getheilten Zusammenstoßes zwischen einer auf einem Uebungsmarsche begriffenen Compagnie und einer bewaffneten Bande in der Nähe von Plewlje wurden Streifzüge angeordnet, bei welchen die Banden, von denen die eine sich einer Hammel⸗ heerde bemächtigt hatte, bereits zerstreut gefunden wurden. Seither ist die öffentliche Ordnung un- gestört geblieben. Die Truppencommandanten traten sofort mit den türkischen Behörden in's Einvernehmen.
Pest. Das vom ungarischen Finanzminister für Szegedin und die Theißregulirung mit der Creditanstaltsgruppe vereinbarte Anlehen per 40 Millionen effectiv, ist vierprocentig. Außerdem find 2 pCt. für Treffer reservirt; der Haupttreffer beträgt 100,000 fl. Die Titres haben die Form von Hypothekarbriefen. Die Creditanstaltsgruppe übernimmt vorläußg 20 Millionen six und behält sich für die restlichen 20 Millionen die Option vor.
Frankreich. Paris. Der„Soir“ erfährt, der Ministerrath habe entschieden, daß, wenn die Prüfung der Hartmann betreffenden Documente dessen Identität dargethan und das Verbrechen festgestellt haben sollten, die französische Regierung der Auslieferung Hartmann's zustimmen werde.
Großbritannien. London. Die„Times“ dementirt das Gerücht von einer nahe bevor- stehenden Auflösung des Parlaments und fügt hinzu, die Auflösung trete schwerlich vor Schluß der gegenwärtigen Sesston ein, wenn die Regierungs- vorlage, betressend die Verhinderung der Obstruc tion durch die Opposition unterstützt werde.
Türkei. Konstantinopel, 25. Febr. Der britische Consul Blunt in Solonichi erhielt neuerdings eine Mittheilung des Obersten Synge aus Niko, worin derselbe um Uebersendung von 15,000 Pfund bittet.
— 25. Frbr. Die Polizei saisirte bei einem Individuum, welches sich Papadopulos nennt und unter britischem Schutze zu stehen vorgiebt, Bomben und Höllenmaschinen. Man vermuthet, daß ein Attentat auf den Sultan beabsichtigt war. Mehrere Personen wurden compromittirt. Untersuchung ist eingeleitet.
Rumänien. Bukarest, 24. Frbr. Die Kammer der Deputirten nahm den Organisations- Entwurf für die Dobrudscha mit einem Amen- dement an, wonach das Grundeigenthum bis zum Zustandekommen eines Special-Gesetzes nach den türkischen Gesetzen zu behandeln ist.
Rußland. Petersburg. Der Wiener Berichterstatter des„Daily Telegraph“ meldet von hier: Ich vernehme aus guter Quelle, daß den Tag nach der Explosion im Winterpalast, Nach- mittags, nach dem Dankgottesdienst in der kaiser- lichen Capelle ein Conseil abgehalten wurde. Diesem Conseil wohnten die begünstigteren und intimeren Berather des Zaren, sowie der Thron- solger, Fürst Gortschakoff und Fürst Usupoff bei. Der Kaiser, welcher sich in einem Zustand großer Aufregung befand, kündigte seinen festen Entschluß an, zu Gunsten seines Sohnes abzudanken, ob- gleich dessen liberale Tendenzen die gegenwärtige Agitation aufgemuntert hätten. Sein eigenes System habe jedoch augenscheinlich flasco gemacht und bleibe ihm nichts Anderes übrig, als seinen Sohn zu ersuchen, ihm die Last der Regierung abzunehmen und sein neues régime zu erproben. Der Thronfolger war aufs Tiesste bewegt und bat seinen Vater sußfällig, seinen Entschluß reiflich zu erwägen. Das gesammte Conseil schloß sich den Bitten des Thronfolgers an. Nach einer über- aus bewegten Scene ließ sich der Kaiser über— reden, für den Augenblick wenigstens keinen Schritt in dieser Richtung zu unternehmen, allein er scheint seine ursprüngliche Absicht darum nicht auf— gegeben zu haben.— Offenbar in Verbindung hiermit steht, was ein Petersburger Correspondent des„Tagebl.“ meldet: Nachstehendes Gerücht beschäftigt seit gestern aufs Lebhafteste die Ge— müther der Wenigen, denen es bisher bekannt geworden. In der Druckerei der zweiten Abtheilung und der kaiserlichen Kanzlei für Gesetze und Ukase, sollen bereits seit vierzehn Tagen besonders hier— zu Auserwählte und als zuverlässig bekannte
ordnet werden.— Der Krieg der dritten Coalition verlief
sachen beschäftigt sein. Da das ganze Unter⸗ personal an Ort und Stelle verpflegt und auch Nachts nicht herausgelassen wird, konnte das Factum völlig verborgen bleiben. Ueber den Inhalt der Drucksachen herrschen jedoch nur Vermuthungen. Man glaubt, es handle sich um Reformen, ausgearbeitet vom Minister Walujeff, mit denen der Kaiser am Jubiläumstage sein Volk beschenken und überraschen wolle. Durch die mittlerweile stattgehabten Ereignisse im Winter palais sei jetzt Alles aufs Unbestimmte hinaus- geschoben. Ich theile das ganze Gerücht genau so mit, wie es mir von verschiedenen Seiten er- zählt und versichert wurde.
— 26. Frbr. An Stelle des General gouvernements in Petersburg tritt eine Ober- leitungs-Commission unter selbständiger Direction und Führung des mit weitesten Vollmachten aus- gerüsteten Generals Grafen Loris Melikoff, um energisch dem revolutionären Treiben ein Ende zu machen. Der bisherige Generalgouverneur bleibt Truppencommandant. Der Commission ge— hören Delegirte verschiedener Ressorts an, welche den Anordnungen des Chefs Folge zu leisten und die Mitwirkung der bezüglichen Ressorts zu er; leichtern haben.
— Bezüglich des Attentats erfährt man weiter: Der vierte noch immer verschwundene Tischler war dem Obertischler des Palais von einem bekannten Tischler aus der Stadt besonders empfohlen und daraufhin vor zwei Monaten engagirt worden. Bei seiner Vernehmung hat jetzt der Stadt. tischler ausgesagt, daß er seinen Protegé gar nicht gekannt und ihn nur in's Palais empfohlen habe, weil jener ihm dafür ein Douceur versprochen und auch nach vollzogenem Engagement zehn Rubel bezahlt habe. Danach kann nunmehr über den Urheber des Attentats kein Zweifel mehr herrschen. i
Amerika. Washington, 26. Frbr. Der Senat hat nach lebhafter Debatte die Ab- schaffung des Gesetzes, welches den ehemaligen Conförderirten den Eintritt in den Dienst der Unions-Armee untersagt, genehmigt.
New Nork, 25. Frbr. Die in Utika zusammengetretene Convention des Staates New⸗ Nork sprach sich zu Gunsten der Präsidentschafts- Candidatur Grants mit einer Majorität von 37 Stimmen aus.
Aus Stadt und Land.
Friedberg.(Verspätel). Am 13. Febr. d. J. sprach Rechisanwalt Curtman im hiesigen Volksbildungs verein. Eine zablreiche Versammlung lauschte in gespanntester Auf⸗ meiksamkeit und mit dem lebhaftesten, stels sich sieigernden Interesse dem anderthalbstündigen Vortrage. Man ist zwar gewohnt, von dem Vortragenden nur Vortreffliches zu hören; der diesmalige Vortrag ist aber wohl das Vollendeiste unter dem vielen Guten, was wir von demselben schon zu böten Gelegenheit hatten. Redner hatte sich eine gar übe Zeit aus der deulschen Geschichte ausgewähltz es war der Fall des heiligen römischen Reiches, das„weder heilig, noch römisch, noch reich“ war. Es mußte unlergeben. Seine Zeit war gekommen, das Reich mit den mehr als 300 Staaten und Stääichen und Reichskö pern in ihrer bei dem größten Theile gar armseligen Selbstherr⸗ lichkeii. Es batte keine Berechtigung mehr in der geschicht⸗ lichen Entwickelung der europäischen Staaten. Wir weinen seinem Hinscheiden keine Thräne des Bedauerns nach. Aber wie es unterging welche Zeit der Schande und der Schmach das war, das wußte Curiman meisterbhaft zu schildern. Und wenn Redner in treffenden, markigen Worten Per— sonen und Zustände nach Gebühr kennzeichnete, da senkte wohl mancher Zuhöter beschämt die Augen, als wäre es am besten in den Boden zu versinken, während einem andern unwillkübrlich die Faust sich ballte, als müßte sie dreinschlagen bei all der Niederträch ligkeit und Schurkerei die sich da breit und geltend machte. Im Jahr 1796 finden wir Oesterreich sast allein im Kriege mit Frankkeich. Erzberzeg Karl kann trotz seines Feldherentalentes und einer Siege sein Vaterland nicht retten; es solgte Schlag auf Schlag. Im Flieden von Campofsormio verzichtete Oecstereich auf seine Niedetlande und auf Mailand.— Die zweite Coaluion kam gegen Frankreich zu Stande. Der Sieg ist schlüßlich auf Frankceichs Seite; der Friede zu Lüneville 1801 überlieferse das ganze linke Rheinufer an
Frankreich; die inneten Angelegenheiten Deuischlands sollien durch einen eigenen Ausschuß, der Reichsdeputation, ge-
rasch; die Gefangennehmung des österreichischen Generals; Mack bei Ulm und die Dreikaiserschlacht bei Austerlitz führten bald den Frieden von Preßburg(1805) berbei, durch welchen
Oesterreich die größten Verluste erlin. Als nun Oesterreich ganz niedergeworsen war und das Reich sich aufgelöst
Arbeiter mit der Anfertigung umfassender Druck. hatte, als der Ryeindund gegründet und seine Fürsten er⸗
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nannt waren, da kam auch Preußen, das seit dem Frieden
von Basel(1795) neutral geblieben war, an die Reihe.
Von Napoleon aufs Empörendste behandelt, erklärte Preußen 1806 an Frankreich den Krieg. Den Schlachten bei Auer⸗ flädt und Jena, bei Preußisch Eilau und Friedland folgte
am 7. Juli 1807 der Frieden von Tilsit, durch den Preußen
die Hälfte seiner Länder und fünf Mill. Menschen verlor. Unser armes Vaterland lag nun ganz und gar zu den Füßen des gewaltigen und übermüthigen französischen Imperators. Aber wenn auch Preußen gefesselt auf dem Boden lag und wenn bei seinem Falle Jämmerlichkeit und Verrath und Feigberzigkeit eine gar traurige Rolle gespielt hatten, so konnte Reoner doch schon die Morgenröthe einer besseren Zeit heranleuchten lassen. Das Land das von einem Haugwitz und Genossen an den Rand des Verderbens gebracht war, hatte auch schon Namen aufzuweisen wie Blücher, Dork, Scharnhorst, Schill, Gneisenau und Andere, die am vaterländischen Himmel bald als Sterne erster Größe glänzen sollten. Bürgermuth, Bürgerkraft und Bürgertreue knüpfen an den Namen Hans Joachim Nettel⸗ beck sich an. Eine bessere Zeit konnte, mußte kommen. Und damit die Verbindung mit unserer Gegenwart voll⸗ fiändig hergestellt ist, erfahren wir, wie der zehnjährige Prinz Wilhelm, unser jetziger Kaiser, mit dem 1. Januar 1807 in's preußische Heer eintrat. Wir freuen uns da⸗ rauf, in späteren Vorträgen Curtman's die fernere Ent⸗ wickelung unseres deutschen Vaterlandes zu hören und wünschten nur, daß sein Vortrag vom 13. Februar auch weiteren Kreisen zugänglich gemacht werden könnte.
Gießen. Als Geschworene für das 1. Quartal wurden ausgelost: 1) A. Schlörb in Schotten. 2) G. K. Steuernagel in Groß Felda. 3) W. Pfarcer VI. in Villingen. 4) F. Knöß in Freienseen. 5) A. Vorbach in Holzhausen. 6) J. Weber VI. in Eschenrod. 7) Dr. E. Dittmar in Gießen. 8) Dr. F. Weiffenbach in Gießen. 9) F. Jost in Nidda. 10) J. Fischer in Gießen. 11) J. Fritzel in Schwalheim. 12) W. Koch in Kohden. 13) N. Stamm in Sießen. 14) G. H. Fr. Laib in Gießen. 15) Chr. Liebrich daselbst. 16) J. F. Zöller das. 17) J. Gtaulich in Oberbreitenbach. 18) K. Jughardt 1. in Gießen. 19) A. v. Jungenseld daf. 20) J. Hahn daf. 21) J. Koch in Stockheim. 22) G. A. Kißner in Schotten. 23) J. H. Keck in Gießen. 24) G. Ramspeck in Alsfeld. 25) Fr. Hensel in Okarben. 26) K. H. Chr. Schulze in Gießen. 27) B. Schirmer in Alsfeld. 28) H. Walz in Vilbel. 29) W. Seuling in Gießen. 30) G. Thomas in Vilbel.
Lorsch, 23. Febr. Gestern Abend wurde auf einen aus dem Wirihshbause heimkehrenden Einwohner ein Re⸗ volverschuß abgefeuert, welcher denselben in das linke Auge traf und ihm das Nasenbein zerschmetterte. Das Auge des Verletzten dürfte für immer verloren sein, es wird sogar an dem Aufkommen des Unglücklichen gezweiselt. Die That geschah, wie man hört, in ganz überlegter Weise und sollen Zwistigkeiten im Wirthshause die Ursache dar von gewesen sein. Der Thäter ist verhastet und wird de⸗ gerechten Strafe nicht enigehen.
Mainz. Vor mehreren Jahren wurde in unserer Nachbarschaft ein bedeutender Diebstahl ausgeführt und suchte sich der Dieb durch die Flucht nach Amerika seiner Strafe zu entziehen. Vor Kurzem kam der damalige Flüchtling wieder hierher und meldete sich bei Gericht, aber nicht um sich verhaften zu lassen, sondern in Amerika batte sich bei ihm die sonderbare Idee festgesetzt, daß durch Einführung der neuen Justizgesetze, seit dem 1. October 1870, auch solche Verbrechen der Verjährung anheimge⸗ jallen seien. Aus seinem Irrthum kam der Betreffende dadurch, daß die Behörde, bei welcher er sich gemeldet, so⸗ fort seine Verhaftung verfügte, so daß er fich demnächst hier zu verantworten haben wird.
Mainz, 25. Febr. Der Rhein ist seit gestern wieder bedeutend gewachsen und steht ein weiteres Steigen bevor. Um zehn Uhr zeigte der Pegel eine Höhe von 2 Meter 56 Centimeter, um 12 Uhr bereits 2 Meter 60 Centi⸗ meter.
Allerlei.
Straßburg, 23. Febr. Der Polizei ist es trotz aller Anstrengungen nicht gelungen, der Persönlichkeit, welche Nachts auf der Straße Mädchen mit Dolchstichen ver⸗ wundete, habhaft zu werden. Der Geheimnißvolle soll sich nach Colmar begeben haben.
Pilsen, 21. Febr. Heute hat sich in der Sachsen⸗ vorstadt ein enisetzliches Familiendrama eteignet. Die Frau des Mauters Simon Rak, die an momentanen Geistes⸗ flöcungen gelitten haben soll, hat in Apwesenheit(hres Mannes ihren jüngsten Kindern, dem vierjäbrigen Wenzel und zweijährigen Anion, mit einem Rasirmesser die Hälse durchschnitten. Hierauf begab sie sich auf den Boden und erhenkte sich an einem Balken.
Göschenen, 25. För. Vom Gotthardtunnel ist nur noch eine Masse von 33 Meter zu durchbohren. Es wird rastlos gearbeitet. Die Verhältnisse sind der Arbeit günstig. Der Durchschlag erfolgt am 1. März.
Handel und Verkebr.
Frankfurt, 21. Febr. Marktbericht. Heu⸗ und Strohmarkt. Heu kostete je nach Qual. M. 2.— 3.50, Stroh M. 2.—3.40. Butter im Großen 1. Qual. das Pfd. 90 Pf., 2. Qual. 85 Pf., im Detail 1. Qual. M 1.20 2. Qual. M. 1.10. Eier, 100 Stück M. 6 50 bis 8., Kartoffeln M. 8—10, 100 Kilo, Ochsenfleisch das Pfd. 70 Pf., Kuh-, Rind- und Farrenfleisch 45—60 P.., Kalbfleisch 44—55 Pf., Hammelfleisch 40— 65 Pf.
Schweinefleisch 65-70. Weißkraut das Stück 20— 25
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