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Theilnahme an dem Kaisermord in Petersburg verurtheilten Jesse Helfmann zu protestiren.
Frankreich. Paris, 8. Mai. In der Sitzung der internationalen Münzconferenz er— klärten die deutschen Delegirten: Deutschland erachte es für zweckmäßig, sich mit England ins Einvernehmen zu setzen sowohl wegen der direkten wichtigen Beziehungen zwischen England und Deutschland, als auch deßhalb, weil der Londoner Markt vorzugsweise zur Liquidation der von Auswärts einlaufenden Rechnungen Deutschlands diene. Die Delegirten Cernuschi und Dona Harton beantragten, daß die Vertreter eines jeden Staatts statistische Angaben über die Aus— prägung von Silber und Gold ihrer Staaten liefern sollten. Die Conferenz nahm diesen An— trag an.
— 9. Mai. Nachrichten aus Tunis zufolge wäre die Bevölkerung der Umgegend von Mater geneigt, den Franzosen Widerstand zu leisten.— Aus Algier wird gemeldet, daß die Ueberlebenden der Mission Flatters entsetzliche Schicksale gehabt haben. Sie flüchteten in eine Höhle, in welcher fünfzehn derselben, darunter der Unteroffizier Pobeguin, vor Hunger starben und zum Theil von den Ueberlebenden aufgezehrt wurden.
— 9. Mai. Die Expeditionstruppen gehen von Biserta nach Mateur ab, von wo ein Theil derselben die Operationen gegen die Khrumirs beginnt. Ein anderer Theil geht nach Djedeida, 6 Stunden von Tunis. Die Khrumirs räumten, als sie sich nahezu eingeschlossen sahen, die wichtige Posttion von Sidi Abdallah ohne Ge— fecht. Dieselbe wurde von französischen Truppen besetzt. Eine Anzahl von Eingeborenen der Um— gegend unterwarf sich den Franzosen.
Türkei. Constantinopel, 9. Mai. Meld— ung des„R. B.“ von hier: Der französische Botschafter Tissot begab sich gestern auf die Pforte und erklärte, die französische Regierung habe Kenntniß erhalten von der Absendung türki— scher Panzerfahrzeuge nach dem Mittelmeere; falls dieselben nach Tunis gingen, lege er da— gegen Protest ein. Die Schiffe wurden, wenn sie Tunis anliefen, französischerseits mit Geschütz— feuer empfangen werden. Die Pforte wird wegen dieser französischen Drohung eine Circularnote an die Mächte richten.
— Die Pforte beabsichtigt, bedeutende Streit— kräfte nach Tripolis in die Berberei zu senden. Es heißt, der arabische Scheikh Fazyl Zasser werde in besonderer Mission nach Tripolis und die Berberei gehen. Nachrichten aus Tripolis melden: Der türkische Gouverneur wurde ab— gesetzt, weil er die Forderung des tunesischen Consuls, türkische Truppen an die tunesische Grenze zu senden, zurückgewiesen hatte.
Rumänien. Bukarest, 9, Mai. Die Sitz— ungen der Kammer sind heute wieder aufgenommen worden. Demeter Bratiano entwickelte das Pro— gramm des neuen Cabinets in folgender Weise: Dasselbe werde große Politik nicht treiben; die großen Fragen seien gelöst; man werde sich be— mühen, gute Justiz zu üben und gute Verwalt— ung zu führen. In der Donau-Frage werde das Cabinet keinen Zoll breit von den Tractaten und der absoluten Frei-Schifffahrt aufgeben. Bratiano erklärte ferner, daß die Arabtabiafrage in dem Sinne gelöst sei, daß Arabtabia bei Rumänien bleibe. Die Ratification seitens der Türkei wird baldigst erwartet.
Bulgarien. Sofia, 9. Mai. Eine Pro⸗ clamation des Fürsten, die heute erschienen ist, sagt:„Einstimmige Wahl vertraute mir die Ge— schicke Bulgariens an. Nicht ohne Zaudern übernahm ich die Aufgabe, Bulgarien auf den Weg des Fortschrittes zu führen. Ich arbeitete mit vollster Aufrichtigkeit, gestattete alle Versuche zur Organisation und zur regelrechten Entwickel— ung des Fürstenthums. Leider täuschten alle Versuche meine Hoffnungen. Bulgarien ist heute discreditirt nach Außen, desorganisirt im Innern. Dieser Zustaud erschütterte im Volke den Glauben an die Gerechtigkeit der Gesetze.“ Der Fuͤrst theilt weiterhin mit, daß er Minister Ehrenrath mit der Bildung eines provisorischen Cabinets
bis zur Entscheidung der großen Versammlung beauftragt habe und fährt sodann fort:„Wenn diese Bedingungen ratificirt sein werden, welche unentbehrlich sind für eine Regierung, und welche ich angeben werde und deren Nichtvorhandensein der Grundfehler der jetzigen Zustände ist, will ich die Krone behalten. Da meine Aufgabe ist, das Glück des Landes zu fördern, betrachte ich es als heilige Pflicht, feierlich zu erklären, daß der gegenwärtige Zustand die Erfüllung dieser Aufgabe unmöglich macht. Auf Grund der Constitution habe ich beschlossen, die Versamm— lung, das Organ des höchsten nationalen Willens, einzuberufen und ihr die Krone mit den Ge— schicken Bulgariens zurückzustellen. Wenn der gegenwärtige Zustand sich nicht ändert, bin ich entschlossen, den Thron zu verlassen, mit Be— dauern, aber mit dem Bewußtsein, meine Pflicht bis ans Ende gethan zu haben.“— Das neue Cabinet ist gebildet wie folgt: Krieg, Inneres und Präsidium: Ehrenrath; Finanzen: Zelesco— witsch; Justiz: Stamatoff; das Uebrige unver— ändert.
Rußland. Petersburg. Anknüpfend an eine Mittheilung der„Mosk. Ztg.“, daß die Unterhandlungen mit dem Vatican auf die Er— richtung einer Nuntiatur in Petersburg abzielten, sagt das„Journal de St. Petersburg“ in kate— gorischer Weise, ein solcher Gedanke sei weder von der einen noch von der anderen Seite ge— kommen und könne ersichtlicherweise auch nicht kommen.
— Die„Nowoje Wremja“ meldet aus Kras— nowodtzk: General Skobeleff kehrte mit seinem Stabe hierher zuruck und reist am 5. Mai nach Asskhah ab, von wo sich derselbe direct nach Petersburg begeben wird.
— Es verlautet, daß einige Abgabenver— minderungen behufs Erleichterung des Bauern— standes demnächst bevorstehen.— Der„Golos“ meldet aus Kiew vom 8.: Im Stadttheil Podel kamen Ausschreitungen gegen jüdische Einwohner vor. Zur Wiederherstellung der Ordnung schritt das Militär ein. Der„Regierungsbote“ meldet: In Kiew brachen am 8. d. M. Mittags Un⸗ ruhen aus, wobei mehrere Juden verwundet, einige Läden und Buden geplündert wurden. Am andern Morgen hatte das Militär die Ruhe wiederhergestellt, 500 Excedenten wurden ver— haftet. Die Unruhen erneuerten sich um 2 Uhr Mittags, wurden aber mit Waffengewalt unter— drückt, wobei ein Frauenzimmer getoͤdtet, mehrere verwundet wurden.
Aus Stadt und Land.
S. Friedberg, 10. Mai. In der gestern stattge⸗ habten öffentlichen Sitzung des Gemeinderathes wurde der Beitrag der Stadt für den Lehrerleseverein des Kreises Friedberg gemäß der jetzigen Anzahl der hiesigen Schulen von 1880 ab auf 20 Mark festgesetzt. Der Bürgermeister machte darauf Mittheilung von einer Zu— schrift der Familie Schulhof, wonach dieselbe nach dem Wunsche und letzten Willen ihres seligen Gatten und Vaters zu Gunsten der Stadtgemeinde Friedberg eine Stiftung machte von 100 Mark, deren Zinsen für das Hospital dahier und ferner eine solche von 100 Mark, deren Zinsen zur Anschaffung von Schulbüchern für arme Waisen ohne Unterschied der Confession verwendet wer— den sollen. Der Gemeinderath beschloß, unter bestem Danke für diese Schenkung, die höhere Genehmigung dazu einzuholen. Der Kostenbetrag für das Fangen der Maulwürfe auf den städtischen Bleichen und der
Seewiese wurde genehmigt. Ueber das von dem Augustiner-
schulfonds an die Stadt gelegentlich des Schulhausbaues abgetretene Gelände soll Ausfertigung der Eigenthums— urkunde und Ueberschreibung auf die Stadt veranlaßt werden. Die in voriger Woche stattgehabte Verpachtung der städtischen Grasstücke wurde genehmigt. Die Lieferung mehrerer Oefen und eines Heerdes für die Kleinkinder— schule und das Rathhaus wurden dem Wenigstfordernden zugeschlagen. Ueber eine weitere Lieferung soll in nächster Sitzung beschlossen werden. In Rücksicht auf die dem—⸗ nächstige Eröffnung der Friedberg-Hanauer Bahn wurde beschlossen, in der Nähe des Bahnhofes eine für den öffentlichen Gebrauch bestimmte städtische Brückenwaage zu erbauen und wurde der Stadtbaumeister und die Baucommission beauftragt, an Ort und Stelle bezüglich der Platzfrage Einsicht zu nehmen und baldigste Vorlage zu machen. Die Kosten für Herstellung der Grenzsteine im Burgwald sollen, da der Burgwald eine besondere Gemarkung bildet, an welcher die Stadt kein Eigen— thumsrecht zusteht, nicht übernommen, beziehungsweise bereits bezahlte zurückgefordert werden. Auf Antrag des Gemeinderathes Falck soll der gegenwärtig in Her—
schmackvoller Weise deeorativ ausgestattet werden.
Allerlei.
Würzburg, 9. Mai. Der Präsident der Kammer der Reschsräthe, Graf Schenk v. Stauffenberg, ist gestern nach längerer Krankheit gestorben.
Riga, 8. Mai. Nachdem in den letzten Tagen 20 Dampfer die Passage(Meerenge) von Domes⸗Näß for⸗ cirten und hier eingetroffen sind, ist die Durchfahrt bei
Domes⸗Näß auch für Segler frei. Heute sind 30 Schiffe,
vorherrschend Segler, in Bolderaa eingetroffen.
Handel und Verkehr.
Friedberg, 10. Mai. Fruchtbericht. Walzen M. 24.25—00., Korn M. 22.50, Gerste M. 16—18, Hafer M. 15. Alle Preise verstehen sich auf 100 Kilo H200 Zollpfund.
Friedberg, 11. Mai. Wochenmarkt. Butter kostete per Pfd. M. 0.90— 1.10, Eter per St. 4 Pf., 2 St. 9 Pf.
Gießen, 10 Mai. Wochenmarkt. Butter per Pfd.
M. 0.95— 0.00, Eier 1 St. 4—5 Pf., 2 St. 0 Pf., Käse per
Stück 5—8 Pf., Tauben das Paar 60— 75 Pf., Hühner per St. M. 1.00— 1.30, Hahnen per St. M. 1.40— 1.60, Enten per St. M. 2.20— 2.50, Ochsenfleisch 66 Pf. per Pfd., Kuh⸗ und Rindfleisch 48— 50 Pf., Kalbfleisch 40 bis 44 Pf., Hammelfleisch 68— 70 Pf., Schweinefleisch 64 bis 68 Pf., Kartoffeln per 100 Kilo M. 4.00— 5.00, Zwiebeln per Ctr. M. 25—30.
Frankfurt, 9. Mai. Fruchtbericht. Mehl Nr. 1 M. 39.50, Nr. 2 M. 37.50, Nr. 3 M. 32.50, Nr. 1 M. 28.50, Nr. 5 M. 25.50, Roggenmehl%(Berliner Marke) M. 3131.50, do. 1.(Berl. Marke) M. 29.50, do. 2.(Berl. Marke) M. 24.50, Weizen, eff. hies., ab Bahnhof hier M. 24.75— 25., ab unserer Umgegend M. 24.50— 24.75, do. fremder je nach Qual. M. 23 bis 24.75, Roggen je nach Qual. M. 22.40— 22.50, Gerste M. 17.50— 20., Hafer M. 15.— 16.25, Kohlsamen M. 28.00— 29.00, Erbsen M. 19—27, Wicken M. 16. bis 17.50, Linsen M. 20.—40., Bohnen, weiße, M. 23. bis 25., Rüböl, detail, M. 64. Die Preise verstehen sich sämmtlich per 200 Pfund Zollgewicht— 100 Kilo.
Frankfurt, 9. Mai. Viehmarkt. Angetrieben waren eirca 380 Ochsen, 300 Kühe und Rinder, 300 Kälber und 200 Hämmel. Die Preise stellten sich: Ochsen 1. Qual. M. 65.—67., 2. Qual. M. 62.—63., Kühe 1. Qual. M. 54.—55., 2. Qual. M. 45.—50., Kälber 1. Qual. M. 56.—58., 2. Qual. M. 40.—45., Hämmel 1. Qual. M. 60.—69., 2. Qual. M. 40.— 50. per 100 Pfund Schlachtgewicht. Schweine wurden 680 Stück vorige Woche eingeführt und das Pfund mit 6365 Pf. bezahlt.
Literarisches. Landwirthschaftliche Thiergärten und deren Nutzen, von Dr. R. Ludloff, Lehrer der Landwirth⸗ schaft in Friedberg. Preis 40 Pf.
Daß mit jeder landwirthschaftlichen Schule, soll sie anders ihren Zweck erfüllen, ein kleineres oder größeres Versuchsfeld verbunden sein müsse, darüber besteht wohl in allen einschlägigen Kreisen vollste Uebereinstimmung und bei der Leichtigkeit, ein hinreichend großes Stück Land für diesen Zweck zu beschaffen, ist wohl nicht leicht eine landwirthschaftliche Schule anzutreffen, die nicht über ihr geeignetes Versuchsfeld geböte.
Von nicht geringerer Bedeutung für diese Anstalten sind jedoch auch die landwirthschaftlichen Thiergärten, welche zur Zeit allerdings noch selten angetroffen werden. Wenn man auch über ihre Nützlichkeit nicht im Zweifel ist, so schreckte man doch davor zurück, sie überall in's Leben zu rufen, weil man annahm, daß derartige An⸗ stalten zu kostspielig seien..
Welche Wege nun einzuschlagen sind, um die Schwierig⸗ keiten zu überwinden, die sich dem Bestande einer der— artigen Unternehmung entgegenstellen, ist in dem Werkchen nachgewiesen; an der Hand genauer Berechnungen wird der Beweis geliefert, wie eine solche Anstalt nicht etwa bloß eine wissenschaftliche Sammlung bleibt, sondern ein wirthschaftliches Unternehmen wird, das im Stande ist, sich aus seinem Ertrage selbst zu erhalten.
Wir empfehlen das von Prof. Dr. Zürn in Leipzig bevorwortete Werkchen der aufmerksamen Beachtung Aller, die sich für die Entwickelung der Landwirthschaft interes⸗ siren, und wir wüßten Niemand, der sich davon aus⸗ schließen sollte.
Daheim. Nr. 31 und 32 enthält: Das Eidbuch von Köln.(Forts.)— Festvögel. Mit Illustr.— Das Marmorpalais und der Neue Garten bei Potsdam. Von B. Rogge.— Werden die Deutschen in den Vereinigten Staaten zu Nankees? Von Ph. Albert.— In den Wein⸗ bergen. Ein Kriegserlebniß von S. Oswald.— Der Bildhauer Albert Wolff. Mit Porträt und Abbild.— Eine Weltgeschichte von L. von Ranke.— Die Winter⸗ kur 1880/81 in der Heilanstalt für skrophulöse Kinder zu Salzfluen. Von Dr. Lenzberg.— Am Familientische: Das Exereitium mit dem Luntengewehr.— Frühlings- wehen. Gedicht von E. v. St. E.— Haus wirthschaft⸗ liche Fortschritte. Mit vier Abbildungen.— Die Ger⸗ manen der Urzeit im Schmuck der Waffen. Mit Illustr. — Ein deutscher Kommandant in Afrika. Von Wange⸗ mann.— Aus Schule und Haus. Von Dr. F. Fauth. I. Der Schüler und das gesellige Leben.— Ein ge⸗ siederter Schneider. Von W. Thienemann. Mit Illustr. — Verantwortung Johann Friedrichs von Sachsen gegen Herzog Heinrich von Braunschweig(1539).— Buͤcher⸗ schau LXXXII.— Gesundheitsrath. Mit vier illustr. Beilagen.
stellung befindliche Rathhaussaal in einfacher aber ge⸗
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