Betreffend: Die Aufstellung der Voranschläge der Gemeinden des Kreises Friedberg für 1882/83.
Das Großherzogliche Kreisamt Friedberg an die Kirchen- und Schulvorstände des Kreises.
Friedberg am 13. September 1881.
Unter Bezugnahme auf Artikel 20 der Verordnung vom 6. Juni 1832, die Verwaltung des Kirchenvermögens betreffend, beziehungsweise auf F. 20 der Instruction für die Schulvorstände vom 21. September 1874, beauftragen wir Sie, die Anforderungen an die Gemeinden in
Dr. Braden.
Dienstnachrichten aus dem Kreise Friedberg.
Georg Döring von Steinfurth wurde als Wegwärter für diese Gemarkung ernannt und verpflichtet.
Wegen Bettels bestraft: August Strauß von Lumda, Konrad Jahns von Mainz, Julius Meyer von Heinichen, Valentin Wonnidke von Berlin.
Deutsches Reich.
Friedberg, 14. Sept. Vorgestern, als am Geburtstage S. K. H. des Großherzogs, traf die gesammte Großherzogliche Familie von Darmstadt hier ein, worauf im Schlosse Fami— liendiner stattfand. Abends reisten die hohen Herrschaften wieder nach Darmstadt ab. Ge— legentlich der Gratulation überreichte S. K. H. an Kreisrath Dr. Braden, sowie an Bürger— meister Scriba das Ritterkreuz II. Klasse des Philippsordens. Im Hötel Trapp fand Nach— mittags zur Feier des allerhöchsten Geburtstages ein sehr besuchtes Diner statt, bei welchem eine sehr gehobene Feststimmung vorherrschte. Den ersten Toast auf S. K. H. den Großherzog brachte Kreisrath Dr. Braden etwa mit folgen— den Worten aus:„M. H. Wie alljährlich, so haben wir uns auch heute hier zusammengefun— den um den Geburtstag S. K. H. unsers aller— durchlauchtigsten Großherzogs und Herrn festlich zu begehen. Mehr aber wie je ist es uns heute ein Herzensbedürfniß den Gefühlen der Ehrfurcht, der Treue und Liebe zu unserm erhabenen Lan— desfürsten innigen Ausdruck zu geben, da uns heuer das Glück beschieden ist, daß S. K. H., sowie sämmtliche hohen Mitglieder der Groß— herzoglichen Familie in unserer Stadt verweilen. Wie wäre es auch denkbar, daß das Erscheinen des allgeliebten Landesvaters in der Mitte einer Bevölkerung, welcher glücklicher- und erfreulicher— weise die Treue und Anhänglichkeit an das au— gestammte Fürstenhaus tief in das Herz einge— prägt ist, wie ware es denkbar, daß das hehre Bild eines schönen, lieblichen Familienlebens und wahrhaften Familienglückes, wie uns solches unser fürstliches Haus in herrlichster Weise zeigt, wie, sage ich, wäre es denkbar, daß hierdurch die Gefühle der Treue, der Anhänglichkeit und der Liebe zu diesem erhabenen Fürsten und diesem erhabenen Fürstenhause nicht immer mehr und mehr belebt, gesteigert und vertieft würden. Wie sehr Dies der Fall, dafür bietet der vor einigen Tagen stattgehabte Empfang der aller— höchsten Herrschaften in unserer Stadt ein be— redtes Zeugniß; ein Empfang, bei welchem die ganze Einwohuerschaft der Stadt, ja die Ge— sammtbevölkerung des Kreises Friedberg in Dar— bringung ihrer Huldigungen und Ehrenbezeug— ungen wetteiferten, wo die gesammte Bevölkerung wie mit einer Stimme— und es war Dies wahrhaftig die Stimme des Herzens— dem vielgeliebten Landesfürsten und dessen aller— höchsten Familienangehörigen begeistert entgegen— jubelte. Und wie damals, so steht auch heute die Gesammtbevölkerung mit dem gleichen Jubel in dem Herzen hinter uns und stimmt mit uns zusammen in dem Gruße und dem Wunsche: S. K. H. unser allverehrter, allgeliebter Groß— herzog Ludwig IV. lebe lange, lebe glücklich und lebe Hoch!“ Die Illumination der Stadt am Abend war geradezu brillant; Friedberg hatte sich ganz außerordentlich angestrengt, um dem allverehrten Landesherrn seine Treue und Ergebenheit zu beweisen. S. K. H. der Groß herzog sprach sich denn auch bei Gelegenheit dahin aus, daß er von der Pracht der Illumi— nation sehr befriedigt und überrascht gewesen sei. Gestern Morgen begab sich S. K. H. nebst 3 Prinzessinnen Töchtern und Gefolge zu den Manövern in der Gegend von Holzhausen und stattete auf der Rückfahrt dem Grafen von Assen— heim einen Besuch ab. Gestern Nachmittag
fand abermals großes Diner im Schlosse statt, zu dem die Spitzen der Behörden von hier und Nauheim eingeladen waren. Während der Tafel spielte die Musik des 81. Regiments im Schloß— hofe. Heute früh begab sich S. K. H. der Groß herzog mit Gefolge zum Schlusse der Manöver in der Gegend zwischen Ober-Woͤllstadt und Nieder-Rosbach. Heute Nachmittag fand die Abreise der höchsten Herrschaften zunächst nach Romrod statt. Möge es dem allverehrten Lan— desherrn so gut unter uns gefallen haben, daß er seinen Besuch baldigst wiederholt. Die Herzen der Bewohner unserer Stadt werden ihm stets freudig entgegenschlagen.
Darmstadt. Der Kammerjunker und Kreis⸗ assessor Freiherr Löw von und zu Steinfurth, der Kammerjunker und Kreisassessor Freiherr von Senarcleus-Grancy und der Kammerjunker und Domänen-Director Freiherr von Hertling wurden zu Kammerherren ernannt; dem Kreis— arzt Medicinalrath Dr. Helwig zu Mainz wurde der Charakter als Geh. Medieinalrath, dem Kreisarzt Dr. Neidhart in Worms der Charakter als Medicinalrath, dem Vorsteher der land— wirthsch. Versuchsstation Dr. Wagner zu Darm— stadt der Charakter als Professor, dem Polizei— commissär Seim zu Darmstadt der Charakter als Polizeiassessor, den Steuercommissären Limpert in Grünberg und Schweisgut in Groß-Gerau der Charakter als Steuerrath, sowie dem Ober— steuerrevisor Jager der Charakter als Rechnungs⸗ rath verliehen. Der Oberförster Engelhard wurde von Lorsch nach Heusenstamm, der Oberförster Seyd von Romrod nach Lorsch, der Oberförster Joseph von Bingenheim nach Griesheim versetzt und der Forstaccessist Joseph zum Oberförster in Hirschhorn, der Forstaccessist Klump zum Ober— förster in Romrod, sowle der Forstaccessist Daab zum Oberförster in Bingenheim ernannt. Oberst Mootz wurde zum Generalmajor à la suite ernannt.
Berlin. Der„Italia“ zufolge erklärte Car— dinal⸗Staatssecretär Jacobini dem Gesandten v. Schölzer, der Papst sei mit der Wiederher— stellung der formellen diplomatischen Verbindung mit der preußischen Regierung völlig einver— standen. Der„Univers“ meldet aus Rom, die Absendung eines Internuntius nach Berlin stehe bevor.
Hamburg, 11. Sept. Der Kaiser, von dem Kronprinzen und der Kronprinzessin, sowie dem Prinzen Wilhelm und dem Prinzen Albrecht von Preußen begleitet, ist heute Nachmittag auf der Reise nach Itzehoe, hier durchpassirt. Im Bahuhofe fand keinerlei Anfenthalt stat.. Dem Publikum, welches an der Bahnlinie überall nach Tausenden Spalier bildete und die Herr— schaften enthusiastisch bewillkommnete, winkte der Kaiser mit dem Taschentuche seine Grüße zu.
Karlsruhe, 11. Sept. Die großherzog⸗ liche Familie ist heute von Mainau zu dauern⸗ dem Aufenthalte hier wieder eingetroffen.
Ausland.
Oesterreich-Ungarn. Wien. Der Kaiser hat den ehemaligen Statthalter von Böhmen, v. Weber, zum Statthalter von Oberösterreich ernannt.
Frankreich. Paris, 11. Sept. Ein Telegramm an den Marineminister meldet, daß Susa gestern von 3 Bataillonen und 1 Batterie widerstandslos besetzt worden ist. Die Truppen wurden von dem tunesischen Gouverneur und den Notablen der Stadt gut aufgenommen.
— 12. Sept. Die Unterhandlungen über den französisch⸗italienischen Handelsvertrag wurden heute wieder aufgenommen.
— Albert Grevy, Gouverneur von Algier, Bruder des Präsidenten, gab seine Demission.
Großbritannien. London.„Times“ schreibt: Die Herstellung der Autorität des Khedive durch diesen selbst würde am meisten im Einklange stehen mit den Wünschen und der Politik Englands. Die ägyptische Armee müßte aufgelöst werden. Einer gemeinsamen oder sepa— raten Occupation Seitens Englands und Frank— reichs ständen unüberwindliche Schwierigkeiten im Wege und bleibe keine andere Wahl, als die Türkei einzuladen, Aegypten zu occupiren, bis die Ordnung daselbst wieder hergestellt worden sei.
Italien. Rom. Trotz der Erhöhung der allgemeinen Ausgaben und Lasten, sowie des Zwangscours-Anlehens weist das vorläufige Budget für 1882, welches am 15. September vorgelegt wird, einen Ueberschuß von mehr als 8 Million aus.
Venedig, 13. Sept. König Humbert ist hier eingetroffen, um der Eröffnung des geograph— ischen Congresses beizuwohnen.
Türkei. Konstantinopel, 12. Sept. Die Conferenz der Botschafter beschloß am Freitag, bei Assym Pascha separate Schritte zu thun, um ihn an die Note vom 7. Juli wegen Ar⸗ menien zu erinnern und die Pforte aufzufordern, baldmöglichst Commissäre mit Vollmachten nach Armenien zu entsenden, um den Beläͤͤstigungen abzuhelfen, denen die Bewohner Armeniens aus— gesetzt sind. Die Botschafter beginnen damit vor⸗ aussichtlich morgen.
Rußland. Petersburg, 11. Sept. Das dänische Königspaar hat gestern Abend auf der Nacht„Danebrog“ die Rückreise von Peterhof nach Kopenhagen angetreten. Das dänische Kriegs- schiff„Thomas“ hatte bereits Morgens in See Aufstellung genommen, um die Danebrog zu erwarten. Die russischen Klipper„Rasboinik“ und„Najestnik“ eskortirten die Pacht durch den finischen Meerbusen.— Die Kaiserin und der Großfürst Thronfolger gaben dem Königspaare bis hinter Kronstadt hinaus das Geleit.
— 13. Sept. Der„Regierungsbote“ meldet: Gestern Nachmittag sind der Kaiser, die Kaiserin, der Thronfolger sowie die Großfürsten Georg, Wladimir und Alexei auf der Nacht„Alexandria“ in Peterhof eingetroffen.
— Der„Regierungs⸗Bote“ veröffentlicht einen kaiserlichen Ukas, nach welchem zur dies— jährigen Recrutenaushebung statt 235,000 Mann nur 212,000 Mann zu stellen sind.
Amerika. Washington, 12. Sept. Während der Ablösung der Schildwache schoß der Unter— offizier Mason auf den Attentäter Guiteau. Die Kugel streifte dessen Kopf und schlug an der Wand der Zelle ein. Mason ist verhaftet.
Longbranch, 12. Sept. Die Besorgnisse be⸗ züglich der Lungen-Affection, wovon Präsident Garfield befallen wurde, sind gemindert. Die Aerzte legen derselben keine ernste Bedeutung bei.
Afrika. Tunis, 12. Sept. Mustapha Pascha hat„aus Gesundheitsrücksichten“ seine Demission eingereicht. Der Bey nahm dieselbe an. Kamadar ist zum ersten Minister ernannt. Er übernahm sofort die Funktionen Mustaphas. Dieser geht demnächst nach Frankreich.
Asien. Bombay, 11. Sept. Eine Depesche
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