Ausgabe 
12.4.1881
 
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Großbritannien. London, 7. April. Unterhaus. Generalstaatsprocurator James ant⸗ wortet auf die Anfrage des Mitgliedes Churchill, er sei von dem Unterstaatssecretär Dilke und dem Admiralitätslord Brassey autorisirt, zu erklaren, daß Churchill's Beschuldigung in jeder Art und Form vollkommen unbegründet sei. Er müsse Chur⸗ chill auffordern, den Kronjuristen, dem Unter⸗ haus und dem Publikum seine Quelle für die so grundlose Beschuldigung zu nennen. Churchill nennt hierauf Maltman und Bary, die Schatz meister derFreiheit, als die Quelle in Betreff Dilke's. Dilke erklärte, er habe von derFrei heit bis zum Erscheinen des Mordartikels nichts gehört und dieselbe bis dahin nicht gesehen. Churchill's Nachricht sei unwahr. Churchill drückt seine Befriedigung aus, das Dementi einer so ernsten Nachricht herbeigeführt zu haben. 8. April. Heute erläuterte Gladstone die irische Landbill. Dieselbe bezwecke die Errichtung eines Tribunals, das eine Landcommission einsetze und auf Verlangen des Pächters den Pachtzins fest stelle, welcher dann für 15 Jahre Gültigkeit habe. Die Pächter können während dieses Zeit raumes nur abgesetzt werden, wenn sie gewisse gesetzliche Bestimmungen verletzen. Den Paͤchtern wird das freie Verkaufsrecht zugestanden, mit der Einschränkung, daß der Grundbesitzer ein Veto einlegen kann, wenn solches von dem Tri bunal gebilligt ist. Das Anrecht des Pächters auf das Pachtgut wird indirect anerkannt. Für Verbesserungen und Besitzstörungen werden Ent schädigungen vorgesehen. In den Prozessen auf Exmittirung, welche bei dem Inkrafttreten der Bill noch schweben, wird den Pächtern gestattet, das neue Gesetz anzurufen, um sich gegen zu hohen Pachtzins zu schützen. Behufs Uebernahme von Pachtgütern durch die Pächter, behufs Ankaufs von Grundbesitz, behufs Reclamirung von Brach land zum Verkauf an Pächter, ferner behufs Unter stützung der Auswanderung soll der Staatsschatz Vorschüsse leisten. Gladstone hofft, es werde Eng land durch Gerechtigkeit gelingen, Irland zu be friedigen. Northeote und andere Deputirte behalten sich die Debatte für die zweite Lesung vor. In erster Lesung ward die Landbill darauf angenommen. Der Lord-Siegel- Bewahrer Herzog von Argyll hat seine Demission gegeben wegen Meinungs-Verschiedenheit über gewisse Punkte der irischen Landbill. Ferner wurde eine Bankerut⸗Gesetzvorlage eingebracht und in der ersten Lesung angenommen. Das Haus ver tagte sich sodann bis zum 25. April. Das Oberhaus hat sich bis zum 5. Mai vertagt. Lord Carlingford übernimmt an Stelle des Herzogs Argyll den Posten des Lord-Siegel bewahres. Der russische Botschafter Fürst Labanoff ist hier wieder eingetroffen. Italien. Rom, 7. April. Deputirten⸗ kammer. Zanardelli beantragt Vertagung der Verhandlung über den die auswärtige Politik des Cabinets tadelnden Antrag Damiani's bis nach der Debatte über die Wahlreform, um durch eine mögliche Ministerkrise die erwarteten Reformen nicht zu verzögern. Der von der Regierung gutgeheißene Vertagungsantrag Zanar delli's wird in der Abstimmung mit 192 gegen 171 Stimmen abgelehnt. Drei Deputirte ent halten sich der Abstimmung. In Folge dieses Votums beantragt Cairoli den Schluß der Sitz ung, damit das Cabinet die Befehle des Königs entgegennehme. Die Sitzung wird aufgehoben. 8. April. Der Senat nahm den Gesetzent wurf, betr. die Aufhebung des Zwangscourses mit 115 gegen 8 Stimmen an.Diritto meldet, Cairoli überreichte dem Könige die De mission des Cabinets; der König befahl, seine Entscheidung abzuwarten. Spezzia, 7. April. Die PanzerschiffeRoma, Maria Pia undGaeta sind abgegangen. Rumänien. Bukarest, 7. April. Der Senat nahm mit 34 gegen 5 Stimmen das Ge setz betr. die Ausweisung von Ausländern an, welche die Sicherheit des Staates gefährden, mit einem Amendement, die Ermordungs- und Vergiftungs-Versuche gegen die Person eines

fremden Staatsoberhauptes oder ein Mitglied seiner Familie nicht als politische Verbrechen anzusehen. 8. April. Die Kammer hat zu dem vom Senate angenommenen Gesetze über die Ausweisung Fremder die Dringlichkeit votirt.

Serbien. Belgrad. Der betr. Ausschuß der Skupschtina nahm einstimmig die Anlehens convention mit Bontoux behufs Consolidirung der Staatsschulden an.

Griechenland. Athen, 8. April. Sämmt liche Gesandte am hiesigen Hofe begaben sich gestern gemeinsam zu dem Ministerpräsidenten Kommunduros. Der deutsche Gesandte v. Rado witz verlas den identischen Vorschlag der Mächte, welcher von allen Gesandten unterzeichnet war und ließ dem Ministerpräsidenten Abschrift zu rück. In der identischen Note stellten die Mächte in dem Falle der Annahme der neuen Grenz Linie dem griechischen Cabinete ihre Vermitt lung in Aussicht, um die legalen Verpflichtungen der Pforte zu sichern, während im Falle der Ablehnung die griechische Regierung alle daraus resultirende Verantwortlichkeit und Gefahr allein tragen müßte.

Es verlautet, es stehe im Ministerrathe eine motivirte Antwort auf die identischen Er klärungen der Mächte in Berathung. Dieselbe solle die den Conferenzbeschlüsseu substituirte neue Linie als nicht geeignet bezeichnen, dem Ver langen der griechischen Nation zu genügen. Die Antwort wäre so gehalten, daß sie nicht aus schließe, daß Griechenland fich dem ernsten Willen der Mächte schließlich unterwerfe, solle aber jedenfalls eine nochmalige peremptorische Erklär ung der Mächte herbeiführen.

Rußland. Petersburg, 8. April. Gestern Vormittag wurde die Gerichtssitzung zur Ver handlung gegen Ryssakoff und Genossen eröffnet. Der Staatsprocurator Murawiew trug die An klageacte vor, deren Verlesung über zwei Stunden in Anspruch nahm. Hierauf fand das Verhör der Angeklagten statt. Der Zugang zum Ge richtsgebäude ist streng überwacht, die Eingänge von Gendarmen und Polizeiagenten besetzt. Der Eintritt ist nur gegen Karten gestattet. Jede Ansammlung von Menschen auf der Straße ist verboten; die Straße darf nur auf der dem Gerichtsgebäude gegenüber liegenden Seite von Wagen befahren werden.

9. April. DemTagbl. zufolge soll vorgestern in Folge einer Proclamation des nihilistischen Executiv-Comites an den Zaren im Anitschkowpalais unter Vorsitz des Kaisers ein geheimer Conseil stattgefunden haben, woran die Großfürsten Wladimir, Alexis, Michael und die Grafen Melikoff und Walujeff Theil nahmen.

Moskau, 7. April. Von hier kommt folgende Depesche: In dem Dörfchen Sablino an der Bahn nach Moskau ist vorgestern Nacht der älteste Sohn des ältesten Bruders des ermordeten Zaren, Großfürst Nikolaus Konstantinowisch, von einem Hauptmann und zwei Lieutenants festge nommen und alsbald nach Petersburg oder viel mehr auf ein bei Petersburg gelegenes Schloß seines Vaters internirt worden. Der Großfürst, der bekanntlich wegen eines Diamantendiebstahls vor einigen Jahren in argem Gerede war, ist politischer Umtriebe, wie es heißt, zu Gunsten seines Vaters, Großfürsten Konstantin, verdächtig; ob letzterer Mitwisser ist, darüber ist nichts bekannt.

Aus Stadt und Land.

a. Heldenbergen. Am 4. April feierte in aller Stille der hiesige Pfarrer, Dekan Brentano, sein 25jähriges Dienstjubiläum als Dekan des katholischen Dekanats Vilbel. Dem verdienstvollen, würdigen Mann war schon vor 9 Jahren als Anerkennung seiner Ver⸗ dienste um Kirche und Staat und seiner treuen Anhänglich keit an das Großherzogliche Haus von dem verstorbenen Großherzoge das Ritterkreuz 2. Klasse des Ludewigsordens verliehen worden. Wünschen wir dem Jubilar-Dekan noch recht viele Jahre weiterer segensreicher Wirksamkeit.

Allerlei.

Frankfurt, 8. April. Der Polizeipräsident erläßt folgende Mittheilung:Der des Raubmordes an seinem Collegen Winterfeld verdächtige Krankenpfleger Albrecht aus Kassel hat sich gestern Abend im Polizei-Gefängniß gemeldet und bei seiner sofortigen Vernehmung die That vollständig eingestanden. Nach seiner Angabe hat er den

Winterfeld nach kurzem Kampf und zwar nur zu dem Zweck, um sich das Geld desselben anzueignen, mit den Händen erwürgt. Das Geld, welches er nach Vollendung des Mordes an sich genommen hat, soll nur 180 Mark betragen haben. Davon hat er am Mittwoch und Donner⸗ stag ca. 140 Mark hier in verschiedenen Wirthschaften und lustiger Gesellschaft verpraßt, den Palmengarten, das Opernhaus ꝛc. besucht und sich sodann, wie er an⸗ gibt, von Gewissensbissen gedrängt, selbst der Behörde gestellt.

Hanau. In den Einzel-Comites der demnächst statt⸗ findenden Geflügelausstellung hat sich bereits rege Thätig⸗ kelt entwickelt, so daß schon nächste Woche die Herrichtung des Ausstellungsraumes in Angriff genommen werden kann. Wie wir hören, steht der hiesige Verein mit Fabrikanten künstlicher Brutapparate in Unterhandlung, um durch den Betrieb eines solchen Apparates während der Ausstellung dem Publikum den äußerst interessanten Prozeß der künstlichen Bebrütung und des Ausschlüpfens der Jungen zur Ansicht bringen zu können.

Szegedin, 9. April. DieUngarische Post meldet: Der Wasserstand ist jetzt um 12 Centimeter höher als während der letzten Katastrophe. Die Lage ist ernst, je⸗ doch noch nicht besorgnißerregend.

Smyrna, 8. April. Auf Chios dauert das Erd⸗ beben mit längeren Intervallen fort. Die Zahl der Opfer wird jetzt auf 6000 angegeben.

Handel und Verkehr.

Friedberg, 9. April. Wochenmarkt. Butter kostete per Pfd. M. 1.15 1.30, Eier per St. 5 Pf.

Gießen, 9. April. Wochenmarkt. Butter per Pfd. M. 1.05 1.10, Eier 1 St. 45 Pf., 2 St. 0 Pf., Käse per Stück 49 Pf., Tauben das Paar M. 0.801, Hühner per St. M. 1.40 1.50, Hahnen per St. M. 1.70 2.50, Enten per St. M. 2.503., Ochsenfleisch 66 Pf. per Pfd., Kuh- und Rindfleisch 46 50 Pf., Kalbfleisch 40 bis 44 Pf., Hammelfleisch 60 66 Pf., Schweinefleisch 68 Pf., Kartoffeln per 100 Kilo M. 4 4.80, Zwiebeln per Ctr. M. 1500., Wälsche M. 7.

Frankfurt, 9. April. Marktbericht. Heu kostete je nach Qual. per Ctr. M. 34, Stroh M. 2.503.00. Eier das Hundert deutsche kostet M. 5.50, italienische M. 6.50 bis 7 prima Waare, Butter 50 Kilo M. 0.95 1.00, im Detail 1. Qual. M. 1.30, 2. Qual. M. 1.20. Ochsen⸗ fleisch das Pfd. 60 70 Pf., Kuh-, Rind- und Farren⸗ fleisch 40 55 Pf., Kalbfleisch 40 55 Pf., Hammelfleisch 4565 Pf., Schweinefleisch 6580 Pf. 1 Hahn M. 1.80 bis 2.20, 1 Poularde M. 3, 1 Ente M. 3, 1 Huhn M. 1.60 2, 1 Taube 50 Pf. Weißkraut 2025 Pf., Rothkraut 30 Pf., Blumenkohl 3070 Pf., Endivien 15 Pf., Spargel das Pfund M. 3.

Mainz, 8. April. Marktpreise. Kartoffeln 100 Kilo M. 4.50 5.75, Heu per Ctr. M. 3.25 3.50, Stroh per Ctr. M. 2.50 2.75, Butter ½ Kilo M. 1.00 1.10, Butter in Parthien 8090 Pf., Eier ½ Hundert M. 1.05 1.15, 1 Handkäse 57 Pf., Rothkraut 2530 Pf., Blumenkohl 30 35 Pf., Wirsing 56 Pf., Zwiebel ½ Kilo 14 15 Pf., 1 Ente M. 2.30 2.50, 1 Hahn M. 1.502, 1 Huhn M. 1.502, 1 junge Taube 4045 Pf. Fruchtmarkt. Waizen eff. hiesiger, M. 23.00 23.50, fremder M. 22.75 bis 23.25, Amerik. rother Winterwaizen M. 23.75 24.10, Roggen, hies. u. franz. M. 21.50 22.00, Gerste pfälzer M. 19.00 19.50, franken M. 19. 19.50, Hafer recht fest eff. M. 15.25 16.00, Reps M. 27.50 28.50. Reps⸗ kuchen M. 0.00 0.00. Rüböl ruhig eff. ohne Faß M. 29.30 29.40, per Mai mit Faß M. 28.50 28.60. Viehmarkt. Ochsen 1. Qual. M. 64 00., 2. Oual. M. 58 62, Kühe 1. Qual. M. 57 00., 2. Qual. M. 4650., Kälber das Pfd. 60 00 Pf., Schweine das Pfd. 56-65 Pf.

Pfennig ⸗Sparkasse.

Sammelstellen. Einleger. Betrag. M. Pf

Uebertrag vom 2. April. 185 79 75

1. C. Bindernagel.. 47 22 60 2. W. Bernbeck 100 40 45 3. Ph. Billau. 79 40 20 4. Th. Kran; 63 2835 5. H. Flaschenträger. 85 40 20 559 251 55

NB. 205 haben neu eingelegt. Friedberg den 9. April 1881. Haupt⸗Sammelstelle: Vorschuß⸗ und Credit⸗Verein, e. G.

Bekanntmachung.

Großherzogthum Hessen bei den von dort ausgehenden Personenposten eine Gestellung von Beiwagen statt.. Darmstadt den 6. April 1881. Der Kaiserliche Ober-Postdirector. Hagemann.

Israelitischer Gottesdienst in Friedberg. Ostern.

Beginn: Mittwoch Abend Uhr. Donnerstag Morgen 8 Uhr.

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Vom 12. April d. Is. ab findet in Friedberg im