Ausgabe 
26.2.1880
 
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Grade aufgeregt. Hänel beantragt, den Chef der Armiralität als verantwortlichen Stellvertreter des Reichskanzlers aufzufordern, einen Bericht über die Katastrophe vorzulegen. Auf Ersuchen Lasker's willigt der Antragstiller ein, daß der Antrag ge- trennt vom Etat zur Debatte kommt. Der Marine Etat wird genehmigt. Der Etat der Reichs- Justiz verwaltung wird ebenfalls nach einiger Debatte genehmigt. Bei dem Etat des Reichsschatzamtes

vertagt sich das Haus auf morgen. Ausland.

Oesterreich⸗Ungarn. Pest. Das Amts- blatt publicirt die Enthebung Mazuranic's und die Ernennung des Grafen Ladislaus Pejacevich zum Banus von Kroatien.

Serajewo, 24. Febr. Landstreicher in der Umgebung von Plevlje schossen auf österreichische Patrouillen, ohne Jemand zu verwunden. Von den Thätern befinden sich vier in Untersuchungshaft.

Frankreich. Paris. Bezüglich der bier erfolgten Verhaftung eines russischen Unterthan werden derAgence Havas folgende Details be⸗ richtet: Die Identität des Verhafteten war eine Zeit lang schwierig zu erkennen, doch scheint es als Thatsache betrachtet werden zu können, daß derselbe Hartmann heißt, russischer Unterthan ist und der Theilnahme an dem Moskauer Eisenbahn Attentate verdächtig erscheint. Das Ersuchen um die Auslieferung desselben ist officiell gestellt, muß aber durch reguläre Requisitionen und Actenstücke unterstützt werden, die jetzt erwartet werden. Voll- ständig unbegründet ist die Nachricht, daß einige Deputirte Schritte für die Freilassung des Ver hasteten gethan hätten. Die von der russischen Regierung in Auesicht gestellten Schriftstücke, um die Schuldbarkeit Hartmann's darzuthun, sind ein⸗ getroffen und sollen nunmehr der französischen Regier⸗ ung übergeben werden. Das Gerücht, die deutsche Botschaft würde sich in diese Angelegenheit ein- mischen, weil Hartmann sich Anfangs für einen preußischen Uaterthanen ausgegeben, entbehrt der Begründung.

23. Febr. Deputirtenkammer. Der Ge⸗ setzentwurf betreffend die Reorganisation des oberen Rathes für den öffentlichen Unterricht, wird mit den vom Senat dazu beschlossenen Abänderungen angenommen. Bei Fortsetzung der Berathung über den Zolltarif führt Rouher aus, daß die Zunahme des Reichthums in Frankreich und England seit dem Abschlusse der Handelsverträge hervorgetreten sei. Nach Rouber's Rede wird die Generaldis⸗ cussion über den Zolltrarif geschlossen. Die artikel⸗ weise Berathung wird nächsten Montag beginnen.

23. Febr. Der deutsche Botschafter Fürst Hohenlobe ist beute Vormittag nach Berlin abgereist.

Großbritannien. London. Meldung derTimes aus Kabul vom 22. Febr.: Roberts schickte Mustaufsi Habibullab, ehemaligen Finanz- minister Sdir Ali's, nach Ghuzni mit Schreiben, nach welchen die britische Regierung geneigt wäre, unter gewissen Beschränkungen als Herrscher von Afghanistan irgend einen Sirdar anzuerkennen, über dessen Person die versammelten Volksvertreter sich zu einigen hätten. Gleichzeitig lud der General die Fübrer der Aufständischen zur Besprechung der Angelegenheit in Kabul ein.

Standard bezeichnet das Gerücht einer unmittelbar bevorstehenden Auflösung des Parla- ments als verfrüht, bemerkt jedoch, daß, wenn die Geschäfte der gesetzgebenden Körperschaft auch ferner⸗ hin systematisch getrennt würden, der Regierung keine andere Wahl bliebe, als an die Wähler⸗ schaften zu appelliren.

24 Febr. Unterhaus. In der heutigen Sitzung wird die irische Nothstandsvorlage in dritter Lesung unter Ablehnung sämmtlicher Amendements angenommen.

Die englische Regierung hat bei mehreren europäischen Cabinetten(auch Oesterreich- Ungarn) die Veranstaltung einer internationalen Enquete über Zuckerexportprämien vertraulich angeregt.

Türkei. Constantinopel. Die Pforte beschloß, den Botschaftern der Mächte zu notificiren, daß sie die aus den Dragomans der Botschaften

gebildete Commision zur Prüfung der neuen türk⸗ ischen Justizgesetze nur insoweit anerkenne, als die

sich auf die Bereinbarlichkeit der neuen Gesetze mit den zwischen der Türkei und den Mächten bestehenden Verträgen beschränke. Die Pforte müßte eine weitere Ingerenz der Commision in fragliche Gesetze als mit der Souveränetät und Unabhängigkeit der Türkei collidirend entschieden zurückweisen.

Im Anschluß an die Nachricht von der Gefangennahme des Obersten Synge ersährt die Pol. Corr. aus Salonichi, die türkische Regier ung habe den Gouverneur angewiesen, sich wegen aller nothwendigen Schritte mit dem englischen Consul in Einvernehmen zu setzen. Letzterer traf mit Unterstützung der türkischen Behörden Maß- nahmen zur Befreiung des Obersten. Zwei eng- lische Avisos bewachen die Küste des Golfs.

Ia Beantwortung der letzten griechischen Memoranden eröffnete Sawas Pascha den griechi⸗ schen Bevollmächtigten, die Pforte schlage eine Grenzlinie vor, welche in ihren äußersten Punkten von Theben am ägäischen und von Anino am jonischen Meere ausgeht und überlasse die Fest⸗ stellung derselben in ihren Zwischenpunkten den beiden verhandelnden Parteien.

Rußland. Petersburg. DerRegier⸗ ungsbote meldet bezüglich der Explosion im Winter palais, die begonnene Untersuchung habe gewisser⸗ maßen positiv ergeben, daß das Verbrechen durch eine Person begangen worden sei, welche für einen Arbeiter gegolten habe. Es sei Grund vorhanden, einen Zusammenhang zwischen dieser Person und einigen bereits vor der Explosion verhafteten Indi- viduen zu vermuthen.

Man will in der Stadt von einem Briefe wissen, den der Kaiser nach der Explosion am

Prüfung

20. d. Abends wiederum in seinem Schlafzimmer

gefunden hat des Inhalts: der Kaiser solle nicht glauben, daß er sich am Jubiläumstage, 2. März, die silberne Krone würde aufsetzen können, wohl aber würde Petersburg am Abend des Jubiläums- tages eine Illumination zu sehen bekommen, wie die Residenz sie noch nie erlebt. Die Bevölkerung befürchtet in Folge dessen Brandstiftungen. Diese Furcht ist vermehrt durch den Brand der Mos- kauer Forstakademie, welchem man durch Studenten; Arretirungen zu vorgekommen sei. Im Laufe des Tages wurden seitens der Polizei thatsächlich be- sondere Vorsichtemaßregeln gegen eine Feuers brunst in Höfen und Häusern anbefohlen. Den Dworniks hat man doppelte Wachsamkeit eingeschärft. In jeden Hofraum müssen große Bütten mit Wasser zum sofortigen Gebrauch bereustehen.

Bezüglich des in Paris verhafteten Russen erfährt man: Einen Monat vor dem Moskauer Attentat verlangte ein Mann bei einem Moskauer Uhrmacher und Optiker einen elektrischen Apparat für wissenschaftliche Experimente. Da der Käufer die Summe nicht zahlen konnte, so bot er dem Verkäufer eine goldene Uhr im Werthe von 1400 M. an. Dieser ging auf den Handel ein und der Käufer nannte einen falschen Namen. Der elektrische Apparat wurde nach dem Attentat gefunden und der Verkäufer ermittelt, allein derselbe hatte die Uhr bereits weiter verkauft. Alle Juweliere und Uhr- macher von Moskau wurden von dem Falle in Kenntniß gesetzt und einige Tage darauf wurde die Uhr von der Polizei angehalten, allein kein einziger Moskauer Uhrmacher konnte sich erinnern, dieselbe zuerst verkauft zu haben. Weitere Nach forschungen führten endlich zu der Entdeckung, daß ein Uhrmacher in Petersburg dieselbe für den Preis von 800 Rubel an eine Petersburger Dame verkauft hatte, was diese auch bestätigte und zwar mit der Bemerkung, sie habe die Uhr einem ge⸗ wissen Hartmann, Bruder oder Verwandter einer in ganz Petersburg wohlbekannten Persönlichkeit, gegeben. Gleichzeitig übergab auch die Dame der Polizei eine Photographie des Genannten und sowohl der Mann, welcher den eleltrischen Apparat verkauft als auch derjenige, welcher das Attentats häuschen vermiethet hatte, erkannten in dieser Photographie dieselbe Person.

Aus Stadt und Land. S. Friedverg, 24. Febt. In der gestern stattgebabten

der Estampen⸗

öffentlichen Sitzung des Ge meinderathes wurden die am 18. d. M. neugewählten Mitgliedet des Gemeinderathes

L. Waas, S. Falck, E. Hirsch und J. Koob von dem

Bürgermeister verpflichtet und in den Gemeinderatb ein

gefübrt. Es fand darauf die Wahl der verschiedenen Com⸗

miistonen stalit und zwar wurden in die Baucommusion gewäblt die Gemeinderäthe J. Pfeffer, G. Hieronimus

und E. Nutbs; in die Einquarkirungscommisston Fr. Reuß, J. Huber und J. Koob; in die Finanzcommhston A. Stein⸗ däußer, Fr. Hecht und E. Hirsch; in die Unterstützunas⸗

wohnsitzcommission F. Reuß, E. Rutvs und G. Trapp II.; in die Landwirihschaftscommüsion K. Reuß. Fr. Reuß und

G. Falck; in die Markicommission J. Huber, W. Ferisch. 1 L. Waas und J. Pfeffer und in die Friedhofscommiston J. Pfeffer, G. Dieronimus und E. Rulbs. Den Vorsitz

in sjämmilichen Commissionen führt nach der Gemeinde⸗ ordnung der Bürgermeister. Auf mehrere Zuschriften be⸗ züglich Sekundärbayn⸗ Angelegenheiten wurden die er⸗ forderlichen Eiwiedetungen festgestellt.

Infanterieregiment Nr. 116 in der dem Reichstag zuge⸗

gangenen Münärnovelle vorgesehen ist, wurde beschlossen, wegen Verlegung dieses dritten Bataillons in unsere

Siadt die erforderlichen Schritte zu thun und wurden

zwei zu diesem Zwecke von dem Bürgermeister vorgelegte

Vorstellungen an den Großherzog und den Kaiser von dem Gemeinderatih genehmigt. Auf eine Eingabe der freiwilligen Feuerwehr wurde derselben für Instandstellung ihrer Uniform und Requistten eine einmalige Unierffützung von 300 M. bewilligt; über einen weiter beantragten jährlichen Zuschuß soll bei Fesistellung des Voranschlags Beschluß gefaßt werden. Ein Gesuch des G. Magnus um weltere pachiweise Ueberlassung eines flädtischen Grund⸗ stücks um den großen Brunnen in der Vorfadt wurde bewilligt, die Arbeiten und Lieferungen für Cbaussirung des Mitielwegs von der Rosbacher Cyaussee bis zu der Ock⸗ fladter Grenze wurden den Accordanten zugeschlagen. Aus der vorigen Sitzung ist noch nachzutragen, daß auf Ansuchen des Gemeindevorstands die Betriebs- Inspektion der Main⸗Weser⸗Bahn die Auffiellung einer Laterne vor dem Fauerbacher Tyor angeordnet hat.

Oftheim. Am verflossenen Freitag Abend erhängte sich, demW. B. zufolge, in seiner välerlichen Wohnung dahier ein junger Mensch von 16 Jahren. Derselbe soll bei einem Butzbacher Schlosser in der Lehre gestanden haben. Die Veranlassung zu diesem traurigen Schritt ist uns unbekannt.

Büdingen, 21. Febr. Vergangene Nacht ertönte nach 12 Uhr der RufFeuer und brannte die Bedachung des Fürsilichen Eiskellers ab.

Odenhausen bei Gießen, 21. Febr. An der Leich e einer vorgestern hier beerdigten Frau wurde festgestellt, daß Letztere an Fleckypbus gestorben war. Jore Kinder sind am Recurtenesteber erkrankt gewesen. In dem von diesen Personen bewohnten Hause befindet sich auch die Herberge füt die durchreisenden Handwerksburschen ꝛc., durch welche die genannten Krankheiten offenbar eingeschleppt worden sind. Die umfassendsten Sicherheiismaßregeln sind sofort angeordnet worden.

Worms. Ein 15jähriger Schüler des hiesigen Gymnasi⸗ ums, welcher im Besitz mehrerer Schußwaffen und eines Dolches befunden wurde und welcher, nach gemachten Aeußerungen zu schließen, beabfichtigt haben soll, feinen Lebrer, mit dem er auf gespenntem Fuß lebte, zu er⸗ schießen, wurde auf Conferenzbeschluß aus obiger Anstalt entlassen.

Allerlei.

Han au. Die schon mehrsach angeregte Idee, in unserer Stadt eine Local⸗Gewerbe⸗Ausstellung zu veran⸗ stal ten, soll gelegen ilich des Verbandeschützenfestes, welches im Sommet hier abgehalten werden wird, zur Verwick⸗ lichung gelangen. Eine günstige Voraussetzung dafür bie iel vor Allem unser weltbekanntes Kunsigewerk in Edelmetallen mit den verschiedenen dazu gehörigen Branchen der Gemmen⸗ und Kameenschneiderei, der Gravute, des Guillochitens, Email- und Eluis fabrication. Dazu kommen die Teppichweberei, die seinen Eisengußwaaten, die Tabaks⸗ und Cigarren⸗, die Leder⸗ und Maschinen⸗ fabtiken die Paramentienstickerei, Sirumpswaaren, sowie als Unika die Diamanischleiferei, die Herstellung akuftischer Apparate und eine Scheideanstalt für Platina. Alles das verspricht dem Unternehmen einen glücklichen Erfolg.

Ellwangen, 21. Febr. In dem benachbarten Bühler⸗ thann wurden geftern die Frau und die Schwägerin eines Baue n erschlagen aufgesunden. Das Fehlen einer Summe läßt auf Riubmocd schließen. En Handwerks⸗ butsche ist det Toat verdächtig.

Rio de Janeiro, 3. Febr. Das gelbe Fieber greift

bedeutend um sich. Innerhalb der Stadt sterben täglich

8 bis 10 Menschen. In Folge der großen Sterblichkeit an Bord der im Hafen liegenden Schiffe sind letztere vom Geflade enifernt und im Hafen zerstreut worden.

Verloasung.

Stadt Freiburg 10 Fr.⸗Loosevom Jahre 1879 Ziebung am 16. Febr. 1880. Gezogene Serien: Nr. 598 1013 1660 1825 2377 2498 3564 3707 4100 4184 4299 4467 4627 5157 6658 6986 7196 7628 8512 8607 8647 8779 8818 9091 9153 9959 10431 10642. Die Prämien- Ziehung findet am 16. März d. J. statt.

Handel und Verkehr.

Friedberg, 24. Febr. Fruchtbericht. Weizen M. 23.50 bis 24, Korn M. 20., Gerste M 18., Hafer M. 14.15. Alle Preise verstehen sich auf 100 Kilo= 200 Zollpfund.

Friedberg, 25. Febr. Wochenmarkt. Butter kostele per Pfund M. 80 90 Pf., Cier zwei Stück 13 Pf., ein Stück 6 Pf.

Da die Errichtung eines dritten Balaillons zu dem in Gießen garnisonirenden