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Deutsches Reich.
Berlin, 9. Juni. Der Reichstag ge— nehmigte die Innungsnovelle zur Gewerbeord— nung in dritter Lesung, unter Ablehnung aller Amendements unverändert nach den Beschlüssen der zweiten Lesung und nahm sodann eine auf die Errichtung einer Gewerbekammer bezügliche Resolution an.— 10. Juni. Der Reichstag lehnte nach dreistündiger Berathung in nament— licher Abstimmung mit 153 gegen 102 Stimmen den für den Volkswirthschaftsrath geforderten Etatsposten ab. Dafür stimmten beide conser— vative Parteien geschlossen, dagegen die National— liberalen, die Seeessionisten, die Fortschritts— partei und die Polen ebenfalls geschlossen. Das Centrum stimmte getheilt. Der Reichstag setzte seine Sitzung fort und genehmigte in zweiter Lesung unverändert den Gesetzentwurf, betr. die Abänderung des Zolltarifs für bedruckte und unbedruckte Zeugwaaren.— 11. Juni. Der Reichstag genehmigte den Rest des Unfallgesetzes nach fast siebenstündiger Sitzung in zweiter Lesung fast unverändert nach den Anträgen der Com⸗ mission und nahm nur zu Artikel 47 den Zusatz an, welcher die Haftbarkeit für die Aufwendungen der Versicherungsanstalten bei vorsätzlichen oder durch grobes Verschulden verursachten Unfällen auch auf die Innungen ausdehnt. Der Reichs— tag beendete sodann in einer Abendsitzung die zweite Lesung des Unfallgesetzes und nahm den Schluß unverändert nach den Anträgen der Com— mission an. Den F. 56b nahm er nach der Fassung von Cuny an, wonach die aus den Be— stimmungen dieses Gesetzes entstehenden Rechts— streitigkeiten zur Competenz des Reichsgerichts gehören sollen. Darauf genehmigte er in erster und zweiter Lesung die Handelsverträge mit Oesterreich-Ungarn, der Schweiz und Belgien.
— Die Reichsregierung beabsichtigt dem Reichstage nächstens einen Gesetzentwurf etwa folgenden Juhalts vorzulegen: Ausländische Pro— dukte dürfen, Nothfälle ausgenommen, auf deut— schen Eisenbahnen nicht billiger befördert werden als einheimische Produkte; Differential-Tarife hören auf.
— 11. Juni. Der Kaiser ist heute Abend nach Ems abgereist.
Ausland.
Oesterreich-Ungarn. Wien. Das„Armee— Verordnungsblatt“ publicirt eine kaiserliche Ver— ordnung, nach welcher der Kaiser mit Entschließung vom 8. ds. die Einführung der 12, 15- und 18⸗Centimeter-Belagerungs-Kanonen aus Stahl— Bronce genehmigte.
Holland. Haag. Van Lynden, der Minister des Auswärtigen, ist zum provisorischen Finanz— minister ernannt an Statt Visserings, der seine Entlassung einreichte.
Frankreich. Paris, 9. Juni. In der Deputirtenkammer brachte der Kriegsminister eine ergänzende Creditforderung von 14 Mill. Francs für die Expedition nach Tunis ein.— Der Senat berieth den Gesetzentwurf über die Listen— wahl. Millaud und Dauphin sprachen für diese, Jouin und Waddington dagegen. Das Ministe— rium enthält sich jeder Meinungsäußerung. Der Senat beschloß in geheimer Abstimmung mit 148 gegen 114 Stimmen auf die Berathung der ein— zelnen Artikel nicht einzugehen.— Die Intran— sigenten⸗ und Monarchisten-Blätter behaupten, die Abstimmung des Senats mache der Dictatur Gambetta's ein Ende. Gerüchtweise verlautete, die Minister Constans, Cazot und Farre würden demissioniren; auch spricht man davon, daß Gam— betta das Kammerpräsidium niederlegen wolle.
— 11. Juni. In der heutigen Versamm— lung der vier Gruppen der Linken beantragte Bardoux eine Motion, den Präsidenten der Re— publik um die Festsetzung der Wahlen auf den 17. Juli zu bitten. Die Motion war von den Delegirten der äußersten Linken und der repu⸗ blikanischen Union unterstützt. Die Linke und das linke Centrum aber erklärten, der Antrag käme ihnen ganz unerwartet; sie müßten den⸗ selben zunächst prüfen. Die Entscheidung ward deßhalb ausgesetzt. Weitere Berathung erfolgt
in der nächsten Versammlung.— Der Minister⸗ rath beschäftigte sich heute mit der Situation. Es heißt, er sei geneigt, dem Antrag von Bardoux gemäß die Wahlen früher anzusetzen, wenn die Kammer es wünsche.
— 11. Juni. Roustan überreichte dem Bey in Tunis sein Beglaubigungsschreiben als Minister— Resident von Tunis. Der Bey unterzeichnete ein Dekret, wodurch Roustan mit der Wahrnehmung aller Beziehungen zwischen der tunesischen Re— gierung und den Vertretern der fremden Mächte zu Tunis beauftragt wird.
Großbritannien. London, 11. Juni. Unterhaus. Fowler entwickelt einen Antrag, welcher das Gesetz über das Vermächtniß der Grundbesitzer bekämpft und für die Freiheit ein— tritt, Land zu kaufen und zu verkaufen. Gladstone theilt die Ansicht Fowler's als Privatmann, als Minister drücke er jedoch keine Ansicht darüber aus, weil die Frage noch practisch unreif sei. Er glaubt, daß der Antrag den Grundbesitzern nicht feindlich sei, weil die Freiheit, über den Grundbesitz zu disponiren, vortheilhaft für die— selben sei. Es sei Nichts nachtheiliger als das jetzige Gesetz; Nichts würde die moralische Kraft der Aristokratie und des Landes mehr erhöhen, als eine große fundamentale Veränderung des Ge— setzes. Gladstone empfiehlt jedoch Fowler, seinen Antrag zurückzuziehen. Das Haus erweist sich als nicht beschlußfähig und wird die Sitzung geschlossen.
Liverpool, 10. Juni. Heute früh kam man einem Versuche, das hiesige Rathhaus mittelst Schießpulver in die Luft zu sprengen, auf die Spur. Einer der Eingänge des Gebäudes ist beschädigt. Zwei mit Revolvern Bewaffnete wurden verhaftet.
Cork, 10. Juni. In Folge der Ruhestörung in der Rennbahn fand gestern ein bis in die Nacht hinein andauernder Straßenkampf zwischen dem Volk und der Polizei statt. Viele Ver— wundete auf beiden Seiten; auch fanden viele Verhaftungen statt.
Dublin, 11. Juni. Die irische Regierung verbot mehrere agrarische Meetings. Die Polizei— behörde zu Chester ward benachrichtigt, daß die Fenier in Amerika Agenten nach England ent— sandten, um die öffentlichen Gebäude in den Hauptstädten des Königreichs zu zerstören.— In einer Unterredung zwischen dem Correspon— denten des Journals O' Donovan mit dem Fenier— Chef Rossa in New-Vork am 10. Juni leugnete dieser, daß der Versuch der Sprengung des Liverpooler Stadthauses durch den Chef der Fenier eingegeben worden sei, obgleich er zugab, daß der Versuch dem Geiste der fenischen Or— ganisation entspreche. Nossa bemerkte, die Zer— störung der englischen Schaluppe Doterel sei durch Sprengmaterial, was an Bord geschafft worden war, herbeigeführt worden. Mehrere auf anderen Schiffen der englischen Marine dienende Irländer hätten den Feniern versprochen, auf diesen Schiffen die gleichen Versuche zu machen.
Spanien. Madrid. Der am 9. Juni unter dem Vorsitze des Königs stattgehabte Minister— rath beschloß, das Dekret über die Auflösung der Cortes zwischen dem 20. und 25. Juni zu publiciren; ein weiteres Dekret wird den Termin für die Neuwahlen und die Einberufung der neuen Kammern festsetzen.
Italien Rom. Italien will die bestehen— den Handelsverträge mit Frankreich, Schweiz, Belgien, England und Deutschland bis Ende Juni 1882 verlängern.
Türkei. Constantinopel, 10. Juni. Lord Dufferin trifft am Mittwoch hier ein. In Be⸗ treff der Regelung der Südostgrenze von Mon— tenegro verlautet, die Pforte sei geneigt, die Podgoritza beherrschende Position abzutreten, da— gegen lehne sie jede weitere Cession am See von Skutari ab. Nowikoff ist von sämmtlichen Botschaftern ermächtigt, die Frage mit der Pforte zu discutiren. Hedri Bey wird als Delegirter für die Grenzregulirung morgen nach Skutari abreisen.
Rumänien. Bukarest, 11. Juni. Die Kammer genehmigte die Errichtung einer land— wirthschaftlichen Creditanstalt.
Rußland. Petersburg. Die„Agence russe“ bemerkt bezüglich der Commisston über den Los— kauf der Bauern: Die Zusammensetzung der Commission aus drei Ministern und zwölf Ver⸗ tretern des Zemstwo bestehend, beweise daß die Regierung keineswegs die Majorität haben wollte.
— Privattelegramme melden Ruhestörungen in Charkow; eine Bestätigung derselben ist bis Mitternacht noch nicht eingetroffen; dagegen fan— den in mehreren Städten Feuersbrünste statt.
— In Betreff der Meldung mehrerer Zeit⸗ ungen, durch die Reise des Fürsten Milan von Serbien nach Wien, Berlin und Petersburg solle die Anerkennung Serbiens als Königreich vor— bereitet werden, sagt die„Agence russe“: sie wisse nicht, ob dies richtig; wenn es aber der Fall, dann würde Rußland sich nicht widersetzen.
— Die Brücken des Katharinencanals wur⸗ den nach geheimen Minen untersucht.
— In Smelja(Kiewer Gouvernement) fan⸗ den Ruhestörungen statt, wobei ein blutiger Zu— sammenstoß mit der Polizei, so daß es viele Todte und Verwundete gab. Die Behörde ließ sofort alle Verhafteten ohne Unterschied des Ge— schlechts und Alters öffentlich auspeitschen.
Aus Stadt und Land.
J. Friedberg. Der vom 22. September 1807 bis 27. März 1808 beobachtete große Komet ist gegen Er⸗ warten am 1. Juni Nachts vom Astronomen Gould in Buenos-Ayres in Rectacension 5 Grad und— 300 Deeli— nation im Sternbilde des Eridanus wieder entdeckt worden. Im mittleren Europa ist er vorläufig noch nicht zu sehen, sondern etwa erst in einem Monate, zu welcher Zeit er auch bei uns, und zwar für bloßes Auge sicht⸗ bar werden wird.
Bad⸗Nauheim. Nächsten Sonntag, Nachmit⸗ tags 1 Uhr, wird dahier im Gasthause zur Waldlust ein Turntag des Usagaues abgehalten. Auf der Tagesord⸗ nung unter Anderem: Die Abhaltung des Usagaufestes.
W. Bad⸗Nauheim. Der Bezirkslehrerverein Bad⸗ Nauheim hält nächsten Mittwoch, Nachmittags drei Uhr, eine Versammlung auf dem Teichhause dahier ab. Zur Berathung wird hierbei kommen: 1) Wahl eines Delegir⸗ ten zu der den 1. Juli stattfindenden Generalversamm⸗ lung des Landes-Lehrervereins in Friedberg, 2) Anträge des Bezirksvereins Bad-Nauheim und 3) Referat des Taubstummenlehrers Schneider und Lehrers Werner von Friedberg über Taubstummenbildungswesen.
Allerlei.
Frankfurt, 9. Juni. Patent⸗ und Musterschutz⸗ Ausstellung. Die Pfingsttage haben für die Frankfurter Ausstellung nicht allein einen in jeder Beziehung durch⸗ aus befriedigenden, sondern einen wahrhaft brillanten Verlauf genommen. Am frühen Morgen des ersten Pfingst⸗ tages prangte der Garten mit seinen zahlreichen Annex⸗ bauten und nicht minder der Ausstellungspalast selbst mit seinen Schätzen und Sehens würdigkeiten im vollen⸗ deten Festschmuck. Am Morgen war bereits die elektrische Eisenbahn eröffnet und der Zudrang der Fahrlustigen ein so großer, daß die kleine Maschine in den ersten Stunden auch nicht eine Minute pausiren konnte. Die meisten Passagiere waren Kinder. Am Nachmittage bot die breite Terrasse vor dem Ausstellungspalaste einen herrlichen An⸗ blick; sie war von vielen tausend auf- und abwandelnden Spaziergängern bedeckt. Diese Terrasse gehört zu den schönsten Punkten des Ausstellungsfeldes, sowohl wegen des weiten Umblicks, der sich von dort aus bietet, als auch wegen der prächtigen Gartenanlagen, welche sich vor demselben ausbreiten. Der zweite Pfingsttag verlief nicht minder günstig und erfreulich, an demselben hatten sich u. A. auch die Mitglieder des XV. deutschen Journalisten⸗ tags zum Besuch der Ausstellung eingefunden. Die Kunst⸗ ausstellung der Frankfurter Künstler, welche eine weitere Zierde unserer Ausstellung bilden wird, schreitet allmählig ihrer Vollendung entgegen. Gestern Nachmittag wurden die für das Giebelfeld bestimmten Gypsstatuen, Malerei und Bildhauerkunst darstellend, welche sich an den Frank⸗ furter Adler anlehnen, aufgestellt. Was die künstliche Eisbahn betrifft, so wird dieselbe, nach Angabe der Tech⸗ niker, noch 3—4 Wochen brauchen, bis sie in Betrieb ge⸗ setzt werden kann.
(Eingesandt nach Schluß der Redaction der vorigen Nummer dieses Blattes.)
Da über die Anhäufung von ansteckenden Krankheiten im hiesigen Hospital und die damit verbundene Gefahr von Verschleppung derselben in die Stadt unter den Einwohnern Friedbergs ganz falsche, mindestens ungemein übertriebene Auffassungen vorhanden zu sein scheinen, so halte ich mich zu einer kurzen sachlichen Darlegung verpflichtet, welche jeden Einsichtigen zweifellos beruhigen wird. Es sind im Hospital behandelt worden seit dem 13. März: 18 Flecktyphuskranke, durchschnittlich gleichzeitig 3, worunter 1 weiblich (bei der Pflege erkrankte Schwester). Nur 2
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