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einer Aeußerung Bismarck's über die ungerechte Einschätzung der Miethsteuer erwiederte Ober bürgermeister Forckenbeck: Der Magistrat hat noch keine Sitzung gehalten. Eine Petition an den Reichstag ist angeregt. Der Magistrat ist von der Ueberzeugung durchdrungen, daß das Gedeihen der Hauptstadt nur von dem Vertrauen in ihre Behoͤrden abhaͤngt und wird alle ver fassungsmaͤßig ihm zu Gebote stehenden Mittel, anwenden, um alle ungerechten und unbegründeten Angriffe, von welcher Seite sie auch kommen moͤgen, zurückzuweisen.

Stuttgart, 10. Marz. Die Abgeordneten kammer hat nach kurzer Debatte den Antrag der Finanz- Commission, die Regierung zu ersuchen, sie möge im Bundesrathe auf Einfuͤhrung des Tabaks Monopols hinwirken, mit 56 gegen 16 Stimmen angenommen.

Ausland.

Oesterreich⸗-Ungarn. Wien, 9. März. Das Herrenhaus stellte den Artikel 5 des Ge setzentwurfs über die Verlangerung der Termine im Reclamationsverfahren für Grundsteuersachen in der vom Finanzminister befürworteten Fass⸗ ung des Abgeordnetenhauses in namentlicher Ab stimmung mit 51 ü gegen 44 Stimmen fest und wählte sodann die Unterrichtscommission nach der von den Fractionen des Hauses vereinbarten Compromißliste.

Belgien. Brüssel, 10. März. In der Kammer der Deputirten wurde der Abgeordnete Woeste wegen einer die Disciplin der Armee angreifenden Aeußerung von dem Präsidenten Guillery aufgefordert, diese Aeußerung zurück zunehmen. Woeste nahm die Aeußerung zurück und erachtete der Präsident den Zwischenfall damit für erledigt. Minister Frere Orban aber beantragte unter dem Beifall der Majorität den Ordnungsruf gegen Woeste. Der Präsident Guillery weigerte sich, den Antrag zur Abstimm ung zu bringen und gab seine Demission.

Frankreich. Paris. DasPetit Journ. berichtet über die jüngste Unterredung zwischen dem Präsidenten der Republik, Grevy, und Gambetta und theilt mit, daß Grevy es für constitutionelle Pflicht erachte, an den Arrondisse ments⸗Wahlen festzuhalten. DieFrance enthält einen Artikel Emil Girardin's, worin Bardoux gerathen wird, seine Motion, betr. das Listenscrutinium zurückzuziehen, um jeden Antagonismus zwischen Greyy und Gambetta zu verhindern.

Großbritannien. London, 9. März. Das Unterhaus beendete heute die Specialberathung der irischen Waffenbill.

Daily Telegr. erfährt, Lord Dufferin, der englische Botschafter in Petersburg, würde demnächst an Stelle Göschen's nach Constanti nopel gehen.

9. März. Der Aus nahmszustand ist auch für die Grafschaft⸗West⸗Meath proclamirt worden. Die Zahl der am 9. März auf Grund des Zwangsgesetzes Verhafteten soll dreißig betragen und sich darunter Nally, einer der Vertheidiger im Prozesse Parnell, befinden.

10. März. Mehrere Morgen-Blätter melden gerüchtweise eine bevorstehende Cabinets Aederung, wonach der Kriegssecretär Childers an Stelle Gladstone's Schatzkanzler, Marquis of Hartington Kriegssecretär werden und Lord Derby als Minister für Indien in das Cabinet treten würde.Daily News hält diese An⸗ gaben für mindestens verfrüht.

9. März. DasTageblatt meldet: Die Friedenspräliminarien mit den Transvaalern sind bereits abgeschlossen. Alle am Kampf Be⸗ theiligten werden amnestirt und eine Commission eingesetzt Zwecks Berathung über alle Forder ungen der Boers. Nachrichten aus Elmina vom 18. Febr. zufolge desavouirte der König der Aschantis die Drohungen seiner Abgesandten gegen den Gouverneur von Cape Coast Castle und erklärte sich für einen Freund der Engländer, gegen die er keine Kriegsabsichten hege.

Spanien. Madrid, 10. März. Der

Nuntius remonstrirte gegen die neuesten Maß regeln der Regierung auf dem Gebiete des Uuterrichtswesens. Die Regierung antwortete, diese Maßregeln liefen dem Concordate nicht zuwider und entsprächen den Bestimmungen der Constitution. Die Regierung wünsche die freund lichen Beziehungen mit der Kirche fort zu erhalten, sei aber entschlossen, die Prärogative und Rechte des Staates zu wahren.

Portugal. Lissabon, 9. März. Die Kammer der Deputirten lehnte am 8. d. einen Antrag auf Vertagung des Vertragsabschlusses mit England bezüglich Südafrikas bis nach Beendigung des Krieges in Transvaal mit 76 gegen 30 Stimmen ab und nahm den Vertrag selbst mit einem Zusatzartikel, betr. Südafrika, mit 74 gegen 19 Stimmen an.

Türkei. Constantinopel. Auf Antrag des internationalen Gesundheitsraths ordnete die Pforte die Errichtung eines doppelten Cordons um die von der Pest heimgesuchten Districte an, einen Cordon um jede inficirte Ortschaft und den zweiten um den District, zu welchem die Ortschaft gehört. Die inficirten Ortschaften werden niedergebrannt. In Nedjeff starben in der Zeit vom 28. Februar bis 2. März 18, in Djagra in der Zeit vom 15. bis 28. Februar 30 Personen an der Pest. Die in Kerbela vor gekommenen Todesfälle sind nicht gemeldet worden. Der bekannte Pestarzt Kabiades ist nach den Pestdistricten abgegangen.

Serbien. Belgrad, 10. März. Der Eisen bahn-Ausschuß der Skupschtina verwarf nach fünftägiger Generaldebatte mit 7 gegen 6 Stim men die Vertrage mit Bontoux. Am Montag ge langt die Eisenbahn-Convention vor das Plenum. Das Gesammt-Ministerium droht mit Demission,

falls die Skupschtina die Verträge ablehne.

Aus Stadt und Land.

m. Friedberg. Im Jahre 1880 wurden aus den hiesigen Armenmitteln 206 Personen, 110 männliche und 156 weibliche, 42 mehr als 1879, unterstützt. Darunter waren 97 Personen, welche seit 1870 auf Grund des Gesetzes über den Unterstützungswohnsitz die Berechtigung erworben hatten. 152 wurden dauernd und 114 voruͤber⸗ gehend unterstützt. Zu den Letzteren gehören 21 Kinder, welche nur mit Lernmitteln, und 21 weitere Personen, welche nur mit Arzneimitteln unterstützt wurden. Im Vergleich zu der Seelenzahl der Gemeinde 4856 betrug die Zahl der überhaupt Unterstützten 5,43%, die der dauernd Unterstützten 3, 100%, die der vorübergehend Unter stützten 2,32%. Invalide Personen wurden in der offenen Armenpflege 87, in dem Versorgungshaus 30 unterstützt, und außerdem wurden 35 Kinder theils im Versorgungs⸗ haus, theils durch die Mathilden-Stiftung erzogen. Die Unterstützungen in der offenen Armenpflege an Brod be trugen 81, an Brand 67, an Kleidung 19, an Wohnungs⸗ miethe 64, an Heilmitteln 59, an Lernmitteln 24 Mark. 138 Geldgaben wurden bewilligt und 16 Personen auf Kosten des Armenfonds beerdigt. Im Ganzen wurden hier 6774 M. 27 Pf. verwendet. Im Versorgungshaus wurden 80 Personen, darunter 60 Stadtarme, 19958 Tage verpflegt. Die 20 weiteren Personen waren theils Land arme, theils Pfleglinge der Mathilden⸗Stiftung, für welche Ersatz geleistet wurde. Im Spitale wurden 423 Kranke an 9222 Tagen verpflegt, Stadtarme an 2084 Tagen, Mitglieder des Kranken-Vereins an 1154 Tagen, Soldaten an 3 Tagen, Bahnarbeiter an 702, Ortsfremde an 4936 Tagen, Privatpersonen, welche die Kosten selbst bestritten haben, an 343 Tagen. Die Orts- fremden waren außer einigen Taglöhnern und Dienstboten aus der Umgegend zum größten Theil reisende Hand- werksbursche, von welchen Einzelne unter der Spital verpflegung vorlagsweise aus der Stadtkasse noch Kleid ungsstücke erhalten haben. Unter den Letzteren waren 77 mit 2546 Pflegetagen an dem sogenannten Reeurrens fieber erkrankt. Die große Ansteckungsfähigkeit dieser Krankheit machte die Einrichtung des Isolier-Lazaxeths in der Turnhalle nothwendig, welcher es zu verdanken ist, daß eine Verschleppung der Krankheit unter die Ein wohner der Stadt und Umgegend nicht vorgekommen ist. Die für dieselbe Krankheit in Gießen errichtete Anstalt, in der 216 Personen behandelt wurden, aufgewendeten Kosten betrugen 18800 M. Für die hiesige Anstalt sind 6739 M. 66 Pf. nothwendig gewesen, welche bis auf einen kleinen Betrag, für welchen das gesammte Mobiliar und Weißzeug übernommen wurde, den Fonds ersetzt wurden. Noch ist zu erwähnen, daß die Strenge des Winters 1879/80 in der hiesigen Stadt die Volksküche in das Leben gerufen hat, durch welche viele Noth ge lindert worden ist. Wir wünschen, daß diese Anstalt für die Wintermonate, von 1881/82 an, als eine bleibende Institution gegründet werden möchte, durch welche es den Armen, wie durch die gegenwärtig in das Leben tretende Pfennigsparkasse, möglich gemacht werden soll, sich leichter selbst zu helfen und von fremder Hilfe unabhängig zu

m. Frledberg. Im Monat Februar sind sie ben weitere Mitglieder der Mathilden-Stiftung, Verein zur Erziehung verwahrloster Kinder, beigetreten. Unter den selben befand sich auch der Graf von Leiningen-Wester⸗ burg in Ilbenstadt, welcher zu dem Kapttalvermögen der Stiftung einen Beitrag von 50 M. geschenkt hak. Die Stlftung zählt jetzt 175 Mitglieder.

n. Bad⸗Nauheim. Nächsten Mittwoch den 16. März (Abends) wird Lehrer Storch aus Butzbach hier einen Vortrag halten über das Rettungswesen auf dem Meere. Literalien vom Vorstand der deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger und ein Vortrag des Admirals Werner bilden die Grundlage für die Ausarbeitung des Vortrags. Weiter veranstalten die hiesigen Mitglieder der genannten Gesellschaft zu Gunsten letzterer für den 19. d. Mts. ein Fest mit dramatischen, musikalischen und Gesangs-Aufführungen, wobei Freunde aus Friedberg und eine Dame aus Frankfurt mitwirken. In den an⸗ gedeuteten beiden Richtungen soll das Rettungswesen zur See in weiteren Kreisen als eine nationale Aufgabe näher- und dargestellt werden, was bei uns, den Be⸗ wohnern des Binnenlandes, sehr nothwendig ist. Möge der Erfolg unseren guten Absichten entsprechen!

Darmstadt, 8. März. Gestern feierte Rentamtmann Königer dahier im Kreise seiner Kinder, Schwiegersöhne, Enkel und Urenkel in bestem Wohlsein das seltene Fest des 100. Geburtstages.

Mainz. Als Ergänzung unserer Mittheilung über die jugendlichen Einbrecher haben wir Folgendes nachzu⸗ tragen: Die gestohlenen Schmuckgegenstände konnten den betreffenden Eigenthümern bis auf zwei Damenringe und ein Medaillon wieder eingehändigt werden; die jugendlichen Diebe trugen die gestohlenen Gegenstände theils bei sich, theils hatten sie dieselben an sicheren Orten versteckt. Das gestohlene Geld war zum größten Theil schon ver jubelt und zwar zum Theil schon in Gemeinschaft mit Mädchen im Alter von 15 Jahren.

Mainz. In Weisenau sind in Folge des nassen Erdreichs verschiedene Weinbergsmauern und Treppen zu⸗ sammengestürzt; in Nackenheim soll ein Gebäude einge⸗ fallen sein.

Oppenheim, 8. März. Vor der Stadt neben der Niersteiner Straße stürzte vorgestern Abend durch Berg⸗ rutsch das Haus eines Backsteinbrenners zusammen. Durch vorübergehende Arbeiter einer nahen Fabrik wurden die Kinder unter dem Schutt herausgeschafft. Wenige Minuten noch, so waren sie erdrückt. Ein kolossaler Bergrutsch hat ferner in unserer Nachbargemeinde Dienheim stattge⸗ funden und droht noch größere Dimensionen anzunehmen. Bis jetzt berechnet man den Schaden, den derselbe an den Weinbergen und zwar an solchen der besten Lagen, angerichtet hat, schon über eine halbe Million Mark.

Allerlei.

Paris, 9. März. DasMagasin au Printemps ist heute Morgen vollständig niedergebrannt; nur die Kasse ist gerettet. Der Schaden wird auf 12. Mill. Frs. ge⸗ schätzt; nur 5 Mill. sind durch Versicherung gedeckt. Der tägliche Umsatz des Geschäftes betrug 100,000 Frs.

Verloosung.

Sachsen⸗Mein ingen fl. 7⸗Loose von 1870. Serien⸗Ziehung vom 1. März 1881. Nr. 227 281 287 326 436 568 675 768 1159 1196 1349 1372 1551 1866 1925 2131 2293 2294 2390 2466 2514 2523 2672 2938 2965 3048 3090 3273 3619 3933 1019 4309 4794 4806 4833 4853 5065 5154 5239 5254 5286 5432 5481 5720 5737 5770 6424 6568 7008 7087 7209 7537 7687 7731 8159 8527 8897 8938 9197 9221 9439 9463 9491 9572 9580 9664

9504 9789 9817 9828. Die Gewinn-Ziehung findet am 1. April 1881 statt.

Handel und Verkehr.

Gießen, 9. März. Auf dem gestrigen Viehmarkte waren aufgetrieben: 6 Pferde, 1876 Stück Rindvieh und 360 Stück Schweine. Die Preise für Schlachtvieh und Schweine standen denen vom letzten Markte gleich, da⸗ gegen Zucht⸗ und Arbeitsvieh billiger. Nächster Markt Dienstag den 22. und Mittwoch den 23. d. Mts., am letzteren Tage auch Krämermarkt lerster in 1881).

Frankfurt, 9. März. Marktbericht. Heu kostete je nach Qual. per Centner M. 3.00 4.50, Stroh M. 33.60 Eier das Hundert deutsche M. 4.50, italienische M. 5.50, im Detail das Stück 5 6 Pf. Butter im Großen 1. Qual. 80 Pf., 2. Qual. 70 Pf., im Detail M. 1.10 bis 1.20. Weißkraut das Hundert 10 M., Spargel das Pfund 5 M., Rothkraut 2025 Pf. das Stück, Blumen⸗ kohl 3060 Pf., Handkäse per Centner 40 M. Ochsen⸗ fleisch 6570 Pf., Kuh-, Rind- und Farrenfleisch 45 bis 55 Pf., Schweinefleisch 7080 Pf., Kalbfleisch 45 bis 55 Pf., Hammelfleisch 4565 Pf., Hahn M. 1.50 2, Huhn M. 12, Taube 45 50 Pf., Wälscher Hahn M. 610, Kartoffeln 200 Zollpfund M. 56.

Bestes Hausmittel.

Bekanntlich besitzt die Wachholderpflanze vorzügliche lösende Eigenschaften, namentlich bei Verschleimung und Katarrhen der Luftwege und Athmungs-Organe, chronischen Husten ꝛc. Die neueste Erfindung ist eine Verbindung der Wach⸗ holder-Substanzen mit Honig, welche sowohl bei Kindern als Erwachsenen von erstaunlich rascher Wirkung ist. Eine Originalflasche von Bernhard's ächtem Wach⸗ holder-Honig kostet M. 2.50 und ist zu beziehen in

erhalten.

Friedberg bei Herrn Wilhelm Bernbeck, Colonial⸗ waarenhandlung, Kaiserstraße. 62⁵

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