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ö Extra-Geilage. Hberhessischer Anzeiger
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Die erste Kunde von dem abscheulichen Attentat auf den Kaiser von Rußland konnte bereits in dem gestrigen Haupt-Blatte gemeldet werden. Nachfolgend bringen wir die inzwischen einge gangenen weiteren Nachrichten:
Petersburg, 14. Marz. Als der Kaiser Nachmittags 2 Uhr aus der Michaelmanege zum Winterpalais heimkehrte, wurde am Katharinen— kanal gegenüber dem Stallhofgebaͤude eine Bombe nach dem Wagen geworfen. Der Kaiser blieb unverletzt. Als er ausstieg, zerschmetterte eine zweite Bombe beide Beine. Der Wagen wurde zertrümmert. Von der Begleitung wurden etwa zehn Personen theils getöͤdtet, theils töͤdtlich ge— troffen, unter diesen Polizeimeister Worschitzky. Mehrere Personen sind leichter verwundet. Die Detonation war so stark, daß die Fensterscheiben der gegenüber liegenden Stallhofgebäude schmettert wurden. Zuerst zur Stelle waren der Thronfolger, Großfürst Michael Nikolajewitsch, welche den schwer verwundeten Kaiser auf einen Schlitten trugen und zum Winterpalais fuhren.
Die Kunde von dem schrecklichen Attentat durch
zer⸗
Sterbesacramenten versehen. Eine ungeheure und gebieten ihnen, uns Treue zu schwören und Menschenmasse stürzte sich unter lauten Aeußer— t Nachfolger Sr. Kaiserlichen Hoheit dem ungen lebhaften Schmerzes nach dem Palais, Großfürsten-T Thronfolger Nicolai Alexandrowitsch. das sofort von Truppen umgeben wurde. Als[Gegeben in' St. 1 im Jahre nach der Thronfolger erschien, empfing ihn die Menge Christi. 1881 und unserer e im mit lauten Zurufen. Unmittelbar nachdem ee— bei dem gestrig⸗ u Attentate von Tod des Kaisers bekannt geworden, füllten sich feinem Soda 15 ffene Verbrecher heißt Russa⸗ die Kirchen mit zahllosen Personen, die für den kow; derselbe ist 21 Jahre alt und seit zwei Kaiser beteten. Zwei Attentäter wurden ver— Jahren Zuhörer der Bergacademie. Ein zweiter haftet. Die Attentäter trugen Bomben in weißen Verbrecher, der eine Bombe warf, ein ebenfalls Tüchern.— Die Truppen haben bereits dem noch junger Mann, wurde aue ch ergriffen.— Laut neuen Kaiser den Eid in den Kasernen geleistet. Mittheilung der Zeitungen erfolgte der Huldig⸗ Morgen findet im Winterpalais die feierliche ungs zeide der Mitglieder des kaiserlichen Hauses Vorstellung und Eidesleistung der Cwübehorden noch gestern.— Der„Köln. Ztg.“ wird von hier statt, alsdann beginnen die Trauerfeierlichkeiten. gemeldet: Wie man hoͤrt, war de r Kaiser furcht⸗ Das Winterpalais ist von einem Truppencordon] bar verletzt, an den Beinen unter den Knieen, d an den Armen und am Kopfe. Der Blutverlust Regierungsanzeiger“ veröffentlich ee le das rasche Ende. Nach dem Attentate
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9 fol ebe katserliches Manifest: Wir von Gottes irde der Kaiser auf den Händen fortgetragen.
Gnaden Alexander III, Kaiser und Selbstherr-[Ein Marine- Feldwebel sammelte die Orden, scher aller Reußen, Zar von Polen, Großfürst] welche die Explosion von des Kaisers Brust ge⸗ von Finnland ꝛc., thun zu wissen: Es hat dem] rissen 9 Von den Verhafteten ist nur einer
hmer an dem Morde er⸗ sind selbstverständlich vor⸗
Allmächtigen in seinem unerforschlichen Ratl bestimmt als Theilne
lief die Stadt alsbald. Unzaͤhlige Menschen schlusse gefallen, Rußland mit einem schweren] kannt. Mitschuldige aus allen Schichten stroͤmten nach dem Winter- Schicksalsschlag heimzusuchen und seinen Wohl- handen. Viele Verhaftungen sind vorgenommen. palais, die Kunde über den Zustand des Kaisers thaͤter, Kaiser Alexander II., zu sich in das— Der„Agence Russe“ zufolge waren die erwartend. Schon gegen 4 Uhr war der KaiserJenseits abzurufen. Er fiel von gotteslästerlichenf ersten zur Hülfeleistung herbeieilenden Aerzte der ohne Bewußtsein verschieden, nachdem er kurz] Mörderhänden, die zu wiederholten Malen nach Chirurg Kruglewski und die Doctoren Botkin, vorher das Abendmahl hatte nehmen konnen. seinem theueren Leben trachteten, und sie trach-[Marcus und r 2 Beine hingen Bei der Nachricht vom Tode wurde die Menge teten nach diesem so theueren Leben, weil sie in nur noch an zerrissenen Muskeln. Das Blut vom Schmerze überwältigt, Alles weinte. 1275 ihm den Schirm und Hort erblickten für die floß tromweise Es wurden N Kautschuk⸗ zwei sofort ve rhafteten Schuldigen wird einer Größe Rußlands und für das Wohlergehen des Bandagen um die Beine, sowie um die rechte als Zögling der Bergakademie be 9 ꝗ 60 0— russischen Volkes. Beugen wir uns vor dem] Hand gelegt. Der Trauring war tief in die Das Attentat ergeignete sich am Katharinenkanalsunergründlichen Willen der göttlichen Vorsehung Muskeln eingedrungen. In Folge Unterbindung längs des Parks der zum Palais des Groß- und senden zu dem Allmächtigen unsere Gebete] der Adern und Anwendung von Eis und geeig⸗ fürsten Michael gehoͤrt. Der Kalser war von empor für die Ruhe der reinen Seele unseres neten B ingsmittelu öffnete der Kaiser noch⸗ der Eskorte und den Gehilfen des Polizespra entschlafenen Vaters. Wir besteigen unserenf mals die Augen, welchen Augenblick der Priester fecten begleitet, hinter ihm folgte Großfürstsvon unseren Vorfahren ererbten Thron des zur Spendung der hetligen Sacramente be⸗ Michael. Die erste Bombe traf zwei Tscher-]russischen Reiches und des unzertrennlich mit ihm] nützte. Bald darauf stockten der Herzschlag kessen. Der Kaiser verließ den Wagen, um verbundenen Zarenthums Polen und des Groß und der Athem. Saͤmmtliche Mitglieder der nach den Verwundeten zu sehen, obwohl der fürstenthums Finnland. Wir nehmen die uns; kaiserlichen Familie umgaben knieend das Sterbe⸗ Kutscher den Kaiser inständigst bat, den Kalser von Gott auferlegte schwere Last auf uns inf bett, waͤhrend der Erzpriester die Sterbegebete sofort nach dem Palais führen zu dürfen. Die dem festen Vertrauen auf seine allm ächtige Hülfe. verlas. Oberst Doorjetzki welcher den ersten zweite Bombe platzte unmittelbar vor dem Moͤge er unsere Arbeit zum Wohle unseres ge Moͤrder verhaftete und ihm Dolch und Revolver Kaiser und zerschmetterte beide Beine. Groß- liebten Vaterlandes segnen und moͤge er unseref entriß, hütet in Folge erlittener, indeß nicht fürst Michael und der Gehülfe des Polizei— Kräfte lenken für das Glück aller unserer gef toͤdtlicher Wunden das Bett. Die Personen, präfecten leisteten dem Kaiser die erste Hülfe und treuen Unterthanen. Indem wir vor Gott dem welche den Kaiser zuerf st aufhoben, waren Capitän⸗ d von unserem Vater abgelegte] Lieutenant Nowikoff vom Regiment Litthauen
trugen denselben in einen Schlitten. Dovrojeskis,
der Verbrecher, der die erste Bombe geworfen
ist verhaftet, der zweite verschwand in der Menge. Als der Kaiser das Winterpal ließ ihn auf 15 Treppe in Blutverlustes die starb der Kaiser,
3 ver— Folge 3 4 uh vorher mit
Besinnung. nachdem er
s starken
den
Allmächtigen das „beilige Gelübde wiederholen, nach dem Ver- und Netschajeff, mächtuisse unserer Vorfahren unser ganzes e Anzahl der der Fürsorge um die Wohlfahrt, Macht und Ehre her angenommen Rußlands zu weihen, fordern wir alle unsere ge- bereits gestorben anen auf, vor dem Altar des Aller-] Russakoff, ist 21 den unsrigen zu vereinen] vinz Nowgorod
Junker auf der Kriegsschule. Verwundeten ist großer, als wurde, einige davon sind Der verhaftete Moͤrder heißt Jahre alt, stammt aus der Pro⸗ und besuchte die Bergakademie.
Leben
1 bis
r treuen Unterth höchsten ihre Gebete mit
Vuchdruckerel von Carl Bindernagel in Friedberg.
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