Ausgabe 
28.10.1880
 
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Sache und werde rasch und energisch betrieben werden; indeß werde es nicht für nothwendig erachtet, die Befugnisse der irischen Executive zur Unterdrückung der Agrarverbrechen zu er- weitern, weßhalb das Parlament nicht vor der üblichen Zeit einberufen werden dürfte; das Cabinet würde inzwischen die versprochene Land⸗ reformbill für Irland ausarbeiten.Irish Times meldet: Der Staatssecretär für Irland, Forster, hat demissionirt, weil er das gericht liche Vorgehen gegen die Führer der irischen Bodenliga mißbilligt. In unterrichteten Kreisen wird jedoch diese Nachricht dementirt.

26. Oct. DenDaily News wird aus Lahore gemeldet: Gerüchtweise verlautet, in Kabul seien Unruhen ausgebrochen. Emir Abdurrahman sei ermordet worden.

Den im Norden Irlands erscheinenden Zeitungen zufolge ist in ganz Ulster das Feuier⸗ thum in rascher Ausdehnung begriffen. Allent⸗ halben in den Provinzen bilden sich Feuierlogen, deren Mitglieder, alle junge Männer, wohlbe waffnet sind, größtentheils mit Waffen neuester und bester Konstruktion.

Italien. Rom, 24. Oct. Baron Rieasoli, der seitens der Regierung vielfach zu diploma tischen Sendungen verwendet wurde, ist in Folge eines Schlaganfalles heute gestorben.

Dem JournalItalie zufolge soll der seitherige hiesige türkische Botschafter Turkhan Bey an Stelle von Mussurus nach London und Baron Francis an Stelle Göschens als britischer Botschafter nach Constantinopel kommen.

Türkei. Constantinopel, 25. Oct. Die Pforte ist zu einer Vereinbarung geneigt, wo nach der Einmarsch der Montenegriner in Dul cigno gleichzeitig mit dem Abmarsch der tuͤrkischen Truppen erfolgen würde. Die türkischen Be wohner, welche in Dulcigno nicht bleiben wollen, werden auf den vor Dulcigno kreuzenden drei türkischen Schiffen eingeschifft.

Die Pforte hat ihre Vertreter im Aus lande angewiesen, die Delegirten der Inhaber türkischer Schuldtitel nach Constantinopel ein zuladen, um hier auf Grundlage ihrer Note vom 3. Oct. zu einem Einverständniß zu gelangen.

Die Pforte läßt die Version in Abrede stellen, daß Assim Pascha von dem griechischen Gesandten Aufklärungen über die Absichten Griechenlands begehrt hätte.

Philippopel, 26. Oct. Die Provinzial versammlung ist eröffnet worden. Die Eröff nungsrede Aleko Paschas empfiehlt rasche Er ledigung der Finauzgesetze.

Serbien. Belgrad, 25. Oct. Der serbische Gesandte bei der französischen Regierung, Ma rinowitsch, ist nach Belgrad berufen und am Sonnabend dahin abgereist. Man glaubt, er solle mit der Bildung des neuen Cabinets be auftragt werden.

Montenegro. Cettinje, 26. Oct. Radonic fordert nochmals die Mächte und Offiziere zur Theilnahme bei Erörterung der technischen De tails, die durch die türkisch-montenegrinische Convention entstanden, auf. Petrovie schlug Riza Pascha vor, er möge selbst nach Konia kommen, wo am 28. d. die Verhandlungen fort⸗ gesetzt werden sollen.

Griechenland. Athen. Das neue Cabinet hat folgende Zusammensetzung: Kommunduros, Präsident, Minister des Auswärtigen und interi mistischer Justizminister; Sotiropulo, Finanz minister; Papamichalopulo, Minister des Junern und interimistischer Unterrichtsminister, Mauro michalis, Kriegsminister, und Bubulis, Marine Minister.

Rußland. Petersburg Der St. Peter burger Correspondent derDaily News erfährt,

daß die Tekkenzen ihre Angriffe gegen die rus⸗

sischen Linien an der Grenze der Turkmenischen Steppe mit Erfolg fortsetzen. Diese Angriffe auf allen Seiten dauern bereits seit länger als 14 Tage fort.

Aus bester Quelle hört ein hiesiger Corre spondent desB. T., daß im Senate, der höchsten russischen Regierungsbehoͤrde, ein Mani

fest vorbereitet wird, durch welches in nicht zu langer Zeit die Anfangs August zu Schloß Roptscha vollzogene Vermählung des Kaisers Alexander mit der Fürstin Katharina Dolgorucki dem Lande mitgetheilt werden soll. Der jüngst nach Livadia berufene Oberprokureur des heiligen Synod, Geheimerath Pobedonoszew, soll das betreffende Manifest im vorläufigen Wortlaute zusammengestellt haben. Man glaubt, daß diese Veröffentlichung schon bald erfolgen wird, da sich nunmehr mit Gewißheit herausstellt, daß der Kaiser in Livadia kurz hintereinauder zwei mal von leichten Schlaganfällen betroffen wurde. Lähmungen, welche die Aerzte befürchteten, traten nicht ein, doch ist man fortgesetzt über den Zu⸗ staud des Kaisers sehr besorgt. Großfürst Wla⸗ dimir begibt sich ebenfalls nach Livadia.

Aus Stadt und Land.

Friedberg, 27. Oet. Unser gestern beendeter diesjähriger Herbst-Fohlen- und Pferdemarkt schien bei seiner Eröffnung von ungünstiger Witterung benachtheiligt zu werden, nachdem aber gegen Mittag das Wetter sich gebessert hatte, nahm der Marktverkehr den erwünschtesten Verlauf und wurden zahlreiche Käufe abgeschlossen; auch der zweite Tag ließ Nichts zu wünschen übrig. Bei der am Vormittag stattgehabten Auswahl und Prämiirung der von Landwirthen der Umgegend zur Schau gestellten selbstgezüchteten Fohlen waren wahrhafte Prachtexemplare vorgeführt und erregte das ganze Schauspiel das leb hafteste Interesse und Beifall der zahlreich zu demselben herbeigeströmten Zuschauer sowohl, als der mit der Prämütrung betrauten Commission. Die Fohlen nach verzeichneter Züchter wurden prämiirt: a. Für andert⸗ halbjährige Fohlen: Pachter Rullmann in Stammheim,

N. Eiser in Muschenheim, S. Schaubach in Nieder-Esch⸗

bach, L. Müller auf dem Löwenhof, Bürgermeister Heyer in Wölfersheim, W. Puth in Okarben, H. Keller in

Dorheim, Joh. Rahn in Nieder-Wöllstadt, H. Bausch in

Nieder-Florstadt, Callenbach auf dem Flensungerhof, W. Hofmann in Wölfersheim, Bürgermeister Veith in Ilbenstadt. b. Für Saugfohlen: H. Hill in Okarben, W. Straßheim in Griedel, P. Best in Bruchenbrücken, Chr. Hofmann in Wölfersheim, Fr. Strauch in Bönstadt.

T. Friedberg. Am letzten Sonntag fand im Hotel Trapp die erste Versammlung des vom landwirthschaft lichen Bezirksverein Friedberg mit Beschaffung von Kosten⸗ anschlägen, Rentabilitäts-Verechnungen und Statuten⸗ Entwürfen für Genossenschafts-Molkereien beauftragten Comité's statt, und wurden in mehrstündiger Berathung die ersten zu ergreifenden Maßnahmen festgestellt.

h. Friedberg. Das erste Winter-Concert des Musikvereins findet Sonntag den 7. November statt und kommen darin u. A. die prächtige Composition Erlkönigs Tochter von Niels W. Gade, sowie einige reizende Lieder von Hauptmann zur Aufführung. Die Soli im Erlkönig sind von Fräulein Hartmann(Sopran) und Fabrikant Geißell(Baß) aus Hanau, die noch von früher her bei uns in bestem Andenken stehen, gütigst übernommen und werden uns unsere Gäste noch durch weiteren Vortrag einiger Lieder erfreuen. Wir zweifeln nicht, daß der Verein uns einen sehr genußreichen Abend verschaffen wird und hoffen, daß seine Bestrebungen immer mehr dazu beitragen mögen, ihm neue Freunde und Mitglieder zuzuführen.

k. Assenheim, 25. Oet. Heute verunglückte ein Arbeiter an der Bahnstrecke zwischen hier und Bönstadt wahrscheinlich durch eigene Schuld beim Ausladen der Erdwagen und blieb auf der Stelle todt.

Darmstadt, 15. Oet. Aus den Verhandlungen der gestern dahier stattgehabten Ausschußsitzung der Vieh Versicherungs-Anstalt für das Großherzogthum Hessen heben wir bervor, daß der Beitrag für das am 1. Nov. l. J. beginnende 2. Semester des Versicherungsjahres 1880/81 für Rindvieh auf Pf., für Pferde, außer den obligatorischen Zuschlägen nach den verschiedenen Beschäftigungsklassen, auf 3 Pf.(Normaltarif) von einer Mark Versicherungskapital bemessen wurde, und daß die nächste ordentliche Generalversammlung der Anstalt, in welcher u. a. auch der Ausschuß für die Provinz Ober bessen neu zu wählen, am 4. Nov. l. J. zu Gießen im Hötel Kuhne stattfinden soll.

Mainz, 24. Oet. Seit lange hat man kein so rasches Wachsen des Rheines beobachtet wie seit zwei Tagen. Vorgestern hatten wir am Pegel noch 1.70 Meter, gestern Vormittag 1.90 Meter, gestern Mittag 2.00 Meter, am Abend 2.50 Meter und heute Vormittag 3.00 Meter.

Es fehlt nur noch ein Weniges und das Wasser bespült die Ufer. Die Witterung hat übrigens seit heute einen gewaltigen Umschlag genommen, während wir in der lverflossenen Nacht den ersten Schneefall hatten, war heute der Himmel wieder vollständig klar und heiter und es stellte sich Frost ein.

Mainz, 25. Oet. Die Befürchtung, daß das Wasser des hochangeschwollenen Rheines über seine Ufer treten werde, ist bereits zur Wahrheit geworden; am sog. Fisch⸗ thor sind die Ausladeplätze für Kohlen ze. bereits uͤber⸗ schwemmt. Der Pegel zeigte heute Mittag 3.50 Meter. Das Wasser steigt nur noch langsam, aber trotzdem be⸗ ginnen sich seit beute Vormittag 10 Uhr die Keller der Rhein- und Loöbrstraße schon mit Wasser zu füllen; man ist überall mit dem Bergen der Kellervorräthe beschäftigt. Nachrichten per Draht von Mannheim meldeten gestern

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ein Steigen von 5.25 auf 7.12 Meter, heute erfahren wir von dorten, daß das Wasser sich gestellt hat und bei

anhaltender trockener Witterung kein weiteres Steigen zu

befürchten ist. Main und Neckar scheinen viele Verwüst⸗ ungen in den Niederungen angerichtet zu haben, denn

ihre Wasser führen Zweige, Bäume, Heu ꝛc. hier an der

Stadt vorüber.

Mainz. Eine Diebsbande, aus 8 Personen bestehend, wurde denM. N. zufolge vor einigen Tagen in einem einsamen Hause bei Winkel am Rhein in dem Moment festgenommen, als die Gesellschaft bei einem Schmause, welcher von einem gestohlenen Schwein bereitet war, bei⸗ sammen saß. Bei der Durchsuchung des Hauses wurden bedeutende Vorräthe gestohlener Gegenstände aufgefunden, u. A. auch eine Menge Goldsachen, welche vor länger als einem Jahre hier gestohlen wurden. Die Bande, an deren Spitze ein Frauenzimmer stand, hatte im Laufe der Zeit sämmtliche Orte am Rhein unsicher gemacht.

Allerlei.

Gotha. Vor einigen Tagen ist ein Bubenstreich auf der Thüringischen Eisenbahn ausgeführt worden, indem ruchlose Hände in der Nähe des Vahnhofes Gotha am Viaduet Nachts einen großen behauenen Sandstein auf die Schienen gewälzt hatten. Nur durch die Bahn⸗ räumer der Maschine des Berliner Nachtschnellzuges ist derselbe erfaßt und glücklicherweise unschädlich gemacht worden, anderntheils würde, bei der bedeutenden Höhe des Viaducts, eines der entsetzlichsten Eisenbahnunglücke herbeigeführt worden sein, wenn der Zug mit seinen Insassen Nachts aus der schwindelnden Höhe hinabgestürzt wäre. Die Direction der Thüringischen Eisenbahngesell⸗ schaft sichert, wie derB. C. berichtet, für die Entdeck ung des Thäters eine Belohnung von tausend Mark zu.

Hamburg, 22. Oct. E. Haarburger, welcher be⸗ kanntlich der hiesigen Vereinsbank mit 165,000 M. durch⸗ ging, ist nach einer hier eingetroffenen offiziellen Depesche bei seiner Landung in Alexandrien sammt seiner Geliebten, Bertha Cohen, festgenommen worden.

New⸗Rork. Nachrichten vom 23. October zufolge ist die Stadt Iquique(in Peru) fast gänzlich niedergebrannt.

Landwirthschaftliches.

Die heurige Ernte ist in unserer Gegend eine recht befriedigende gewesen und hat unseren Landwirthen eine reiche Einnahme an die Hand gegeben. Wir haben keine Sorge, daß sich Gelegenheit bietet, diese Einnahme zu verwenden; wohl aber befürchten wir, daß sie nicht auf zweckmäßige Weise verwendet wird. Ist es ja doch eine alte Erfahrung, daß die Landwirthschaft, wie alle Erwerbszweige deren Gewinn und Verlust zum großen Theil vom Zufall abhängen, nicht zu sparen weiß; der Ueberfluß wird vergeudet, am Mangel ist daun Gott und die Regierung schuld. Die Wirthe haben diesen Herbst eine recht gute, Kirchweih gehabt; auch sonst wird es schwerlich an an deren Festlichkeiten fehlen, um Boden, Keller und Geldbeutel zu putzen. Und doch ist manche Gelegenheit geboten, den Ernte-Ertrag besser zu verwenden. So manche Lappenschuld ist diesen Herbst vielleicht noch billig abzutragen im nächsten Herbst löscht sie schon das Feuer auf dem Herd und frißt Haus und Hof. Mancher Bauer läßt heuer im Wirthshaus das Gold in der Tasche klingen und gehören ihm nächstes Jahr, weil er Zins und Steuer nicht bezahlte, nicht mehr die Ziegel auf dem Dach und die Kuh im Stall. Ist's aber nicht an dem, so braucht es noch lange keinen alten Topf, um das Geld zu vergraben, und keinen Unterhändler, um es auszuleihen. Wie wäre es, wenn die Mist⸗ pfütze im Hof einmal ordentlich gepflastert und hergerichtet würde, bevor noch Jemand darin ersäuft; ich meine auch, auf den Aeckern wäre die Mistjauche besser als im Hofsumpf und auf der Straße. Oder, wie wäre es, wenn wir, weil wir einmal Geld haben, drainiren ließen; nothwendig wäre es schon ewig laug und gut ist es auch, und weil wir doch bald die Flur zusammenlegen müssen, so ist besser vorher als nachher drainirt. Zusammenlegen m üssen? ei nun, mit Gewalt soll Keinem ein neu Ge⸗ wand geschenkt werden; wem seine Lappen und Flicken besser gefallen, mag sie behalten, zum Fechten stehen sie auch besser. Oder soll das Geld doch einmal anders angelegt werden, daß es auch tuͤchtig Zinsen trägt, da meine ich, gäbe es gar nichts Besseres, als daß der Junge dafür etwas Tüchtiges lernt. Wenn er auch weiter gar Nichts lernt, als tüchtig Rechnen, so bringt ibm das im Leben schon manchen Vortheil.

Der Junge mag freilich Nichts davon wissen,

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