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Recht aus, aber er bekaͤmpfe den Antrag nicht, weil die Majorität entschieden habe. Der Antrag wird ohne Abstimmung angenommen. Bradlaugh ist jetzt von dem Sitzungssaale ganz ausgeschlossen.

Italien. Rom, 10. Mai. Das italienische PanzerschiffMaria pia ist heute in Tunis eingetroffen.

Türkei. Constantinopel, 11. Mai. Die erste Plenarsitzung der internationalen Commission für die griechische Grenzfrage fand gestern Nach mittag statt. Die türkischen Delegirten lasen einen Entwurf vor, welcher in sehr detaillirter Weise nur Stipulationen betr. die Religions- freiheit und das Privateigenthum der Muhame⸗ dauer, das Staatseigenthum, die Kirchengüter, sowie die von Griechenland zu übernehmenden Staatsschuldenquote enthält.

Der Sultan hat die Absicht, eine außer ordentliche Mission mit Truppen nach Tunis zu senden, aufgegeben, dagegen will er zwei kleinere Schiffe nach La Goletta und Truppen nach Tripolis senden.

Bulgarien. Sofia, 10. Mai. Gestern Abend fand trotz des herrschenden Regens eine großartige Demonstration vor dem Palais des Fürsten statt. Die Volksmenge brachte euthu stastische Hochrufe auf den Fürsten aus. Dieser erschien dreimal und dankte für die Sympathien. Der Metropolit bat den Fürsten, die Abdank⸗ ungserklärung zurückzunehmen und Bulgarien nicht zu verlassen.

Rußland. Petersburg, 10. Mai. Melikoff bleibt Minister des Innern und wird verant⸗ wortlicher Minister-Präsident. Alle Vorlagen sollen durch ihn allein allerhöchsten Orts zum Vortrag kommen. Graf Walujeffs Rücktritt wird bevorstehend betrachtet. Die beschlossenen neuen Maßnahmen sollen seiner Ueberzeugung widersprechen. In der Ministersitzung zu Gat schina hat nur Pobedonoszew, Oberprocureur des heiligen Synods, die Reaction vertheidigt. Seine Demission wird erwartet. Großfürst Wladimir, bisher ebenfalls Anhänger der Reac⸗ tion, soll von Melikoff's liberalen Ideen ge wonnen sein.

11. Mai. Gestern wurde hier ein sehr wichtiger politischer Verbrecher verhaftet, welcher eine Hauptrolle bei der Anlegung der Mine in der kleinen Gartenstraße spielte. Derselbe ist bereits identificirt und die bei ihm wohnende Schwester wurde ebenfalls verhaftet.

11. Mai. General Drentelen telegraphirte, daß in Kiew die Ruhe wiederhergestellt sei, aber auf den Bahnstotionen Fastowo und Schmerinka, sowie in der Stadt Wassilokowo seien die Juden von der Bevölkerung überfallen. Zur Beschütz ung derselben seien Truppen dorthin geschickt worden. Aehnliche Tumulte, welche jedoch jedes gefährlichen Charakters entbehrteu, fanden auch in Konotop und im Ananjew'schen Kreise statt.

Officiellen Mittheilungen zufolge fanden in Baku(Kaukasus) ernsthafte Tumulte statt, welche durch einen Zusammenstoß zwischen Russen und Muselmanen verursacht waren. Die Ruhe mußte durch Truppen wiederhergestellt werden, wobei ein Muselmane getödtet und drei ver wundet wurden. Die Ruhestörung dauerte drei Tage, trug jedoch keinen politischen Charakter.

12. Mai. Gestern Mittag begann vor dem Kaiser auf dem Marsfelde die Frühjahrs parade. Großfürst Wladimir commandirte die Truppen. Der Kaiser ritt die Fronten ob, be⸗ gleitet von einer zahlreichen Suite, worunter sich auch die Botschafter und Militärbevoll⸗ mächtigten befanden. Die Truppen begrüßten den Kaiser enthusiastisch. Die Kaiserin fuhr in einem vierspännigen Daumont ebenfalls den Fronten entlag. Hierauf nahm der Kaiser und dessen Suite Aufstellung neben dem Zelte für die Kaiserin und Großfürstinnen und ließ die Truppen vorbeimarschiren. Auf dem Platze waren auf zwei Seiten dicht besetzte Tribünen für das Publikum errichtet; die beiden anderen Seiten von einer zahlreichen Volksmenge eingenommen, welche das Kaiserpaar mit fortwährenden Hurrahs begrüßte. Alles verlief in größter Ordnung.

12. Mai. Der französische Botschafter, General Chanzy, und der außerordentliche Bot schafter, Reuf Pascha, sind abgereist.

12. Mai. Meldungen aus Odessa zu⸗ folge fanden in dem Flecken Beresowska(Gou vernement Cherson) während zweier Tage Tumulte statt, wobei jüdisches Eigenthum geraubt und einige jüdische Häuser niedergebrannt wurden. In dem Dorfe Wiktorowka im Odessa'schen Kreise ist ein heftiger Zusammenstoß zwischen Bauern und den Dorfbehörden erfolgt wegen einer an die Bauern gestellten Forderung, geraubtes Eigen thum wieder auszuliefern. Behufs Herstellung der Ruhe wurden Truppen aus Odessa abgesandt.

Smolensk, 12. Mai. Gestern wurde ein Mann verhaftet, welcher ein Attentat auf den hiesigen Gouverneuer, Wirklichen Staats-Rath Tamara, beabsichtigte.

Amerika. Newyork, 11. Mai. Die große Jury des Newyorker Bezirksgerichtshofes erhob Anklage gegen die Capitäne mehrerer deutschen und englischen Dampfer wegen Beförderung einer größeren als gesetzlich gestatteten Anzahl von Passagieren.

Washington, 11. Mai. Dem Schatzamte gingen bis jetzt 144 Mill. Dollars sechsprocentiger Obligationen zur Verlängerung zu gegen 3½⸗ procentige Verzinsung. Der demnächstige Ein gang von weiteren 17 Mill. Dollars ist bereits angemeldet.

Buenos-Ayres, 8. Mai. Der Cougreß wurde heute eröffnet. Die Botschaft des Präsi denten constatirt die guten Beziehungen zu allen Mächten, stellt eine baldige, friedliche Lösung der Differenzen mit den Grenzstaaten in Aus sicht und weist auf die Ruhe im Junern und auf die Besserung in der Finanzlage hin.

Afrika. Tunis, 10. Mai. Der Bey richtete ein Rundschreiben an die Kaids und Regierungen der Regentschaft, worin er seinen Protest gegen die Invasion wiederholt und versichert, die Au gelegenhest werde auf diplomatschem Wege ge regelt werden. Zu diesem Zwecke seien Unter⸗ handlungen eingeleitet behufs Herstellung des Einvernehmens mit der Pforte und mit den anderen Mächten. Der Bey fordert die Kaids auf, auf ihren Posten zu bleiben und die Ruhe und die Ordnung unter der Bevölkerung auf rechtzuerhalten.

Allerlei.

Berlin, 5. Mai. Ein bedauerlicher Unglücksfall ereignete sich gestern im zoologischen Garten. Der dort angestellte Wärter Marschall hatte einen der indischen Elephanten, welche erst vor Kurzem von dem Prinzen von Wales dem Garten zum Geschenk gemacht worden sind, zur Probe geritten; als er nun den Nachfolger des verstorbenenBoy in seine Stallung zurückführte, stieß ihm derselbe plößlich einen seiner Stoßzähne in die linke Brust, sodaß der Zahn hinten am Rücken wieder hervorkam. Marschall brach sofort zusammen und her⸗ beigeeilte andere Wärter brachten das sonst so ruhige und fromme Thier in seinen Käfig, ohne daß dasselbe weiteren Schaden anrichtete. DerBerliner Zeitung zufolge ist die Verletzung glücklicherweise keine lebens⸗ gefährliche.

Berlin, 12. Mai. Heute hat zu Lichterfelde die Eröffnung der von Siemens und Halske gebauten eleetri⸗ schen Eisenbahn, der ersten dieser Art für den öffentlichen Betrieb bestimmten Bahnen, stattgefunden.

London, 5. Mai. Gestern machte man den ersten Versuch einer telephonischen Verbindung zwischen Dover und Calais. Als Verbindung wurde das Kabel benutzt; trotzdem einzelne Drähte desselben wie gewöhnlich für den telegraphischen Dienst verwendet wurden, gelang der Versuch vollkommen, man hörte sehr deutlich und unter⸗ schied vollkommen die Stimme des Sprechenden. Der Erfinder des bei diesem Versuche verwendeten telephon⸗ ischen Apparates erklärt auf das Bestimmteste, daß auch die telephonische Verbindung zwischen London und New⸗ Vork durch das transatlantische Kabel möglich sei.

London, 8. Mai. In Chester wurde am Mittwoch Abend der Versuch gemacht, die dortige Milizkaserne in die Luft zu sprengen. Die Explosion weckte die ganze Nach barschaft aus dem Schlafe; es stellte sich heraus, daß der Attentäter ein Loch in die westliche Seite des Gebäudes gegraben und in demselben eine mit Pulver gefüllte Reisetasche nebst brennendem Zündfaden ver⸗ borgen hatte. Es scheint, daß der Uebelthäter bei seiner Arbeit gestört und verhindert worden ist, das Loch tief genug zu graben, um die Mauer zu unterminiren. Die Kaserne hat nur geringe Beschädigung erlitten.

Dublin. Aus Clifden kommt die Meldung, daß ein Gerichtsvollzieher, Namens King, von Vermummten ergriffen und so lange über einem Feuer geröstet wurde,

bis er schwur, seine Stelle aufgeben zu wollen. Der Mann liegt hoffnungslos darnleder.

Archangelsk, 12. Mai. Die Dwina ist stark ge⸗ stiegen. Die Stadt ist größtentheils überschwemmt und die Noth groß.

Erklärung.

Von verschiedenen glaubwürdigen Seiten wird mir soeben vor Schluß der Redaktion die Mit⸗ theilung, daß Herr Carl Trapp in der letzten Versammlung der deutschen Fortschrittspartei er⸗ klärt habe,ich habe ihm die Mittheilung ge⸗ macht, daß ich außer Artikeln im Interesse der von ihm vertretenen Parthei solche von anderer Seite im Anzeiger nicht aufnehmen werde. Hat Herr Trapp diese Erklärung wirklich abge⸗ geben, so erkläre ich hiermit, daß dies der Wahr⸗ heit nicht entspricht. Ich vermuthe jedoch, daß die Sache Seitens einiger Hörer mißverstanden und so weiter getragen wurde. Ich habe Herrn Trapp vielmehr erklärt:Der Anzeiger kann seiner Natur nach als Kreisblatt keinen Partheistandpunkt vertreten; ich nehme deßhalb Artikel für den redaktionellen Theil des Blattes ebensowenig von der Fortschrittspartei als von irgend einer anderen an. Dagegen steht allen Partheien der Annoneentheil gegen die übliche Vergütung zu Diensten.

Ich füge dieser Erklärung nunmehr hier noch die weitere an,daß ich mir in jedem einzelnen Falle die Entscheidung darüber vorbehalte, ob ich eine Annonce annehmen will und kann. Ich kann und will den Anzeiger nicht zu ausge⸗ dehnten Agitationen irgend einer Parthei be⸗ nutzen lassen. Carl Bindernagel.

Handel und Verkehr.

Gießen, 11. Mai. Auf dem gestern dahier abge⸗ haltenen Viehmarkte waren aufgetrieben: 1467 Stück Rindvieh und 417 Stück Schweine. Die Preise hielten sich durch den lebhaften Handel sehr hoch. Nächster Markt Dienstag den 24. und Mittwoch den 25. d. M.; am letzteren Tage auch Krämermarkt(Himmelfahrtmarkt).

Frankfurt, 11. Mai. Marktbericht. Heu kostete se nach Qual. der Ctr. M. 3. 4.60, Stroh M. 33.70, Eier das Hundert M. 4.50 5. Butter 50 Kilo M. 1.10, im Detail 1. Qual. M. 1.3020. Kartoffeln 100 Kilo M. 4.500, das Pfund neue Kartoffeln 30 Pf., Gurke 30 Pf., Spargel das Pfd. 7090 Pf., Blumen⸗ kohl 4060 Pf. Kalbfleisch 3555 Pf., Ochsenfleisch 6070 Pf., Kuh- und Rindfleisch 40 55 Pf., Hammel⸗ fleisch 4065 Pf., Schweinefleisch 6080 Pf.

Verloosungen.

pCt. Solms-Braufels'sche Anleihe. Ziehung vom 8. April 1881. Rückzahlbar am 1. Juli 1881. Lit. A. Nr. 11 112 400 616 1094 à M. 1000. Lit. B. Nr. 1344 1429 2222 à M. 500. Lit. C. Nr. 2288 2326 3 M. 200. Rückzahlbar am 31. December 1881. Lit. A. Nr. 59 403 531 871 à M. 1000. Lit. B. Nr. 1217 1430 1525 1673 1837 à M. 500. Lit. C. Nr. 2267 2268 2429 à M. 200.

Braunschweigische Thlr. 20⸗Loose v. 1868. Gewinn⸗Ziehung vom 30. April 1881. Heimzahlung am 31. Juli 1881. Serie 3681 Nr. 2 M. 150,000. S. 4035 Nr. 19 M. 12,000. S. 9432 Nr. 18 M. 7500. S. 6536 Nr. 20 M. 3600. S. 1054 Nr. 37, S. 3681 Nr. 23 30, S. 5114 Nr. 42, S. 5967 Nr. 50, S. 6649 Nr. 45, S. 7542 Nr. 41½ S. 9095 Nr. 3, S. 9690 Nr. 18, S. 9859 Nr. 1 a M. 300. S. 1054 Nr. 2 43, S. 1061 Nr. 18, S. 4035 Nr. 36, S. 7893 Nr. 32, S. 9432 Nr. 30 à M. 180. Auf alle übrigen Nummern in den am 1. März 1881 gezogenen Serien entfällt der geringste Gewinn von M. 69.

Oesterreichische Credit fl. 100⸗Loose v. 1858. Serien⸗ und Gewinn-Ziehung vom 2. Mat 1881. Heimzahlung am 2. Nov. 1881. Serien. Nr. 34 U 961 1078 1295 1342 1451 1476 2455 2528 2673 2729 3021 3337 3686 4048. Gewinne. S. 2673 Nr. 90 fl. 200,000. S. 961 Nr. 67 fl. 30,000. S. 2729 Nr. 43 fl. 15,000. S. 1295 Nr. 86, S. 2673 Nr. 12 à fl. 5000. S. 961 Nr. 88, S. 1342 Nr. 72 à fl. 2000. S. 34 Nr. 53, S. 961 Nr. 51 3 fl. 1500. S. 1078 Nr. 70, S. 1295 Nr. 67, S. 1451 Nr. 78, S. 3337 Nr. 61 à fl. 1000. S. 737 Nr. 45 65 68, S. 961 Nr. 70, S. 1078 Nr. 58, S. 1295 Nr. 26 55 74 94, S. 1342 Nr. 65, S. 1451 Nr. 17 30 41 44 46 51 64 87, S. 1476 Nr. 25, S. 2455 Nr. 49, S. 2528 Nr. 15 90, S. 2673 Nr. 9 48 52 75, S. 2729 Nr. 46, S. 3021 Nr. 16 40 43 64 80, S. 3337 Nr. 85 95, S. 3686 Nr. 39, S. 4048 Nr. 84. à fl. 400. Auf alle übrigen in vor⸗ stehenden Serien enthaltenen und hier nicht aufgeführten Nummern entfällt der geringste Gewinn von fl. 200.

Oesterreichische fl. 500⸗Loose von 1860. Gewinn⸗Ziehung vom 2. Mal 1881. Heimzahlung am 1. August 1881. Serie 14815 Nr. 5 fl. 300,000. S. 9059 Nr. 1 fl. 50,000. S. 13678 Nr. 13 fl. 25,000. S. 10958 Nr. 18, S. 19616 Nr. 3 à fl. 10,000. S. 919

Nr. 1, S. 1770 Nr. 6, S. 3109 Nr. 4 7, S. 3617

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