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greifen und die Partei Jakub Khan's eine große Kundgebung zu Gunsten Jakub's oder Eyub's gemacht haben.— Aus Chaman, 26. August: die Truppen des Khans von Kelat meuterten. Eine Abtheilung britischer Truppen setzte sich in Marsch, dem Khan Hilfe zu leisten. Die Meu⸗ terer sollen mehrere tausend Mann stark sein; man befürchtet, daß sich ihnen Beludschenstämme anschließen.
— 27. Aug. Meldung des„Reuter'schen Bureaus“ aus Simla von heute: Die indische Regierung hat keine Nachricht über Abtrünnig— keit von Abdurrahmans Truppen. Die Meuterei der Truppen des Khans von Khelat beschränkt sich auf 144 Mann. Eine britische Truppen— abtheilung ist nach Khelat abmarschirt, um das Vertrauen wieder herzustellen.
Italien. Rom, 26. Aug. Der Schwur⸗ gerichtshof verurtheilte Cardigliano, welcher am 25. Juni einen Stein in den Sitzungssaal der Deputirten-Kammer herabgeworfen hat, wegen versuchter Körperverletzung zu 5jährigem Ge— fäungniß und wegen Verbrechens gegen die In— stitution der Kammer zu 6 Monat Gefängniß und 2000 Lire Strafe.
— Das„Tagblatt“ meldet: Der Cardinal Hohenlohe stellte den Prinzen von Ratibor, Attaché der deutschen Botschaft in Rom, dem Papste als seinen Neffen vor. Prinz Ratibor trug bei der Audienz preußische Offiziersuniform. Ministerpräsident Cairoli, Botschafter Cialdini und Staatssecretaͤr Maffei werden in Monza beim König Humbert erwartet.
Neapel, 28. Aug. Gestern Abend waren die Mitglieder von fünf hiesigen Vereinen zu einer Wahlversammlung geladen. Die Partei— gänger derselben, welche mit Einladungskarten vor dem Wahllokale erschienen, um an der Ver— sammlung theilzunehmen, wurden zurückgewiesen. Es entstand in Folge dessen ein Tumult. Die öffentliche Gewalt stellte die Ordnung wieder her und die Versammlung löste sich freiwillig auf. Einige Hundert der zur Versammlung ein— geladenen Personen begaben sich vor das Mu⸗ nicipalitätsgebäude und protestirten unter dem Rufe:„Es lebe die Municipalität!“ gegen die königlichen Behoͤrden. Die Polizei zerstreute die Ansammlung. Einige der Demonstranten wurden leicht verwundet.
Türkei. Constantinopel, 26. Aug. Der Botschafter Graf Hatzfeld ließ heute als Doyen des diplomatischen Corps der Pforte die Collectiv— antwort der Mächte auf die türkische Note vom 27. Juli, betreffend die griechische Angelegen— heit, zustellen.
— Nachrichten aus Albanien melden: Riza Pascha hatte am 24. August in Skutari mit den Chefs der albauesischen Liga eine Zusammen— kunft. Letztere blieben unbeugsam. Riza Pascha wollte sie verhaften lassen. Die Einwohner be— freiten jedoch die Chefs und drohten Riza Pascha mit dem Tode. Die Liga sandte 600 Mann mit Waffen nach Dulcigno. Die Einwohner Duleigno's sind entschlossen, die Stadt in Brand zu stecken, im Falle sie gezwungen würden, Duleigno abzutreten. In Skutari herrscht große Aufregung.
Rumänien. Bukarest. Die Meldung ver— schiedener Berliner Blätter über einen größeren Zusammenstoß zwischen Briganten und rumä nischem Militär bei Chaltabia ist gänzlich un— begründet. Der von einer Inspectionsreise in der Dobrudscha zurückgekehrte Kriegsminister Slaniceano constatirt, daß daselbst vollständige Ruhe herrsche. Die Organisation der Dobrudscha macht rasche Fortschritte. Die Bevölkerung, ein— schließlich der Türken und Bulgaren, welche Personen und Eigenthum gesichert sieht, fühlt sich unter Rumänien sehr zufrieden.
Rußland. Petersburg. Der Großfürst Thronfolger übernimmt das Commando des Petersburger Militärbezirks an Stelle des Groß— fürsten Nicolaus, der demissionirte.— Ein der „N. fr. Pr.“ zugekommener Brief aus Peters— burg,„aus eingeweihtesten Kreisen“, meldet, daß Zar Alexander die Fürstin Dolgorucky noch nicht
geheirathet hat“, daß er aber sich mit der Ab⸗ sicht trägt, gleichzeitig mit der Heirath abzu⸗ dauken und nach Vevey in der Schweiz zu über⸗ siedeln. Die drei Kinder der Fürstin und des Zaren sollen in den Fürstenstand erhoben, der Fürstin 10 Millionen als Witthum ausgesetzt werden. Die Fürstin besteht jedoch vorläufig noch darauf, wenigstens formell als Zarin an— erkannt zu werden. Sie wird aber darauf ver⸗ zichten. Der Zarewitsch soll eine Verfassung octroyiren wollen, welche, von Loris-Melikow, Walujew, Hamburger und Wielopolkski ausge— arbeitet, einen beschränkten Dualismus einführen wird. Die Krönung zum König von Polen ist dabei in Aussicht genommen.
Aus Stadt und Land.
Friedberg. In der letzten Nr. des Anzeigers wird nochmals versucht, die in Aussicht genommene Stadt⸗ Erweiterung, resp. Eröffnung einer directen Zufuhrstraße nach den neuen Main-Weser-Bahn⸗Verladeplätzen zu be⸗ kämpfen, ohne daß es dem Einsender des betr. Artikels indeß gelungen wäre, außer einigen Ausfällen gegen den Autor des unter y in Nr. 98 des Anzeigers veröffent— lichten Artikels, den bereits früher und wiederholt er— hobenen und ebenso oft und gründlich auf ihr Nichts zurückgefuͤhrten Einwenden gegen die Sache selbst etwas Neues zuzufügen. Im Gegentheil— dieser neueste Gegner des in Frage stehenden Straßenprojeets, nachdem er die früher schon in dieser Angelegenheit vorgelegenen und ventilirten Pläne besprochen— gibt selbst zu und sagt wörtlich:„Da die jetzt projeetirte Straßen⸗ richtung in nächster Zeit bestimmt angegeben werden kann, so steht wohl zu hoffen, daß die Nebenläger keinen Widerspruch erheben wer⸗ den, da die neu bestimmte Richtung offenbar mehr Vortheil für die Stadt bietet u. s. w.“ Wenn also, wie hier zugestanden, die neu projeetirte Straße mehr Vortheil für die Stadt bietet, als die früheren Pläne, so ist doch wohl selbstverständlich, daß von Anlage derselben überhaupt nicht unwesentliche Vor— theile zu erhoffen sind, und ist der Einsender mit diesem Zugeständniß in eine Sackgasse gerathen. Gleichwohl ist er aber gegen die neue Straßenanlage, warum? weil sie Geld kostet, wenigstens— so meint dieser große Politi— kus,— soll mit der Ausführung gewartet werden, bis die Bahndireetion geneigter sein wird, der Stadt entgegen— kommendere Offerten und Bewilligungen zu machen. Was in dieser Beziehung zu erwarten ist, das haben die seit Jahren in Angelegenheiten der Bahnhofs Anlage und Erweiterung gepflogenen Verhandlungen gezeigt, und wird eine Verbesserung der Uebelstände, welche die„verzwickte Gestalt“ der neuen Bahnhofsanlagen voraussichtlich im Gefolge haben wird, nur herbeigeführt werden, wenn die Stadt selbst Hand an's Werk legt und die Schaffung guter Zufuhrstraßen nach den Verladepläßen unternimmt — damit aber, daß wir die Hände in den Schooß legen, und warten, bis die gebratenen Tauben geflogen kommen, werden wir sicher nichts erreichen—!
Vilbel. Die Aufnahme der Obstbäume in hiesiger Gemarkung hat folgendes Resultat ergeben: Aepfelbäume abgestanden 2097, gesund 5751; Birnbäume abgest. 172, ges. 518; Zwetschenbäume abgest. 1683, ges. 3768; Nuß— bäume abgest. 5, ges. 100; Kirschbäume abgest. 125, ges. 2166; Sonstige Obstsorten abgest. 136, ges. 593.
Gießen, 27. Aug. Als Geschworene für das 111. Quartal 1880 wurden ausgeloost: Landw. J. Fritzel aus Schwalheim. Müller K. Oehl aus Grünberg. Landw. P. Cuntz aus Ober⸗Rosbach. Agent J. B. Spiegel aus Gießen. Ellenwaarenh. A. Mendelssohn aus Gießen. Rechtsanwalt Dr. A. Rosenberg aus Gießen. Gastw. J. Dietz aus Gießen. Freiherr A. v. Harnier aus Echzell. Landw. K. Musch aus Ermenrod. Kaufm. G. W. Wenzel aus Lauterbach. W. Triebert aus Elpenrod. Landw. P. Schäfer aus Windhausen. Bürgerm Dietz aus Heisters. Gemeinderechner J. Mobs i. aus Nieder- Mörlen. Landw. H. E. Eiser aus Ulfa. Metzger N. Engel aus Friedberg. J. Specht aus Leusel. Landw. R. Mickel aus Ober-Mockstadt. L. Vöhl aus Gedern. Bierbr. F. Uhl aus Nidda. Bürgerm. K. Ronthaler 11. aus Langd. Bäcker H. Jöckel 1. aus Grünberg. Gastw. H. Velten 111. aus Groß-Linden. Bürgerm. Schaaf aus Eichelhain. Kreisamtsgeh. H. Döring aus Gießen. Schlosser J. Krailing aus Gießen. Landw. J. G. Sehrt aus Ober-Bessingen. Bürgerm. K. Wolf aus Appenrod. Landw. V. W. Fritzel aus Massenheim. Rentner L. Bersch aus Gießen.
Alsfeld. In Ober⸗Breidenbach ist in einem Brunnen der Leichnam eines Mannes gefunden worden. Die ge— richtliche Untersuchung, die bereits im Gange ist, wird das Nähere feststellen.
Allerlei.
Frankfurt, 27. Aug. Auf Veranlassung des Unter⸗ suchungsrichters wird morgen in Mainz ein Mörser aus derselben Fabrik, von derselben Wandstärke, mit derselben Ladung und Füllung wie der von dem Feuerwerker Dünges auf dem Turnfestplatze gebrauchte von Sachverständigen (Militärs) probirt werden.
Bochum, 7. Aug. Verflossene Nacht fand auf der Zeche„Julie“ bei Herne eine Explosion schlagender Wetter statt. Drei Bergleute blieben todt, zehn wurden schwer verletzt. Von Letzteren wurden drei bei ihren Familien, sieben in den hiesigen beiden Krankenhäusern untergebracht.
Mehrere Verunglückte sollen noch nicht ans Tageslicht
gebracht worden sein.
Stolberg(im Harz). Das amtliche Blatt für
die Grafschaften Stolberg und Hohenstein enthält folgende
bemerkenswerthe Bekanntmachung:„Seit längerer Zeit schon ist die Wahrnehmung gemacht worden, daß fast allabendlich sowohl im Stadt-, wie auch im Schloßbezirke die Straßen, Plätze und Spaziergänge von sogenannten „liebenden Paaren“ in anstößiger und das Sittlichkeits⸗ gefühl verletzender Weise zum Standorte ihrer Liebesbe⸗ zeugungen(Umarmungen, Umhalsen u. s. w.) benuß werden. Um diesem Unwesen ein Ende zu machen, haben wur die unterstellten Executivbeamten: Amts-, Polizeidiener, Nachtwächter ꝛc. angewiesen, falls diese warnende Be⸗ kanntmachung nicht Abhilfe schaffen sollte, die Betreffenden unnachsichtlich zur Anzeige, event. aber sofort zur Haft zu bringen. Zugleich ersuchen wir denjenigen Theil der Einwohner unserer Bezirke, in dem noch Gefühl für Sitte und Anstand vorherrscht, die ibm vorkommenden Ungehörigkeiten gedachter Art zur Anzeige zu bringen, insbesondere schließen wir hier die ernste Mahnung an, daß die Lehrherrn und resp. Dienstherrschaften auch ihrer⸗ seits mit Strenge gegen das abendliche und nächtliche Herumtreiben ihres Personals thatkräftig einschreiten mögen. Stolberg, am 12. Aug. 1880. Die städtische Polizeiverwaltung. Pampel, Bürgermeister. Der Amtsvor⸗ steher des Bezirks Schloß Stolberg Frhr. v. Winningerode, Regierungsrath.“(Könnte für die neue Chaussee, den Schützenrain, und den Gang um den hinteren Burgberg auch nichts schaden, wenn hier dieselbe Bekanntmachung erlassen würde. Der Segzerlehrling.)
Bern, 27. Aug. Das hiesige Journal„Der Bund“ theilt mit, daß Professor Adolf Held aus Berlin und ein Fräulein Voigt aus Rotterdam am 25. August anläßlich einer Kahnfahrt auf dem Thuner See ertrunken, zwel andere Personen, die mitfuhren, aber gerettet sind.
New⸗Nork. Laut Nachrichten aus Kingston(Ja⸗ maika) vom 19. d. hatte dort in der letzten Nacht ein verheerender Orkan gewüthet. Tausende von Menschen sind dadurch des Obdaches beraubt, die Saaten größten theils vernichtet. Die Kaserne in Kingston ist zerstört, drei Werften fortgerissen, 8 große und 32 kleine Schlffe im Hafen gescheitert. Man hält eine Hungersnoth für bevorstehend und Unterstützung für erforderlich, um Tausende vor dem Hungerstode zu retten.
Verloosungen.
3pCt. Anlehen der vormals Freien Stadt Frankfurt a. M. von 1844. Ziehung v. 10. Aug. 1880. — Heimzahlung am 1. December 1880. Nr. 28 89 110 18 34 200 18 54 314 64 76 95 409 38 55 78 84 527 29 52 627 57 62 710 47 63 75 839 911 69 81 à fl. 1000. Nr. 1013 47 85 89 126 84 211 15 84 329 407 17 39 80 88 91 608 79 84 94 719 28 34 57 58 96 922 98 à fl. 500. Nr. 2068 75 87 88 107 21 31 58 229 67 92 397 410 14 510 27 30 45 72 93 786 806 914 26 33 à fl. 300. Nr. 3117 20 37 58 99 226 44 92 389 465 77 85 554 67 623 40 41 786 813 16 999 4028 13 89 216 397 474 529 38 44 716 52 81 834 88 a fl. 100.
Vormals Nassauisches 4pCt. Staats⸗An⸗ lehen von 1853. Ziehung vom 9. August 1880.— Heimzahlung am 1. December 1880. Lit. A. Nr. 11 60 188 91 94 235 52 55 66 78 312 à fl. 1000. Lit. B. Nr. 9 25 108 17 31 57 59 76 265 70 308 409 57 513 29 36 83 90 617 19 65 76 708 44 819 37 46 904 à fl. 500. Lit. C. Nr. 42 64 169 96 237 39 74 78 80 93 344 52 436 45 587 98 607 48 77 738 56 86 905 11 23 61 64 à fl. 200. Lit. D. Nr. 38 51 90 120 25 83 221 40 61 70 329 32 38 49 91 508 35 60 601 26 67 709 43 57 909 22 95 2 fl. 100.
Stadt Freiburg Fr. 10⸗Loose von 1879. Serten⸗Ziehung vom 14. August 1880. Nr. 441 571 979 1021 906 2492 2818 3409 4279 4568 4752 4909 5467 5518 5928 6226 2649 7068 7163 7168 7307 7579 7608 8142 8203 8583 8851 9345 9794 9911 9915 10133 10209 10288. Die Gewinn⸗Ziehung findet am 15. Sept. 1880 statt.
Handel und Verkehr.
Friedberg, 28. Aug. Wochenmarkt. Butter kostete per Pfd. M. 1.10— 1.30, Eier per St. 6 Pf., 2 St. 11 Pf.
Gießen, 24. August. Wochenmarkt. Butter per Pfd. M. 1.—1.12, Eier 1 St. 5—6 Pf., 2 St. 0 Pf., Käse per Stück 4— 8 Pf., Tauben das Paar 60—70 Pf. Hühner per Stück M. 0.80— 1.20, Hahnen per Stüc M. 0.55— 1.00, Enten per Stück M. 1.20— 1.60, Ochsen⸗ fleisch 66—68 Pf. per Pfd., Kuh⸗ und Rindfleisch 50 5 Kalbfleisch 46— 50 Pf., Hammelfleisch 60— 70 ff. Schweinefleisch 68 Pf., Kartoffeln per 100 Kilo M. 5.50, Zwiebeln per Ctr. M. 6.— 7.
Frankfurt, 28. Aug. Marktbericht. Altes Heu kostete je nach Qualität per Centner M. 4, neues Heu M. 2.50—3, Stroh M. 3, Butter im Großen 1. Qual. 90, 2. Qual. 80 Pf., im Detail 1. Qual. M. 1.20, 2. Qual. M. 1.10, Eier das Hundert M. 5—7, Ochsenfleisch das Pfd. 65—70 Pf., Kuh-, Rind⸗ und Farrenfleisch 45 bis 60 Pf., Kalbfleisch 50—55 Pf., Hammelfleisch 45—65 Pf., Schweinefleisch 70— 75 Pf. Kartoffeln 100 Kilo M. 6—7, Bohnen 50 Kilo M. 8— 10, Gurken das Hundert zum Einmachen M. 2— 2.50, Weißkraut das Hundert M. 16 bis 18, Rothkraut das Stück 25— 30 Pf., Weißkraut
das Stück 26 Pf., Kohlkraut 10—12 Pf., Kohlrabi 6 bis 8 Pf., Blumenkohl 50—70 Pf., Endivien⸗Salat 5 bis 8 Pf., Romain⸗ Salat 20 Pf., Sellerie 30 Pf., Zwiebel das Bund 20 Pf., ein Hahn M. 2.— 2.50, ein Huhn M. 2.— 2.50, eine Taube 50 Pf., eine Ente M. 3 bis 3.50, eine Gans M. 4—6, eine Poularde M. 2.50—3.
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