Ausgabe 
30.12.1880
 
Einzelbild herunterladen

1

³

3

0

Die Meldung desHerold aus Orechow über einen auf der Losowo-Sebastopol-Eisenbahn von der Polizei entdeckten Tunnel wird officiell als unwahr bezeichnet.

Aegypten. Kairo. Die Commission für Reform der internationalen Gerichtsbarkeit hat ihre Berathungen beeudigt, nachdem sie einige Anträge der ägyptischen Regierung abgeändert und die Einsetzung eines Oberrevisionshofes abgelehnt hatte.

Aus Stadt und Land.

Friedberg. Zwei fremde, hier in Arbeit stehende Gesellen hatten am 1. Feiertag Abend in der Binzel'schen Wirthschaft einen Disput mit dem bhiesigen Schornsteinfegermeister R., einer überall bekannten und seines Humors wegen gern gesehenen Persönlichkeit. Die Gesellen entfernten sich früher als R., lauerten ihm aber auf seinem Heimwege auf, überfielen ihn und stachen ihn nieder. R. wurde schwer verwundet später gefunden und nach Hause gebracht; er hat einen Stich unter dem Halsringe nach der Lunge zu und mehrere Stiche im Kopfe, der erstere ist lebensgefährlich. Die Messerhelden wurden anderen Morgens verhaftet und sehen ihrer wohl verdienten schweren Strafe entgegen.

h. Friedberg. Gegenwärtig ist hier im neuen Schulhause eine Ausstellung der Näh- und Stickschule der Frau Emma Thumm von Pforzheim, einer geborenen Friedbergerin, veranstaltet, welche allseitigen Zuspruch fand. Es war aber auch der Mühe werth, sich diese Arbeiten anzusehen, welche nicht leicht, besonders was die exakte Ausführung betrifft, ihres Gleichen finden. Unter dem vielen Schoͤnen wollen wir nur erwähnen die Weißnäharbeiten, die Spitzen- und Knüpfarbeiten, die Leinenstickerei, was Alles ungetheilten Beifall fand und bewies, mit welcher Hingebung und Sachkenntniß die Lehrerin ihre Schülerinnen unterrichtet. Manche Mutter sah sich dadurch veranlaßt, ihre Tochter sogleich als Schülerin anzumelden. Nicht unerwähnt dürfen wir die von der Lehrerin selbst gefertigten Arbeiten lassen, welche durch ihre Eleganz und Gediegenheit gerechte Bewunder ung erregten und zeigen, daß Frau Thumm eine nicht leicht zu übertreffende Meisterin ihres Faches ist. Möge d eselbe durch zahlreichen Besuch ihrer Ausstellung ihr Streben belohnt sehen.

o. Ober-Mörlen, 28. Dez. Gestern Abend nach 9 Uhr brach hier in einer Scheune Feuer aus. Es wurde, da man glaubte, des Feuers bald Herr werden zu können, nur auf die nächsten Orte um Hülfe gesandt. Nach 10 Uhr hatte der Brand jedoch solche Dimensionen an genommen, daß auch die weiter gelegenen Orte um Bei huͤlfe gebeten wurden. Bis Nachts 2 Uhr war zwar weitere Gefahr beseitigt, allein 5 gefüllte Scheuern mit zugehörigen Ställen dem rasenden Elemente zum Opfer gefallen. Man vermuthet Brandstiftung durch Stromer.

a. Echzell. In der Christnacht wurde auf den Schwalheimer Höfen eingebrochen und eine Reisetasche mit Werthpapieren und Geld im Betrage von ca. 50,000 M. gestohlen. Der sofort eingeleiteten gerichtlichen Unter suchung gelang es, die Tasche ꝛe. in einem Dunghaufen aufzufinden. Mehrere Verhaftungen wurden vorgenommen.

Schotten, 25. Dez. Die hiesige Kirchengemeinde beging heute eine schöne Feier, die in einem Zeitraume von nahezu 200 Jahren nicht vorkam. Es fand nämlich die Einweihung der von dem Gräflich Solms-Rödel heim'schen Kammerrath Fresenius zu Assenheim der Kirche geschenkten Abendmahlsgefäße statt, bestehend in einer Altarkanne und zwei Kelchen von Silber, welche mit dem Namen des verehrten Spenders und des Weihetags bezeichnet sind. Der Stifter, der seiner Geburtsstadt Schotten stets große Anhänglichkeit bewahrte, hat sich hiedurch ein dauerndes Andenken gesichert.

5

Alsfeld, 25. Dee. G. Ramspeck, der fast ein halbes Jahrhundert Bürgermeister und noch bis vor

wenigen Jahren Ortsgerichtsvorstand, auch von 1842 bis 1848 Abgeordneter unserer Stadt gewesen ist, ist gestern nach längerem Unwohlsein, allgemein betrauert, im 87. Lebensjahre gestorben.

Heppenheim, 23. Dez. In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch wurden auf den Stationen der Main Neckarbahn Laudenbach und Hemsbach Einbruchsversuche emacht, um die Kassen zu berauben, in beiden Fällen cheiterte aber das Vorhaben der Spitzbuben an der Wachsamkeit des Personals, welches die Diebe verscheuchte.

Gernsheim, 22. Dez. Verflossene Nacht wurde in dem hiesigen Stationsgebäude eingebrochen. Die Diebe hatten es auf den Kassenschrank abgesehen. Sie drangen durchs Fenster in das Bureau, verbrachten den Kassen schrank mittelst Rollen aus dem Bureau, luden denselben auf ein der Hessischen Ludwigsbahn gehöriges Kärrnchen und fuhren ihn eine Strecke Wegs vom Stationsgebäude weg. Darauf wurde derselbe demolirt und der Inhalt, welcher aus 500 Mark in baarem Gelde bestand, heraus genommen. Bis jetzt hat man von den Dieben, deren es mehrere gewesen sein müssen, noch keine Spur entdeckt.

Mainz, 27. Dez. Seit zwei Tagen ist der Rhein wieder ganz bedeutend im Wachsen begriffen, und die Strecke zwischen Fisch- und Bocksthor an der Auslade stelle wieder überschwemmt. Besonders ist es der Main, welcher ganz enorme Wassermassen mit sich führt, und weithin sind die Niederungen des Mains unter Wasser gesetzt. Der Rhein steigt stündlich.

Kastel, 27. Dee. Bekanntlich wurde vor einiger Zeit die Tochter eines hiesigen Handelsmannes, weil dieselbe einem Briefträger ein Glas Vitriol in's Gesicht

goß, zu einer mehrwöchentlichen Gefängnißstrafe ver⸗ urtheilt. Vor einigen Tagen wurde dem Mädchen von Seiten der Staatsanwaltschaft die Mittheilung gemacht, daß es nunmehr seine Strafe antreten soll. Doch hat es das Mädchen vorgezogen, spurlos zu verschwinden, so daß, als die Verhaftung vorgenommen werden sollte, die Polizei das Nachsehen hatte.

Allerlei.

Marburg, 26. Dee. Heute Morgen wurde die Leiche des Studiosus E. aus der Lahn geländet. Der Verunglückte war der einzige Sohn einer hier wohnenden Wittwe. Untersuchung über diesen traurigen Vorfall ist im Gange.

Betzdorf. Das Eisenbahnunglück ist, Gott sei Dank, nicht so entsetzlich, wie es erst dargestellt wurde. Man erfährt jetzt darüber: Am 21. ds., Abends 8 Uhr, ist zwischen Betzdorf und Wissen in einem Felseinschnitt der Zug von Gießen 4 Uhr 48 Minuten nach Deutz durch eine plötzliche Erdrutschung entgleist. Der Eisenbahn packwagen und der nachfolgende Personenwagen 4. Klasse sind in Brand gerathen. Vom Zugpersonal sind mehrere schwer verletzt. Der Postwagen ist durch eine nachfol gende Erdrutschung förmlich verschüttet und eingedrückt worden, wobei ein Postbeamter und ein zur Aushilfe bei der Post beschäftigter Unteroffizier verletzt wurden. Der Postschaffner ist unverletzt. Die Verwundeten sind nach Betzdorf geschafft und jetzt im Siegener Krankenhaus.

Pirmasens, 24. Dez. Heute Morgen ist bei Schwarzenacker ein gräßlicher Unglücksfall vorgekommen. Ein Schuster von Bierbach und sein Sohn wollten, um den Weg abzukürzen, die Bahn überschreiten, als sie von dem daherbrausenden Zuge erfaßt und überfahren wurden. Dem Einen wurden beide Beine abgefahren, der Andere kam mit weniger schweren Verletzungen davon.

Karlsruhe, 21. Dez. Die plötzliche Suspendirung sämmtlicher Köche der Hofküche hat zu verschiedenartigen Gerüchten in unserer Stadt Veranlassung gegeben. Sie erfolgte jedoch lediglich wegen fortgesetzter Unterschleife des ganzen Personals.

Wien, 27. Dez. Baron Eck und Glasmaler Kuchen reiter sind wegen Fälschung von Actien der Münchener Vereinsbank in Wien verhaftet. Bei der Hausdurch suchung wurden alle zur Fälschung nothwendigen Werk zeuge, sowie viele ausgeführte oder in Ausführung be griffene Nachahmungen der bezeichneten Actien vorgefunden.

Göschenen, N. Dez. Gestern ist zum ersten Male die eidgenössische Post mit Briefen und Gepäck von Göschenen nach Airolo durch den Gotthardtunnel ge gangen. Nach demBund waren sieben Wagen zur Aufnahme sämmtlicher Postsendungen nothwendig. Der erste war gedeckt und verschließbar zur Aufnahme der Brief- und Fahrpoststücke, sowie der größeren Werth Sendungen; die anderen wurden mit Decken versehen und verschnürt. Von den Tunneleingängen wurden die Wagen mit pneumatischen Locomotiven gezogen. In der Mitte des Tunnels, auf einer Strecke von ca. 3 Kilo meter, fand der Transport durch Pferde statt. Der Eingang des Posttransportes in Göschenen erfolgte um Uhr Nachmittags und der Ausgang in Airolo um 6½½ Uhr Abends. Die Durchfahrt dauerte demnach ge nau vier Stunden. Die Reisenden und deren Gepäck, wurden mit! der gewöhnlichen Post über den Berg von Göschenen nach Andermatt befördert.

St. Etienne, 27. Dez. In einer Kohlengrube fand eine Explosion schlagender Wetter statt. Elf Leich name sind bereits herausgeschafft.

Petersburg, 26. Dez. Telegramme aus Kischineff und Odessa melden von gestern Abend 7 Uhr ein ziemlich heftiges, eine Secunde anhaltendes Erdbeben.

Eingesandt.

K. Die Nothbrücke über die Usa zwischen Friedberg u. Nauheim befindet sich infolge des Hochwassers in einem bedrohlichen Zustand. Der Brückenpfahl am dies seitigen Ufer ist, da die Fluth das Erdreich weggespült hat, eingestürzt und mit ihm ein Theil des Geländers, die übrigen Pfähle sind durch die starke Strömung in eine bedenklich schiefe Stellung gebracht. Die Brücken dielen neigen merklich nach der einen Seite hin. Man erlaubt sich den Wunsch auszusprechen, daß baldigst ge eignete Maßregeln getroffen werden um Unglücksfälle zu verhüten, namentlich auch zur Beruhigung der Eltern, deren Kinder von Nauheim aus die Schule in Friedberg besuchen.

Geld- Caurs. Frankfurt am 28. December 1880. 20⸗-Frankenstücke M. 16 1114 do. in ½ 16 0913 Englische Sovereigns. 20 3035 Russische Imperiales. 16 6569 Ducaten. 9 5459 al mareo 1 9 5660 Dollars in Gold. 118-21

g 2 1 2 Ueber Hämorrhoiden. Die Hämorrhoiden, im Volksmund goldene Ader ge nannt, bilden eine sehr mannigfache Gruppe von Erschein⸗ ungen, besonders wenn man die Schmerzen in Betracht zieht, über welche sich die Patienten beklagen. Schmerzen und Beschwerden haben insgesammt ihren Grund in einer Anhäufung von Blut im Mastdarm und im After, wo sich kleinere oder größere blutgefüllte Knoten bilden. So sind es zunächst die Sitztheile, die Schoßgegend, der 5 welche in Mitleidenschaft gezogen

Unterleib, Magen, werden. Hauptsächlich werden solche Personen befallen,

welche sich wenig Bewegung machen, viel sitzen oder 1 durch andere Anstrengungen eine vermehrte Blutströmung

nach dem Unterleib herbeiführen.

Der Patient hat ein beängstigendes Gefühl, Stuhl⸗ verstopfung, Spannen über den Magen und Unterleib, Appetitlosigkeit, Blähungen und Schwere im Kopf ze. Gleichzeitig ziehen auch die vom Sitz des Uebels aus strahlenden Schmerzen, welche sich uͤber das Kreuz und das Rückgrat hinauf erstrecken, den Nacken und den Hinterkopf in Witleidenschaft. Sehr viele Menschen leiden an Hämorrhoiden ohne es zu wissen und es wer⸗ den meistens Mittel gegen die genannten Krankheits⸗ erscheinungen angewandt, welche keine Hülfe zu bringen vermögen, da sie auf das Hauptleiden keinen Einfluß üben und keine Heilung zu bringen im Stande sind; ihre Wirkung ist meistens eine stark abführende, die Unterleibsorgane nur noch mehr schwächende und zer⸗ störende. Wohl gibt es einzelne Arzneistoffe, welche sich bei dem besprochenen Leiden als besonders wirksam ge⸗ zeigt haben und welche auf die Unterleibsorgane anregend wirken und dieselben zu größerer Thätigkeit milde reizen.

In ganz hervorragender Weise haben sich die stets mit dem größten Erfolg angewandten von Apotheker Rich. Brandt in Schaffhausen dargestellten Schweizer pillen bewährt, welche bereits in ganz Deutschland zu finden sind, um sich auch hier wie überall als ein reelles unschädliches und Jedermann zugängliches Hausmittel einzubürgern, haben sich doch eine Reibe angesehener Aerzte in günstigster Weise über diese Schweizerpillen ausgesprochen, welche Gutachten in der nachverzeichneten Apotheke von Jedermann bezogen werden können.

Herr Apotheker Kranz hat das Depot für Nauheiu übernommen und findet man dieses reelle, sicher und schmerzlos wirkende Heilmittel: die Apotheker Rich. Brandt's Schweizerpillen in vielen Apotheken Deutsch lands nur in Blechdosen, enthaltend 50 Pillen, für 1 Mark und kleinen Versuchsschächtelchen mit 15 Pillen für 35 Pf. Man muß stets darauf achten, daß die Schachteln mit einer rothen Etiquette mit dem Schweizer kreuz und dem Namenszug des Apotheker Brandt ver sehen sind. 1312

Für die arme Familie in Pfaffenwies bach sind ein⸗ gegangen von: v. H. St. 20. M., v. A. T. und C. T. 6 M., Rechtsanwalt Jöckel 3 M., Ct. 2 M., F. Theobald 2 M., Ungenannt 50 Pf., Pfarrer Blumhof in Wohnbach 2 M., Lehrer Vetter und seine Schüler in Burg-Gräfenrode 2 M. 95 Pf., Dr. Schmid 1 M., J. Stolz 2 M., Nat. Cre⸗ celius 1 M., Rentier Hill 2 M., J. B. in Hungen 1 M. 95 Pf., Rabenstein 2 M., A. Maas 1 M. 50 Pf., Un⸗ genannt aus Steinfurth 5 M., Becker und Engel 1 M., Wimberger Wittwe 1 M.

Kirchliche Anzeigen für Friedberg. Eyangelische Gemeinde. Freitag den 31. Dezember: Sylvester.

Gottesdienst in der Burgkirche: Abends 5 Uhr: Herr Pfarrer Baur.

Katholische Gemeinde. Freitag Abends 5 Uhr: Predigt und Andacht.

Bekanntmachung.

4311 Laut Statuten vom 26. Februar 1863, welche den Gesellschaftsvertrag darstellen, hat sich in Vilbel unter der Firma

Spar- und Leihkasse Vilbel(eingetragene Genossen⸗

schaft)

eine Genossenschaft gebildet, um mittelst gemeinschaft⸗ lichen Geschäftsbetriebs jedem Mitgliede Gelegenheit zu geben, Ersparnisse verzinslich anzulegen und Darlehen zu erhalten.

Der Vorstand besteht aus 15 Mitgliedern, darunter der Director, derselbe vertritt die Genossenschaft und zeichnet für dieselbe. Dermalen bilden den Vorstand folgende Personen:

1) Heinrich Martini von hier, Director, Bürgermeister Hinkel,

3) Hartmann Wilhelm Schmidt, 4) Konrad Seybold IV.,

Franz Michael Armstbrust, Adolf Schantz, 7) Philipp Pfad II., Ferdinand Fräse, 9) Konrad Lamp, Julius Birkenholz, Wilhelm Lamp, Peter Ganß, Adam Wilhelm Schmidt, Karl Friedrich Brod, ) Wilhelm Stein, alle von hier.

Die Genossenschaft erläßt ihre Bekanntmachungen in dem Vilbeler Anzeigeblatt.

Das Verzeichniß der Genossenschafter kann dahier eingesehen werden.

Der Eintrag in das Genossenschaftsregister ist Rute erfolgt.

Vilbel am 18. Dezember 1880.

Großherzogliches Amtsgericht Vilbel. Dr. Schäfer.

Weitzel.

Jeden Freitag frisch gewässerten

Labberdan

Wilhelm Fertsch.

1

1

ö

7

1

2 *

N 7.

Tagns- mr f

2

5

2

P 2

e

n

0