllt war. Das ausströmende Wasser riß 3 Häuser ein, darunter eine Kinderschule, und setzte viele Häuser unter Wasser. Bis jetzt sind 27 Todte ermittelt.
London, 30. Jan. Samstag Nachts hat sich ein neues Unglück auf der North-London Bahn bei der Fair⸗ Road⸗Brücke zugetragen. Eine Zugstange an einem Waggon eines lerren Kohlenzugs brach, worauf sich die letzten acht Wagen ohne Wissen des Locemotiv-Führers ab⸗ trennten und auf ein zweites Gelelse fielen, auf welchem wenige Minuten später ein Personenzug vollkräftig heran⸗ fuhr. Die Locomotive desselben entgleiste und brach ein Loch in das Brückenmauerwerk. Der Gepäckwagen schlug um und ein folgender Wagen dritter Klasse wurde von der Wucht des Zugrestes total zerschmettert. Das Ge— töse wurde in den benachbarten Straßen und Stationen gehört. Es wurde sofort Hülfe gebracht. Aus dem Trüm— merhaufen wurden nach langer angestrengter Arbeit fünf Leichen, darunter eine Frau mit einem Säugling hervor⸗ gezogen. Außerdem sind fünf Personen relativ leicht verletzt. Dreihundert Arbeiter arbeiteten die ganze Nacht an dem Aufräumen der Linie.
Gerichtssaal.
Friedberg. In der Dienstag 7. Febr. l. J. dahler
stattfindenden Sitzung des Schoͤffengerichts kommen zur Verhandlung: 1) Strafsache gegen Martin Gröninger und Consorten von Ockstadt wegen Ruhestörung. 2) Straf⸗ sache gegen Heinrich Schwam von Wölfersheim wegen Uebertretung des Polizeireglements, die Unterdrückung des Milzbrandes betr. 3) Strafsache gegen Johannes Bullmann V. von Nieder-Rosbach wegen Diebstahls. 4) Strafsache gegen Karl Petermann von Nidda wegen Sachbeschädigung. 5) Strafsache gegen Andreas Dietrich von Großenlüder wegen Körperverletzung. 6) Privat- klagesache gegen Emanuel Stahl und Moritz Stahl von Friedberg wegen Beleidigung. 7) Privatklagesache gegen Wilhelm Ulrich II. von Reichelsheim wegen Beleidigung.
Literarisches.
Gibt es denn keine Führer im Palmengarten in Frankfurt? Dieser längst berechtigte Wunsch kann nun erfüllt werden, denn im Verlag der G. Horstmann'schen Druckerei in Frankfurt a. M. ist ein Buch erschienen, welches dem Palmengartenbesucher ein anschauliches Bild von dem gegenwärtigen Stande dieser botanischen Kunst⸗ stätte liefern soll. verdienen Anerkennung, denn Verfasser und Verleger haben ihr Möglichstes gethan. Dabei 80 Pfg., ein sehr mäßiger zu nennen.
Wir empfehlen
Aeußeres und Inhalt des Buches ist der Preis,
unseren Lesern, die den Palmengarten besuchen, das
Büchlein zur Anschaffung.
Handel und Verkehr.
Friedberg, 31. Januar. Fruchtbericht. M. 25.25, Korn M. 20.50, Gerste M. 18.50, Hafer M. 16
Waizen
bis 17. Alle Preise verstehen sich auf 100 Kilo= 200 Zollpfd.
Friedberg, 1. Febr Wochenmarkt. Butter kostete per Pfd. M. 0.80—0.90, Eier 1 St. 7 Pf., 2 St. gr. 15 Pf. Gießen, 31. Jan. Wochenmarkt. Butter per Pfd. M. 0.95— 1.00, Eier 1 St. 7—8 Pf., 2 St. 00— 00 Pf.,
Käse per Stück 4—9 Pf., Tauben das Paar 90-100 Pf.,
Hühner per Stück M. 0.90— 1.00, Habnen ver Stück
M. 1.20— 1.50, Enten per Stück M. 1.50— 2.00, Ochsen⸗ fleisch per Pfd. 6062 Pf., Kuh- und Rindfleisch 40 bis
50 Pf., Kalbfleisch 40—44 Pf., Schweinefleisch 60 bis
64 Pf., Hammelfleisch 5060 Pf., Kartoffeln 100 Kilo
M. 3.00 4.00, Zwiebeln per Ctr. M. 6,.—8. Grünberg. Fruchtpreise vom 27. Januar. Waizen
M. 29.70, Korn M. 20.10, Gerste M. 16.46, Hafer
M. 16.40, Erbsen M. 21.52, Linsen M. 00.00, Lein
M. 0.00. Durchschnittspreis pro 100 Kilogramm. Frankfurt, 30. Jan. Fruchtpreise. Weizen eff. hies.
und Wetterauer M. 25.60, fremder M. 24.— 25.50,
Roggen eff. hies. M. 19.— 20.75, fremder M. 20.50—21 Gerste eff. hies. und Wetterauer M. 18.— 20.50, fremde
M. 18—21. Hafer eff. hies. und Wetterauer M. 15.50
bis 17.25, fremder M. 16.— 17. per 100 Kilo.
Frankfurt, 30. Januar. Viehmarkt. Angetrieben waren eirea 275 Ochsen, 313 Kühe, 357 Kälber und
200 Hämmel. Die Prelse für 100 Pfd. Fleischgewicht stellten sich: Ochsen 1. Qualität M. 70., 2. Qual.
M. 60.—63., Kühe 1. Qual. M. 54.—55., 2. Qual.
M. 44., Kälber 1. Qualität M. 54.— 65., 2. Qual M. 40.—50., Hämmel 1. Qual. M. 58.—63., 2. Qual. M. 40.—50., Schweine wurden vorige Woche ca. 310 Stück verkauft und mit 65 Pf. das Pfund bezahlt.
D. Frankfurt a. M., 31. Jan. Das heute vor⸗ liegende matte Abendparis wurde durch steigende Wlener Morgencourse paralysirt und die Börse verkehrte in fester Haltung bei steigenden Coursen. Die Ultimoliquidation ging ohne Schwierigkeiten von statten. In Creditaetien und Staatsbahnaetien stellte sich Stückemangel heraus. In besonderer Nachfrage waren österr. deutsche Bahnen, in Folge dessen der Verkehr ein sehr freundliches Aus: sehen erhielt. Die Spekulationspapiere zeigten sich bei unregelmäßigem Geschäft verhältnißmäßig weniger belebt, Creditaetien, gestern Abend 245¾, heute pr. Februar 246-5 ½ und 246 ½¼, pr. comptant 247¼— 5% und 246½. Staatsbahnactien, gestern Abend 2527/8, heute 2538/—6— 245 ½. Lombarden, gestern Abend 103, heute 103½ 102 ½½. Galizier, gestern Abend 245 ¼, heut 247¼— 248 ½. Oesterr. Bahnen blieben guldenweist höher. Bevorzugt waren namentlich Buschtiehrader und Böhmen: Deutsche Bahnen beliebt und steigend. Oestert Prioritäten ruhig. Ausländische Fonds besser. Banken fest. Disconto-Commandit stiegen 1½%. Meininger
hoben sich bei gutem Begehr ea. //. Deutsche Fonds wenig verändert. Wechsel höher. Privatdisconto 4/ 4%,
Geld⸗Cours. Frankfurt am 31. Januar 1882.
Frannie.. M. 16 19-23
do. In/ Englische Sovereigns..„ 20 31-36 Russische Imperiales„%½ 16 68-72 Ducaten.„ e,
„ e ae,, 9 5863 Dollars in Gold 4 16—20
Israelitischer Gottesdienst in Friedberg. 1
Beginn: Freitag Abends 4% Uhr. Samstag Morgens 8½ Uhr.
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