Ausgabe 
29.7.1880
 
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München, 27. Juli. Kammer der Abge⸗ ordneten. Der Militäretat pro 1880/81 wird nach längerer Debatte mit 136 gegen 1 Stimme angenommen.

Ausland.

Oesterreich-Ungarn. Wien. Die Nach⸗ richt einiger Blätter von einer Erkrankung des Kaisers von Oesterreich wird von autorisirter Seite für unbegründet erklärt.

Frankreich. Paris, 26. Juli. Der Ar⸗ beitercongreß beendete gestern seine Arbeiten. Gestern wurde ein Individuum(italienischer Her kunft) wegen socialistischer Umtriebe verhaftet und wird über die Grenze gebracht.

Großbritannien. London, 27. Juli. Unterhaus. Dritte Lesung der irischen Pächter Entschädigungsbill. Tottenham's Antrag auf Ver⸗ werfung der Bill wird nach siebenstündiger De⸗ batte mit 303 gegen 237 Stimmen abgelehnt und sodann die Bill mit einer Majorität von 66 Stimmen zu Gunsten der Regierung in dritter Lesung angenommen. Oberhaus. Die irische Nothstandsbill wird in zweiter Lesung und die Bill betreffend die Volkszählung in England und Schottland in dritter Lesung angenommen. 27. Juli. Unterhaus. Lord Hartington erklart, die Proclamirung Abdurrahman's sei mit der Zustimmung Englands erfolgt. Er hoffe, die britischen Truppen würden demselben demnächst die Regierung Kabuls und des Landes über⸗ geben. Ein formelles Engagement mit Abdur⸗ rahman sei nicht getroffen worden. Derselbe sei einfach als Emir anerkannt worden und habe das Anerbieten nöthigen Beistandes zur Her stellung seiner Position erhalten. Derselbe sei verständigt worden, daß Verhandlungen über Kandahar und die durch den Vertrag von Gun damuk gezogene Grenze einzuleiten, jetzt nicht möglich sei. Ferner wurde er verständigt, daß Afghanistan außerhalb der Sphäre jeder frem⸗ den Einmischung liege und keine fremde Macht mit ihm Beziehungen haben dürfe. Wenn Ab⸗ durrahman von dem Rathe Englands sich leiten lasse, werde er, im Falle eines unprovocirten Angriffs, den Beistand Englands finden.

Der PariserRappel will von einem Briefe wissen, welchen die Königin Viktoria an den Sultan geschrieben, worin die Königin unter Bezugnahme auf die Beweise ihrer Freundschaft während ihrer ganzen Regierungszeit den Sultan im wohlverstandenen Interesse des türkischen Reiches aufgefordert hätte, dem Votum der Mächte durch eine entgegenkommende Haltung zu entsprechen.

Officielle Meldung aus Simla, 24. Juli. Kundschafter berichten, daß die Truppen Ajub Khans den Helmundfluß in der Richtung nach Hyderabad überschritten haben. Ein Theil der Cavalerie gelangte am 21. Juli bis Shanghar (14 Meilen vom britischen Lager), kehrte aber wieder um. Im britischen Lager wurde der An marsch der 4000 Mann starken Cavalerie Ajub Khans am 22. Juli und das Eintreffen des Gros von dessen Truppen am 23. Juli erwartet. In Befürchtung eines nächtlichen Angriffs veränderten die britischen Truppen ihren Lagerplatz.

Italien. Rom. Der bisherige Geueral Secretär des Kriegsministeriums, General Millon, ist zum Kriegsminister ernaunt.

Turin, 26. Juli. Der König und die Königin sind heute hier angekommen und mit enthu siastischen Ovationen empfangen worden.

Türkei. Constantinopel, 26. Juli. Sämmt⸗ liche in Europa stehenden Nizams-Bataillone sind auf 800 Mann per Bataillon erhöht wor den. Die Antwort der Pforte auf die Col lectivnote ist dem Sultan zur Genehmigung vorgelegt worden.

Aus Stadt und Land. Friedberg, N. Juni. Bei dem gestrigen schweren Gewitter mit nachfolgendem Sturme wurde mehrfach großer Schaden an den Bäumen angerichtet. Das bischen Obst, das die Bäume überhaupt trugen, liegt abgeschlagen auf der Erde. Aeste sind abgerissen und Bäume umge legt. Am Aergsten hauste das Wetter in Nieder-Wöͤllstadt, Ilbenstadt und Burg-Gräfenrode, wo eine Windhose hun⸗

Michelstadt, 26. Juli. DerH. L. Z. meldet man von hier: Auf dem gestrigen Eulbach⸗ Erbacher Nachmarkt wollte sich ein Mann etwas kaufen und mit einem schlecht aussehenden Markstück Zahlung leisten. Der Verkäufer zeigte das Geldstück einem Nachbar und dieser erklärte es für falsch. Der Käufer hatte noch fünf solcher falschen Markstücke. Die Polizei und dann das Amtsgericht nahm sich der Sache an, und es sind bereits fünf Personen drei von Steinbach und zwei von hier durch die Gensdarmerie dingfest gemacht. Es ist eine Gesellschaft von Falschmünzern, welche zum großen Aerger der Besitzer des hiesigen Drahtzuges, die Einrichtung, den Draht zu verzinnen, benutzten, ihre falsche Münze daselbst verzinnten, um sie dem Silber ähnlich zu machen, was ihnen jedoch schlecht gelang. Mainz. Ein schändliches Verbrechen ist zwischen Heidesheim und Wackernheim verübt worden. Ein herum⸗ ziehender Korbmacher ist vor einigen Tagen von einer Anzahl Leute von Wackernheim angehalten und schändlich mißhandelt worden; halb todt wurde der Unglückliche in der glühenden Sonnenhitze an einen Baum gebunden und seinem Schicksal überlassen. Der Korbmacher wurde später wieder abgeschnitten, starb aber bald darauf an den erhaltenen Verletzungen. Die Staatsbehörde hat bereits die Angelegenheit in die Hand genommen und Verhaftungen vornehmen lassen. Dieser Fall erregt großes Aufsehen.

Allerlei.

Frankfurt, 25. Juli. Turnfest. Heute Morgen versammelten sich auf den angewiesenen Plätzen die Turner und diejenigen Vereine, welche durch ihre Mitwirkung das Fest zu unterstützen sich bereit erklärt hatten. Es durchwehte ein Geist der Pünktlichkeit und Ordnung das Ganze, denn schon um 9 Uhr sah man alle Gaue hin über den Main ziehen, um sich dort an den Festzug an⸗ zureihen. Präeis 10 Uhr setzte sich derselbe in Beweg⸗ ung und wurde allenthalben nicht blos sympathisch, son⸗ dern enthusiastisch empfangen. Mit dem Willkomm und Gut Heil aus schönem Munde war es nicht genug, nein, auch Kränze und Blumenspenden regneten auf die fröh⸗ liche Turnerschaar herab. Hin und wieder wurde auch den durch drückende Sonnengluth mattgewordenen Fest⸗ zuͤglern ein kräftiger Trunk gereicht. Den Zug selbst eroͤffneten, unter Vorantritt der Feuerwehr, eine Reiter⸗ musik, welcher eine glänzende Schaar stattlicher Reiter folgte. Hierauf folgte ein schön ausgestatteter Ernte⸗ wagen, welcher von Schnittern und Schnitterinnen be⸗ gleitet, allgemeine Heiterkeit erregte, bei dessen Anblick sich aber Jeder fragte, wie er in den Turnerfestzug kam. Nächst dem Festausschuß folgte der Frankfurter Schützenverein, hinter welchem die von Frankfurter Damen gestiftete Bundesfahne, ein wahres Prachtstück ihrer Art, getragen wurde, woran sich nun der übrige Theil des Festzuges anschloß, dessen Ende eine große Sängerschaar und die Feuerwehr bildete. Unter den im Zuge befind⸗ lichen Fahnen befanden sich viele, die durch ihre Schön⸗ heit allgemeine Bewunderung erregten. Die größeren Städte Deutschlands waren stark vertreten, so namentlich Berlin, Bremen, Hamburg, Dresden, Leipzig, Nürnberg, München u. s. w., während kleinere entfernt liegende Städte nur einzelne Vertreter geschickt hatten. Es ge⸗ hörte übrigens eine große Ausdauer dazu, an einem Platze stehend, den ganzen Zug an sich vorüber ziehen zu lassen, denn derselbe schien gar kein Ende nehmen zu wollen. Unter lauten Zurufen, mit denen namentlich die Amerikaner, Italiener, Engländer u. s. w. überall begrüßt wurden, gelangte derselbe, nachdem die Festtheilnehmer ca. 2 volle Stunden auf dem Marsche zugebracht hatten, auf dem Festplatze an, wo nach Begrüßung der Turner und Unterbringung der Fahnen sich ein Leben und Treiben entwickelte, wie es eben einem Feste, wo Alles sich freut, würdig ist. Der lang andauernde Marsch und die drückende Hitze hatten natürlich bei allen Festtheilnehmern einen riesigen Durst erzeugt, der aber, Dank den vor⸗ trefflichen Wirthschaften, bald gelöscht wurde. Bemerkens⸗ werth ist, daß unter den Zuschauern während des Fest⸗ zuges die größte Ordnung beobachtet und so es möglich wurde, denselben in seiner ganzen Pracht und Vollkommen⸗ heit zur Geltung kommen zu lassen. Nach der Ankunft auf dem Festplatze folgten die musterhaft ausgeführten Freiübungen unter Leitung Dannebergs, an welcher sich 2187 Turner betheiligten. 26. Juli. Heute Mittag 1 Uhr fand das erste offizielle Bankett statt. An dem⸗ selben nahmen ea. 3000 Personen Theil, darunter Re⸗ gierungspräsident von Wurmb, Polizeipräsident Hergen⸗ hahn, die Mitglieder des Magistrats, Gerichtspräsidenten und Räthe u. s. w. An dem gestrigen Festzuge nahm ein Schüler des Turnvaters Jahn Theil, Bauinspeetor Winchenbach, Mitglied des Turnvereins Bromberg, Kreis!, ein Greis von 78 Jahren, der sich jedoch noch voller Rüstigkeit erfreut und den anstrengenden Marsch des Festzuges mit ungeschwächter Kraft zurücklegte. Ein sächsischer Turner aus Freiburg überbrachte einen Kranz gewunden aus Blumen vom Grabe Vater Jahn's mit Schleife und Widmung und übergab denselben während des Festzuges dem Centralausschuß zur Schmückung der neuen Bundesfahne. Ein Theilnehmer vom Turnfest, Mitglied des TurnvereinsLykurgus zu Amsterdam, hat den Weg von dort nach hier zu Fuß zurückgelegt

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Fesischmuck der Straßen und Häuser Sprüche angebra die große Heiterkeit erregen. Auf dem vormaligenDe

welches folgenden Vers trägt: Hier befand sich einst derDalles, Biederer Fulder Paradies, Wo der Adam Sonntags Hannes, Und die Eva Lisbatt hieß.

An der Heymann'schen Bierhalle in Sachsenhausen findet

Was ist des deutschen Turners Zier?

Ein echter deutscher Dorscht!

Ob Aeppelwein, ob Wein, ob Bier,

Das ist dem Deutschen Worscht! Die Restauration Bär zeigt folgenden Transparent:

Ein nett Plätzchen,

Ein nett Schätzchen,

Ein groß Gläschen,

Ein fein Weinchen,

Ein gut Bierchen,

Das ist so mein Plaisirchen.

schwenkte: Das Wasser macht die Menschen dumm, Die Jungen und die Alten, Drum geht der Zug hier drum herum Wenn's Wein wär, blieb er halten. Wiesbaden, 26. Juli. Heute Nachmittag um

über unsere Stadt und richtete großen Schaden an Ge⸗ bäuden, Bäumen u. s. w. an. Die Kursaal⸗ Anlagen wurden foͤrmlich verwüstet. Binnen 3 bis 4 Minuten wurden nahezu 100 Bäume schwer beschädigt und fast die Hälfte davon unten oder in der Mitte des Stammes abgebrochen.

gestern Abend bei einem Sturm der DampferSchwalbe von 17 an Bord befindlichen Personen, wobei 7 Ehepaare, retteten sich nur zwei Männer.

Madrid, 25. Juli. Einem Telegramm aus Manilla von gestern Abend zufolge, richteten neue Erdbeben großen Schaden an.

Die Walsischjägerei.

ImCentralverein für Handelsgeographie zu Berlin sprach Dr. Peschuel-Lösche über den Walfang und seine Bedeutung für den Handel. Zunächst gab der Redner einen Begriff von der Mannigfaltigkeit der Walarten, vom kleinen, 34 Fuß langen Delphin bis zum 10042 Fuß langen Nordwal mit seiner bis 24 Zoll starken Speckschicht. Je nachdem die Wale Barteg und Zähne haben, klassifizirt man sie in zwe Hauptarten: Barten- und Zahnwale. Der Po wal mit seinen 26 30 Fuß langen und bis 2 Fuß breiten Zähnen ist der kostbarste aller Wale. Die Wale tummeln sich in Gesellschaften, die der Jäger Schulen nennt. Die Zahnwale trifft man in Schulen von circa 50 Stück bis zu mehreren Tausenden, die Potwale ebenfalls bis zu 5 und 600 Stück an. Es sind lauter Weibchen(Kühe), geführt von einem Bullen, Schulmeister genannt. Der Potwal schwimmt in militärisch ausgerichteten Fronten. Eine ge ringere Organisation zeigen die Bartenwale. Werden die Bullen alt, dann 4soliren sie sich, werden unwirsch und sind von den Schiffer. gefürchtet. Sie attackiren die Schiffe und haben. schon manches in den Grund gebracht. Die. Standorte der bösesten dieser Thiere sind des, Schiffern genau bekannt. Die Seeleute nenne diese Elnstedler des Meeres mit dem gemeinsamen NamenTom. So ist der Neu-Seeland⸗Tom. schon seit Anfang dieses Jahrhunderts gefürchtet 1865 wurde er angegriffen, zerschlug aber in 2 Stunden 9 Böte und tödtete 9 Menschen, Seitdem hat man ihn in Ruhe gelassen. Di Zahnwale bewohnen die tropischen, die Bartel wale die kalten Meere. Sie schwimmen schuil 1415 Seemeilen in der Stunde. Der Wal, fang ist alt. Die alten Nordmänner übten ihn schon mit kolossalen Armbrüsten. Im Anfang. des siebzehnten Jahrhunderts wurde er von den seefahrenden Nationen so stark betrieben, daß di Walfischfänger beständig mit einander kollidirten und sich durch Kriegs-Schiffe begleiten ließen. Schließlich schienen die Wale ausgerottet zu sein. Die Amerikaner belebten den Fang neu und

und zwar in 12 Tagen. Das Turnfest hat heute Nach- mittag wie das Schützenfest seinen Feststurm gehabt. Wolkenbruchartig stürzte der Regen, den ganzen Platz überfluthend, nieder. Der Wind raste. Die Gebäude, wenn auch das Wasser alles durchdrang, hielten Stand,

nur am Triumphbogen fielen einige Verzierungen herunter.

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derte von Obstbäumen knickte oder entwurzelte.

Nach vorübergegangenem Wetter ging das Festtreiben ungestört weiter. An verschiedenen Orten sind in dem

gründeten dazu 1872 eine Aktiengesellschaft. Deu deutsche Walfischfang ist erloschen, die Engländen schlagen fast nur Robben. Der nördliche Wal⸗ fischfang ist gefährlich. Die Amerikaner über⸗ wintern ein, zwei, selbst drei Winter in der Baffingsbai. 1819 wurden ihnen 14 von 2

man folgenden Transparent: 1

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Der gelungenste Vers aber steht in der Fontaine in der Kaiserstraße, um die der Festzug gestern herum

4 Uhr zog eine Windhose von Westnordwest nach, Osten

Bern, 286. Juli. Auf dem Bieler See versank

platz findet sich ein Schild an einem Maste angeb acht 5

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