Ausgabe 
22.9.1881
 
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Deutsches Reich.

Darmstadt. Das Regierungsblatt, Bei lage Nr. 21, enthält:

J. Verzeichniß der Vorlesungen der Universität zu Gießen im Winterhalbjahre 1881/82.

11. Bekanntmachung, eine weitere Umlage in der Gemeinde Klein⸗Linden betr.

111. Dienstnachrichten. Es wurde dem ev. Pfarrer Heberer von Heuchelheim die Pfarrstelle zu Allendorf a. d. L. übertragen; die Militäranwärter Nimtz aus Sydow und Spengler aus Nieder-Ramstadt, sowie die Hülfscondue⸗ teure Muller und Schmitt, beide aus Rüsselsheim, zu Condueteuren bei der Main-Neckarbahn; der prov. Lehrer an der Bürgerschule zu Wimpfen a. B. Ensgraber aus Erbach a. Rh. zum definitiven Lehrer ernannt.

IV. Coneurrenzeröffnungen. Erledigt sind: die ev. Pfarrstelle zu Badenheim, Gehalt 2192 M. Die ev. Pfarrstelle zu Crumbach, Gehalt 3292 M. Eine Lehrer stelle zu Laubenheim, Gehalt 9001000 M. Die Lehrer⸗ stelle zu Langd, Gehalt 900 M. Eine Lehrerinnenstelle zu Bingen, Gehalt 1150 M. Das Coneurrenzaus schreiben in Beilage Nr. 19 des Regierungsblattes wird zurückgezogen. Fur die in Beilage Nr. 13 des Regier⸗ ungsblatts ausgeschriebene französisch-reformirte Pfarr⸗ stelle zu Neu⸗Isenburg, zu welcher der ev. Kirchengemeinde zu Neu⸗Isenburg das Präsentationsrecht zusteht, wird die Frist zur Bewerbung um weitere 4 Wochen verlängert.

Der Ministerialrath von Werner wurde zum Landesherrlichen Commissär für die erste Kammer, sowie der Geh. Staatsrath Knorr und der Ministerialrath Weber zu Mitgliedern der Landesherrlichen Einweisungs-Commission für die zweite Kammer ernannt. Der Hauptsteueramts Assist. I. Kl. Krumb in Worms wurde zum Hauptsteueramts-Controleur in Bingen ernannt. Der Dr. Lemser in Offenbach wurde als Bei geordneter bestätigt. Der ord. Prof. Dr. Seuffert in Gießen wurde auf Nachsuchen entlassen.

Breslau. DieSchl. Volksztg. widerlegt die Nachricht einer bevorstehenden Rückberufung der Bischöfe von Breslau, Limburg und Münster. Sie will dagegen wissen, daß demnächst die Bis thumsverweser von Paderborn, Osnabrück und Fulda zu Bischöfen ernannt würden.

Karlsruhe, 18. Sept. Der Kaiser, der Kronprinz, sowie Prinz Wilhelm sind Vormit tags hier eingetroffen und von dem Großherzog, der Großherzogin, dem Erbgroßherzog, dem Prinzen und der Prinzessin Wilhelm und dem Prinzen Karl von Baden, der Generalität und dem Staatsminister Turban am Bahnhofe empfangen worden. Nach herzlicher Begrüßung fand die Auffahrt nach dem Schlosse statt. Die Kaiserin ist heute Nachmittag von Baden-Baden hier eingetroffen. Ebenso der Großherzog und die Prinzessin Elisabeth von Sachsen-Weimar. Der Kronprinz besuchte bald nach seiner An kunft die Kunstgewerbe-Ausstellung, in der er gegen eine Stunde verweilte.

Ausland.

Oesterreich-Ungarn. Wien. Wie die Montagsrevue vernimmt, wird in der nächsten Zeit eine Begegnung der Kaiser von Oesterreich und von Rußland stattfinden; über den Ort und die Zeit der Begegnung sei noch Nichts definitiv bestimmt.

DiePol. Corr. theilt mit, daß keine Differenz zwischen dem österreichischen und dem ungarischen Finanzminister wegen des neuen Staatsnotentextes bestehe. Dieser wurde nach dem Uebereinkommen beider Regierungen schon im Januar v. J. endgültig festgestellt; er konnte daher nicht weiter discutirt werden. Die Aus gabe der neuen Staatsnoten sei nur durch tech nische Schwierigkeiten verzögert.

Holland. Haag, 19. Sept. Die General staaten wurden heute wegen der Hoftrauer durch eine königliche Commission eröffnet. Die Er öffnungsnote gedenkt rühmend der ausgezeich neten Eigenschaften des gestorbenen Prinzen Friedrich und seinen dem Lande geleisteten Dienste. Dann kündigt sie einen Entwurf über die Ver theidigung des Landes an, ferner über die Ver waltung der Wasserbauten über See- und Fluß schifffahrt, dann die Einführung neuer öffent licher und bürgerlicher Gesetze, die Revision des Wahlgesetzes ꝛc. Ungeachtet der zunehmenden Einnahmen wird die Regierung ein Gesetz über Vermehrung von Einnahmen und bessere Ver theilung der Steuerlast vorbereiten und die

Generalstaaten um Unterstützung von Handel, Industrie, insbesondere Förderung der Kräfte niederländisch Indiens ersuchen.

Frankreich. Paris. Eine Verfügung des Kriegsministers vom 17. d. ordnet an, daß keine Militärperson des Jahrganges 1876, welche vor Ablauf der bestimmten Zeit zur Entlassung kommt, von heute ab nach Afrika gesandt wer⸗ den soll. Demzufolge ist davon Abstand ge nommen, die in Afrika stehenden Infanterie Bataillone auf die Stärke von 600 Mann zu bringen.

19. Sept. In der heutigen Conferenz wegen des englisch-französischen Handelsvertrags sprach der Handelsminister Tirard die Hoffnung aus, daß die Verhandlungen bald ihren Ab schluß finden würden, da sie erleichtert seien durch den Geist gegenseitiger Versöhnlichkeit. Der englische Staatssecretär Dilke erneuerte gleichfalls die Versicherung, daß die englische Regierung lebhaft wünsche, den Vertrag unter den für beide Länder vortheilhaftesten Bedingungen zu schließen.

Die Regierung beschloß, die Kammern auf den 17. October einzuberufen. Es heißt, das Cabinet Ferry würde seine Entlassung geben vom Tag, wo das Decret der Einberufung er scheint. Ein neues Cabinet würde zur Eröffnung der Kammern gebildet.

Großbritannien. London. Eine Zu schrift der irischen Deputirten Dickson und Givan zu Gunsten der Freilassung der politischen Ge fangenen beantwortend, erktärt der Staatssecretär Forster, die gegenwärtigen Zustände Irlands wür den eine allgemeine Freilassung nicht rechtfertigen.

Italien. Rom. Der ehemalige Deputirte Mancardi ist zum Delegirten der italienischen Gläubiger der Türkei ernannt worden und wird unverzüglich nach Constantinopel abreisen, wo die Sitzungen der Finanzeommission wahrschein lich bis zu seinem Eintreffen suspendirt werden.

19. Sept. Schlözer ist heute nach Ber lin abgereist.

Serbien. Belgrad. Der russische Minister⸗ resident Persiani drückte den Wunsch seiner Re gierung aus, mit Serbien einen Handelsvertrag abzuschließen.

Rußland. Petersburg. Wie derHerold mittheilt, ist durch einen kaiserlichen Erlaß an den Finanzminister die Eröffnung der im nächsten Jahre stattfindenden Ausstellung zu Moskau auf den 16. Mai, der Schluß derselben auf den 15. September festgesetzt worden.

Amerika. Longbranch, 18 Sept. Präsi⸗ dent Garfield ist gestern Abend gestorben. Ueber die letzten Augenblicke wird berichtet: Gestern Abend kurz vor 10 Uhr besuchte Dr. Bliß den Präsidenten. Er fand 106 Pulsschläge; aus dem gesammten Zustande hoffte er auf eine ruhige Nacht. Der Präsident fühlte sich ganz erträglich. Darauf fiel er in einen etwa 15 Minuten dauernden Schlaf, aus dem er mit großen Herzschmerzen erwachte. Dr. Bliß ward herbeigerufen; er fand, daß der Puls nicht mehr schlug, der Herzschlag war fast unerkenn bar. Der Arzt erklärte, der Patient sei im letzten Todeskampf. Seine Frau und die übrigen Aerzte wurden herbeigerufen. Um 10 Uhr 50 Min. fanden die Aerzte den Tod eingetreten. Um 11½ Uhr fand ein Cabinetsrath statt. Darauf telegraphirten die Mitglieder des Cabinets an den Vicepräsidenten Arthur. Sie empfahlen ihm, sofort nach Longbranch zu kommen, um auf die Verfassung den Eid zu leisten. Der Tod Gar field's erweckt in ganz Amerika die tiefste Trauer. Von vielen Kirchen ertönte noch gestern Abend das Trauergeläute. Viele Journale in den Süd staaten veröffentlichen bereits Trauerartikel. Vice Präsident Arthur leistete noch gestern Abend in seiner Wohnung in Washington vor zwei Rich tern des obersten Gerichtshofes vom Staate New Vork den Eid auf die Verfassung.

Aus Stadt und Land.

Gießen. Sitzungen des Schwurgerichts der Pro vinz Oberhessen pro III. Quartal 1881: Montag den 19. Sept., Vorm, 9 Uhr, gegen K. Kempf von Kaichen,

wegen Verbrechens gegen die Sittlichkeit; Staatsanw. Zimmermann, Verth. Weidig. Dienstag den 20. Sept., Vorm. 9 Uhr, gegen H. Dietz von Assenheim, wegen Meineids; Staatsanw. Jöckel, Verth. Lauer. Mittwoch den 21. Sept., Vorm. 9. Uhr, gegen D. Roth von Engelrod, wegen Versuchs der Brandstiftung; Staatsanw. Zimmermann, Verth. Dr. Reatz. Donnerstag den 22. Sept., Vorm. 9 Uhr, gegen J. Gontrum V. von Münster, wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt; Staatsanw. Jöckel, Verth. noch nicht bestimmt. Freitag den 23. und Samstag den 24. Sept., jedesmal Vorm. 9 Uhr, gegen G. Erd⸗ mann J. von Ruttershausen, wegen Munzverbrechens; Staatsanw. Zimmermann, Verth. Dr. Dittmar. Montag den 26., Dienstag den 27. und Mittwoch 28. Sept., jedesmal Vorm. 9 Uhr, gegen J. Wagner II., D. Weller V., beide von Gießen, H. Hörle II. von Groß-Buseck, L. Weller, J. Weller VI. und J. Brenner, sämmtlich von Heuchel⸗ heim, wegen betrügerischen Bankerotts, Meineids, Brand⸗ stiftung ꝛc.; Staatsanw. Dr. Lahr, Verth. Dr. Rosenberg, Dr. Muhl, Baist, Lauer.

Gießen, 19. Sept. Schwurgerichts-Verhandlung gegen K. Kempf von Kaichen wegen Verbrechens wider die Sittlichkeit. Angeschuldigter wurde von den Ge schworenen für nichtschuldig erkannt.

Beerfelden, 19. Sept. Vom herrlichsten Wetter begünstigt, fand gestern die Feier der Schlußsteinsetzung an dem Viaduet über das Himbächelthal unterhalb Hetz bach statt. Eine große Menschenmasse aus der Umgegend, namentlich von hier, Erbach und Michelstadt, hatte sich auf dem Festplatze eingefunden, um dieser Festlichkeit beizuwohnen.

Allerlei.

Frankfurt. Bei der Preis-Vertheilung der Ausstellung erhielten von hessischen Ausstellern silberne Medaillen: H. Bücking Söhne, Alsfeld; F. Flinsch, Offenbach; Ude und Klebe, Eberstadt; Ph. Renn, Darm- stadt; F. S. Bombach, Offenbach; A. Buschbaum, Darm⸗ stadt; Collet und Engelhardt, Offenbach; Gebr. Hoff- mann, Offenbach; L. Becker, Offenbach; J. Römheld, Mainz; Maderasz und Co., Offenbach; F. Lotz, Offenbach.

New⸗Nork, 18. Sept. Der DampferDaniel Steinmann ist auf der Fahrt von Boston nach New⸗ Vork in der verflossenen Nacht bei Vineyard Haven Sound gescheitert. Es ist sofort Hülfe dorthin abgegangen.

New-Nork. Im August d. J. find 56,744 Aus⸗ wanderer hier eingetroffen.

Handel und Verkehr.

Friedberg, 21. Sept. Wochenmarkt. Butter kostete per Pfd. M. 1.00 1.05, Eier 1 Stück 6 Pf.

Friedberg, 20. Sept. Fruchtbericht. Waizen M. 24.75, Korn M. 20., Gerste M. 19., Hafer M. 15 bis 16. Alle Preise verstehen sich auf 100 Kilo 200 Zollpfd.

Gießen, 20. Sept. Wochenmarkt. Butter per Pfd. M. 1.10 1.15, Eier 1 Stück 6 Pf., 2 Stück 11 Pf., Käse per Stück 59 Pf., Tauben das Paar 45-60 Pf., Hühner per Stück M. 0.90 1.50, Hahnen ver Stück M. 0.45 0.60, Enten per Stück M. 1.25 1.50, Ochsen⸗ fleisch 64 00 Pf. per Pfund, Kuh- und Rindfleisch 46 bis 50 Pf., Kalbfleisch 4648 Pf., Hammelfleisch 60 bis 70 Pf., Schweinefleisch 64 Pf., Kartoffeln 100 Kilo M. 4.506, Zwiebeln per Ctr. M. 8 10, Weißkraut 1 St. 1040 Pf., Zwetschen der Centner 7 M.

Frankfurt, 19. Sept. Viehmarkt. Angetrieben waren ca. 310 Ochsen und Stiere, 330 Kühe und Rinder, 260 Kälber und 400 Hämmel. Die Preise stellten sich per 100 Pfd. Fleischgewicht: Ochsen 1. Qual. M. 63. bis 66., 2. Qual. M. 58.60., Kühe u. Rinder 1. Qual. M. 55.57., 2. Qual. M. 45.50., Kälber 1. Qual. M. 56.59., 2. Qual. M. 40.50., Hämmel 1. Qual. M. 5560., 2. Qual. M. 45. 50. Schweine wurden in letzter Woche ca. 600 eingeführt und mit 66 Pf. das Pfund bezahlt.

Frankfurt, 19. Sept. Fruchtbericht. Mehl Nr. 1 M. 39.50, Nr. 2 M. 37.50, Nr. 3 M. 32.50, Nr. 4 M. 28.50, Nr. 5 M. 25.50, Roggenmehl%(Berliner Marke) M. 28.50 75., do. 1.(Berl. Marke) M. 26.50 bis 27., do. 2.(Berl. Marke) M. 23, Weizen, eff. hiesiger ab Bahnhof hier M. 25.00 25.25, ab unserer Umgegend M. 24.50 24.75, do. fremder je nach Qual. M. 24.25 bis 25.25, Roggen je nach Qual. M. 20.5021., Gerste M. 19.50 21.50, Hafer M. 16.50 17.25, Kohlsamen M. 28.50 29.50, Erbsen M. 19. 27., Wicken M. 17.5018., Linsen M. 20 40, Bohnen, weiße, M. 23 25, Rüböl, detail, M. 64. Die Preise ver⸗ stehen sich sämmtlich per 200 Pfd. Zollgewicht S 100 Kilo.

D. Frankfurt a. M., 20. Sept. Obgleich der Tod des Präsidenten Garfield eine schmerzliche Theil⸗ nahme allenthalben hervorrief, übte er doch auf die eigentliche Gestaltung der Tendenz keinen sichtlichen Ein⸗ fluß aus. Die Börse zeigte sich wieder hauptsächlich durch die Geldverhältnisse irritirt. Wie in Berlin, das matte Course sandte, war auch heute am hiesigen Platze großer Geldbedarf und die Haltung der Speculation deshalb eine gedrückte und erst im weiteren Verlaufe des Verkehrs vermochte eine etwas bessere Stimmung Platz zu greifen. Von den Speculationspapieren zeigten sich Creditactien relativ fest und gaben nur 1 fl. nach. Staatsbahnactien verloren ebenfalls 1 fl., dagegen Lom⸗ barden fl., Galizier hielten sich fest und wurden viel fach von informirter Seite gekauft. Ereditaetien, gestern Abend 30358, wurden à 3023/ nnd 303 gehandelt, Staatsbahnaetien, gestern Abend 3063/, gingen à 3065/8 und 3058 um. Lombarden, gestern Abend 1315/, heute 1295 129. Galizier, gestern Abend 280, heute 2783/12785/. Oesterr. Bahnen wenig verändert. Elb