Ausgabe 
14.7.1881
 
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im Vorjahre um nahezu 36 Millionen. Heute Nacht wird die Leiche Pius IX. von der provi sorischen Ruhestätte in Sanct Peter ohne Ge pränge, von den Testamentsvollstreckern geleitet, in die Gruft San Lorenzo extra maros überge führt werden.

Amerika. Washington. Bulletin vom 10.Juli. Die guͤnstigen Erscheinungen in dem Befinden des Präsidenten dauern fort. Pulsbewegung, Temperatur und Befinden werden mehr und mehr normal.

12. Juli. Bulletin von heute Morgen: Das Befinden des Präsidenten ist befriedigend.

Afrika. Algier. Bu-Amema machte mit 1000 Araber am 9. Juli zwei vergebliche An griffsversuche auf Kreider, welches von drei Tiraillenrs-Compagnien vertheidigt wurde. Die Aufständischen flohen südwestlich und verloren 250 Mann.

Aus Stadt und Land.

w. Bad⸗Nauheim. Bei dem am Sonntag in Lauterbach abgehaltenen Turnfest haben der Turner Brand von hier den 2. Preis und Bieler von hier den 11. Preis, der Turner Störicko von Butzbach den 9. Preis erhalten. Den 1. Preis erhielt ein Wetzlarer Turner. Die beiden hiesigen Turner wurden bei ihrer Ankunft am Bahnhofe mit Musik abgeholt und in die Stadt begleitet.

Darmstadt, 10. Juli. Der Lithograph Piel aus Köln, welcher infolge der Geständnisse des Zeugen Krause in der letzten Assisenverhandlung auf Requisition der hie sigen Staatsanwaltschaft bei Köln verhaftet wurde, ist gestern, fest geschlossen, in Begleitung eines Schutzmannes aus Köln, hier eingetroffen und im Provinzial-Arresthaus abgeliefert worden. Piel hatte sein Geschäft in Solingen unter der Angabe, daß dasselbe nicht gehe, aufgegeben und in Köln resp. in einer abgelegenen Gegend vor der Stadt eine Wirthschaft angefangen, wo er auch die fal schen 50-Markscheine anfertigte und an seineKunden absetzte. Die Platten für die Falsificate sind gleichfalls in Händen der Polizei.

Allerlei.

P. A. Frankfurt, 11. Juli. Am vergangenen Mittwoch war die Ausstellung von ca. 13 14,000 Men schen besucht, zu welchen die nähere und weitere Umgegend Frankfurts das bedeutendste Contingent gestellt hatte. In den Nachmittagsstunden waren im Hauptgebäude das Ge dränge und die Hitze sehr groß; glücklicherweise brachten leichte Gewitterregen die gewünschte Abkühlung und die Menge zerstreute sich bald durch den ganzen Garten, sowohl in die Bierpavillons als auch in die übrigen Lokale. Der elektrische Aufzug und mehr noch die elek trische Eisenbahn waren in fast ununterbrochener Thätig keit. Gestern bot der Ausstellungsplatz ein farbenreiches Bild. Tausende und Abertausende, wir schätzen die Menge auf 25,000 Personen, bewegten sich nicht allein im Parke, sondern auch in den Ausstellungsgebäuden und verschie denen Wirthschaften, so daß es oft schwierig wurde, ein Plätzchen zu erobern. Die Eröffnung der natürlichen Eisbahn muß immer noch um einige Tage verschoben werden, obwohl die angestellten Versuche ein ganz befrie digendes Resultat geliefert haben. Man sagt, der plötz lich eingetretene Wassermangel sei daran Schuld; Andere geben andere Ursachen an, aber gleichviel: es handelt sich, wie uns bestimmt versichert wird, nur um einen Aufschub von einigen Tagen. Schon jetzt bemerken wir daher, daß die mitgebrachten Schlittschuhe keine Schnäbel haben dürfen und daß sie in den Absatz geschraubt sein müssen. Mit Stacheln und Spitzen versehene Schlittschuhe sind nicht gestattet. Die sogenannten Halifax-Schlittschuhe, verbesserten Systems, werden auf der Eisbahn vermiethet und ebenso Schlittstühle verschiedener Größe.

Hamburg, 11. Juli. DieVandalia ist gestern morgen in Greenork eingetroffen, von demConqueror undExpreß geschleppt. An Bord ist Alles wohl. Nach der Reparatur geht dieVandalia am 18. Juli nach New ⸗Pork.

Cineinnatt, 7. Juli. Heute wurden hier vier große Möbelmagazine durch Feuer zerstört, wobei eine Person getödtet und 16 verletzt wurden, während 24 andere vermißt werden, die, wie man fürchtet, unter den Trümmern umgekommen find. Der angerichtete Schaden wird auf 680,000 Dollars geschätzt.

Montreal, 8. Juli. Heute wurde hier eine Massen versammlung von Dock-Arbeitern abgehalten. Der Prä sident des Arbeitervereins hielt bei der Gelegenheit eine Ansprache, in deren Verlauf er bemerkte, daß der jetzige Strike einen Theil der großen Arbeiterbewegung bilde, die in Europa und den Vereinigten Staaten bereits im Gange sei und jetzt erst anfange in Canada Wurzel zu schlagen. Er empfiehlt das schieds richterliche Verfahren als ein Mittel zur Lösung der Streitfrage und rieth seinen Zuhörern, nach Hause zu gehen und sich von den Werften fernzuhalten.

Juchtenleder.

Russisches Leder oderJuchten ist ein Gegenstand, über welchen ungemein große Un klarheit in aller Herren Länder herrscht. Der Geruch des Leders, bekanntlich einzig dastehend

in seiner Art, hat Nachahmungs-Versuche zu

Tausenden hervorgerufen, ohne daß bis dato auch nur einigermaßen nennenswerthe Resultate erzielt worden wären. Ja, es schwebt sogar über der Art und Weise, in welcher dem Leder sein eigenartiges Parfum beigebracht wird, ein ge wisses geheimnißvolles Dunkel. Einige Fachleute wollen wissen, das Verfahren, dem Leder den charakteristischen aromatischen Geruch mitzutheilen, sei Geheimniß der russischen Regierung und werde von derselben mit argusaugiger Sorgfalt gehütet. Diese Leute behaupten, ein für Herstellung der Juchten-Essenz speziell konstruirter Apparat werde zur geeigneten Jahreszeit von eingeschworenen Beamten und unter militärischer Bedeckung in die Kronwälder transportirt, woselbst in der ge heimnißvollsten Weise das zur Anfertigung von Juchtenleder nothwendige ätherische Oel aus ge wissen Pflanzen gewonnen würde. Dieses Oel ge lange nicht in den Handel und sei speziell der Export desselben ganz unmöglich gemacht. Nach derselben Quelle haben schon zu verschiedenen Malen ausländische Gerber sich Arbeiter aus Rußland kommen lassen, welche genau mit der Herstellung des in Rede stehenden Geruchstoffes vertraut zu sein meinten, um mit deren Hilfe die Juchtenlederfabrikation zu betreiben, ohne etwas Anderes als Mißerfolge zu erzielen, trotzdem von ihnen in unzähligen Experimenten enorme Kosten aufgewendet wurden. Thatsache ist, wie diedeutsche Gerber-Zeitung mittheilt, daß Gerber juchtenartiges Leder zu verfertigen im Stande sind, welches viel billiger als ächtes Juchten ist, den durchaus eigenthümlichen Ge ruch desselben jedoch nicht besitzt. In einer vor einigen Jahren von zwei Beamten der General Jutendantur des rusischen Kriegsministeriums herausgegebenen Schrift über die Lederfabri kation in Rußland wurde der eigenthümliche Geruch dem Birkentheer zugeschrieben, welcher in der Fabrikation des Juchteuleders zur Ver wendung kommt. Es ist jedoch Thatsache, daß der Export von Birkentheer nicht verboten ist. Auf Grund dessen kauften amerikanische Leder fabrikanten nach der Weltausstellung in Phila delphia im Jahre 1877 200,000 Pud Oel, ohne daß indeß die betreffende Association damit befriedigende Resultate erzielen konnte. Der Preis dieses Birkentheer-Oels variirt von 3 bis 4 Rubel per Pud(1 Pud= 32¾ Pfund). Das Oel wird jedoch so verfälscht, daß die russischen Lederfabrikanten in der Regel mit eigenen Vorrichtungen zur Herstellung desselben versehen sind. Die Juchtenlederfabriken befinden sich meistens in den Bezirken Viatka, Orel, Twer und Kasan, welche mit Birken dicht bewaldet sind. Jun Rußland werden besonders die Häute junger Kühe zur Herstellung von Juchtenleder verwandt, und zwar zu weißem, rothem und schwarzem Juchten. Die rohen oder gewässerten Häute werden behufs ihrer Enthaarung und Reinigung von Fleisch in Kalk oder in mit Asche vermischten Kalk gelegt, worin sie ver bleiben, bis das Haar sich zu lösen beginnt. Nach der Enthaarung werden die Häute zur Schwellung wieder in die Aschegefäße gebracht, hierauf in fließendem Wasser abgewaschen, be schnitten, gefalzt, 67 Stunden in ein Gefäß gelegt, in welchem Mehl mit warmem Wasser vermischt ist, und in demselben häufig umgedreht. Es entwickelt sich hierdurch eiue Gährung, und die sich dabei entwickelnde Essigsäure nimmt die letzten Reste des Kalks fort. Dies ist das älteste und am meisten zur Anwendung kommende Ver fahren; in einzelnen Gerbereien ist die Behand lung jedoch eine andere.

Die Gerbung beginnt nie durch Versetzung der Häute in Gruben, sondern durch Behand lung derselben in schwacher Brühe. Diese Farben, welche viermal gegeben werden, sind von ca. 20 bis 25 Tage Dauer. Ein Pud und 10 Pfund Rinde werden durchschnittlich zu jeder Haut ver wandt. Nach dem Abspülen und Sortiren werden die noch feuchten, aber nicht übersättig ten Häute mit der Narbenseite nach unten auf einen Tisch ausgebreitet und mit einer Mischung

handelt. Jede Haut zu weißem oder rothem

Juchten enthält so ½ Pfund Theer und 1 Pfd. Fett Die Mischung wird sorgfältig mit der Hand aufgetragen, so daß die Schicht eben und gleichmäßig wird. Hierauf werden die Häute in einem offenen Schuppen zum Trocknen aus gebreitet. Das zu rothem Juchten bestimmte

Alaun eingeschmiert und auf der Narbenseite mit Sandelholzfarbe gefärbt, welche kalt aufge tragen wird. Das zu schwarzem Juchten be stimmte Leder wird auf der Narbenseite zunächst mit einer Alaunlösung und darauf mit einer Lösung von Campecheholz in fast siedend heißem Zustaude behandelt, und demnächst zur Befestigung der mit einer Lösung von grünem Vitriol(Eisensul phat) bestrichen. Viele Gerbereien wenden jedoch statt des Vitriols eine Flussigkeit an, welche man erhalt, indem man rostiges altes Eisen in einen in saure Gährung übergegangenen Trank, von den Bauern Quaß genannt, thut. Hierauf wird das Leder auf der Fleischseite sofort mit Birken theeröl und geschmolzenem Fett, welche im Ver hältniß von ½ Pfund auf jede Haut gemischt werden, eingerieben. Es werden jedoch 1½ͤ Pfd. von jeder Substanz genommen, wenn das soge nannte Birkentheer-Leder hergestellt werden soll. Zur letzten Zurichtung werden die Leder in Wasser erweicht und gründlich auf dem Baum bearbeitet, geglättet und geknetet, hierauf kräftig mit dem Narbenholz gerieben und schließlich mit dem Schliker von Glas, Stein oder Stahl auf dem Narben behandelt, abwechselnd damit auch gewalzt und sodann auf der Narbenseite ein wenig gefettet. Schwarzes Juchtenleder wird auch mit einer Mischung von Birkentheer und Fett auf der Narbenseite geschmiert. Der Export von Juchtenleder ist gestattet, ist jedoch nicht bedeutend. Im Jahre 1877 war der ganze Export 8622 Pud, im Jahre 1876 nur 7426 Pud. Eingehende Nachforschungen nach der Ursache des Geruchs des Juchtenleders haben mit Sicher heit festgestellt, daß dieselbe nicht in dem Gerb verfahren zu suchen ist, sondern daß der Geruch der Haut anhaftet, indem die Häute des russischen Viehs diesen Geruch bereits im rohen Zustande haben. Diesen Geruch aus der Haut zu be seitigen, ist der russische Gerber ebensowenig im Stande, wie er fremden Häuten den richtigen Juchtengeruch zu geben vermag. Die Leder fabrikation ist eine bedeutende und weit ver breitete Industrie Rußlands; es gibt jedoch da selbst vor allen Dingen drei bedeutende Gerber eien, deren eine wir kurz beschreiben wollen. Es wird Dampfkraft bis zu 45 Pferdestärken angewandt. Die Fabrikräume werden mit Dampf geheitzt; eigene Gasanstalten liefern das Gas, sowie auch durch alle Räume Wasserröhren gehen. Es sind 485 Aescher und Färber vorhanden und 60 rotirende Walkfässer. Die Maschinen sind neuester Konstruktion, hydraulische Pressen zum Glätten und Strecken, Lohmühlen, Apparate zum Färben und Auftragen der Schmieren, mit Dampf geheizte Trockenräume und Wollwasch maschinen. Diese Gerberei beschäftigt 400 Ar beiter und gelegentlich noch 150 Hilfsarbeiter. In einem Jahre werden 150,000 Juchtenhäute, 30,000 Felle und 5000 Sohlhäute gegerbt und zugerichtet. Jährlich finden 180 220,000 Pud Weiden- und Eichenrinde, 57000 Pud Rosma rin und 4000 Pud Beeren Verwendung. Die zum Schmieren des Leders dienenden Ingredienzien sind Birkentheer, geschmolzene Fette, Talg und Mark. Die Gerbung von Juchtenleder dauert 45 Monate, von Bullenhäuten 57 Monate und von Sohlleder 10 14 Monate. Die jähr⸗ liche Produktion beläuft sich auf 1,350,000 Rubel. Die besseren Arbeiter wohnen auf dem Gerberei grundstück, und für ihre Kinder ist eine besondere Schule vorhanden.

Verloosungen. Badtsche fl. 35⸗Loose von 1845. Gewinn⸗ Ziehung vom 30. Juni 1881. Heimzahlung am 1. Oetober 1881. Nr. 26702 72231 105753 159316 167783 179894 185265 317350 393951 à M. 1714. 29.

von Birkentheer und geschmolzenem Fett be

Nr. 267037 12 1416 1822 26 29 3132 3538 40

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Leder wird beim Trocknen mit einer Lösung von J

95 59 346402 10 43 71 73 10 16 36445 86 89 2 23 94 58 919 am 3

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