Ausgabe 
11.10.1881
 
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Aus Stadt und Land.

T. Friedberg, 10. Oet. In der gestern abgehaltenen Versammlung unseres Molkerei-Comité's wurde beschlossen, auf Grundlage der von Molkerei- Director Reinsch in Breslau gelieferten Zeichnungen, durch einen von Ver walter Stahl in Kloppenheim empfohlenen Frankfurter Baumeister einen speeefieirten Baukostenanschlag anfertigen, diesen durch einen anderen Bauverständigen und die molkereitechnischen Dispositionen des Director Reinsch durch Dr. W. Fleischmann in Raden(Mecklenburg) be gutachten zu lassen. Ferner wurde zur Verstärkung der mit dem Studium der Platzfrage beauftragten Seetion Pachter Reif-Steinfurth und Dr. Tobisch-Friedberg ge wählt. Endlich einigte man sich bezüglich der meisten bei den anzufertigenden Berechnungen in Betracht kom menden Zahlenansätze.

Gießen. Am 6. October sprach das Schwurgericht nach Atägigen Verhandlungen das Urtheil in dem Prozeß gegen J. Wagner II., Holzhändler von hier, D. Weller. v. d. Lindenburg, H. Hörle II., Landw. von Groß Buseck, L. Weller, Landw. von Heuchelheim, J. Weller VI., Landw. daselbst und J. Benner, Maurermeister daselbst, angeklagt wegen Brandstiftung, betrügerischen Bankerotts und Meineids, Vervortheilung der Gläubiger und Ver heimlichung von Concurs-Objeeten. Der Spruch der Geschworenen lautete mit 1 Ausnahme(Hörle von Groß Buseck, welcher freigesprochen wurde) auf Schuldig. Das Gericht verurtheilte J. Wagner II. und D. Weller V. zu je 6 Jahr Zuchthaus und 5 Jahr Ehrverlust, L. Weller und J. Weller VI. zu je 3 Monat Gefängniß, J. Benner zu 150 M. Geldbuße.

Mainz. Eine heitere Scene ereignete sich dieser Tage in dem Sitzungssaale des Landgerichts, Abtheilung für Civilsachen. Zwischen einer Familie auf dem Lande war wegen Geldangelegenheiten eine Streitigkeit aus gebrochen und die Hülfe des Gerichts in Anspruch ge nommen worden. Nun befand sich unter den Parteien ein Frauenzimmer, das im Rufe stand, ein gar böses Mundwerk zu besitzen. Ueber diese Frau sollte ein be jahrter Bauersmann Auskunft geben. Dieser Zeuge, nach dem er über Verschiedenes Auskunft gegeben hatte, wurde zum Schluß vom Vorsitzenden des Gerichtes gefragt, ob denn das Frauenzimmer wirklich so schlimm sei. In ächter Pfälzer Mundart gab der Mann darauf zur Antwort:No, Herr Präsendent, so arig is Se grad nit, sie is wie die Annere all sein, Sie werre des jo aach wisse, dann Sie sein jo aach verheirath! Tableau!

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Allerlei.

Homburg v. d. H. Hier und in Gonzenheim sind die schwarzen Blattern ausgebrochen. In Gonzenheim hat diese Krankheit schon Opfer gefordert, hier liegt ein Polizeibeamter schwer erkrankt darnieder.

Homburg v. d. H. Von einer amerikanischen Familie, welche hier gewohnt hat, ist ein Dienstmann nach Amerika geschickt worden, um ein hier eingekauftes Hündchen dorthin zu bringen. Die besagte Familie will sich noch einige Zeit in Paris aufhalten, wobei ihr das Hünd chen lästig fallen könnte. Dasselbe hat im Ankauf 35 M. gekostet.

Wiesbaden. Die electrische Eisenbahn, welche auf den Neroberg geführt werden soll, ist bereits in Angriff genommen. Der Unternehmer, hat mit der Vermessung der Strecke Colonaden-Capellenstraße-Neroberg begonnen. Das Nivellement und die Vorarbeiten werden durch hiesige Kräfte ausgeführt.

Berghausen bei Nastätten. Unsere Berghäuser waren neidisch auf den Ruhm der Schildaer, sie wollten gerade so viel genannt sein, wie diese. Das haben sie denn nun auch fertig gebracht, denn man liest in allen Zeitungen folgenden Schildastreich von hier: Von unserer Gemeinde war auf dem Prämienmarkte zu Limburg ein junger Bulle für 288 Mark angekauft worden, dem

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der übliche Ring an der Nase angebracht werden sollte, durch den man diese Thlere leicht zu bändigen im Stande ist. Das Anbringen dieses Ringes ist eine für das Thier sehr schmerzhafte und darum nicht ungefährliche Operation, weßhalb immer große Vorsicht beobachtet werden muß. Diese löbliche Vorsicht wurde indessen von unseren Berghäusern sehr übertrieben. Sie zogen den Kopf des Bullen an Stricken im Stalle in die Höhe über einen Bohlenverschlag hinweg, wobei das Thier mit dem Halse auf diesen zu liegen kam. Jetzt konnte der Ring ohne alle Gefahr von der anderen Seite aus befestigt werden. Aber, o Schrecken, als man den Ring glücklich in der Nase des gefürchteten Viehes plaeirt hatte und die Stricke losließ, fiel der Bulle in seinem Standorte zu Boden und rührte kein Glied mehr; er war während der Operation erstickt.

Wien. Ministerpräsident Taaffe sandte ein Schreiben an den Bürgermeister von Wien, in dem er ihm mit theilt, daß auf speziellen Wunsch des Kaisers die Donau Regulirung aufwärts bis zum Flusse bs(10 M. unter halb Linz) abwärts bis zur ungarischen Grenze in kürzester Frist in Angriff genommen werden soll. Die Kosten sind auf 24 Mill. Gulden veranschlagt, die in 24 Jahr zielen verausgabt werden sollen. Die Strecke beträgt etliche 30 Meilen. Der Hauptzweck der Regulirung ist darauf gerichtet, die Stadt Wien und das angrenzende Marchfeld vor den alljährlich drohenden Ueberschwemm ungen zu sichern.

Paris, 7. Heute früh um 7 Uhr 20 Min. ist auf der Westbahnlinie ein von Argenteuil kommender Zug ganz nahe von dem Bahnhofe von Pontoise mit einem von Acheres ihm entgegenfahrenden Zuge zusammen gestoßen. Zwei Reisende wurden getödtet, zwei schwer verwundet; der Schaffner des von Acheres kommenden Zuges verlor das rechte Bein; der Gepäckwagen und ein Wagen dritter Klasse von diesem letzteren Zuge wur den zertrümmert. Das Versehen eines Bahnwärters, der trotz des von dem Weichensteller gegebenen Signals eine schon geschlossene Barriere wieder geöffnet hatte, soll die Schuld an dem Unglück tragen.

Madrid. Aus Mureia werden große Ueberschwemm ungen gemeldet. Gegen 200 Gehöfte sind durch Wasser von allem Verkehr abgeschnitten.

Handel und Verkehr.

Friedberg, 8. Oet. Wochenmarkt. Butter kostete ver Pfd. M. 1.15 1.30, Eier 1 St. große 7 Pf., 2 St. kleine 13 Pf.

Gießen, 8. Oet. Wochenmarkt. Butter per Pfd. M. 1.10 1.18, Eier 1 Stück 67 Pf., 2 Stück 00 Pf., Käse per Stück 58 Pf., Tauben das Paar 5070 Pf., Hühner per Stück M. 0.75 1.20, Habnen ver Stück M. 0.50 0.90, Enten per Stück M. 1.40 1.70, Gänse per Pfund 5054 Pf., Ochsenfleisch 6400 Pf. per Pfd., Kuh- und Rindfleisch 4650 Pf., Kalbfleisch 4448 Pf., Hammelfleisch 5060 Pf., Schweinefleisch 64 Pf., Kar toffeln 100 Kilo M. 34., Zwiebeln per Ctr. M. 78, Weißkraut 1 St. 10-30 Pf.

Frankfurt, 8. Oet. Marktbericht. Heu kostete je nach Qual. M. 4.5., Stroh M. 4., Butter im Großen 50 Kilo M. 1,15, im Detail 1. Qual. das Pfund M. 1.30, 2. Qual. M. 1.20, Ochsenfleisch 6570 Pf., Kuhfleisch 45 bis 55 Pf., Kalbfleisch 4055 Pf., Hammelfleisch 40 bis 65 Pf., Schweinefleisch 7580 Pf., Romain-Salat 10 bis 20 Pf., Kartoffel 100 Kilo M. 5, im Gescheid 10 bis 12 Pf., Einmachgurken das Hundert M. 2.503, Rothkraut das Stück 1520 Pf., Kohlrabi 46 Pf., Wirsing 8 12 Pf., Weißkraut 10 15 Pf. das Hundert M. 9.5010, Endivien 810 Pf., Aepfel M. 9.50 bis 10.50 das Malter. 1 Huhn M. 1.802, 1 Hahn M. 1 bis 1.50, Ente M. 23, Gans M. 4.8., Taube 50 bis 60 Pf., Feldhuhn M. 1.30 1.50, Poularden M. 23.

Mainz, 7. Oet. Viehmarkt. Ochsen 1. Qual. M. 66., 2. Qual. M. 58 62, Kühe 1. Qual. M. 57,

Oet.

2. Qual. M. 45 50, Kälber das Pfd. 50 Pf., Schweine das Pfd. 60-65 Pf.

Für die Beförderung über Belgien(Ostende) sind vom 1. Oct. d. J. ab anderweite Versicherungsgebühren sätze für Packete mit Werthangabe nach Großbritannken und Irland eingeführt worden. Danach gestaltet sich die Berechnung: 1. Gewichtsporto: Für Packete ohne oder mit Werthangabe bis einschließlich 5 Kg.: nach London M. 2, nach England ausschließlich London 2 M. 85 Pf., nach Schottland und Irland M. 3.55(ein⸗ schließlich Bestellgeld); für Sperrgut 25 Pf., für un⸗ frankirte Packete 10 Pf. Zuschlag. Für Packete über 5-10 Kg. inel.: die deutschen, nach der Entfernung ver⸗ schiedenen Sätze bis zum Grenzpunkt Herbersthal und als belgisch-britische Gebühr: nach London M. 2.80: nach England exel. London M. 4.10; nach Schottland und Irland M. 5.40. Höhere Gewichte bis 50 Kg. unterliegen nach Entfernung und Gewichtsstufen vartablen Taxen. 2. Versicherungsgebühr, wenn der Werth ange⸗ geben ist: a deutsch-belgische Gebühr: 8 Pf. für je 200 M. Werthangabe; b. britische Gebühr: 1) für Waarenpackete mit Werthangabe: 16 Pf. für je 200 M.; 2) für Send⸗ ungen mit Silber(gemünzt oder in Barren): nach London 24 Pf., nach allen übrigen Orten 34 Pf. für je 200 M.; 3) für Sendungen, enthaltend Gold, Platina, Bank noten oder Papiergeld, Bijouterien oder Edelsteine(eolis finances): bis 16,000 M. nach London 32 Pf.; nach allen übrigen Orten 42 Pf. für je 200 M.; über 16,000 M. nach London 24 Pf., mindestens jedoch M. 25.60 zu⸗ sammen, nach allen übrigen Orten 34 Pf. für je 200 M., mindestens jedoch M. 33.60.

Litergrisches.

Daheim. Nr. 2 enthält: Die Welt-Verbesserer. Roman von M. Gehrhardt.(Forts.) Der Kongreß für innere Mission in Bremen. Von O. Funcke. Eine hansische Wisbyfahrt. IJ. Wie ich mein erstes Geld verdiente. Von Margarete. Die Gotthard- und die Arlberger Bahn. Von F. Anders. Mit zwei Illustr. Am Familientische: Einer von Gustav Adolfs Reitern. Mit Illustr. Seeboten. Eine Einladung vor hundert

Jahren. Gesundheits-Rath. Haus wirthschaftliche Fortschritte. Mit zwei Abbild. Mit zwei illustrirten Beilagen.

Geld⸗Cours.

Frankfurt am 8. October 1881.

20⸗Frankenstücke M. 16 15-19 do. CCC Englische Sovereignss??sz. ͤ 20 34-39 Russische Imperiales% 116 7176 Duca, 1 i mn,. Q Dolores in Ssld,, Pfennig⸗Sparkasse. Sammelstellen. Einlagen. Betrag. M. Pf. Uebertrag vom 1. Oet.] 13278 6678 50 1. C. Bindernagel.* 61 32 85 2. Denk 175 82 35 ich,, 114 58 90 any, 96 55 90 5. H. Flaschenträger.. 102 61 20 Tac 70

NB. Uebertrag Einleger 824. Neue Einleger 2 Gesammt⸗Einleger 831.

Friedberg den 8. October 1881.

Haupt⸗Sammelstelle: Vorschuß- und Credit-Verein, e. G.

Bekanntmachung.

3414 Von den Ober-Saulheimer Obligationen auf Inhaber sind die Nummern 51 und 58 für dieses Jahr durch Verloosung zur Rückzahlung gezogen. Die Inhaber derselben können die Obligationen mit den noch nicht fälligen Zinscoupons vom 15. Dezember ab an unsere Gemeinde-Einnehmerei zu Wörrstadt ganz portofrei ein senden und wird ihnen dann der Betrag in gleicher Weise übersendet werden.

Die gezogenen Nummern tragen vom 1. Januar 1882 an keine Zinsen mehr.

Ober⸗Saulheim den 24. September 1881.

Großherzogliche Bürgermeisterei Ober-Saulheim. tee r.

Versteigerung von Nußbaum Stämmen.

3452 Freitag den 14. d. Mts., Vormittags 10 Uhr,

werden 24 Stück Nußbaum-Stämme auf Grundstücken, der hlesigen Gemeinde gehörig, im Alter von 45 bis 50 Jahren und besonders zum Verarbeiten in Gewehr fabriken geeignet, innerhalb der hiesigen Gemarkung an Ort und Stelle meistbietend versteigert, wozu wir Kauf liebhaber einladen. Kaichen am 8. October 1881. Großherzogliche Bürgermeisterel Kaschen. Weitzel.

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Aufforderung.

Nach dem General-Hypothekenbuch haben Heinrich Muth, Schuhmacher, und dessen Ehefrau Barbara, geb. Post, von Bad-Nauheim

a. der Christoph Post eines Kapitals von ber 1867 b. ihren Gläubigern wegen der in dem Schuldwesen angemeldeten Forderungen am 19. Dezember 1867 ein Generalpfandrecht bestellt. Diese Ansprüche sind nach der beigebrachten Bescheinigung und den vorliegen den Aecten über das Schuldenwesen erloschen. Es werden daher Diejenigen, welche Rechte an diese Generalhypothek haben, aufgefordert, solche unter Vorlage der Hypotheken urkunden binnen 2 Monaten, vom ersten Erscheinen dieser Bekanntmachung an grechnet, geltend zu machen, als sonst Löschung angeordnet wird.

Bad-Nauheim am 5. October 1881.

Großherzogliches Amtsgericht Bad-Nauheim. Allwohn.

Wittwe in Wiesbaden wegen 900 Gulden am 11. Septem

Schütz, Gerichtsschreiber.

Mergmanmn's 29988

e fol eso fe CTheerschwefel-Seife, bedeutend wirksamer als Theerselfe, vernichtet sie unbe⸗ dingt alle Arten Haut-Unreinigkeiten und erzeugt in lürzester Frist eine reine, blendend weiße Haut. Depot à Stück 50 Pf. bei Apotheker Lünhan. 1

3444

Vorräthig bei Carl Bindernagel in Friedberg und Bad-Nauheim:

Ruth und erste Hülfe

bei plätzlichen Erkrankungen und Unglücksfällen bis zur Ankunft des Arztes. Nebst Angabe der Krankheits-Kennzeichen und Bemerk ungen über diätetische Behandlung und Krankenpflege von Dr. Eduard Reich. Preis M. 1.50.

Haarbalsam.

Bestes Mittel um das Wachsthum der Haare zu fördern und das Ausfallen derselben zu verhindern. J Flac. à 60 Pf. und M. 1.20.

Eau capillaire de duinine in Flasch. à 80 Pf. und M. 1.50.

Haarfärbemittel in blauen Flasch. mit Gebrauchs anweisung à 2 Mark.

73 J. A. Windecker, Hof⸗ Lieferant.

Es wird ein zuverlässiger

Brauntwein⸗Brenner

in eine Dampfbrennerei sofort gesucht. Von wem? sagt die Exped. d. Anz. 3458

Eine zuverlaͤssige Magd

wird gesucht. Näheres zu erfragen bei der Expedition des Anzeigers. 3450

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