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Deutsches Reich.

Darmstadt. Der außerord. Professor Dr. Städel in Tübingen wurde zum ord. Pro fessor der Chemie in Darmstadt, der Geh. Ober steuerrath Welcker zum Vorsitzenden der Central stelle für die Landesstatistik ernannt, dem Kreisarzt Dr. Glasor der Charakter alsMedieinalrath verliehen, der prakt. Arzt Dr. Baur zu Neckar Steinach zum Kreis⸗Assistenzarzte in Hirschhorn ernannt und dem Dr. Kohler in Offenbach der Charakter alsGeh. Medicinalrath verliehen.

Militär-Dienstnachricht. v. Brockhusen, Prem.⸗Lt. vom 2. Großh. Drag.-Regt. Nr. 24, wurde zum überzähl. Rittmeister befoͤrdert.

Berlin, 18. Febr. Der Kaiser empfing heute Nachmittag das Reichstags-Präsidium. In Landtagskreisen war heute das Gerücht von einer neuen mehrwöchentlichen Session des Land tags nach dem Schlusse der Reichstagssession verbreitet, weil Minister Eulenburg dringend wünsche, die von ihm eingebrachten Vorlagen erledigt zu seheu.

18. Febr. Das Herrenhaus hat den ersten Paragraphen des Steuererlaßgesetzes mit 94 gegen 41 Stimmen angenommen und ge nehmigte im Fortgange der Sitzung auch die ubrigen Paragraphen des Steuererlaß-Gesetzes unverändert in der Fassung des Abgeordneten hauses. Das Haus genehmigte ferner den Etat, das Etats⸗Gesetz und das Anleihegesetz. Das Pfandleihegesetz ward unverändert en bloe an genommen.

18. Febr. Das Abgeordnetenhaus nahm in dritter Lesung die Gesetzentwürfe über Deck ung der Ausgaben pro 1878/79 und 1879/80 an und erledigte mehrere Berichte der Eisenbahn Verwaltung. Hierbei ergriff der Abg. Richter die Gelegenheit, auf gestrige Ausführungen des Fürsten Puttbus im Herrenhause zu erklären, er habe bei der Judendebatte auf Grund fest stehenden Actenmaterials die Theilnahme des Fürsten Puttbus an dem Gründungsschwindel behauptet und bleibe auch heute bei dieser Be hauptung stehen.

19. Febr. Den Abendblättern zufolge vertagte sich die für das Verwendungsgesetz ge wählte Commission des Abgeordnetenhauses auf unbestimmte Zeit, da der Finanzminister zunächst, allerdings nur für seine Person, auf weitere Verhandlungen verzichtete und in der nächsten Session eine wesentlich veränderte Vorlage ein zubringen erklärte.

Königsberg, 18. Febr. Heute fand wieder eine Ansammlung von 400 Arbeitern vor dem Rathhause statt, Arbeit verlangend. Die Polizei zerstreute sie friedlich, einer der Demonstranten wurde jedoch verhaftet.

München, 19. Febr. Die Kammer der Abgeordneten beendete heute die Generaldiscus sion des Einkommensteuer⸗Gesetzes und lehnte Artikel 1 der Regierungsvorlage mit 71 gegen 49 Stimmen ab. Der Finanzminister erklärte sich einverstanden, daß nunmehr die Beschlüsse des Ausschusses zur Grundlage der weiteren Berathung genommen werden. Die allgemeine Einkommensteuer ist somit abgelehnt und findet nur eine Steuerrevision statt.

Ausland.

Frankreich. Paris. Einer Meldung aus Algier zufolge haben nicht unterworfene tunesische Stämme neuerdings einen Einfall in das algeri sche Gebiet gemacht und tiehrere französische Unterthanen getödtet.

19. Febr. DasJournal officiell ver⸗ öffentlicht ein Decret, welches die Einfuhr von gesalzenem amerikanischem Schweinefleisch an allen Grenzen Frankreichs verbietet.

19. Febr. Die Kammer der Abgeordneten genehmigte den Gesetzentwurf betreffend die Sene gal⸗Eisenbahn und begann die Berathung des Armeeverwaltungsgesetzes. Der Kriegsminister befürwortete den Regierungsentwurf, welcher die Armmeeverwaltung dem Kriegsminister unter stellt, während der Comisstonsantrag, den der

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waltung dem Corpscommandanten unterstellt. Der Senat genehmigte in Fortsetzung der Be rathung des Zolltarifs die von der Commission beantragten Zollsätze, durch welche die Viehein fuhrzoͤlle betrachtlich erhoͤht werden und zwar für eine Kuh auf 20 Francs, einen Ochsen auf 30 Franes, einen Hammel auf 3 Francs.

Großbritannien. London, 18. Febr. Das Unterhaus setzte heute die Berathung der irischen Zwangsbill fort. Der Vorsitzende er klaͤrte die Anzahl der Zusatz-Anträge für unzu laͤssig. Der erste Artikel der Bill wurde mit 302 gegen 44 Stimmen angenommen. 19. Febr. Unterhaus. Bei Artikel 2 der Zwangsbill ent wickelt sich eine lebhafte Debatte über den Zu satz Antrag Gray's, daß das Gesetz nicht die alten Rechte und Privilegien der Deputirten beeinträchtigen, noch deren Verhaftung und Ge fangenhaltung während der Session ohne Zu stimmung des Parlaments gestatten dürfe. North cote bekämpft den Antrag, findet aber, daß der Vorschlag Beachtung verdiene, daß dem Parla mente von der Verhaftung eines Deputirten Kenntniß zu geben sei. Gray amendirte seinen Antrag nach Northcote's Bemerkungen. Das so verbesserte Amendement wird von der Regier ung angenommen. Das Haus stimmt ohne Ab stimmung zu.

19. Febr. Wie verlautet, sollte schon seit einigen Tagen zwischen der britischen Regier ung und den Boers ein Meinungsaustausch be züglich der den Boers von Heidelberg aus über mittelten Friedensvorschläge stattfinden. Offi ciell wird aus Newceastle gemeldet: General Wood ist nach Pietermaritzburg zurückgekehrt, um die Formation einer zweiten, aus den gegen wärtig ausgeschifften Truppen gebildeten Colonne zu übernehmen. Der Weg ist vollständig frei.

20. Febr.R. B. meldet aus Durban von gestern: Die britischen Truppen concentriren sich bei dem Prospectberge zu einem Angriff auf Laengsneck, wohin die Boers große Massen zusammenziehen, entschlossen den äußersten Wider stand zu leisten. Für Sonntag oder Montag wird dort die Entscheidungsschlacht erwartet.

Ein Gesandter des Emirs von Afghanistan mit einer Mission an die indische Regierung ist

in Peschawur angekommen. Nachrichten aus Kandahar zufolge ist eine Armee-Abtheilung

des Emirs in Ghazni eingetroffen.

Spanien. Madrid, 18. Febr. Ein Rund schreiben des Ministers des Innern an die Prä fecten fordert dieselben auf, keine Pression bei den Wahlen auszuüben und absolute Unpartei lichkeit zu bewahren. Die Regierung werde die gegenwärtigen Steuern beibehalten, wirkliche Ersparungen machen, Handel und Industrie zu heben suchen und alle mit der Monarchie und deren Prärogativen erträglichen Freiheiten ge währen. Herzog Fernan Nunnez ist zum Ge sandten Spaniens in Paris, Baco zum Vertreter Spaniens in Washington, Marquis Capto Sag rado zum Vertreter Spaniens in St. Peters burg ernannt worden.

Italien. Rom, 18. Febr. Kammer der Deputirten. Der erste Artikel des Gesetzentwurfs betr. die Abschaffung des Zwangscourses wurde einstimmig angenommen. Artikel 2 und 3 wurden gleichfalls genehmigt.

19. Febr.Populo Romano bezeichnet die Gerüchte über Veränderungen im Cabinet, sowie von bevorstehenden Ernennungen ueuer Generalsecretäre für verfrüht. Der Minister rath habe beschlossen, die Errichtung eines Post und Telegraphen-Ministeriums ins Auge zu fassen.

Serbien. Belgrad, 18. Febr. Der bis herige türkische Gesandte Sermet Effendi ist, da er sich geweigert, den neuen Posten eines türk ischen Geschäftsträger in Cettinje anzunehmen, zur Disposition gestellt. Ali Bey hat interi mistisch die Gesandtschaft bis zur Ankunft des neuen Gesandten Kalib Bey übernommen.

Griechenland. Athen, 18. Febr. Die Kammer der Deputirten hat das Gesetz über die provisorische Organisation der Nationalgarde

Senat bereits angenommen hat, die Armeever

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Rußland. Petersburg. Gegenüber Daily Telegraph, welcher von dem Staats⸗ secretär fur Indien, Marquis of Hartington, Aufklärungen über die russischen Vorschlaͤge in Betreff einer Theilung Asiens verlangt, sagt das genannte Journal: Die russische Diplomatie machte niemals solche absurde Eröffnungen an England. Von einer Gebietstheilung war nie mals die Rede. Lord Clarendon und Fürst Gortschakoff bezweckten nur eine Uebereinstimm⸗ ung in allgemeinen Fragen herbeizuführen, einen modus vivendi zu finden, welcher die privaten Interessen beider Staaten sichere. Kein Diplo⸗ mat hat Vorschläge gemacht, um die Schwierig⸗ keiten in Asien mit einem Schlage zu lösen.

Eine Nachricht desHerold über Ver haftung eines Agenten der Geheimpolizei wird dahin ergänzt, daß derselbe in der Wohnung einer Person verhaftet wurde, welche sich als Mörder Mesenzeff's erwiesen haben soll.

Officiell. Ein Telegramm des Generals Skobeleff aus Rhami, 16. Febr. meldet: Die unter Oberst Kuropatkin in die Sandwüste ge⸗ sandte Abtheilung recognoscirte vom 10. bis 13. Februar ein bedeutendes Terrain. Die Cavallerie legte 380, die Infanterie 250 Werst zurück, größtentheils in tiefem Sande. Die Bevölkerung unterwarf sich vollständig, lieferte die Waffen aus und zog nach der Oase; die Zahl der dahin ziehenden Personen betrug auf der von den Russen zurückgelegten Marschroute etwa 15,000. Der von den Truppen durch schrittene Weg ist topographisch aufgenommen. Die Herstellung des Friedens ist in erfolgreicher Fortdauer begriffen.

Amerika. Washington, 18. Febr. Der Senat genehmigte die Bill über die Convertir ung der Staatsschulden.

Aus Stadt und Land.

Friedberg. Da auch in unserer Gegend sich Aus⸗ wanderungslust zeigt, so verfehlen wir nicht, auf das Eindringlichste vor der Auswanderung nach den Ver einigten Staaten zu warnen.In Deutschland, schreibt uns ein Gewährsmann,glaubt man offenbar, hier herrsche die lebhafteste Prosperität. Das ist grundfalsch. Die Geschäfte gehen durchaus nicht gut, theilweise sehr schlecht, und es sind die bestimmtesten Anzeichen vor⸗ handen, daß wir vor einer neuen ökonomischen Krise stehen. Der kurze Aufschwung des vorigen Jahres hat nämlich dem abscheulichen Schwindel wieder auf die Beine geholfen, und da es an jeder soliden Grundlage fehlte, so kommt der Rückschlag, die Krise, geschwinder, als es in normalen Zeiten der Fall zu sein pflegt. Jetzt schon ist es außerordentlich schwer, irgend Jemand zu plaeiren; vielen Einwanderern, die mit glänzenden Hoffnungen herübergekommen, geht es sehr schlecht, und wenn der Exodus(Auszug) aus Deutschland nach derneuen Welt nicht bald aufhört oder erheblich geringer wird, dann wird unter den Einwanderern ein furchtbarer Noth⸗ stand entstehen. Bieten Sie Alles auf, um in Deutsch⸗ land die Wahrheit bekannt zu machen, damit einer schweren Kalamität vorgebeugt werde. Wer nicht aus dem einen oder anderen Grunde aus wandern muß, der bleibe daheim! Offenbach, 17. Febr. In dem zum hiesigen Amts⸗ gerichtsbezirk gehörigen Ort Steinbach bei Oberursel wurde gestern ein Mädchen auf einem Spaziergang, welchen dasselbe mit seinem Liebhaber machte, durch einen Schuß in die Brust getödtet. Man fand heute Morgen in dem Garten die Mordwaffe, mit der das Mädchen erschossen wurde. Allgemein war man sofort der Ansicht, daß der Geliebte der Mörder sei, was sich auch bestätigte, da derselbe bereits ein Geständniß abgelegt hat.

Allerlei.

München, 19. Febr. Bei der gestrigen masklrten Kneipe der Malerakademiker geriethen die Costüme einiger Festtheilnehmer in Brand. Acht Maler sind bereits todt, acht schwer verwundet.

Berlin, 19. Febr. In Neustettin wurde gestern die Synagoge, angeblich von ruchloser Hand, angezuͤndet, die Synagoge ist ganz niedergebrannt. Einige Tage vorher hielt der bekannte Dr. Henriei im Orte eine seiner Agltationsreden.

Berlin. Das Armee- Verordnungsblatt publieirt eine Cabinetsordre, durch welche der Helm an Stelle des Tschakos für die Landwehr-Infanterie eingeführt wird. Bremen, 15. Febr. Im Laufe der Nacht ist der Weser⸗Strom noch fortwährend gestiegen und zwar von 3,90 Meter auf 4,14 Meter. Bedenklicher als dieser immerhin noch nicht besorgnißerregende Wasserstand ist, daß trotz des scharfen Frostes in Nienburg und Verden nicht allein kein Rückgang, sondern ein abermaliges Wachsen stattgefunden hat. Nienburg steht jetzt 12 Centi⸗ meter über, Verden 20 Centimeter unter dem höchsten Punkte der Weihnachtstage. Wir haben deßhalb noch ein Wachsen des Stromes bei der Stadt zu erwarten

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in dritter Lesung angenommen.

und sind bei der Fortdauer des Frostwetters auf's stärkste interessirt.

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