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ö** 1 Deutsches Reich.
Darmstadt, 8. Maͤrz. Der Großherzog und die Prinzen Heinrich, Wilhelm und Alexander begeben sich morgen nach Rumpenheim, um der Beisetzung der Leiche des Prinzen Georg bei— zuwohnen. 3 2
— Der Forstamts-Assistent Dr. Schwappach in Würzburg wurde zum außerord. Professor in Gießen und der Director der staͤdtischen Samm lungen Dr. Ludwig in Bremen, zum ord. Pro— fessor fuͤr das Fach der Zoologie und vergleichen— den Anatomie in Gießen ernannt.
Berlin, 8. März. Die Budgetcommission berieth heute das gesammte Extraordinarium des Militär⸗Etats durch und setzte dabei im Ganzen 900,000 M. ab, darunter die Position fur den Bau einer neuen Artillerie-Caserne in Schwerin. Ein Antrag von Frankenberg, die Beiträge für Neubauten und Erwerbung von Schießplätzen auf die Anleihe zu übernehmen, wurde abgelehnt. Die Budgetcomnassion beendete ferner die Berath— ung des Marineetats. Sie lehnte den Bau der Corvette E mit 12 gegen 12 Stimmen, sowie die Wiederherstellung der Corvette„Nymphe“ mit 15 gegen 10 Stimmen ab. Bezüglich des Nordsee— Ostsee⸗Canals erklärte auf Befragen Minister v. Stosch: Die Regierung bringe dem Projecte ihre vollen Sympathien entgegen. Auch Feld— marschall Graf Moltke habe seine frühere ab— lehnende Stellung wesentlich modificirt. Zu einer Vorlage für den Reichstag sei das Project aber noch nicht genügend vorbereitet. Die Hebung des„Großer Kurfürst“ habe die Marine-Ver— waltung eigentlich niemals für möglich gehalten. Die Geschütze und die anderen losen Gegenstände desselben seien geborgen.
— 8. März. Im Reichstage fand heute die erste Berathung der Vorlage über zweijährige Etatsperioden und vierjährige Legislaturperioden, sowie des Antrages Rickert, das Reichs-Etats— Gesetz vor den Etatsgesetzen der Einzelstaaten festzustellen, statt. v. Bennigsen spricht im Namen der National- Liberalen gegen die Vorlage. v. Marschall erklärt sich im Namen der Conser— vativen aus Gründen objectiver Zweckmäßigkeit für die Vorlage. Reichensperger(Olpe) meint, bei zweijährigen Etatsperioden würden Nach— tragsetats noch häufiger wiederkehren, als bisher. Minister v. Bötticher erklärte, eine politische Bedeutung habe die Vorlage nicht. Die Oppor— tunität derselben sei aber durch die Erfahrungen der letzten Jahre eher bestätigt als erschüttert. Stumm plaidirt für die Vorlage, Lasker be— kämpft den Entwurf.
München, 8. März. Die Kammer der Abgeordneten nahm den Gesetzentwurf über die Wahlreform in General- und Specialdebatte mit 147 gegen 1 Stimme an.
Ausland.
Frankreich. Paris, 6. März. Gambetta besuchte heute den Präsidenten Grevy und hatte mit demselben eine Conferenz, die anderthalb Stunden währte und deren Gegenstand die Frage des Listenserutiniums gewesen sein soll. Gerüchte über eine Ministerkrise werden formell dementirt. Wie versichert wird, sind Grevy und Gambetta dahin übereingekommen, daß das Cabinet nicht bei der Berathung über den Antrag Bardoux interveniren solle. Jeder Minister solle die Frei— heit seines Votums behalten. Die Freiheit der Kammer würde somit gewahrt werden.
— Einer Meldung der„Agence Havas“ aus Algier zufolge sind die Pourparlers über Regel— ung der tunesischen Grenzangelegenheit suspen— dirt, weil der tunesische Delegirte ungenügende Justructionen zu haben vorschützt. Der fran— zösische Commandant stellte vor seiner Rückkehr nach Soukharas die Beträge der französischen Entschädigungsforderungen und die Daten der von tunesischen Stämmen unternommenen Raub— züge, deren häufige Wiederholung die beklagens— werthe Lage an der algerisch-tunesischen Grenze beweise, in detaillirter Weise fest.
— 8. März. Die Kammer der Deputirten zog heute den Gesetzentwurf, betr. die Durch—
bohrung des Simplon, in Erwägung.— Der Senat genehmigte den Zoll von 6 Frs. für Weine und von 30 Frs. für Alkohol. Jules Ferry erklärte in der Commission für die Vor— berathung des Listenserutiniums, die Regierung werde bei der Berathung nicht interveniren und nicht die Cabinetsfrage stellen.
Großbritannien. London. Die Regier— ungsbehörde in Irland beschloß, Dillon zu ver— haften, weil er in einer jüngst auf einem Land— meeting gehaltenen Rede den Paͤchtern empfohlen hat, jeden, der gegen die Landliga sei, mit dem socialen Bann zu belegen. In der Grafschaft Westmeath wurde wieder ein agrarischer Mord verübt.
— 7. März.„Daily News“ meldet aus Newceastle von gestern: Zwischen dem General Wood und dem Führer der Boers, Joubert, fand eine Unterredung statt, und wurde ein von heute bis 14. März dauernder Waffenstillstand abgeschlossen. Den Boers ist in der Ueberein— kunft gestattet, an den von ihnen besetzten Punkten acht Tage lang Proviantvorräthe zu empfangen. Die Boers beharren auf der Forderung ihrer Unabhängigkeit und Amnestirung aller Führer.
— 8. März. Unterhaus. Stanhope kündigt eine Motion an, in der gesagt werde, daß es Ansicht des Hauses sei, der Rückzug aus Süd— Afghanistan im jetzigen kritischen Zustande Af— ghanistans fördere nicht die wahren, permanenten Interessen Indiens. Arnold und Gordon kündigen an, daß sie dagegen ein Vertrauensvotum bean— tragen werden.— Das Haus beginnt hiernächst die Einzelberathung der irischen Waffenbill.
Türkei. Constantinopel, 7 März. Gestern fand bei dem englischen Botschafter Göschen die erste Sitzung in der türkisch-griechischen Grenz— frage statt. In der Versammlung hat keine Berathung stattgefunden, weil Server Pascha gleich nach Eröffnung der Sitzung in's Palais berufen wurde.
Amerika. Newyork. Die Handelskammern in Chicago, Indianapolis und Cincinnati haben eine Erklärung beschlossen, welche das Vorhanden— sein einer epidemischen Seuche unter den Schweinen in Ohio und den westlichen Staaten bestreitet und die gegentheiligen in Europa aufgetauchten Ge— rüchte für unbegründet bezeichnet.
Aus Stadt und Land.
st. Friedberg. Unser Frühjahrspferdemarkt hatte im Hinblick auf die schlechten Zeit- und Witterungsver⸗ hältnisse ein ganz befriedigendes Resultat geliefert. Wenn auch durch die schlechte Witterung die Käufer aus weiterer Umgebung nicht so zahlreich sich eingefunden hatten, so stellte die Wetterau ein um so größeres Contingent, und wenn einer oder der andere Pferdehändler nicht ganz zufrieden den Markt verließ, so war es ganz gewiß nicht der Mangel an Käufern, sondern die unverhältnißmäßig hohen Preise, welche von diesen Herren gefordert wurden und dadurch einen Geschäftsabschluß unmöglich machten. Soviel steht fest und hat sich auch diesmal wieder ge— zeigt, daß alle die Händler, welche gute Arbeitspferde preiswürdig offeriren konnten, ein gutes Geschäft machten, besser als sie es nach ihrer eigenen Aussage kaum er⸗ wartet hatten. Es waren aufgefahren von Pferdehänd— lern 128 Stück, von einzelnen Verkäufern 87 Stück. Verkauft wurden von den Pferdehändlern 46. Auf dem Markt selbst wurden, soviel uns bekannt geworden, cirea 24 Pferde verkauft oder vertauscht. Es ist eben sehr zu beklagen, daß, obgleich das Comite schon vor Anbeginn der Märkte angeordnet hat, daß die Verkaufs⸗ protokolle unentgeltlich abgeschlossen werden und ein Ortsgerichtsmann zu diesem Zwecke in der Nähe des Marktes(bei Hofbierbrauer J. Burck) sein Bureau auf— geschlagen hat, trotzdem von der eben so zweckmäßigen, als für beide Theile nothwendigen Einrichtung so wenig Gebrauch gemacht wird. Dle Loose hatten diesmal einen sehr raschen Abgang gefunden. Die Ankaufseommission hatte wie gewöhnlich auch diesmal wieder die vom Ministerium vorgeschriebene Summe für die Gewinngegen— stände überschritten, so daß anstatt 6000, 6386 M. zur Verloosung kamen.
Berichtigung. Der jüngst erschienene„Oberh. Anzeiger“ brachte in Bezug des in meinem Stalle vor— gekommenen Falles eine mit b. bezeichnete Mittheilung, die den Sachverhalt in irriger Weise dargestellt hat; ich sehe mich deßhalb veranlaßt, Folgendes zu dessen Richtig— stellung zu bemerken: Nicht von Donnerstag auf Freitag wurde das Pferd eines Händlers aus dem Vogelsberg in meinem Stalle eingestellt, sondern am Samstagmorgen in der Frühe zwischen 4—5 Uhr und nach einer Stunde schon, nachdem der Eigenthümer solches mit dem mit— gebrachten Futter gefüttert hatte, lag es todt im Stalle, während noch 5 andere Pferde in demselben Stalle
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tanden, die gerade so munter und gesund aus denselbe von den Eigenthümern einige Stunden später wie
herausgeholt, wie sie in denselben eingestellt wurden.
Die Todesursache des erepirten Pferdes, das alsbald durch den Wasenmeister abgeholt wurde, hat der Arzt
als eine Zersprengung des Zwerchfelles erklärt. An
demselben Samstag, Abends gegen 7 Uhr, kam der Gräflich
Solms-Laubach'sche Fuhrmann mit seinen zwei Pferden,
die er in denselben Stall eingestellt hatte und nachdem
er solchen das mitgebrachte Futter vorgelegt, kam er in 4 I
meine Gaststube, woselbst er bis zum Schlafengehen ver— weilte. Als er am Morgen in den Stall kam, lagen seine beiden Pferde todt in demselben. Ob dieser Gräfliche Fuhrmann nun, der den Weg von Wiesbaden hlerher von Samstag früh bis Abends 7 Uhr bei dem fast den ganzen Tag anhaltenden Regen zurückgelegt hatte, lang— sam gefahren ist, weiß ich nicht und der b.-Einsender wird es wohl auch nicht wissen, weil er ebensowenig wie ich der Begleiter des Gräflichen Fuhrmannes war. Ob der Letztere dle gehörige Vorsicht gewahrt hat, die ein Fuhrmann bei der Fütterung seiner Pferde, die in einem fremden Stalle eingestellt sind, einzuhalten pflegt, diese Erörterung will ich hier ersparen. Ueber die Todes— ursache der beiden Pferde, die durch Seetion derselben klargestellt werden soll, kann ich vorerst nichts Näheres angeben. Das in dem Annoneentheil folgende Zeugniß
des Großh. Kreisveterinärarztes Dr. Gebb dahier legt klar, daß in meinem Stalle eine ansteckende Krank⸗
heit nicht existirt.
Friedberg den 9. März 1881. Heinrich Waltz.
(Hierzu haben wir zu bemerken, daß in dem betr. Artikel nur von einer seit dem Pferdemarkt nicht benutzten Krippe die Rede war und nirgends behauptet worden ist, daß in dem Stalle eine ansteckende Krankheit existire, daß sogar ausdrücklich hervorgehoben wurde, daß Herrn Waltz gar keine Schuld treffe. Die Red.)
Mainz, 7. März. Vergangene Nacht und heute Vormittag wurden von der Poltzei sechs Knaben im Alter von 12—15 Jahren, welche im Laufe des gestrigen Tages nicht weniger als 4 schwere Einbrüche verübt hatten, verhaftet. Die jugendliche Räuberbande, deren einzelne Mitglieder bereits so verkommen sind, daß sie in den letzten 2 Jahren eirea 15—20 Einbrüche und Diebstähle verübt haben, sind bei ihren einzelnen Ver— brechen so geschickt zu Werke gegangen, daß ihre Thaten einem ergrauten Spitzbuben alle Ehre machen würden. Nur dem Umstande, daß wir gestern Regenwetter hatten, ist es zu verdanken, daß die Einbrecher ermittelt wurden; die Diebe sind nämlich in zwei Fällen mit ihrer nassen Fußbekleidung auf Polstermöbel gestiegen und diese Fuß— abdrücke führten auf die Spur der Thäter.
Allerlei. Aus Beckrath vom 1. d. berichtet man:
Bonn.
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Gestern Abend wurde hier, kurz vor Beginn der Dämmer-
ung, eine Erderschütterung von ganz bedeutender Stärke
verspürt. Dieselbe war so stark, daß man in vielen Häusern meinte, es muͤsse oben im Hause ein schwerer Gegenstand, ein Gewicht oder sonst etwas umgestürzt oder herabgefallen sein. schiedenen Stellen auf, und die ruhig stehenden Webstühle machten sich durch Rappeln bemerkbar.— Aus Wickrath⸗ berg vom 1. d. wird berichtet: Gestern Abend gegen 6 Uhr 4 Min. wurde hier ein starker Erdstoß verspürt, welcher einige Seeunden anhielt. Die Richtung desselben war von Westen nach Osten.— Aus Erkelenz vom 1. d. schreibt man: Mehrere gewaltige Erdstöße, welche einige Secunden andauerten, erschreckten gestern Abend 6 Uhr die Bewohner der Stadt und gaben dem tollen Fast⸗ nachtstrubel selbst einen Stoß, von dem er sich nicht ganz erholte.— Aus Wanlo wird mitgetheilt: Am 28. Februar, Abends 6 Uhr, wollen mehrere Personen ein Erdbeben verspürt haben. dauerte 7 bis 10 Seeunden.
Caub, 5. März. Ein neuer Bergrutsch ist nach dem „Rh. K.“ in Sicht. Seit einigen Tagen zeigt sich hinter den Häusern am unteren Theile der Stadt in den Wein⸗ bergen eine Bewegung, welche sich über eine Fläche von 100-300 m. Länge und 30 m. Breite erstreckt. Viele Weinbergsmauern sind geborsten und im Rutschen be— griffen und einzelne Häuser jetzt schon nach dem Rheine vorgerückt.
Agram, 4. März. Soeben, 12 Uhr Mittag, erfolgte wieder ein kurzer, aber heftiger Erdstoß. Die letzten Tage waren überhaupt sehr unruhig; es kamen wieder⸗ holte Erderschütterungen, meist von unterirdischem Getöse begleitet, vor. Auch Berichte aus dem Agramer Gebirge melden wieder heftigere Convulsionen im Erdinnern.
Neapel. In Casamiceiola soll ein zweiter Erdstoß stattgefunden haben, wodurch alle versehrten Häuser vollends einstürzten. Bis jetzt seien 140 Todte und 177 Verwundete gefunden worden.
Handel und Verkehr. Friedberg, 8. März. Fruchtbericht. Waizen M. 22.75,
Korn M. 21, Gerste M. 16— 17, Hafer M. 13. Alle Preise
verstehen sich auf 100 Kilo 200— Zollpfund.
Friedberg, 9. März. Wochenmarkt. Butter kostete per
Pfd. M. 1— 1.10, Eier per St. 5—0 Pf.
Gießen, 8. März. Wochenmarkt. Butter per Pfd. M. 0.95— 1.00, Eier 1 Stück 4—5 Pf., Käse per Stück 5—9 Pf., Tauben das Paar M. 0.80—1., Hühner per St. M. 1.70— 2.00, Hahnen per Stück M. 2.00— 2.50, Enten per Stück M. 2.50— 3.00, Ochsenfleisch 66 Pf. per Pfd., Kuh- und Rindfleisch 48— 50 Pf., Kalbfleisch 40 bis 44 Pf., Hammelfleisch 60—66 Pf., Schweinefleisch 68 Pf., n 100 Kilo M. 4.50—5, Zwiebeln
per Ct. g
Die Thüren sprangen an ver⸗ 9
Distrit
Vonta
Der wellenförmige Stoß 5


