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Mylords,
auser,
1881.
Donnerstag den 30. Juni.
M 76.
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Oberhessischer Anzeiger.
Wird hier und in Nauheim Montag, Mittwoch und
Freitag Abend ausgegeben.
Kreisblatt für den Kreis Friedberg.
Erscheint dreimal wöchentlich und zwar Dienstag, Donnerstag und Samstag.
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berechnet, bei größerem Tabellen—
oder Ziffersatz mit 14 Pf., bei Reelamen mit 22 Pf.;
ein Beleg kostet 9 Pf.
Annoncen von auswärtigen Einsendern(soweit Letztere nicht Jahres-Conto bet uns haben), welchen der Betrag nicht beigefügt ist, werden stets per Post nachgenommen.
Amtlicher Theil.
5 Das Reichsgesetzblatt Nr. 13 enthält: Verordnung, betreffend die Fürsorge für die Wittwen
und Waisen der Reichsbankbeamten.
Deutsches Reich.
Berlin, 28. Juni. Die Kaiserin bedurfte gestern in Folge eines plötzlich eintretenden Leidens der Consultation und Operation des Bonner Professors Busch. Den Umständen nach st das Befinden der hohen Patientin im All— gemeinen befriedigend; ängere Zeit der Ruhe und Schonung. Dresden. Das„Dresdner Journ.“ publi⸗ cirt eine Verordnug des Ministeriums, die vom 29. Juni an für ein Jahr in Kraft treten soll.
Hiernach soll auf Grund des Socialistengesetzes
den Personen, von welchen eine Gefährdung der offentlichen Ruhe und Sicherheit zu besorgen ist, der Aufenthalt in Leipzig und im Bezirk der Amts—
hauptmannschaft Leipzig untersagt werden können.
München. Der König hat das Gesuch des Ministers des Innern v. Pfeuffer um Ent⸗ hebung von seinem Posten genehmigt und den Regierungspräsidenten in Oberbaiern, v. Feilitzsch, zum Minister des Innern ernannt. v. Pfeuffer wird Präsident in Oberbaiern.
Ausland. Oesterreich-Ungarn. Wien, 25. Juni. Der deutsche Botschafter in Constantinopel, Graf Hatzfeld, ist heute nach Wiesbaden abgereist.
Die Fürstin von Montenegro ist heute Nach-
mittag hier eingetroffen.
Pest, 27. Juni. Gestern fanden die Neu— wahlen statt. Von den bisher gewählten 221 Abgeordneten sind 127 Liberale, 46 von der Unabhangigkeitspartei, 35 von der gemäßigten Opposition, 7 zu keiner Partei gehörig, 5 na⸗
tionale. Zwei Nachwahlen sind erforderlich.
Dänemark. Kopenhagen, 27. Juni. Der
Finanzminister brachte im Folkething eine Vor-
lage auf Verlängerung des mit dem 30. Juni ablaufenden Budgets ein und eine vorlaͤufige Bewilligung, bis ein definitives Finanzgesetz zu Stande gekommen sei.
Norwegen. Christiania, 26. Juni. In Drammen ist unter den Arbeitern der dortigen Sägewerke ein Strike ausgebrochen.
Holland. Antwerpen, 28. Juni. Ein
gestern abgehaltenes liberales Meeting zu Gunsten
des Wahlrechts beschloß, die Regierung aufzu⸗ fordern, der gegenwartigen Kammer-Session zu versprechen, daß sie in der nächsten Session einen Gesetzentwurf vorlegen wolle, worin das allge— meine Stimmrecht für die Gemeinden und Pro— vinzen zugestanden wird.
Frankreich. Paris. Nach amtlicher Feststell— ung beträgt die Zahl der Todten in Marseille 3,
wovon 2 Franzosen und 1 Italiener, die der Ver⸗
wundeten 18, wovon 5 Franzosen, 13 Italiener. Großbritannien. London, 28. Juni.
Ein Blaubuch, welches im Parlamente vertheilt
ist, umfaßt gegen 400 Depeschen vom 13. Jan. bis 31. Mai. Es berichtet über die Unter— handlungen und Schritte des englischen Bot— schafters zu Konstantinopel, des Gesandten in Athen, die Depesche Göschens vom 26. April und setzt die Motive auseinander, aus denen Göschen den übrigen Botschaftern zustimmte, die sich für die Reducirung des Griechenland zu
gewaͤhrenden Gebiets erklärten. Wenn England nicht zugestimmt, hatte Griechenland die Con— ö
doch bedarf sie noch
Mordes
L 227. Juni.
vention nicht angenommen; der Krieg wäre aus— gebrochen, wenn auch Griechenland keine Aussicht auf Erfolg hatte.— Unterhaus. Bei der Special— berathung der irischen Landbill wurde nach Ab— lehnung mehrerer Amendements-Anträge der Artikel 4 angenommen und die Sitzung hier— nach aufgehoben. N
— 28. Juni. Nachrichten aus Oldbury zu— folge strikten heute gegen 30,000 Nagelfabrik— arbeiter in den Grafschaften Stafford und Wor— cester, dieselben verlangten eine Lohnerhohung von 30 Procent.
Italfen.
Rom, 28. Juni. Das Journal
„Diritto“ dementirt folgende Meldung desStan—
dard“:„Frankreich antwortete Italien auf dessen Aufrage, ob es gegen die Emission der italieni— schen Anleihe in Paris opponiren wurde, mit
„Nein“, jedoch unter der Bedingung, daß Italien den Zustand der Dinge in Tunis anerkenne.“ Türkei. Constantinopel, 28. Juni. Der
Proceß über die Ermordung Abdul-Aziz hat
begonnen. Ein nicht zahlreiches, aber gewähltes
Auditorium hat sich eingefunden. Elf Ange— klagte sind anwesend, Midhat Pascha, Mahmnd Damat Pascha, Nuri Damat, Fakri Bey u. A. Das Haupt-Argument der Anklage bildet die Einsetzung einer Commission zur Prüfung der Palast⸗ Rechnungen nach der Entthronung von Abdul-Aziz. Zu dieser gehörten Mahmud und Nuri Pascha, welche der Anstiftung des angeklagt sind. Drei Ringkämpfer legen ein vollständiges Geständniß ab mit um⸗ staͤndlichem Detail. Sie behaupten, die Befehle zur Ermordung des Sultans von Mahmud und Nurri Pascha und den übrigen erhalten zu haben. Fakri Bey sei ihnen behülflich gewesen. Alle Angeklagten leugnen. Die Verhandlung wird vertagt.
Ein Irade des Sultans beauftragt Server Pascha, die directe griechisch— türkische Convention zu unterzeichnen. [Rumänien. Bukarest, 27. Juni. Die Deputirtenkammer verwarf die Couversionsvor— lage und forderte die Regierung auf, die jetzigen
Schuldverschreibungen durch neue Gprocentige
Regierung resp. durch Vermittelung mehrerer Banken erfolgen; der Staat soll die verursachten Kosten tragen. Der Ministerpräsident erklärte,
die Regierung könne dieses Votum nicht annehmen. 5 ö die 9 9 gf 0 ö 415 verzierter Schrift folgenden
meines siebenten Concurses bleibt
Rußland. Petersburg. Dem„Golos“ zufolge wird eine besondere Commission zur Aus— arbeitung eines allgemeinen Ausnahmegesetzes eingesetzt werden, welches in saͤmmtlichen Fällen in Anwendung kommen soll, wo es nothwendig sein wird, die Machtbefugnisse und die legale
Mitglied des Reichsraths, der Adjunct des Ministers des Innern, Tscherewin, Stadthaupt— mann Baranoff, Generalmajor Suroff und je ein Vertreter des Kriegs- und Justizministeriums genannt. Den Vorsitz würde Kachanof führen. Die Commission soll mit ihren Arbeiten sofort beginnen.
Afrika. Tunis. marschire wieder nordwärts, ist unrichtig. Amema befindet sich 15 Stunden von Gerpyille,
Ein Gerücht, Bu-Amema
Titres zu ersetzen. Die Emission soll durch die
im Süden des Schott. 800 Mann sind von Saida nach Mazbra abgezogen, von wo die Erforschung von Alfa fortdauert.
Aus Stadt und Land.
Friedberg. Die ganze Eisenbahnstrecke Hanau⸗ Friedberg wird am 1. September d. J. eröffnet werden. Die Erdarbeiten sind nunmehr vollendet, mit dem Legen der Schienen von Windecken nach Friedberg wird diese Woche begonnen. Die Vahnstrecke von Hanau bis Win⸗ decken wird bekanntlich schon seit längerer Zeit befahren.
e. Bad⸗Nauheim. Am Sonntag Nachmittag fand dahier im Fritz'schen Saale eine Versammlung von hiesigen Bewohnern zum Zwecke der Gründung einer Pfennig⸗ Sparkasse statt. Salinenrentmeister Nebhuth eröffnete die Versammlung und wies in längerer Rede auf die Zweckmäßigkeit und segensreiche Wirksamkeit einer solchen Kasse hin. Nachdem die Errichtung einer Pfennig⸗Spar⸗ kasse für Bad⸗Nauheim einstimmig beschlossen war, wurde zur Wahl des Curatoriums geschritten. In dasselbe wurden durch Aeclamation ernannt: Salinenrentmeister Nebhuth, Pfarrer Walz und Lehrer Wagner. Sammel⸗ stellen wurden errichtet bei den Kaufleuten R. Wörner, Th. Andreas und Ph. J. Weiß. Zur Hauptsammelstelle wurde die Kasse des hiesigen Spar- und Vorschußvereins bestimmt. Im Anschluß hieran erklärten sich die Inhaber von Sammelstellen bereit, an jedem Tage und zu jeder Zeit Beiträge entgegen zu nehmen. Die wöchentlichen Einlagen wurden von 5 zu 5 Pf. aufsteigend bis incl. 95 Pf. festgesetzt, dieselben können jedoch von derselben Person nur einmal die Woche, mit Ausnahme des Mon⸗ tags, und nur an die Sammelstelle eingezahlt werden, von welcher das Einlagebuch ausgegeben wurde. Die Auslagen für die Anschaffung von Sparkassebüchern ze. sollen vorerst durch freiwillge Beiträge gedeckt werden, späterhin werden dieselben aus dem Reservefonds be⸗ stritten. Zum Schlusse wurde Seitens des Lehrer Quehl der Wunsch ausgesprochen, das hiesige Lehrerpersonal möge besonders die Schulkinder auf die neu entstandene Anstalt aufmerksam machen.
Kirch-Göns. Letzten Sonntag feierte der Butz⸗ bacher Zweigverein der Gustav-Adolf Stiftung in unserem Orte sein Jahresfest.
Gießen. Schwurgerichtsverhandlung am 25. Juni gegen G. Noll II. Ehefrau von Schwarz, wegen Ver⸗ vortheilung der Gläubiger. Nach dem Ergebniß der Ver⸗ handlung hielten sich die Geschworenen von der Schuld der Angeklagten nicht für überzeugt und sprachen daher das„Nichtschuldig“ aus.— Am 27. Juni gegen J. Kraft II. und J. B. Menje von Altenschlirf, wegen Meineids. Die beiden Angeschuldigten wurden für schuldig erachtet und Jeder in eine Zuchthausstrafe von 3 Jahr und zum Ver⸗ lust der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 5 Jahr verurtheilt. Gleichzeitig wurde den beiden Angeklagten die Fähigkeit abgesprochen, als Zeuge und Sachverstän— diger vernommen werden zu können.
Allerlei.
Frankfurt, 28. Juni. Gestern fanden Voruͤber⸗ gehende an einer Ladenthür auf der Zeil einen jedenfalls von einigen Witzbolden angehefteten Zettel, der in schoͤn Inhalt trug:„Zur Feier mein Laden bis auf Weiteres geschlossen.“ Es folgte die Namensunterschrift.
P. A. Frankfurt. Die Lotterie Commission der Ausstellung hat als zweiten Hauptpreis eine Zimmer⸗
Einrichtung in Aussicht genommen und als ferneren Haupt-
Rechtssphäre der Administration zu stärken. Als Mitglieder der Commission werden Kachanoff,
sich selbst den Grundton mit einer
Bu⸗
preis bereits einen Original- Steinway Coneert Fluͤgel, Opus Nr. 44,477, angekauft. Es ist dies das zur Aus⸗ stellung gebrachte Exemplar einer neuen Construction, wonach die Zargen als Träger des Resonanzbodens aus langen Holzplatten gebogen sind, so daß kein Querholz die Vibration unterbricht. Leichtigkeit, Stärke, rein voll⸗ kommene Klangfähigkeit, großer, edler Ton sind das Resultat dieser neuen Bauart, welche außerdem mit doppelter Seitenseala versehen ist, so daß jeder Ton in Fulle harmonischer Theiltöͤne reprodueirt. Das Instrument hat drei Pedale, wovon eines erlaubt jeden einzelnen Ton singend zu halten. Die vorzüglichen, jetzt schon in der Ausstellung bewährten Elgenschaften dieses edlen Kunstwerkes ver— anlaßten die Commission, das Piano als einen der ersten Preise fur die Ausstellungslotterie anzukaufen.— Am letzten 50-Pfennigtage besuchten 8303 zahlende Personen
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