Neutralitäts-Grundsätze den neutralen Staaten die Verpflichtung auferlegen, darüber zu wachen, daß auf ihren Gebieten Kriegsschiffe für Krieg— führende nicht ausgerüstet werden. Aus diesem Grunde sind die Erbauer der Schiffe, Gebruͤder Howaldt, zur Beibringung des Nachweises auf⸗ gefordert worden, für wen und zu welchen Zwecken die bezeichneten Schiffe bestimmt sind.
Coblenz, 8. Aug. Der Kaiser ist heute Nachmittag wohlbehalten hier eingetroffen; er reist morgen Abend weiter.
Dresden. Nach dem„Dresdener Journal“ soll der Landtag am 1. September eiuberufen, aber nach der Feier des 50jährigen Bestehens der Verfassung wieder vertagt werden. Ende October oder Aufang November wird er dann wieder zusammentreten.
Karlsruhe. Die„Germania“ meldet aus scheinbar informirter Quelle, die Zusammenkunft des österreichischen Kaisers mit dem Großherzog von Baden betreffe des Letzteren Proclamation zum König anläßlich seiner silbernen Hochzeit.
Ausland.
Frankreich. Paris. Die Untersuchung Logerot's ergab, daß das europäische Quartier zu Sfaz vor Ausschiffung der französischen Trup— pen durch die Araber geplündert wurde; die Anklagen gegen französische Soldaten sind so— mit unbegründet. Lequeux ist zum französischen Consul in Tunis ernannt.
Dänemark. Kopenhagen, 9. Aug. Der Reichstag wurde heute eröffnet.
Großbritannien. London, 7. Aug. Bei dem gestern im Mansion-House stattgehabten Lordmayors-Banket hielt Gladstone eine Rede, in welcher er die Zwischenfälle beklagte, die in der gegenwärtigen Session des Parlaments über die so hoch stehende gesetzgebende Versammlung Ohnmacht und Unehre gebracht hätten und wirksame Gegenmaßregeln nothwendig machten. Er hege die, wenn auch vielleicht verfrühte Hoff— nung, daß wenigstens eine große Maßnahme, die irische Landbill zum Gesetz werden werde.
— 8. Aug. Der Delegirte Bourke ist am Samstag in Constantinopel eingetroffen.— Der am 2. Mai verhaftete irische Deputirte Dillon ist gestern aus dem Kilmaintam-Gefängniß ent— lassen worden.
— 8. Aug. Das Oberhaus nahm in dritter Lesung das irische Land-Gesetz nach einstündiger Debatte ohne besondere Abstimmung an.
Italien. Rom, 7. Aug. An dem heute stattgehabten Meeting gegen das Garantiegesetz nahmen etwa 3000 Personen Theil. Die Be— hörde untersagte die Verlesung der Tagesord— nung, welche das Gesetz abschafft und hob die Sitzung auf. Ruhestörungen kamen nicht vor.
Rußland. Petersburg. Der Minister des Innern hat dem„Golos“ die dritte Verwar— nung ertheilt und das Erscheinen desselben für sechs Monate inbibirt.
Amerika. Washington, 8. August. Der Präsident Garfieldt unterzog sich heute Vor— mittag einer Operation, um den Abfluß des Eiters zu erleichtern. Das Resultat ist voll— kommen befriedigend.
Afrika. Tunis, 8. August. Eine Bande von Aufständischen plünderte mehrere Dörfer zwischen Kef und dem Thal von Medjerdah Die Araber vertheidigten sich und tödteten mehrere Angreifer. 500 Mann französischer Truppen sind abgegangen, die Plünderer zu verfolgen.
Aus Stadt und Land.
C. Bad-Nauheim. Ergänzend zu dem bereits gebrachten Berichte, theilen wir im Nachstehenden über das hiesige Turnfest noch Weiteres den Lesern des An— zeigers mit. Das Fest war von nachstehenden Vereinen besucht: Ansbach, Butzhach, Friedberg, Usingen, Rendel, Wehrheim Wölfersheim, Hausen, Rödelheim, Sachsen— hausen, Bornheim, Bonames, Homburg und Ober⸗-Ursel. Die Zahl der Turner betrug eirea 500. Dem Empfang der mit Jubel einziehenden Turnvereine am Vormittag folgte zunächst die Abhaltung des Turntags. Der Fest⸗ präsident, Lehrer Wagner dahier, eröffnete denselben mit einer Ansprache, in welcher er die Anwesenden auffor— derte, die Stunden der Versammlung recht auszubeuten zum Heile und zur Ehre der Turnerei. Hierauf wurde der erste Gegenstand der Tagesordnung vorgenommen:
Prüfung der vorjährigen Rechnung. Dieselbe wurde ge⸗ prüft und für richtig befunden. In Betreff des Punktes zwei: Uebernahme des nächstjährigen Festes, erklärte sich der Vertreter von Ansbach im Namen des Vereins bereit das Fest, im Falle daß Rendel bis zum 25. August ab— schlägliche Antwort ertheile, zu übernehmen. Der dritte Gegenstand der Tagesordnung betraf den Antrag des Turnvereins Bad-Nauheim dahin lautend: Die entstehen⸗ den gemeinschaftlichen Kosten des Gaues werden in Zu— kunft nicht wie seither gleichmäßig unter die einzelnen Vereine getheilt, sondern nach Maßgabe der Mitglieder— zahl auf dieselben ausgeworfen. Derselbe fand ein— stimmige Annahme, indem die Anwesenden in der früheren gleichmäßigen Vertheilung der Kosten eine Härte gegen die kleineren Vereine erkannten. Da die älteren Statuten des Usgauverbandes den jetzigen Verhältnissen nicht mehr entsprechend erscheinen, so wurde der Vorsitzende beauf— tragt, neue Statuten zu entwerfen und dieselben dem nächsten Turntag vorzulegen. Der Vorsitzende schloß hierauf die Sitzung, indem er den Anwesenden seinen Dank für die Aufmerksamkeit, welche sie den Verhandlungen geschenkt hatten, aussprach. In der am Nachmittag ab⸗ gehaltenen Festrede begrüßte Lehrer Wagner die Festgäste und wies in längerer Rede auf den Nutzen des Turnens hin, denn durch dasselbe werde nicht nur die körperliche Kräftigung und Entwickelung des deutschen Volkes ge⸗ fördert, sondern auch deutsche Sitte, Tugend und Ehre geschützt. Redner warf zum Schlusse noch einen Rück⸗— blick auf die Thätigkeit des Verbandes in den letzten Jahren und gedachte hierbei besonders der Verdienste des leider durch den Tod so früh entrissenen Landtagsabge— ordneten Moritz Kuhl von Butzbach; er bat die Mitglie— der des Usgauverbandes, und besonders die des Vutz⸗ bacher Turnvereins, demselben ein ehrendes Andenken zu bewahren. An dem am zweiten Tage stattgefundenen Ringkampfe betheiligten sich nur acht Turner, trotzdem erforderte derselbe einen Zeitaufwand von zwei Stunden. Daß das Ringen eine unserer anstrengendsten volksthüm—⸗ lichen Uebungen ist, beweist die Thatsache, daß eines unserer tüchtigsten Mitglieder es vorgezogen hatte, sich während des Kampfes zurückzuziehen. Nach heißem Kampfe errang Wilhelm Bieler den ersten und Jakob Fleischhauer den zweiten Preis. Der Festpräsident wies bei der Vertheilung der Preise darauf hin, wie schon bei den alten Griechen und Römern diese volksthümlichen Uebungen eine hervorragende Rolle gespielt hätten und man in neuerer Zeit immer mehr darauf bedacht sei, dieselben wieder zur Einführung zu bringen. Den Schluß des Festes bildete gemüthliches Zusammensein auf dem Festplatze.
h. Schwalheim. Ein hiesiges Mädchen, das außer— ehelich geboren hatte, wurde dieser Tage wegen Verdachts des Kindesmordes verhaftet, jedoch gegen Caution wieder freigelassen, da noch nicht feststeht, daß dasselbe das Kind wirklich ermordet hat.
st. Sö del. von Dorheim, verheiratheter Mann von 34 Jahren, ver⸗ haftet, weil er auf das jährige Kind eines hiesigen Wirthes einen unsittlichen Angriff machte.
J. Burg⸗Gräfenrode, 9. Aug. In dem hiesigen Kalksteinbruche wurde gestern Nachmittag ein junger Mann von 19 Jahren durch herabstürzende Felsmassen erschlagen.
Alzey, 9. Aug. Ein schändliches Verbrechen ist gestern Abend in dem benachbarten Kettenheim verübt worden. Am Nachmittage des gestrigen Tages hatte sich in der Nähe dieses Ortes eine Zigeunerbande gelagert. Abends kamen nun einige Zigeuner und Zigeunerinnen in den Ort und begaben sich dorten in eine Wirthschaft, in welcher sie sich ganz gehörig dem Genusse geistiger Getränke hingaben. Die Mitglieder der Bande wurden hierbei betrunken und es entstand dabei ein Skandal, weil der Wirth nicht dulden wollte, daß der Lärm in seinem Lokal überhand nehme. Es kam in Folge dessen zu einem Streit, bei welcher Gelegenheit ein kaum 19 jähriges Zigeunermädchen ein Dolchmesser aus seinem Kleide zog und dasselbe bis an das Heft dem Wirth ins Herz stieß, so daß der Unglückliche mit einem lauten Aufschrei todt zu Boden stürzte. Der Tumult wurde immer größer und stürzte sich plötzlich die Zigeunerin mit hochgeschwungenem Messer auf die anderen Gäste und stach noch 4 zu Boden, darunter den Vater des ermordeten Wirths. Als die Zigeuner sahen, in welcher Weise das blutdürstige Mitglied ihrer Bande gehaust hatte, eilten sie in ihr Lager, brachen dasselbe schleunigst ab und eilten davon. Sofort wurde von der Gendarmerie ein Wagen requirirt und die Zigeuner, die einen guten Vorsprung hatten, verfolgt. Auf dem Wege nach Flon— heim gelang es, die Bande einzuholen und wurden sämmtliche Mitglieder derselben noch in der Nacht ge— fesselt hierher gebracht.
Allerlei.
P. A. Frankfurt, 9. Aug. Prinz Leopold von England und Prinzessin Vietoria von Hessen nebst Ge⸗ folge besuchten am Samstag Nachmittag die Ausstellung. Vorgestern Abend wurde die künstliche Eisbahn in der Ausstellung den Mitgliedern und Freunden des„Schlitt⸗ schuhelubs“ geöffnet. Kaum waren die Cocosdecken, mit welchen die spiegelglatte Eisfläche bedeckt war, entfernt, so entwickelte sich ein Treiben, welches an die Tage der Blüthe des Seating Rinks erinnerte. Herren und Damen bewegten sich in bunten Reihen durcheinander. Während draußen eine Temperatur von 30 Graden herrschte, be— fand sich im Innern der Halle, welche ringsum und an der Decke durch 3000 Meter Segeltuch ausgeschlagen ist, eine solche von 14—15 Grad. Das Problem, im Hoch—
Am 7. August wurde ein Weißbinder.
sommer auf wirklichem Eis Schlittschuh zu laufen, die
Hände mit Schnee sich waschen zu können, zeigte sich gelöst, und gab die Menge ihren Beifall in einem Hoch auf den Erfinder kund. Nach einer Stunde wurde die Bahn wieder geschlossen, um gestern offieiell bei Ankunft des Kalsers eröffnet zu werden. Kaiser Wilhelm fuhr gestern Morgen nach 9 Uhr von der Post auf der Zeil über die große Eschenheimer Gasse, die Eschersheimer Landstraße und den Grüneburgweg zur Patent⸗ und Musterschutz⸗Ausstellung, woselbst er bei seinem Eintritt durch die Hochs einer großen Menschenmenge begrüßt wurde. Der Präsident des Ausstellungscomites, Direktor Schiele, begrüßte den Kaiser, indem er ihn willkommen hieß. Es folgte ein Rundgang durch die Ausstellung und nahm der Kaiser mit Interesse verschiedene Aus⸗ lagen in- und ausländischer Etablissements eingehend in Augenschein. Er machte verschiedene Einkäufe und sprach sich sehr befriedigt über die Ausstellung aus. Zwei aus Cöln herbeigeeilte Theilhaber der Firma„Stollwerck“ hatten die Ehre, den Kaiser vorgestellt zu werden und eine junge Dame des Hauses, dieselbe, welche bereits auf der Düsseldorfer Ausstellung die hohe Ehre hatte, beiden Majestäten Frühstücks-Choeolade darzubieten, überreichte ein Bouquet, welches huldvollste Entgegennahme fand. Der Kaiser erkannte die Dame sofort wieder— ein Beweis für das vorzügliche Gedächtniß unseres Kaisers— und versuchte die in der Ausstellung fabri⸗ eirten Fürstendesserts.
W. Hausen(bei Frankfurt) 10. Aug. Heute Nacht ist die große Mai'sche Brodfabrik dahier total abgebrannt. Wie das Feuer entstand, ist noch unaufgeklärt.
Berlin, 8. Aug. Eine furchtbare Feuersbrunst wüthete seit gestern Abend in der 7. Stunde und wäh— rend der ganzen vergangenen Nacht auf dem großen Eckgrundstücke Georgenstraße 38 und Universitätsstraße, sowie auf den angrenzenden Grundstücken Georgenstraße 37 und Universitätsstraße 4 und 5. Vorübergehende bemerkten plötzlich aus den Giebeln des erstgenannten Eckhauses, in dem sich das Atelier des Prof. Gropius befindet, dichte Rauchwolken aufsteigen. Es wurde, da das Haus verschlossen, der in Nr. 37 wohnende Portier Bach herbeigerufen. Als derselbe die Hausthür öffnete, schlugen den Eintretenden dichte Rauchwolken entgegen, während gleichzeitig mächtige Flammen aus den Fenstern des ersten Stockwerks loderten. Binnen wenigen Minuten stand das ganze Haus vom Parterre bis zur Dachetage in hellen Frammen und brannte bis auf die Mauern aus.
Schivelbein(Ostpommern). Von hier werden fürchterliche Juden-Cravalle gemeldet.
London, 9. Aug. Gestern fand bei Blackburn (Grafschaft Lancaster) ein Zusammenstoß zweier Eilzüge statt, wobei 5 Personen getödtet und 30 verwundet wurden.
Handel und Verkehr.
Friedberg, 10. August. Wochenmarkt. Butter kostete per Pfd. M. 1.20—1.40., Eter 2 St. 11 Pf.
Friedberg, 9. August. Fruchtbericht. Waizen M. 23.50, Korn M. 19.00, Gerste M. 17.—00., Hafer M. 17. Alle Preise verstehen sich auf 100 Kilo 200 Zollpfd.
Gießen, 9. August. Wochenmarkt. Butter per Pfd. M. 1.10— 1.20, Eiter 1 Stück 6 Pf., 2 Stück 11 Pf., Käse per Stuck 5—11 Pf., Tauben das Paar 60—70 Pf., Hühner per Stück M. 0.80— 1.00, Hahnen ver Stück M. 0.60— 1.00, Enten per Stück M. 1.30— 1.50, Ochsen⸗ fleisch 66 Pf. per Pfund, Kuh- und Rindfleisch 46-50 Pf., Kalbfleisch 40— 00 Pf., Hammelfleisch 60— 70 Pf., Schweinefleisch 64 Pf., neue Kartoffeln 100 Kilo M. 7 bis 8, Zwiebeln per Ctr. M. 8— 10, Weißkraut 100 St. M. 20-45.
Frankfurt, 8. August. Viehmarkt. Angetrieben waren ca. 350 Ochsen und Stiere, 280 Kühe und Rinder, 287 Kälber und 200 Hämmel. Die Preise stellten sich per 100 Pfd. Fleischgewicht: Ochsen 1. Qual. M. 60.— 63., 2. Qual. M. 58.— 60., Kühe und Rinder 1. Qual. M. 55.—57., 2. Qual. M. 48.—50., Kälber 1. Qual. M. 50. 54., 2. Qual. M. 34.— 40., Hämmel 1. Qual. M. 55.—60., 2. Qual. M. 40.— 50. Schweine wurden in letzter Woche 480 Stück eingeführt und mit 62 Pf. per Pfund bezahlt.
Frankfurt, 8. August. Fruchtbericht. Mehl Nr. 1 M. 39.50, Nr. 2 M. 37.50, Nr. 3 M. 32.50, Nr. 4 M. 28.50, Nr. 5 M. 25.50, Roggenmehl%(Berliner Marke) M. 27.50— 28, do. 1.(Berl. Marke) M. 26.50— 00, do. 2.(Berl. Marke) M. 22.00, Weizen, eff. hiesiger, ab Bahnhof hier M. 24.25— 24.50, ab unserer Umgegend M. 23.50— 23.75, do. fremder je nach Qual. M. 22.50—24., Roggen je nach Qual. M. 20 bezahlt, Gerste M. 18.50 bis 19.50, Hafer M. 15.50— 16.25, Kohlsamen M. 27.50 bis 29, Erbsen M. 19.—27., Wicken M. 16.50— 17.50, Linsen M. 20—40, Bohnen, weiße, M. 2325, Rüböl,
detail, M. 64. Die Preise verstehen sich sämmtlich per
200 Pfd. Zollgewicht= 100 Kilo.
Volksbad. Wasserwärme am 9. August: 160 Reaumur. Walter. Briefkasten.
Naxer Herrebst in Frankfurt. Wollen Sie Ihre Mordgeschichte von Homburg nicht lieber im dortlgen Kreisblatte oder im Taunusboten veröffentlichen. Die beiden Blätter können die Wahrheit Ihrer Geschichte doch leichter prüfen, als dies uns von hier aus möglich ist.
Die Redaetion.
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Rüͤc ungen si 1,150 J.
ber 1000 J. 6,100
außer 3000 2300 l. 4%1200 J.


