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zu Gunsten des Schiedsgerichts machten. 32,000 Reservisten und Nationalgardisten im Alter von 30 bis 40 Jahren sollen einberufen werden.
Amerika. Newyork. Die„Railrod Gaz.“ theilt mit, daß waͤhrend des verflossenen Jahres 7000 Meilen Eisenbahnen in den Unionsstaaten vollendet wurden, 2400 Meilen mehr, als im Vorjahr. Die Lage aller Linien sei günstig, der Fracht⸗ und Passagier⸗ Verkehr bedeutend größer als jemals.
Aus Stadt und Land.
S. Friedberg, 4. Jan. In der gestern stattge— habten öffentlichen Sitzung des Gemeinderathes wurde das neu in den Gemeinderath eingetretene Mitglied C. Philippi von dem Bürgermeister verpflichtet und in sein Amt eingeführt, die wledergewählten Mitglieder wurden auf ihre frühere Verpflichtung verwiesen. Es fand darauf die Wahl der Commissionen für 1881 statt und wurden in die Baucommission die Gemeinderäthe Pfeffer, Hieronymus und Ruths, in die Einquatirungs⸗ commission die Gemeinderäthe Huber, Koob und Beige— ordneter Fr. Reuß, in die Finanzeommission die Gemeinde⸗ räthe E. Hirsch, Hecht und Beigeordneter Steinhäußer, in die Landwirtbeommission die Gemeinderäthe C. Reuß, G. Falck, E. Philippi und Beigeordneter Fr. Reuß, in die Markteommission die Gemeinderäthe Huber, Waas, Pfeffer, Beigeordneter Steinhäußer und Kaufmann Fertsch, in die Friedhofscommission die Gemeinderäthe Pfeffer, Hieronymus und Ruths gewählt. Der Bürgermeister gab darauf der Versammlung Kenntniß von einer schrift— lichen Benachrichtigung des Comites der projektirten Sekundärbahn Gruͤnberg- Friedberg, wonach in der am 24. December 1880 in Hungen abgebaltenen Sitzung ein— stimmig der Beschluß gefaßt wurde, den verbliebenen Kassenrest mit 369 M. den Ingenieuren Paulsen und Ruppel für ihre Vermessungs arbeiten zuzuweisen. Eine Zuschrift des am 18. v. Mts. in Wölfersheim stattgehabten Land— wirthschaftlichen Kränzchens, worin der Stadtvorstand ersucht wird, das Auftriebgeld bei den Schweinemärkten aufzuheben und letztere außerhalb der Stadt zu verlegen, wurde verlesen und beschlossen, darauf nicht einzugehen. Die städtischen Arbeiten für 1881 und das 1. Viertel⸗ jahr 1882 wurden nach den Submissions⸗ und Versteiger⸗ ungsbedingungen vergeben. Auf eine weitere Eingabe des Chr. Eich betreffend fernere Ueberlassung der Fischerei in der Usa wurde der frühere Beschluß, die städtischen Fischereien demnächst öffentlich zu verpachten, aufrecht erhalten. Dem H. Dönges III. in Ockstadt wurde der Pacht für ein Grundstück, auf dem er wegen der Zu⸗ sammenlegungs⸗Arbeiten ein Jahr lang keine Erndte ge⸗ habt hatte, nachgelassen. Auf eine Mittheilung des Gr. Kreis amtes betr. Errichtung eines Schlachthauses erklärte sich der Gemeinderath gegen eine solche Anlage, da nach den hiesigen Verhältnissen keine Nothwendigkeit dazu vor⸗ liege. Da das Geländer um den städtischen Steinbruch schadhaft geworden ist, soll dieses entfernt und der Stein— bruch geschleift werden.
Romrod. In der Nacht vom 29. auf den 30 Dee. 1880 brannten das Wohnhaus sammt angebauter Scheuer und Stallungen des Glasers Merkel nieder. Die Familie vermochte nur das nackte Leben zu retten.
Mainz, 31. Dec. 1880. Heute Morgen, kurz vor dem Eintreffen des Alzeyer Frühzugs fand auf der Strecke Mainz⸗Alzey, zwischen den Stationen Marienborn und Klein⸗Winternheim eine bedeutende Rutschung des Bahn— dammes statt. Da die beiderseitigen Züge rechtzeitig be⸗ nachrichtigt waren, kam kein Zug in Gefahr, doch mußte sofort sowohl der Personen⸗ wie Güter⸗Verkehr einge⸗ stellt werden.
Allerlei.
Stuttgart, 31. Dez. 1880. Ein tragischer Vor⸗ gang spielte sich heute bei der Beerdigung des Polytech⸗ nikers, Studiosus Huber, ab, der sich aus unglück⸗ licher Liebe zu einer hiesigen Nätherin vergiftet hatte. Das Mädchen wohnte der Beerdigung bei und nahm während der Rede des Geistlichen am offenen Grabe ebenfalls Gift, dessen tödtliche Wirkung sofort eintrat.
Melsungen. Ein gräßliches Verbrechen ist in der Nacht vom 26. zum 27. Dez. 1880 in Beiseförth bei Melsungen verübt worden. Im Blum'schen Gasthause war Tanzmusik und während einer Pause stand die Tochter des Kaufmanns B. am geschlossenen Fenster, als plötzlich vor dem Hause ein Schuß fiel und das blühende junge Mädchen von der tödtlichen Kugel getroffen ent⸗ seelt zu Boden stürzte. Der Mörder muß, nach der Wunde zu urtheilen, den Schuß aus einer Jagdflinte,
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gegeben haben. Den Antrieb zu der gräßlichen Frevel that hat, wie man allgemein annimmt, Eifersucht gegeben. Die Untersuchung ist im Gange, und es wird hoffentlich gelingen, den Mörder zu ermitteln.
Haag. Der Provinzialgerichtshof von Südholland hat den Mörder de Jong, welcher den dreizehnjährigen Knaben Bonghardt in die Dünen bei Schweveningen ge⸗ lockt und dort erstochen hat, zu lebenslänglicher Zucht⸗ hausstrafe verurtheilt. Bremen, 3. Jan. Heute Nacht ist ein Theil des Weserbahnhofes, da das Bollwerk durch Hochwasser be— schädigt war, in die Weser gestürzt. Verluste an Menschen⸗ leben sind nicht zu beklagen.
Paris, 2. Jan. Der Revolutionär Blanqui ist gestern Abend gestorben.
Was ist's mit den Pfennigsparkassen? Fritz: Da hab' ich kürzlich von den Pfennigsparkassen in Darmstadt gehört. Das wird gewiß auch so ein Schwindel der Neuzeit sein, bei dem die Leute um ihr Geld gebracht werden. ö Wilhelm: Ganz und gar nicht. Sondern die Leute sollen dadurch erst recht zu ihrem Geld kommen. Fritz: Wie so denn?
Wilhelm: Das zeigt doch die Erfahrung: Wer fleißig ist, verdient Geld. Aber bei Vielen heißt's bald:„Wie gewonnen, so zerronnen!“ Wenn man das Geld gerade am nothwendigsten braucht, ist's fort. Da ist's eine Hauptkunst, immer dann Geld zu haben, wenn's am nöthigsten ist.
Fritz: Du sprichst sehr weise. Wie kann man das aber? Wilhelm: Das ist einfach. Man muß sparen und sich an's rechte Sparen gewöhnen. Wie schon das Sprichwort sagt:„Mit Vielem hält man Haus, mit Wenigem kommt man aus.“ Was der Fleiß erwirbt, muß die Sparsamkeit zusammenhalten.
Fritz: Ja, wenn man immer so viel hätte, daß man's auf die Sparkasse thun könnte! Das können die Reichen, aber nicht wir geringen Leute. Von meinem Wochenlohn hätte ich höchstens ein Paar Pfennige übrig.
Wilhelm: Gut, die Paar Pfennige muß Du sparen, wenn Du es zu Etwas bringen willst.
Fritz: Du treibst Scherz! Wer kann mit ein Paar Pfennigen zu Etwas kommen?
Wilhelm: So? Hast Du nie gehört:„Wer den Pfennig nicht will achten, wird umsonst nach Thalern trachten.“ Man muß klein anfangen, dann kann man's zu Etwas bringen.
Fritz: Ja, was wird's werden, wenn ich in der Woche 10 Pf. übrig behalte und zurücklegen wollte!
Wilhelm: Was es werden wird? Das will ich Dir gleich sagen. Im Jahre sind's schon über 5 Mark und mit den Zinsen macht's in 5 Jahren: 26 Mark 24 Pf.
Fritz: Ist das wahr?
Wilhelm: Du kannst ja rechnen; rechne es nach.— Aber daran fehlt's, man rechnet nicht genug, was Kleinig⸗ keiten ausmachen in der Welt. Höre, weiter: Legst Du alle Woche 10 Pf. zurück, so macht das in 10 Jahren: 58 Mark 16 Pf. und in 15 Jahren gar 97 Mark, in 20 Jahren: 144 Mark 20 Pf.
Fritz: Das ist ja erstaunlich viel! Das wär' schon werth, daß man die 10 Pf. sparte. Da ließe ich mir lieber Etwas abgehen und legte es zurück. Da hat man dann doch einen Nothpfennig, wenn man krank wird.
Wilhelm: Ja, oder wenn der Bub? oder das Mädchen confirmirt wird, oder wenn man ein Kind ausstatten soll.
Fritz: Ich hab' auch, ich will Dir's gestehen, früher schon einmal angefangen, von meinem Wochenlohn Etwas zurückzulegen, aber nachher ist's doch wieder verbraucht worden.
Wilhelm: Siehst Du, gerade dazu sind die Spar⸗ kassen da, daß sie das gesparte Geld gut aufheben. Wer's in der Hand behält, verbraucht's leicht wieder. Dagegen in der Sparkasse vermehrt es sich.
Fritz: Da will ich doch wieder einmal anfangen; 50 oder 100 Mark bereit daliegen zu haben, ist doch eine schöne Sache. Es macht mir schon ordentlich Freude, wenn ich nur daran denke, wie leicht man dazu kommen kann.— Von jetzt an lege ich 10 Pf. und wenn ich mehr kann, auch mehr zurück,— lieber trink ich einmal statt 2 Schoppen nur einen oder gar keinen und wenn ich 1 Mark zusammen hab', trag' ich's auf die Sparkasse.
Wilhelm: Du kannst schon früher anfangen, es gut aufzuheben. Unsere Sparkasse nimmt freilich im geringsten Fall 1 Mark an. Aber wo eine Pfennigsparkasse ist, da werden schon 5 Pf. angenommen.
Fritz: Da ist das Sparen ja viel leichter!
Wilhelm: Ja, eben darum sind auch die Pfennig— sparkassen in Darmstadt eingerichtet, daß es den Leuten recht bequem gemacht sei, auch mit ein Paar Pfennigen zu Etwas zu kommen.
Wilhelm:
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3* e 10. Freilich. Für etwas so Gutes, g großen Sparkassen es sind. Wenn noch 15 0 10⁰ oder 20 Jahre in's Land gegangen sind, wird man sie in den meisten Dörfern haben, ebensogut, wie jetzt in jedem Kreis eine oder mehrere große Sparkassen find. Fritz: Hängen denn die großen und die kleinen Spar- kassen zusammen?. Wilhelm: Gewiß! In Darmstadt liefern die Pfennig⸗ sparkassen ihre Einlagen allemal an die städtische Spar⸗ kasse ab und vom nächsten Monat an werden sie dort verzinst.— Wer in die Pfennigsparkasse einlegt, erhält von dieser ein Büchelchen, in das auch die weiteren Einlagen eingetragen werden. Sobald die Einlage eines Pfennigsparbüchleins 1 Mark erreicht, wird sie in der städtischen Sparkasse auf den Namen des Einlegers ein⸗ getragen und verzinst. Ein Büchlein der städtischen Spar⸗ kasse wird dann auch dem Einleger behaͤndigt, der also stets selbst seine Einlagen überwachen kann. Fritz: Das ist schön. Da ist das Geld doch auch sicher, wenn's in der großen Sparkasse liegt.— Aber, Du hast mir noch nicht gesagt, was die Sache kostet? Wilhelm: Wie Du fragt; Kostet Dich's denn Etwas, wenn Du in unsere Friedberger Sparkasse einlegst? Das kostet Nicht's und bringt nur Vortheil und gerade die großen Sparkassen, die so viel für gemeinnützige Dinge thun, werden gern die Mühe und Auslagen über⸗
treten können. Es ist ja nur ihre Mühle, die dann in vielen Orten klappert. Manche haben ja bisher schon Agenten in größeren Dörfern, die die Einlagen besorgen. Diese Pfennigsparkassen sind auch solche Agenten; sie ubernehmen auch vom Geringsten, was er ersparen kann. — uebrigens kann ein Ortsvorstand nicht besser für die Gemeinde sorgen und die leidigen Armenunterstütz⸗ ungen in vielen Fallen zum Voraus verhüten, wenn er die geringen Auslagen, die die Gründung einer Pfennig⸗ sparkasse kostet, aus der Gemeindekasse nimmt. Sie machen sich nachher durch Sparsamkeit, Ordnung und Wohl⸗ stand der Orts bürger reichlich bezahlt.(Schluß folgt.)
Handel und Verkehr.
Fried berg, 4. Jan. Fruchtbericht. Waizen M. 22.00, Korn M. 21.00, Gerste M. 16., Hafer M. 13. Alle Preise verstehen sich auf 100 Kilo= 200 Zollpfund.
Friedberg, 5. Jan. Wochenmarkt. Butter kostete per Pfd. M. 0.90— 1.00, Eier per St. 6 Pf., 2 St. 13 Pf.
Gießen, 4. Jan. Wochenmarkt. Butter per Pfd. M. 0.95— 1.15, Eier 1 Stück 7 Pf., 2 Stück 13 Pf., Käse per Stück 4 10 Pf., Tauben das Paar 75— 100 Pf., Hühner per Stück M. 1.50— 1.75, Hahnen per Stück M. 1.00— 1.75, Gänse per Pfd. 55— 66 Pf., Enten per Stück M. 2.00— 2.50, Ochsenfleisch 66 Pf. per Pfd., Kuh⸗ und Rindfleisch 45—50 Pf., Kalbfleisch 45—50 Pf., Hammelfleisch 5066 Pf., Schweinefleisch 64—68 Pf., Kartoffeln per 100 Kilo M. 4.00—0.00, Zwiebeln per Ctr. M. 9.—10., Weißkraut 100 Stück M. 4.— 5.
Frankfurt, 3. Jan. Fruchtbericht. Mehl Nr. 1 M. 39., Nr. 2 M. 37., Nr. 3 M. 32., Nr. 4 M. 28., Nr. 5 M. 25., Roggenmehl/(Berl. Marke) M. 30.5031, do. 1.(Berl. Marke) M. 29., do. 2.(Berl. Marke) M. 24., Weizen, eff. hies., ab Bahnhof hier M. 22.25— 75, ab unserer Umgegend M. 22.—25., do. fremder je nach Qual. M. 22.25— 75., Roggen je nach Qual. M. 21.25— 50, Gerste M. 16.75—18., Hafer M. 13.50— 14.50, Kohlsamen
Linsen M. 20.—40., Bohnen, weiße, M. 23.— 25. Rüböl, detall M. 64. Die Preise verstehen sich sämmtlich per 200 Pfd. Zollgewicht= 100 Kilo.
Frankfurt, 3. Jan. Viehmarkt. Angetrieben waren ca. 360 Ochsen, 260 Kühe und Rinder, 220 Kälber und 400 Hämmel. Die Preise für 100 Pfund Schlacht⸗ gewicht stellten sich: Ochsen 1. Qual. M. 69.— 70., 2. Qual. M. 64.— 66., Kühe 1. Qual. M. 56.—58., 2. Qual. M. 48.—50., Kälber 1. Qual. M. 58.—60., 2. Qual. M. 50.—52., Hämmel 1. Qual. M. 54.—55.,
2. Qual. M. 40.— 50. Schweine wurden verflossene Woche 658 verkauft, das Pfund 66 Pf. Geld⸗ Cours. Frankfurt am 4. Januar 1881. 20 ⸗Frankenstücke 8 M. 16 11—15 do. 1 ½,ẽ eee Englische Sovereigus.„ 20 29—34 Russische Imperiales.„ 16 68—72 Ducaten. FFV Al mare. Dollars in Sollßzd; Israelitischer Gottesdienst in Friedberg.
Beginn: Freitag Abends 4½ Uhr.
und zwar von außen in nächster Nähe des Fensters ab⸗
Fritz: So hältst Du das also für etwas Gutes?
Samstag Morgens 8½ Uhr.
Erledigte Stelle.
89 Die Stelle eines Nachtwächters in hiesiger Stadt ist erledigt und sind Meldungen für dieselbe bis zum 12. d. Mts. auf dem Büreau des Unterzeichneten einzu⸗ reichen. Friedberg, 4. Januar 1881. Großherzogliche Bürgermeisterei Friedberg. Se i eh f
Frische Schellsische.
Ph. Dan. Kümmich.
Faselochs-Versteigerung.
Lieferung einer Todtenbahre.
79 Ein der hiesigen Gemeinde gehöriger Faselochs soll 96 Die Lieferung einer Todtenbahre für die israelitische Mittwoch als den 12. Januar, Nachmittags 1 Uhr, auf Religionsgemeinde dahier soll wen i
dem Rathhause öffentlich versteigert werden. Dorheim am 4. Januar 1881. Großherzogliche Bürgermeisterei Dorheim. Ze R.
E gebr. Java-Kaffee
Zuntz sel. Wittwe, Bonn.
aus der Fabrik von A. empfiehlt
95 H. Strauß,
vis-a-vis dem Amtsgericht.
vergeben werden. Die Bahre muß mit Oelfarbe an⸗ gestrichen und mit 12 Griffen versehen werden. Die Ge⸗ schäftsleute, welche auf diese Lieferung reflectieren, wollen ihre Submission längstens bis Montag den 17. d. M., Vormittags 11 Uhr, bei dem Unterzeichneten einreichen. Friedberg, 5. Januar 1881.
Der Vorstand der israel. Religionsgemeinde. S. Hirschhorn.
0 2 N. D 7 1 NN Hosenträger as. e
als unsere
nehmen, daß solche Pfennigsparkassen überall in's Leben
M. 27—28., Erbsen M. 19.—27., Wicken M. 16.—18,
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