Ausgabe 
10.11.1881
 
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Wickstadl.

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fuͤhrung des Tabaks-Monopols soll der Tabak, namentlich die geringeren Sorten, nicht theurer verkauft werden, wie er gegenwärtig den Con sumenten geliefert wird. Der jetzige große Ge winn, den die Händler, Agenten, Detaillisten nehmen, soll der Staatskasse zufließen. Nach zu verlässigen Berechnungen soll der Netto-Ertrag von Tabak über 150 Million Mark dem Staate einbringen. Ausland.

Oesterreich-Ungarn. Wien, 7. Nov. Die österreichische Delegation genehmigte das Budget des gemeinsamen obersten Gerichtshofes, des gemeinsamen Finanzministeriums, des Mini steriums des Aeußeren nach den Anträgen des Ausschusses.

DieW. Z. bringt die Ernennung des Grafen von Schönborn zum Statthalter von Mähren.

Pest, 6. Nov. In der heutigen Ausschuß

sitzung der ungarischen Delegation interpellirte Ludwig Karmen den Minister über die Danziger Entrevue, über die italienische Königsreise, über die Donau- und die serbische Eisenbahnfrage. Baron von Kallay sagte: Ueber die Danziger Zusammenkunft habe er keine unmittelbare Kennt niß, weil dort nur die Herrscher von Deutsch land und Rußland sammt ihren Ministern gegen wärtig waren. Dann verliest er die Botschafter berichte von Berlin und Petersburg, aus denen ersichtlich, daß die Zusammenkunft auf Wunsch des Czaren zu Stande kam, sich nicht mit con creten politischen Fragen beschäftigte, vielmehr nur einen friedlichen, conservativen Character hatte, deßhalb zur Befestigung des europäischen Friedens beitrug. Nach der Ansicht des Redners erfolgte dabei weder eine schriftliche noch eine mündliche Festsetzung. Mit Italien stand Oester reich trotz der Irredenta auf freundschaftlichem Fuße. König Humbert bewies dies durch seinen Besuch. Auch hier wurden bestimmte politische Pläne nicht verhandelt. Ueber die serbische Eisen bahn sagte der Minister: Die Pforte gab ihre Bedenken gegen den Ausbau der Linie Salonichi auf, die Oesterreich nur aus Rücksicht auf den Handel verlangte. Frankreich. Paris, 7. Nov. Deputirten⸗ kammer. Der Kriegsminister sagte, die Maß regeln zur Verpflegung der Truppen seien gut getroffen, nichts für die Gesundheit Dienliche versäumt worden. In Folge dieses wurde den Mißgeschicken vorgebeugt, denen die Truppen in Afrika zu oft nur ausgesetzt seien. Zum Be weis verlas er zahlreiche Schriftstücke und wies die gegen ihn wie gegen Generale und Offiziere gerichteten Angriffe zurück. Deroys entgegnete, man greife nicht die Offiziere, sondern die Politik der Regierung an, die Militärverwaltung, welche eine beklagenswerthe Unfähigkeit zeigte. Die Re⸗ gierung möge Kammer und Armee nicht wieder mit ähnlichen Abenteuern compromittiren. 8. Nov. In der heutigen Sitzung warf Clémenceau dem Cabinette vor, es habe die Expedition nach Tunis unternommen, um Privat-Unternehmungen, wie die Eisenbahn von Bona nach Guelma-Eufida, zu unterstützen, nicht wegen der französischen Interessen. Das Cabinet führt den Krieg, in dem es dem Parlament die Wahrheit vorenthielt, die Constitution und die Souveränetät des Volkes verletzte; deßhalb sei eine Untersuchung noͤthig. Ferry wird morgen antworten.

7. Nov. Nachrichten aus Tunis bestä tigen die Unterwerfung zahlreicher Stämme.

Italien. Rom, 7. Nov. Der Jahrestag der Schlacht bei Mentana wurde zu Mailand und Mentana durch patriotische Umzüge gefeiert. Sie verliefen ohne irgend eine Unordnung.

Türkei. Konstantinopel, 8. Nov. Den Bond holders gegenübervertheidigten die türkischen Dele girten die Ansicht, daß die abgetretnen Einkünfte genügten, namentlich das Erträgniß der indirecten Steuern. Bourke und Valfrey bestritten dies und verlangten weitere Concessionen. Darauf boten die türkischen Gesandten die Taxe auf persischen Tabak, Tumecki genannt, bis zur Höhe von 50,000 Pfund unter der Bedingung

an, daß der Ueberschuß dem türkischen Staats schatz zufließe. Die europäischen Gesandten nahmen diese Concessionen an und legten den Plan all gemeiner Liquidation vor. Die türkischen Ge sandten verlangten eine Woche Frist zur Prüfung.

Serbien. Belgrad. Das Gerücht, die Bischöfe wollten wegen Entlassung des Metro politen gleichfalls um ihre Entlassung bitten, ist unrichtig. Durch den Einfluß Garaschanin's sind die durch den Protest des Metropoliten hervorgerufenen Differenzen ausgeglichen. Die von liberaler Seite verbreitete Nachricht von einer Entlassung des Cabinets ist gleichfalls unrichtig.

Rußland. Petersburg. DerFrangais läßt sich von hier melden, daß Fürst Orloff, der russische Botschafter in Paris, demnächst zum Reichskanzler und Minister des Aeußeren ernannt werden soll.

Amerika. Washington. DerStar ver öffentlicht einen Bericht über die Vorgänge in einer Cabinetssitzung, die angeblich nach der Rückkehr der Minister von Vorktown abgehalten wurde. Danach soll Präsident Arthur erklärt haben, die Confe renz sei von ihm einberufen worden, um die Frage der Anklage gegen Guiteau in Erwägung zu ziehen, da er erfahren, daß die Regierung für den Prozeß unvorbereitet sei. Macveagh, der Generalanwalt, soll hierauf eut gegnet haben, er halte es nicht für seine Sache, Criminal- Anklagen seine Aufmerksamkeit zu widmen, dies sei Sache des Districts-Anwalts. Präsident Arthur sagt der Bericht im! Weiteren war sehr aufgeregt und meinte, daß es sich um einen großen Staats-Prozeß gegen den Mörder des höchsten Beamten der Nation handle. Macveagh wiederholte hierauf, daß das Gesetz sein Erscheinen in Criminal Prozessen niemals im Auge gehabt habe, worauf der Präsident entgegnet haben soll, er wurde diejenigen Personen, die als Hilfs-Anwälte fungiren sollen, bezeichnen, falls Macveagh es ablehne, dies zu thun.

In seinem Jahresberichte empfiehlt General Sherman im Interesse des militärischen Dienstes die Vermehrung des Heeres.

Afrika. Tunis, 8. Nov. Bei der Recog noscirung in der Umgebung des Lagers von Tebursuk wurden Aufständische angetroffen, diese jedoch mit leichter Mühe zerstreut. Die Unter werfung aller Aufständischen im Norden der Regentschaft wird demnächst erwartet. General Saint Jean ist in Kairuan eingetroffen. Er traf keine Aufständischen in Djebel Usselet.

Aus Stadt und Land.

J. Friedberg, 8. Nov. Gestern Abend brachte unser Feuerwehreorps seinem verdienstvollen Komman danten G. Hieronimus ein Fackelständchen gelegentlich seines Geburtstages. Wir registriren dieses kleine Er⸗ eigniß einestheils, weil es den kameradschaftlichen Geist kennzeichnet, der dem Corps innewohnt, anderntheils, weil es darthut, daß man wirkliche Verdienste in unserer Stadt zu schätzen weiß und zum Dritten, weil es dar that, daß die Musik des Corps wieder bedeutende Fort schritte gemacht hat, denn die vorgetragenen Pieeen waren vorzüglich exeeutirt.

Kirchgöns. Nächsten Sonntag Vormittag wird unsere neu hergerichtete Kirche dem regelmäßigen Gottes dienste wieder übergeben werden.

Allerlei.

Kassel. Der Mörder des Handelsmannes Rosen berg aus Niedermeißer ist derH. M. zufolge bereits von einem Gensdarm in das hiesige Kreisgerichtsgefäng niß eingeliefert worden. Derselbe, ein Schäfer, soll die That mit einem Hammer verübt haben. Als das Motiv des Verbrechens wird Rache gegen den Erschlagenen an gegeben, der allmählig das Vermögen seines Mörders an sich gebracht haben soll. Weitere Aufklärungen wird die Untersuchung und die Hauptverhandlung ergeben.

Luzern, 2. Nov. Heute Morgen ist der erste direete Zug durch den Gotthardtunnel von Airolo in Göschenen angelangt. Die Fahrt dauerte 50 Minuten. 100 Per⸗ sonen nahmen daran Theil.

Kronstadt, 8. Nov. In Folge des Südwestwindes sind alle Rheden wieder vom Eise frei, die Schifffahrt ungehindert. Fünf Grad Kälte.

Handel und Verkehr. Friedberg, 9. Nov. Wochenmarkt. Butter kostete per Pfd. M. 0.85 0.90, Eter 1 St. große 8 Pf., 2 St.

bis 56., 2.

kleine 15 Pf.

Frtedberg, 7. November. Fruchtbericht. Walzen

M. 24.75, Korn M. 20., Gerste M. 19., Hafer M. 15 bis 17. Alle Preise verstehen sich auf 100 Kilo S200 Zollpfd.

Grünberg, 5. Nov. Walzen M. 24.18, Korn M. 20.30, Gerste M. 16.20, Hafer M. 15.60, Erbsen M. 21.08, Lein M. 28.00, Samen M. 00.00, Kar⸗ toffeln, M. 0.00. Durchschnittspreis pro 100 Kilogramm.

Gießen, 8. Nov. Wochenmarkt. Butter per Pfd. M. 0.951, Eier 1 St. 7 Pf., 2 kleine St. 00 Pf., Käse per Stück 48 Pf., Tauben das Paar 5065 Pf., Hühner per Stück M. 0.80 1.50, Hahnen ver Stück M. 0.60 0.90, Enten per Stück M. 1.50 1.70, Gänse per Pfund 4558 Pf., Ochsenfleisch 6400 Pf. per Pfd., Kuh⸗ und Rindfleisch 4650 Pf., Kalbfleisch 4448 Pf., Hammelfleisch 5060 Pf., Schweinefleisch 62-64 Pf., Kartoffeln 100 Kilo M. 3.00 4.00, Zwiebeln per Ctr. M. 7.8., Weißkraut 100 St. M. 4.50 8.50

Frankfurt, 7. November. Viehmarkt. Angetrieben waren ca. 380 Ochsen und Stiere, 320 Kühe und Rinder, 280 Kälber und 800 Hämmel. Die Preise, 100 Pfd. Fleischgewicht, stellten sich: Ochsen 1. Qualität M. 63 bis 65., 2. Qual. M. 5862., Kühe 1. Qual. M. 54 Qual. M. 4550., Kälber 1. Qual. M. 53 bis 55., 2. Qual. M. 4050., Hämmel 1. Qual. M. 58 bis 60., 2. Qual. M. 3545. Schweine wurden letzter Woche 800 Stück eingeführt und mit 63 00 Pf. das Pfund verkauft.

Frankfurt, 7. Nov. Weizen still, eff. hiesiger und Wetterauer M. 25., fremder M. 25.5075, per diesen Monat M. 24.25. Roggen still, eff. hiesiger M. 21.25, fremder M. 21 21.25, per diesen Monat M. 21. Gerste still, eff. hiesige und Wetterauer M. 18 19.50, fremde M. 18.50 20.50. Hafer still, eff. hiesiger M. 17 bis 17.50, fremder M. 1717.50, per diesen Monat M. 17.25. Oelsaaten still, Rübsen M. 29. Rüböl still, eff. ohne Faß, hiesiges, in Partien von 50 Ctr. M. 32. Brannt⸗ wein still, eff, ohne Faß M. 48. Wetter: Trübe.

Gerichtssaal 3).

Friedberg, 8. Nov. Schöffengericht. In der heutigen Sitzung wurde 1) Ph. Keil von Melbach, an⸗ geklagt wegen Thierquälerei, freigesprochen; 2) F. Ph. Weitz 11. Ehefrau von Dorn-Assenheim, angeklagt wegen Beleidigung, zu M. 3. Strafe verurtheilt.

Butzbach. Nächsten Freitag den 11. Nov., Vor⸗ mittags 9 Uhr, findet eine Schöffengerichtssitzung statt. Zur Verhandlung gelangen folgende Klagesachen: 1) Daniel Leister von Rockenberg gegen Peter Dietz daselbst wegen Beleidigung; 2) Adam Jäger Ir. Ehefrau von Holzheim gegen Joh. Klee von da wegen Beleidigung; 3) Jonas Schwarz in Nieder-Weisel gegen Joh. Gg. Klippel Lr.

daselbst wegen Beleidigung; 4) Joh. Gg. Schimpf Ar.

in Nieder-Weisel gegen Jae. Haub 12r. von da wegen Beleidigung.

*) Unter obiger Rubrik werden wir, vielseitig ge⸗ äußerten Wünschen entsprechend, in Zukunft die hiesigen Schöffengerichtsverhandlungen, sowie diejenigen der be nachbarten Amtsgerichte, soweit uns dieselben zugänglich sind, bringen. Die Redaetion.

Kunstnotiz.

Der rühmlichst bekannte Rhetor Karl Alberti aus Darmstadt, wird hier in nächster Zeit eineFaustreei⸗ tation halten, worauf wir alle Kunstfreunde aufmerk⸗ sam machen, da genannter Künstler, von früher her hier vortheilhaft bekannt, anerkannt Tüchtiges leistet und alle Kritiken sich gleichgünstig über seinen Vortrag aussprachen. Alberti war jahrelang Mitglied der besseren, deutschen Bühnen und mußte in Folge eines Nervenleidens der dramatischen darstellenden Kunst entsagen.

Geld- Cours.

Frankfurt am 8. November 1881.

20⸗Frankenstü cke M. 16 1620

do. in% e ee Englische Sovereign s% é;Eh20 3237 Russische Imperiales. U 16 68 73 Ducat enn,

1 al maredp ß ß Dollars in Gold» 4 2125

* Aufgebot. 3479 Henriette, verehelichte Wiltheiß, geb. Hubner, Elisabetha Hübner und Katharina Hübner von Ober Florstadt, sämmtlich unbekannt wo? abwesend, eventuell deren Leibeserben, haben spätestens im Termin Mittwoch, 30. November l. J., Vormittags 9 Uhr, ihre Rechte an den geringen Nachlaß ihrer zu Venedig verstorbenen Schwester Marie Hübner bei unterzeichneter Gerichtsstelle anzumelden, als sonst der Nachlaß den Antragstellern Georg und Heinrich Carl Hübner von Florstadt über wiesen werde. Friedberg am 6. October 1881. Großherzogliches Amtsgericht Friedberg. Herzberger. Hohenstein, Hülfs Gerichtsschreiber.

r 1 Faselochs-Versteigerung. 3763 Freitag den 11. d. Mts., Nachmittags 3 Uhr, soll ein der hiesigen Gemeinde gehöriger, sehr fetter und junger Faselochs auf dem Rathhause daher meistbietend

versteigert werden. Petterweil den 3. November 1881. Großherzogliche Bürgermeisterel Petterweil. Berges.

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